Urvater aller Solidbody-Gitarren

Parts Lounge: Magic of a Legend ‒ Fender Telecaster

(Bild: Udo Pipper)

Diesen Monat beginne ich mit einem Thema, das mir schon seit geraumer Zeit am Herzen liegt. Wir widmen uns endlich dem Sound der wohl berühmtesten E-Gitarre aller Zeiten: der Fender Telecaster.

Schon seit Jahren bekomme ich Anfragen dazu. So scheinbar einfach dieser Urvater aller Solidbody-Gitarren auch daherkommen mag, so variantenreich sind die beinahe unzähligen Ausführungen bezüglich der Elektrik, Holzauswahl und Hardware. Kaum eine Gitarre eignet sich offenbar besser für Tunings als die stets überschaubar ausgestattete „Telly“. Und kaum ein Modell hat ähnlich viele Überarbeitungen über sich ergehen lassen müssen. Und dennoch bleibt ihr markanter Sound offenbar immer erkennbar. Legendär ist der schneidend-bissige Bridge-Pickup-Sound, der die Telecaster so unverwechselbar macht.

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DER TELE-URKNALL

Um 1950 herum hatte sich Leo Fender entschieden, eine Solidbody-Gitarre mit Pickup auf den Markt zu bringen. Die ersten Prototypen waren bereits von befreundeten Protagonisten getestet worden, darunter die allererste Ausführung noch mit 3L/3R-Kopfplatte und Sperrholz-Korpus. Man wollte in diesen Gitarren vorwiegend Tonabnehmer für die schon seit längerer Zeit laufende Lapsteel-Produktion testen. Der Prototyp kam aber so gut an, dass sich Leo dazu entschied, diese Gitarre in kleiner Serie anzubieten.

Die Zielgruppe war – typisch Fender – so breit wie möglich angelegt, denn die ersten, unter den Namen ‚Esquire‘ (nur ein Bridge-Pickup) und ‚Broadcaster‘ (mit zusätzlichem Front-Pickup) vermarkteten Varianten, sollten die modernen Sounds von damals so vielseitig wie möglich abbilden können. Zum einen war da dieser schneidend helle Bridge-Pickup, der eindeutig die bereits bekannten Klänge der damals äußerst beliebten Lapsteel- und Pedalsteel-Gitarren nachbildete. Mangels Slidebar erfanden die Spieler kurzerhand die Doublestop-Bendings, die bis heute den Sound der Telecaster geprägt haben. Auch Chuck Berry übertrug diese Technik später auf seine Gibson, sodass dieser Sound auch prägend für Blues und Rock’n’Roll wurde.

Neben dieser markanten „Sopran“-Stimme, wollte man auch den dunklen Ton der Jazz-Gitarristen abdecken. Dazu wurden der Esquire Kondensatoren einverleibt, die den Ton komplett um seinen Höhenanteil beraubten, wodurch das Ergebnis mehr an den Sound der dicken Gibson-Jazzgitarren erinnerte. Das reichte mitunter soweit, dass man mit einer Telecaster schließlich auch den Bassisten ersetzen konnte.

Bassisten fanden sich in den damaligen Bands ohnehin nur sehr selten, und da kam es gelegen, dass einer der Gitarristen diese Rolle übernahm und zweitweise auch Jazz-Licks oder helle und schneidende Doublestops einfügen konnte. Das sparte „Musiker-Material“ und brachte mehr Geld. Insofern war das Konstrukt der Telecaster auch ein durchaus kapitalistisches. Letztlich taugte die Telecaster durch ihren perkussiven Klang auch als Percussion-Instrument, etwa so wie man es später von Jimi Hendrix im Intro von ‚Voodoo Chile‘ hören konnte. Hendrix verwendet hier zwar eine Stratocaster, der so genannte Chacka-Boom-Sound stammte aber schon aus den frühen Tagen der Telecaster.

NEUE WELTEN

Mit der Entstehung der Telecaster entwickelte sich durch ihre klanglichen Möglichkeiten schon bald ein ganz neuer Gitarrenstil. Während in der Country-Musik der Chicken-Picking-Stil mit sehr schnellen und perkussiven Singlelines entwickelt wurde, nutzten andere Musiker das Instrument, um die Basslinien zu doppeln und somit dem Sound ein weiteres Register hinzuzufügen. Das hört man etwa gut bei Steve Cropper im legendären Booker-T.-Hit ‚Green Onions‘. Vor allem auch, weil in immer mehr Bands elektrisch verstärkte Bässe (die meist natürlich auch von Fender stammten) zum Einsatz kamen, eignete sich die Telecaster sehr gut zum Kontrastieren – ihr Sound setzte sich perfekt von den tiefen Bass-Registern ab.

