Jubiläumslautsprecher zum 30. Geburtstag der Firma Tube Amp Doctor

Kirschgrüner Allrounder: Celestion G12TAD-30 TAD 30th Anniversary im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Die Firma Tube Amp Doctor in Worms wird 30 Jahre jung und feiert das Firmenjubiläum, wie auch schon vor fünf Jahren, mit einem streng limitierten Celestion-UK-Lautsprecher. Dieses Mal war der beliebte G12H-70th-Zwölfzöller die Ausgangsbasis für den G12TAD-30 mit seiner roten Kappe über dem Magneten.

Gitarrenlautsprecher sind ein vermeintlich langweiliges Thema. Sie sind deutlich schwieriger zu vermarkten als Gitarrenverstärker und E-Gitarren, da sie nach dem Kauf mehr oder weniger unsichtbar in Gitarrenboxen oder Combo-Gehäusen verschwinden und man einem Gitarristen daher nicht sofort ansieht, ob er seinen Lieblingslautsprecher bereits gefunden hat oder ob er sich mit dem Thema überhaupt nicht beschäftigt hat und einfach drauflos spielt.

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So trifft man immer wieder Gitarristen, die mit einer kleinen Sammlung von High-Gain-Tops im Proberaum oder Studio immer wieder über die gleiche Marshall- oder Mesa-Boogie-4×12-Box mit Vintage-30- oder Greenback-Speakern spielen und trotzdem irgendwie nicht ganz zufrieden mit dem Klangergebnis ihres Rigs sind.

Ertappt? Dann sollte dieser Testbericht mit seinen zwei kurzen Audiobeispielen genau die richtige Lektüre für dich sein.

KONZEPT

Der G12TAD-30 ist ein traditionell aufgebauter 12-Zoll-Speaker, mit 8 Ohm, 1,75 Zoll Schwingspule, dem großen 50-Unzen-H-Magneten und Retro-4-Loch-Goldsand-Chassis, 75 Hertz Bass Resonanz und 30 Watt Belastbarkeit, der in der Greenback-Lautsprecher-Familie von Celestion UK dem G12H ähnlich ist.

(Bild: Dieter Stork)

Mit seiner roten statt grünen Kappe erinnert der G12TAD-30 optisch an den aktuellen Celestion G12H-150 „Redback“, doch sollte man sich in diesem Fall nicht von der Farbe der Kappe auf dem Magneten täuschen lassen.

SOUNDS

Wie testet man eigentlich einen Lautsprecher? Ganz einfach, indem man ihn in ein Iso Cab – in unserem Fall eine „Box of Doom“ – einbaut und dann mit bereits bekannten Verstärkern und Gitarren ausprobiert.

Da der G12TAD-30, trotz seines roten Rückens, zur Familie der Greenbacks gezählt werden möchte, vergleichen wir ihn im Test mit einem echten G12M-20Watt-Greenback aus dem Jahr 1967.

Denn eben diese T1221-15Ohm-75Hz-Greenbacks werden als absolute Vintage-Speaker-Referenz unter Sammlern für teilweise horrende Preise gehandelt. Gitarristen mit viel Routine und Erfahrung im Studio schwören häufig auf genau diese alten T1221 G12M oder deren Nachfolgermodell G12H Greenback aus den Sechzigern und frühen Siebzigern oder auch auf Vintage 30 der ersten Baureihe. Und auch die junge Garde greift bei der Suche nach der perfekten Impulsantwort für die neuesten Modeling-Verstärker immer wieder auf diese Lautsprecher-Typen zurück. Irgendwas scheint also dran zu sein, an den legendären Originalen aus UK.

(Bild: Dieter Stork)

Kommen wir zur Praxis und den Aufnahmebedingungen der Soundfiles . Im Direktvergleich hören wir eine 1952er Blackguard Telecaster, die zuvor auf einem Looper-Pedal aufgenommen wurde und darüber abgespielt wird, damit immer das gleiche Signal am Verstärker anliegt. Im Test wird das Looper-Signal mit einem 1968er Marshall Tremolo 50 Plexi verstärkt. Die beiden Lautsprecher werden zwecks besserer Vergleichbarkeit jeweils nur mit einem einzigen Sennheiser MD441 aus den 70ern abgenommen, das selbstverständlich nicht in seiner Position relativ zum Lautsprecher bewegt wurde. Als Preamp diente der Neumann PMV70.

Was sich schon im ersten, schnellen Test des G12TAD-30 mit diversen Verstärkermodellen und Gitarren angedeutet hat, zeigen die Audiomitschnitte ebenso auf. Der G12TAD-30 klingt geschlossener als ein 20-Watt-Greenback, hält die Bässe straff zusammen und betont den Grundton und die tiefen Mitten im Gitarrensignal wesentlich stärker. Der Tube-Amp-Doctor-Lautsprecher ist daher für jene Gitarristen, die G12H-Greenback-Typen mögen, ebenso interessant, wie für Liebhaber des G12H 70th Anniversary, denn der G12TAD-30 findet einen sehr gesunden Kompromiss zwischen Greenback „Pappe“ und Kompression und Tiefmittenbetonung des 70th Anniversary.

ALTERNATIVEN

Klare Alternativen, weil ähnlich klingend, sind der G12H 70th Anniversary und der Heritage G12H 75Hz Greenback. Darüber hinaus ist die aktuelle Neuauflage des G12M Greenback mit 25 Watt Belastbarkeit, die ebenfalls im britischen Werk von Celestion gefertigt wird, eine naheliegende Alternative zum G12TAD-30 für weniger pragmatische Gitarristinnen und Gitarristen, die vor allem den traditionelleren Greenback-Sound für den Einsatz in alten Marshall-Verstärkern suchen. Der G12M – wie auch der originale 1967er 20 Watt G12M Greenback im Audiofile zu diesem Test – betont eher die oberen Mitten und klingt daher weniger geschlossen und etwas raubeiniger als der G12TAD-30, der 70th Anniversary und der Heritage G12H 75Hz.

RESÜMEE

Der Celestion LCE G12TAD-30, der bei Celestion hausintern mit dem eher schmucklosen Namen T4533B „Special for TAD“ gelistet wird, ist ein würdiger Jubiläumslautsprecher zum 30. Geburtstag der Firma Tube Amp Doctor. Sowohl in 1x12er-, wie auch in 2x12er- und in 4x12er-Boxen liefert der G12TAD-30 klassische, dennoch aufgeräumt klingende und daher sehr pragmatische Ergebnisse mit modernen Verstärkern, wie auch mit Amps, die auf klassischen Marshall-Schaltkreisen basieren. Es ist beinahe egal, ob man den G12TAD-30 mit einem Engl, Diezel, Bogner, Soldano oder beispielsweise einem Gladius oder einem echten alten Plexi kombiniert. Selbst bei extremen Equalizer-Einstellungen wirken die leicht komprimierten Bässe des G12TAD-30 nicht zu schlank und durch die unaufdringlichen Höhen des T4533B klingen sowohl Rock- und Metalriffs, als auch traditionelle Blues Licks ausgesprochen plausibel und musikalisch.

PLUS

  • klassische G12H-Sounds
  • günstige Alternative zum G12H 70th Anniversary
  • saubere Basswiedergabe

MINUS

  • limitiert auf 240 Stück


(erschienen in Gitarre & Bass 09/2023)

Produkt: P-90 Pickups
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