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Tube Amp Doctor: Blackface Princeton Style Amp-Kit (1)

Schon zweimal habe ich an dieser Stelle Röhren-Verstärker-Bausätze vom Tube Amp Doctor zusammengebaut und vorgestellt. Das ist jetzt aber schon eine ganze Weile her, sodass wir uns diesem Thema ab diesem Monat erneut widmen wollen. Das Unternehmen aus Worms bietet eine reiche Palette an Bausätzen an, darunter zahlreiche Tweed-, Blackface und Plexi-Style-Modelle. Nun könnte man wieder einmal fragen, welchen Sinn es eigentlich macht, einen beliebten und daher weit verbreitet erhältlichen Verstärker als Bausatz zu erwerben.

Schließlich ist es nicht ganz einfach, so ein Kit fertigzustellen. Sehr oft fragen mich Kunden, ob es besser wäre, einen Vintage- oder Reissue-Verstärker zu kaufen und diesen Amp dann nach den eigenen Vorstellungen zu restaurieren oder abzustimmen.

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Frisch ausgepackt

 

Und genauso oft rate ich dann zum Tube-Amp-Doctor-Bausatz. Alte Vintage-Amps zu restaurieren macht natürlich Sinn, denn schließlich taugt der beste Amp nichts, wenn er nicht mehr richtig funktioniert. Aber solche Amps werden in der Regel von Sammlern gekauft, und die möchten eben den Verstärker so original wie möglich. Das ist eine Leidenschaft, ein Hobby oder eine Passion. Reissues bekannter Verstärker-Legenden funktionieren zwar schon recht gut, bieten aber aufgrund des Aufbaus (darüber habe ich schon sehr oft berichtet) kaum die Möglichkeit zur Klangabstimmung. Außerdem sind sie nur schwer zu reparieren und meist mit recht preisgünstigen Bauteilen bestückt. Zielgruppe für die Bausätze sind vor allem kleinere Hersteller, die diese Kits für ihre Kunden zusammenbauen und abstimmen.

Auch beim Tube Amp Doctor gibt es diese Möglichkeit. Gegen Aufpreis sind alle Kits auch fertig montiert lieferbar. Zudem gibt es im TAD-Katalog reichlich Optionen für unterschiedliche Variationen, etwa andere Gehäuse-Farben, Lautsprecherbestückungen oder sogar Ableitungen zu Modellen, die es in dieser Ausführung gar nicht gab. Die Verstärker-Kits bieten außerdem stets eine Auswahl bester Bauteile, darunter Gehäuse aus Solid Pine oder Birkensperrholz, die passenden Trafos mit exakten Spezifikationen, historisch korrekte Lötboards, Cloth Wire, Kohlepress-Widerstände im Signalweg, robuste Röhrensockel, hochwertige Röhren und schließlich auch die oft idealen Lautsprecher.

Bauteil-Liste
Bauteil-Liste

Die Kits sind jeweils so zusammengestellt, dass der Kunde stets eine Version kauft, die sich möglichst nahe an bestimmten Verstärker-Klassikern orientiert. Ein Individualist mag sich in diesem Zusammenhang auch mit Tunings und Optionen auseinandersetzen. In der Regel muss man sich bei diesen Kits allerdings keine Gedanken zu diesem Thema machen. Ich habe schon zahlreiche Kits zusammengesetzt und perfekte Klangergebnisse erzielt. In den nächsten drei Monaten werden wir hier akribisch genau einen Blackface Princeton Style-Kit zusammenbauen. Das Ergebnis wird übrigens am Ende dieser Workshop-Reihe verlost.

Vielleicht interessiert es den einen oder anderen Leser und vertieft die Kenntnisse über den Verstärker-Bau. Die Gretchen-Frage lautet: Kann ich das nachmachen? Oder: Ist dieser Workshop auch als Bauanleitung zu verstehen? In gewisser Weise schon. Man muss aber Vorkenntnisse mitbringen. Wer noch nie einen Lötkolben in der Hand hatte oder sich mit Hochspannungs-Schaltungen nicht auskennt, sollte besser die Finger davon lassen. Unter Umständen kann diese Arbeit auch lebensgefährlich sein. So ein Vorhaben ist also nichts für den Anfänger oder Laien. Dann lieber gleich den Bausatz bei TAD montieren lassen. In den USA ist das Hobby „Ich baue mir meinen eigenen Amp“ weit verbreitet. In Internet-Foren sieht man teilweise wunderschön gefertigte Amps.

Bauteil-Übersicht
Bauteil-Übersicht

Man benötigt ein paar Vorkenntnisse vor allem über die Sicherheit bei der Arbeit mit hohen Spannungen, gutes Werkzeug und vor allem viel, viel Zeit. Der von uns georderte Princeton-Style-Bausatz ist bis zur letzten Schraube komplett. Im Grunde benötigt man nur noch ein paar Schraubenzieher, Zangen, einen Lötkolben, etwas Lötzinn und ein einfaches Messgerät. Ich habe deshalb ein Foto mit der benötigten Ausrüstung beigefügt. Gefordert wird unser handwerkliches Talent nur ganz am Schluss, wenn man das Verstärkerchassis in das Combo-Gehäuse einbauen muss. Dazu müssen vier Löcher in das Gehäuse gebohrt werden. Aber dazu später mehr.