Man muss bedenken, dass in den frühen Fünfzigern die meisten Bands im Studio noch live und mit nur sehr wenigen Mikrofonen aufgenommen wurden. Und gerade in diesen Studioaufnahmen empfahl sich der Einsatz einer Telecaster als perfekte Ergänzung. Schnell kam sie daher auch als Melodie-Instrument zum Einsatz. Die Pedalsteel-Soli in der Country-Musik wurden nun durch ein kleines Solo mit der Telecaster erweitert oder gleich mehrstimmig angelegt. Und mit den Telecaster-Helden Steve Cropper, Danny Gatton, Roy Buchanan oder Mike Bloomfield fand sie bald auch einen festen Platz im Blues. Interessant ist hierbei, dass diese Musiker ihre Instrumente oft mit lang anhaltenden Tönen und viel Kompression zunächst auch wie eine Pedal- oder Lapsteel klingen lassen wollten. Eric Clapton, Peter Green oder Carlos Santana nahmen diese Sounds auf, indem sie ihre Gibsons mit Hilfe von Rückkopplungen ebenso „gedehnt“ klingen ließen.

1953 Fender Esquire Front
1953 Fender Esquire Front (Bild: Udo Pipper)

DIE BLACKGUARD-ÄRA

Die ersten Esquire-Prototypen aus dem Jahr 1949 wurden mit einem ziemlich kräftigen Ahornhals ohne Halsstab ausgestattet. Leo Fender hatte die Hälse lediglich verschraubt und nicht verleimt, wodurch sich verzogene oder defekte Hälse einfach austauschen ließen. Die Ahornhälse verzogen sich aber schon oft bei der Auslieferung, wodurch das Image dieser Gitarren deutlichen Schaden nahm. Und so geschah es, dass diese Modelle schon bald um einen Halsstab, der von hinten durch eine schmale Nut eingesetzt wurde, ergänzt wurden.

Ab 1950 wurden die Esquire sowie die Broadcaster angeboten, beide mit Esche-Body (wovon manche aus besonders leichter Sumpfesche bestanden), Ahornhals und mit einem schwarzen Schlagbrett (Blackguard) verziert. Bei der Esquire bedeckte dieses Pickguard die standardisierte Fräsung für einen Front-Pickup, der allerdings nur bei der Broadcaster auch eingebaut wurde. Nach einem Rechtsstreit mit Gretsch, die den Modellnamen ‚Broadcaster‘ für sich beanspruchten, nannte Leo Fender sein Modell mit zwei Pickups „Telecaster“. In einer kurzen Übergangsphase im Jahr 1951 wurde der Modellzusatz „Broadcaster“ einfach abgeschnitten, weshalb diese Gitarren nur noch den nackten Fender-Schriftzug auf der Kopfplatte trugen – sie sind heute als ‚Nocaster‘ bekannt und besonders selten.

Ihren markanten Sound verdankten diese frühen Instrumente vor allem ihrem Esche-Body, der klare tiefe Bässe sowie recht stringente Höhen lieferte. Wesentlich ünterstützt wurde der Charakter durch die Befestigung des Bridge-Pickups in einem recht dünnen Metallrahmen. Ursprünglich verfügten die Telecasters noch über eine Metallabdeckung über dem Bridge-Pickup, die die meisten Player jedoch zugunsten einer besseren Bespielbarkeit sofort entfernt haben.

Diese Blechschalen häuften sich auch bald in meinem Proberaum und wurden, wie überall auf der Welt, als Aschenbecher zweckentfremdet. Daher rührt auch ihr Spitzname „Ashtray“. Die Unterbringung des Bridge-Pickups auf eine Metallplatte sorgte mitunter für den scharfen, knackigen Sound dieser Tonabnehmer, die anfangs noch mit 43-Gauge-Enamel-Wire und AlNiCo-3-Magneten ausgestattet waren. Da dieser Draht etwas dünner als der später verwendete 42-Gauge-Wire war, wurden ein paar Wicklungen zugelegt, um ihn trotzdem kräftig genug klingen zu lassen. Diese Pickups haben einen fetten, warmen Sound, für den die frühe Blackguard-Telecaster von vielen geliebt wurde.

