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Slide Guitar: Lap Steel

Lap Steel
Weissenborn-Style Akustik Lap Steel

Während in Blues, Rock und Pop meist eine reguläre Gitarre mit dem Slide bearbeitet wird, findet man in den Stilen Country, Exotica und hawaiianischer Musik eine etwas andere Slide-Gitarre: die Lap Steel!

das instrument

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Glaubt man der Legende, wurde die Lap Steel 1885 von Joseph Kekuku erfunden. Beim Spaziergang an einem Bahngleis entlang, fand er einen Metallbolzen, rutschte damit über die Saiten seiner Gitarre, mochte den Sound und entwickelte mithilfe einer Messerklinge einen neuen Gitarrenstil. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Lap Steel überwiegend in hawaiianischer Musik eingesetzt und erfreute sich in den USA großer Beliebtheit.

Überwiegend als Melodie-Instrument eingesetzt, hatten akustische Lap Steels jedoch gewisse Durchsetzungsprobleme. In den 1930ern brachte Rickenbacker deswegen mit der Electro A-22, die aufgrund ihres an eine Bratpfanne erinnernden Looks liebevoll „Frying Pan“ genannt wurde, die erste elektrische Lap Steel auf den Markt, die zudem eine der ersten E-Gitarren überhaupt war.

Nach und nach fand das Instrument Eingang in Country, Blues und Rock. Lap-Steel-Sounds findet man bei Hank Williams, in der 50s-Schmalz-Ballade ,Sleepwalk‘, in Jerry Byrds hawaiianischen Instrumentals und später bei Rockgitarristen wie David Lindley und David Gilmour. Aktuellere Lap-Steel-Spieler sind Funkrocker Ben Harper und der Ambient-Guru Daniel Lanois.

Gespielt wird die Lap Steel auf den Knien liegend – daher kommt auch der erste Teil des Namens. Durch den stark erhöhten Sattel hat eine solche Gitarre eine sehr hohe Saitenlage, regulär gegriffene Töne sind daher – im Gegensatz zur Slide-Gitarre – nicht mehr möglich. Die Töne werden stattdessen mit dem Steel-Bar, einem 300g schweren, vorne abgerundeten Stahl-Bolzen erzeugt, der auf den Saiten liegt und mit der linken Hand verschoben wird.

Lap Steel
Saitenlage bei einer Lap Steel

Lap-Steel-Gitarren teilen sich in drei Gruppen auf. Akustische Lap Steels findet man vor allem in traditioneller hawaiianischer Musik. Die bekanntesten Instrumente wurden von dem 1865 in Thüringen geborenen Hermann Weissenborn gebaut und erzeugen ihren speziellen Klang durch einen hohlen Hals. Nachbauten gibt es heute u. a. von der Firma Bediaz-Music.

Lap Steel
Die gerade Steel-Bar-Haltung

Im Country und Bluegrass findet man die Dobro, die an eine Westerngitarre erinnert, aber einen Metall-Resonator im Korpus eingebaut hat, der für zusätzliche Lautstärke und den typischen rauen Klang sorgt. Elektrische Lap Steels verfügen meist über keinen Klangkörper. Die Fender Champion, ein beliebtes Fünfziger-Jahre-Schüler-Modell, ist eigentlich nur ein Holzbrett mit Saiten, Pickup und Mechaniken. Versionen von Gretsch oder Supro sehen mit ihren futuristischen, leicht asymmetrischen Korpus-Formen ziemlich spacig aus. Für den Lap Steel-Anfänger gibt es im Online-Handel schon ab ca. € 100 sechssaitige Instrumente, die für den Einstieg völlig ausreichen.

Lap Steel
Ein Klassiker: Die Fender Champion

tunings

Was die Stimmung angeht, gibt es für die Lap Steel deutlich mehr Möglichkeiten als für die reguläre Slide-Gitarre.