Das Blackface Princeton Style Kit wird bei TAD in mehreren Ausführungen angeboten. Wer schon ein Gehäuse hat oder sich als Schreiner beweisen möchte, kann das Kit ohne Gehäuse bestellen, das im kompletten Kit als Topteil, 1×10 Combo oder 1×12 Combo angeboten wird. Wir haben die 1×12-Variante bestellt, da wir davon ausgehen, dass der etwas kräftigere Sound mit dem größeren Zwölfzöller beim zukünftigen Besitzer gut ankommen wird. Außerdem hat man seitens der Speaker-Bestückung eine etwas größere Auswahl zur Verfügung. Mit Vibrato und Hall gehört der Princeton schon zu den anspruchsvolleren Kits. In der Vergangenheit hatten wir ja schon einen Deluxe Style Tweed-Combo und ein 18-Watt Plexi-Top gebaut.

 

Besonders die BlackfaceAusführung mit der Schaltung AA1164 zählt zu den ganz großen Verstärker-Legenden. Man hört diese Amps trotz oder gerade wegen der moderaten Leistung von etwa 12 – 15 Watt auf zahlreichen Studio-Aufnahmen. Tom-Petty-Gitarrist Mike Campbell spielt seinen geliebten Princeton zusammen mit einem Tweed Deluxe auch auf ganz großen Bühnen live. Ry Cooder hat einen Princeton eingesetzt, und Jeff Beck hat seinen Evergreen ,Cause We’ve Ended As Lovers‘ auch auf einem Princeton eingespielt. Wegen seines kleinen Gehäuses und seines warmen, klaren Tons war der Princeton auch für viele Verstärkerentwickler Vorbild für ihre Kreationen. Randall Smith nahm sich den Princeton als Vorbild für seine ersten Mesa/Boogie Amps. Vorher machte er sich vor allem als „Princeton-Tuner“ einen Namen.

tube amp doctor blackface_06, Bauteile eingetütet

Das Gleiche gilt für die heute schon beinahe in Vergessenheit geratenen Jim-Kelley-Amps, die im Grunde auch getunte und mit ordentlich Leistung ausgestattete Princetons waren. Und ein klein wenig erinnern auch Alexander Dumbles Steel-String-Singer oder Warren Haynes Diaz-Amp an Princetons, die einfach nur auf eine höhere Leistung gebracht wurden. Der Princeton ist der kleinste FenderAmp mit Hall und Vibrato (oder besser gesagt Tremolo). Im Gegensatz zu seinen größeren Geschwistern wie etwa dem Deluxe Reverb oder dem Vibrolux Reverb hat der Princeton nur einen Kanal und einen sogenannten SplitLoad-Phasendreher, der vor der Endstufe kein Gain macht. Der Ton bleibt daher länger clean und etwas schlanker als bei den größeren Fender Amps.

Layout-Plan

In der Endstufe arbeiten zwei 6V6 und eine 5U4GB Gleichrichterröhre. Letztere sorgt durch ihren recht hohen Innenwiderstand für eine vorzügliche Kompression, die besonders bei Blues-Spielern beliebt ist. Für einen gut klingenden Princeton benötigt man eigentlich keine Fußtreter. Man kann ihn aufgrund der geringen Leistung immer weit genug aufdrehen, um einen wunderbar warmen Crunch-Ton zu formen. Ich habe Freunde, die spielen ihre Princetons auch Open Air. Für harten Rock mag etwas Volumen fehlen, aber für Blues, Funk, Fusion oder Jazz ist der Princeton eigentlich laut genug.

Man stellt heutzutage sowieso meist ein Mikrofon für die P.A. vor den Lautsprecher. Beginnen wir also ganz von vorn. Der PaketService brachte mir kürzlich zwei große Pakete, in denen der Bausatz ordentlich verpackt wurde. Das Gehäuse kommt klassisch im schwarzen Tolex mit silbernem Front-Bespannstoff. Die Bauteile sind akribisch und perfekt sortiert in kleinen Plastik-Tüten verpackt. Beigefügt ist außerdem eine Stückliste, mit der man die Vollständigkeit der Lieferung kontrollieren kann. Es hilft, wenn man die Bauteile in kleine Schachteln sortiert. Eine Schachtel für die Widerstände, eine für sämtliche Halteschrauben und so fort.

Benötigtes Werkzeug
Benötigtes Werkzeug

Verkabelungsmaterial gibt es sogar im Überfluss, wodurch man hinterher groß- zügig konfektionieren kann. Geradezu vorbildlich ist die beigefügte Bauanleitung von TAD, denn hier findet man nicht nur die bereits erwähnte Stückliste, sondern auch einen Schalt- und einen Layout-Plan. Letzterer ermöglicht praktisch das „Malen nach Zahlen“ für den noch weniger kundigen Novizen. Im Grunde könnte man den Amp komplett nach diesem Bauplan herstellen. Aber nochmal: Wer nicht weiß, was er da tut, dem können schnell fatale Fehler unterlaufen.

So kann etwa ein versehentlich falsch herum eingebauter Elko platzen, was eine eindrucksvolle und auch sehr gefährliche Erfahrung ist. Das passierte vor Jahren einem meiner Freunde. Der Elko platzte wie ein Silvester-Kracher direkt vor ihm auf der Werkbank. Splitter des Aluminium-Gehäuses hatten sich rund um seine Augen ins Fleisch gebohrt und mussten vom Arzt wieder entfernt werden. Gott sei Dank ging keiner davon direkt ins Auge. Also: Obacht! In der nächsten Ausgabe werden wir das Löt-Board bestücken und verkabeln. In der darauf folgenden Ausgabe den Amp dann ausgiebig testen.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Sehr interessant! Bin gespannt wie es weiter geht! Danke für solche tollen Artikel!

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