Darunter etwa Tom Pettys Leadgitarrist Mike Campbell, Billy Gibbons, Jeff Beck, Keith Richards und natürlich Danny Gatton. Die Baujahre für diese Ausstattung liegen zwischen etwa Ende 1950 bis Anfang 1954.

Fender „Blackguard“-Saitenaufhängung mit Messingreitern
Fender „Blackguard“-Saitenaufhängung mit Messingreitern (Bild: Udo Pipper)

Die Brückenkonstruktion war in die Metallplatte integriert und bestand aus jeweils drei Messingreitern, über die jeweils zwei Saiten liefen. Keith Richards hat auf seiner Lieblings-Telecaster namens „Micawber“ gleich eine komplette Messingplatte von Schecter befestigt, die aufgrund ihrer Materialstärke und ihres höheren Gewichts einen fetteren, wärmeren Ton fördert.

Die Polepieces der sechs Stabmagneten sind flat, also in gleicher Höhe angeordnet und noch nicht gebevelt, sondern völlig flach mit scharfer Kante. Angeblich streut das Magnetfeld dieser Stabformen noch etwas mehr als die darauf folgenden Magneten mit abgerundeten Kanten (bevel).

Besonders interessant sind die Schaltungskonzepte dieser frühen Telecaster-Modelle, denn der Dreifachschalter wurde nicht etwa klassisch wie bei einer Les Paul verschaltet, sondern in der Frontposition jeweils als Filter für die Höhen, wobei ein großer Anteil des Hochtons meist über einen 0.05uF-Kondensator auf Masse geschaltet wurde. Das sorgte für den typisch dumpfen Sound in der Frontposition der Schalters. Ähnliche Konzepte setzte Fender ja auch bei der Jaguar oder Jazzmaster ein. Dank dieser Schaltung konnte jeder Gitarrist praktisch mit einer Schalterbewegunbg auch Bass spielen. Abgesehen von manchen Custom-Shop-Modellen, sind die meisten Telecasters heute jedoch serienmäßig mit einem Modern-Wiring versehen. Aber dazu ein andermal mehr …

Bis heute gilt die frühe Blackguard-Telecaster als der Inbegriff dieser Bauform schlechthin. Für viele der hier genannten Tele-Helden sind sie nach wie vor erste Wahl. Trotz ihrer Einfachheit, waren diese Instrumente ungeheuer vielseitig. Sie konnten wie eine Lapsteel klingen, schneidend und perkussiv, fast so seidig wie eine Western-Akustik, aber auch fett und donnernd wie etwa eine alte Les Paul. Sie waren außerdem prädestiniert etwa für Pinch-Harmonics oder extrem obertonreiche Powerriffs.

Aktuelle 52er Fender Custom Shop Telecaster
Aktuelle 52er Fender Custom Shop Telecaster (Bild: Udo Pipper)

Aufgrund der zahlreichen Modellbezeichnungen wie Esquire, Broadcaster, No-Caster oder Telecaster werden diese Gitarren einfach nach ihren optischen Gemeinsamkeiten als Blackguard-Familie zusammengefasst. Viele Esquires wurden im Laufe der Jahre etwa wegen ihrer zusätzlichen Front-Pickup-Fräsung zu einer Broadcaster oder eben Telecaster umgebaut. So kann es sein, dass Musiker ganz unabhängig von der Bezeichnung jeweils genau das gleiche Modell spielen.

1953 Fender Esquire mit Routing für optionalen Hals-Pickup
1953 Fender Esquire mit Routing für optionalen Hals-Pickup (Bild: Udo Pipper)

In der nächsten Folge befassen wir uns mit den unterschiedlichen 1953 Fender Esquire mit Routing für optionalen Hals-Pickup Schaltungskonzepten sowie der Weiterentwicklung der Telecaster.


