Jil’s Jam!

Walking Bass auf der Gitarre

Der Walking-Bass ist eine im Jazz stilistisch typische Art der Begleitung – wie der Name schon sagt – des Basses. Allerdings hat sich dieser Stil auch für die Gitarre etabliert und wird vorwiegend in Solo-Situationen oder für die Begleitung eines anderen Instrumentes verwendet.

(Bild: Jil Y. Creek)

Charakteristisch für den Walking Bass ist eine ununterbrochene Kette von Viertelnoten, mit der die jeweiligen Akkorde umspielt und in einer fließenden Linie miteinander verbunden werden. Auf der Gitarre wird diese Basslinie fast ausschließlich auf der tiefen E- und A-Saite gespielt. Zusätzlich werden auf den höheren Saiten weitere Akkordtöne, rhythmisch meist auf den Off-Beats (also 1+,2+ etc.), hinzugefügt. Für die rechte Hand bedeutet dies, dass die Basstöne wie gewohnt mit dem Plektrum angeschlagen werden, während Mittel-, Ring- und der Kleine Finger für die Töne auf den übrigen Saiten zuständig sind. Schau dir dazu am besten auch die beiden Fotos an!

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(Bild: Jil Y. Creek)

Um eine möglichst große Unabhängigkeit für tiefe und hohe Töne eines Akkordes zu erreichen, haben sich bestimmte Akkord- Voicings als besonders nützlich herauskristallisiert. Diese findest du in den Diagrammen von Beispiel 1, inklusive ihrer Herleitung (wo möglich). Das Rechteck symbolisiert den Grundton, der weiße Ton jeweils die Quinte. Diese beiden Töne müssen nicht gleichzeitig gegriffen werden, sind jedoch für den Aufbau einer solchen Walking-Bass-Linie enorm wichtig, denn: Ein neuer Akkord wird fast ausnahmslos von ihnen eingeleitet, wobei der Grundton immer vorzuziehen ist. Der Wechsel von einem Akkord zum nächsten erfolgt dann durch einen Halb- oder Ganztonschritt. Sehen wir uns nun die praktische Anwendung einer solchen Walking- Bass-Linie an. Da wir von einer für den Jazz typischen Begleitung sprechen, habe ich in den Beispielen auch die passenden Akkordfolgen verwendet.

Die Beispiele 2 und 3 stellen eine II-V-I-Verbindung in C-Dur dar, wobei Beispiel 2 beim IIm7-Akkord mit dem Grundton auf der tiefen E-Saite, Beispiel 3 auf der A-Saite beginnt. Somit ergeben sich zwei verschiedene Grundformen.

Wenn du Beispiel 3 genauer betrachtest, wird dir auffallen, dass im zweiten Takt bei Cmaj7 der dritte Basston ein E ist, die Terz des Akkordes. Man könnte hier natürlich auch die Quinte verwenden, jedoch klingt die Terz an dieser Stelle besser. Generell sind alle Akkordtöne des jeweiligen Akkordes in der Walking Bass Linie erlaubt.

In den Beispielen 4 & 5 findest du eine II-V-I-Verbindung in Moll, wieder beginnend mit dem Grundton auf der tiefen E- bzw. A-Saite. Im jeweils zweiten Takt (Cm7) wird wieder die Terz des Akkords (in Moll: eb) verwendet. Alle vier Beispiele 2 bis 5 sind so konstruiert, dass man sie in einer Wiederholung „im Kreis“ spielen kann. Dies dient jedoch nur zur Übung, da in der Praxis mit verschiedensten Möglichkeiten und Varianten ständig improvisiert wird. Einige der Varianten werden wir nächstes Mal ausführlicher besprechen.

Die Beispiele 6 und 7 zeigen zwei Möglichkeiten, um über die ebenso häufig im Jazz vorkommenden Dom7-Ketten zu „walken“. Beispiel 6 verwendet dabei nur Grundtöne und Quinten, Beispiel 7 bei jedem ersten Dom7-Akkord des Taktes nach dem Grundton die Terz, die in einem Halbtonschritt zum nächsten Akkord führt und deshalb interessanter klingt. Um diese Art der Begleitung besser verinnerlichen zu können und sich dabei gleichzeitig einen guten Überblick über das Griffbrett zu verschaffen, ist es ratsam, die heutigen Beispiele in möglichst vielen Tonarten zu üben. Natürlich kannst du dabei auch selbst ein wenig mit dem neuen Material experimentieren. Viel Spaß dabei!

Über Fragen und Anregungen oder einen Besuch auf www.jilycreek.com freue ich mich!


Aus Gitarre & Bass 11/2016

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