Bluesiger orientierte Gitarristen verwenden oft Open-E oder Open-G bzw. einen Ganzton höher Open-A. Diese Stimmungen kennst du schon aus vorherigen Folgen dieses Workshops, aber hier nochmal zur Erinnerung:

Open-E: E B E G# B E

Open-A: E A E A C# E

Open-G: D G D G B D

Im Bluegrass und Country wird oft ein High-Open-G (G B D G B D) eingesetzt. Die tiefe E-Saite wird dabei auf G hoch gestimmt, die A-Saite auf B. Dadurch hat man zwei Dur-Dreiklänge zur Hand. David Gilmour spielt oft in einer G6-Stimmung, bei der die vier oberen Saiten im Standard-Tuning bleiben (G 6: D G D G B E). Ebenfalls zum Einsatz kommt ein Open Em-Tuning (Open-Em: E B E G B E), die Moll-Variante des bluesigen Open-E.

Ich persönlich finde das C6-Tuning (C E G A C E) am interessantesten: Es hat den typischen exotischen Old-School-Sound von Jerry Byrd oder alten Country-Songs, bietet Moll- und Dur-Dreiklänge und ist dadurch recht variantenreich und auch abseits von Blues- und Country einsetzbar. In den nächsten Folgen werden wir uns ausgiebig mit dieser Stimmung beschäftigen. Man braucht hierfür jedoch einen speziellen Saitensatz, denn das Tuning auf C verkraftet eine reguläre E-Saite nur in Ausnahmefällen.

Hier die von mir verwendeten Stärken: 0.15, 0.18, 0.22, 0.24, 0.30, 036

technik der linken hand

Lap Steel
Die 45-Grad-Haltung

Die linke Hand hält den Steel Bar mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Die einfachste Variante positioniert den Steel-Bar parallel zu den eingezeichneten Bünden, die nur der optischen Orientierung dienen. Der Ring- und kleine Finger dämpfen hinter dem Steelbar die Saiten, um unerwünschte Nebengeräusche zu vermeiden. Um andere Intervalle zu erzeugen, kann man den Steel-Bar auch schräg halten. Diese Technik nennt man „Slant“ und es erfordert einige Übung, zwei Töne gleichzeitig mit guter Intonation hinzubekommen. Für Melodien auf der höchsten Saite, kann man den Steel-Bar etwas anheben, sodass er im 45-Grad-Winkel auf die Saite trifft. Das eliminiert Nebengeräusche, ermöglicht ein stärkeres Vibrato und bietet die Möglichkeit, zum Melodieton eine Leersaite im Bass zu spielen, was gerade für Solo-Performances interessant ist.

Lap Steel
Die Slant-Haltung

anschlagstechnik

Der klassische Steel-Gitarrist schlägt die Saiten mit 3 Fingerpicks aus Metall an Daumen, Zeige- und Mittelfinger an. Das erfordert aber eine ganz andere Spieltechnik als man es von der regulären Gitarre gewohnt ist. Als ich mit der Lap Steel angefangen habe, habe ich das genau eine Stunde versucht und bin dann frustriert zum Hybrid-Picking gewechselt – ich schlage die Saiten also mit Plektrum, Mittel und Ringfinger an. So kann man Dreiklänge zupfen, sechsstimmige Akkorde mit dem Plekrum strummen und hat bei Melodien den Plektrum- und Fingersound zur Verfügung.

Lap Steel
Die Hybrid-Picking-Technik für die rechte Hand

Der eine oder andere Purist mag jetzt aufjaulen, aber für mich funktioniert diese Technik gut und studiert man Videos im Netz, findet man zahlreiche Lap-Steel-Gitarreros, die genauso spielen. Auf der akustischen Steelgitarre spiele ich oft nur mit Fingern, Strummings erledigt dann der Daumen. Wichtig ist es, beim Saitenwechsel die vorher gespielte Saite zu dämpfen, sonst ergeben sich schnell überraschende und oft schräge Zweiklänge. Schlage ich mit dem Plektrum z. B. die hohe E-Saite an und wechsele dann zur darunter liegenden Saite, wird diese mit dem Mittel- oder Ringfinger abgedämpft.

Soviel zur Ausgangsbasis. In der nächsten Folge gibt es dann das erste Stück in C6- Stimmung. Bis dahin kannst du dich ja schon mal mithilfe von Jerry Byrd in den Sound dieses Tunings einhören. Weitere Anregungen, Wünsche und Kritik kannst du wie immer unter martin@the-incredible-mr-smith.com los werden.

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(erschienen in Gitarre & Bass 04/2018)

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