(erschienen in Gitarre & Bass 10/2021)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich finde die urigen Fender Telecaster wirklich super,kann jedoch gerne auf künstlich alt getrimmte Telecaster verzichten! Dieser nervige Hype um mutwillig ramponierte neue „Age“ Fender Telecaster Gitarren,die obendrein auch noch extrem hochpreisig angeboten werden,geht grundsätzlich an mir vorbei! Schließlich kaufe ich mir ja auch keinen „extra in Handarbeit“ zertrümmerten Neuwagen der Oberklasse,der absichtlich Beulen und Kratzer zugefügt bekam! Glaube kaum,daß es dafür begeisterte Kunden geben würde.

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    1. Da hast du vollkommen recht. Mich amüsieren diese künstlich gealterten Instrumente auch sehr.

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    2. Du sprichst mir aus der Seele..;-)…dem ist nichts hinzuzufügen..!

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  2. Die Esquire-Prototypen hatten Bodys aus Kiefer (Pine). Das sollte in einer detaillierten Tele-Historie nicht unerwähnt bleiben.

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    1. Ich kann Euch zwar verstehen, sehe ich aber anders. Eine CS Strat oder Tele fühlt sich für mich tatsächlich auch „alt“ an und spielen sich als ob die Sonne auf geht:) – so richtig erklären kann ich es nicht, es ist eben, wie so oft, nur ein Gefühl. Bei Jeans oder Möbel funktioniert das Relic auch schon seit Jahren….oder wer trägt vom Euch eine RAW Jeans;).
      Liebe Grüße und ein frohes neues Jahr!
      Stephan

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  3. Ich stimme dem Realist zu: Alt bedeutet nicht automatisch
    auch ramponiert zu sein. Es ist nur ein Ausdruck, wie der
    Musiker mit seinem Instrument umgegangen ist. Wer seine
    Klangerzeugung liebt, der achtet auf pflegliche Behandlung.
    Deshalb gibt es natürlich Instrumente, die über 50 Jahre
    auf dem Buckel haben und trotzdem keine großen Schrammen
    aufweisen. Beim Menschen ist es anders: mit den Jahren
    trägt jeder mehr oder weniger Falten auf, die aber kein Indiz
    für abnehmende Denkleistung sein sollten….

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  4. Stimme Realist und Rudolf grds. zu. Weshalb ich trotzdem Fan von Relic-Teles bin: wenn ich vor 50 Jahren eine teure Gitarre gekauft habe, dann habe ich sie intuitiv wie ein wertvolles rohes Ei behandelt. Bloß keine Kratzer etc. Auch in späteren Jahren hat sich das fortgesetzt, so dass ich immer noch einige alte Schätzchen habe, die wie neu aussehen. Erst als ich meine erste Relic spielte, war dieses Thema “rohes Ei” durch. Pfleglich ja, aber nicht behütend war ab dann angesagt. Der eigentliche Grund, seither vieles Relic gekauft zu haben, war jedoch, dass es sich auch anders anfühlte, wenn sie wirklich gut gemacht waren. Schon beim Antesten lagen häufig Welten zwischen Hochglanz und guten Relic. Die Krönung war für mich eine 55’er Master-Built Strat, die ich heute noch liebe. Wahrscheinlich hatte C.W. Fleming bei dieser ein besonders gutes Händchen.
    Mein Fazit: Wer sich einmal in eine wirklich gute Relic (die nicht völlig übertrieben wurde) verguckt hat, wird nur noch selten eine Hochglanzgitarre kaufen. Das gilt besonders bei Teles, die irgendwie das Alte sowieso verkörpern. Fender RoadWorn sind für den schmaleren Geldbeutel zumeist auch gute Einstiegsgitarren in die Relic-Welt gewesen. Wie deren Qualität heute ist, kann ich allerdings nicht sagen. Ich hatte die nur aus der ersten Serie, und die war respektabel für den Preis.
    Mit musikalischen Grüßen
    MrHKBlues – und bleibt gesund – keep Rockin’ and Bluesin’

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  5. Heißes Thema, an dem sich die Geister scheiden. Ich persönlich konnte beim Testen teurer Relics seltenst einen Klangunterschied feststellen.
    Warum sollten ein zu Tode geschrubbelter Body und ein künstlich abgewrackter Hals besser klingen? Das ist physikalisch nicht möglich.
    Genau so ein Unsinn wie von “Klanghölzern” bei E-Gitarren zu sprechen.

    Gute Einnahmequelle für die Hersteller ;-).
    Vermutlich werden gepimpte PUs verbaut; das reißt schon einiges raus.
    Der ganze Relic-Hype ist der absolute Irrsinn! Entweder ich kann spielen oder nicht. Wenn nicht, hilft mir eine Relic nicht weiter.

    Bin mal gespannt, wann endlich der WM-Fußball von 1954 nachgebaut wird,
    abgenutzt natürlich. Der kostet dann allerdings einiges, aber dann kannste endlich kicken…

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    1. Ich habe mal irgendwo gehört, dass für die Relics die besten Hölzer zum Einsatz kommen sollen. Wäre für mich für Semis relevanter, und ob die Aussage überhaupt korrekt ist liess sich von mir auch nie valide klären.
      Obwohl ich meine Gitarren wie einen Augapfel hüte ist meine 64 CS Tele die Relic Ausnahme in meinem Sortiment. Ich finde, dass eine NOS Tele die Anmutung eines Möbelstückes hat. Das ist keine Gitarre für den Grossstadt Dandy, eher für den Farmer Jungen. Die gleiche Analogie gilt für mich bezüglich Tweed- und BF Amps…..
      Oder auch: Es gibt Gitarren denen Wölkchen Ahorn gut steht. Meine Gretsches haben zwar eine gut wahrnehmbare Maserung, aber eher eine ordinäre, finde ich stimmiger.

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  6. Weshalb es überhaupt solche überteuerten „Relic Guitars“ zu ordern gibt,zeigt doch,daß es anscheinend doch Kunden gibt,die sich speziell für eben solche besagten „light aged“ oder gar „Heavy relic aged“ Gitarren interessieren.Aber mal ehrlich,in meinem Bekanntenkreis kenne ich wirklich nicht einen einzigen Gitarristen,der auf derartige „Relic aged Guitars“ total abfährt,-ganz im Gegenteil,-für die Mehrzahl der Musiker ist ein makelloses,perfekt eingestelltes,sauber gefertigtes und neuwertiges Saiteninstrument das non-plus-ultra,was ja auch verständlich erscheint.Und als Beispiel im Falle der hochpreisigen „Fender Rory Gallagher Custom Relic Stratocaster“,die angeblich akribisch dem einstigen Original des leider viel zu früh verstorbenen irischen Ausnahmemusikers vom Fender U.S.A. Custom Shop „nachgestaltet“ wurde,würde ich mich doch eher über eine völlig „unbehandelte“ 1961er- nachempfundene U.S. Custom Fender Strat begeistern können,die sozusagen dem damalig neuwertigen Original Instrument eines Rory Gallagher´s entsprechen würde.Also,gänzlich ohne diese markanten Merkmale der derzeitig angebotenen „Rory Gallagher Stratocaster“,die u.a. keine nachträglich montierte Sperzel Mechanik,keine künstlich gealterte Hardware und keinen abgewetzten Lackauftrag beinhaltet.Kurios,daß man bei Fender solche Gitarren anbietet,die angeblich dem damaligen Original beinahe dem 1:1 Zustand „nachgefertigt“ werden.Wäre es faktisch nicht bedeutend sinnvoller,einfacher und viel günstiger,solch eine besagte „Gallagher“-Stratocaster als unversehrte Neuheit mit einem top „set-up“ (Plek-Bearbeitung wie z.B. bei G&L Legacy U.S. Gitarren üblich) anzubieten?!
    Sicher,Rory Gallagher spielte „seine“ berühmte Fender Strat seit Anbeginn seiner steilen Karriere bis zu seinem Tod,was ja bekanntlich die auffällige Optik dieser extrem stark beanspruchten Strat prägte.Aber,ich meine,es existiert ja bis heute nur ein „Rory Gallagher“ Strat Original,und dieses ist unbestritten das einzige Unikat,das dieser außergewöhnliche Gitarrenvirtuose benutzte.Ein Original bleibt nun einmal ein Original,da ist ein „nachgestaltetetes“ Saiteninstrument hingegen zweifellos eben immer nur eine Kopie! Aber,ich versuche auch die Leute zu verstehen,die sich solch eine besagte „Rory Gallagher“ Relic Stratocaster unbedingt für teures Geld kaufen „müssen“,um zumindest annähernd ihrem Idol,was Rory Gallagher unbestritten bis dato ist,in gewisser Art und Weise „nah“ zu sein.Alles rein subjektiv,gut ist,was einem besonders gerne gefällt!

    In diesem Sinne…
    …a Happy New Year 2022!

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  7. Ich kann dem Relic-Trend auch nichts abgewinnen (Super Vergleich mit den Autos!) Ich spiele seit fast 50 Jahren und habe meine Gitarren selbst “gealtert”, d.h in vielen Proberäumen und auf Bühnen gespielt, da bleibt trotz sorgsamer Behandlung nicht aus, dass mal ein Kratzer draufkommt. Auch ungeschickte Bandkollegen sorgen für so manche Macke…
    Voriges Jahr war ich jedoch in einem großen Musikhaus, da hingen reihenweise Fender Custom Shop Gitarren, alle künstlich gealtert.
    Was soll ich sagen… Trotz aller Skepsis probierte sie durch und MUSSTE zwei davon mit nach Hause nehmen, da sie einfach unglaublich gut klangen und zu spielen waren. (eine Broadcaster und eine Tomatillo-Strat in Fiesta red)
    Der Vorteil – wie weiter oben schon jemand erwähnte – ist, das man da trotz des Preises der Instrumente nicht super-sorgsam umgehen muss, da ein neuer Kratzer nicht auffällt. Nicht, dass ich jetzt mit den Gitarren unachtsam umgehe, aber ein gewisser Druck fällt weg.
    Ich habe mir vor kurzem eine weitere CS-Gitarre bestellt, die wird aber trotzdem nicht gealtert, die kommt in factory-new. Denn ich bin nach wie vor der Meinung, das nicht das künstliche Altern den Sound macht, sondern einfach die Sorgfalt, mit der eine Gitarre gebaut wird und welche Qualität die verwendeten Komponenten haben.
    Teure, von Vollprofis gebaute CS-Gitarren werden – geaged oder nicht – immer gut klingen und spielbar sein, eine Supermarkt-Billigklampfe vom Fernost-Fließband wird auch nach künstlichem Altern nach Schrott klingen und schlecht spielbar sein.
    Wobei… Rory hätte auch mit der Billig-Klampfe nach Rory geklungen, oder?
    Wünsche uns Gitarrenverrückten viele schöne Stunden mit unseren “Liebsten” und Prosit 2022!!

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  8. Also ich sehe das mit dem Aging so: seit der Steinzeit macht sich der Mensch Zeichen an seine (Kriegs)-Werkzeuge welche nur einen imaginären Zweck haben: Ich bin besser als Du! Sowas hat schon mal eine ressourcenraubende Auseinandersetzung vermieden. Die Chiffren änderten sich im Lauf der Zeit, und heute ist bei Gitarrenbattles grade die Posing- Botschaft: dieses Paddl spielt sich von alleine. Ich glaube schon dass die alten Paddls wenn sie denn kontinuierlich bearbeitet wurden, ab und zu mal beim Gitarrenbauer eingestellt wurden oder mal ein neues Teil ersetzt wurde … sich irgendwie bespielt anfühlen als so ein Neuteil aus dem Laden oder von der Sammlerwand. Selbst bei meinen Billichgitarren habe ich den Eindruck dass sie nach einiger Zeit doch besser klingen.
    Aber inzwischen sind 90% dieser geagten Gitarren Neuhölzer und selbst Profis meinen damit posen zu müssen. Meinetwegen aber die Musik kommt aus den Fingern, dem Körper des Musikers.
    Jedenfalls bin ich mit meiner Billig-Squier-Tele zufrieden: schon fast alles an Hardware ausgetauscht, auch den Halsstab. Alle Monat muss man die Bundreinheit nachstellen und das Vol-Poti ist auch schon das Dritte. Aber sie ist superleicht und mit den reduzierten Bedienelementen komme ich live immer noch am besten klar. Immer noch nicht die beste Gitarre der Welt aber sie funktioniert. Ist einfach der beste Kompromiss zwischen Strat und Paula.

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    1. Du meinst ganz sicher die „Oktavreinheit“ und nicht die „Bundreinheit“,da ist die wohl ein kleiner Fehler unterlaufen.Die „Bundreinheit“ hingegen ist bei jeder Gitarre ab Werk fest installiert. Mein gut gemeinter Rat: Wenn du allerdings jeden Monat die „Oktavreinheit“ an deiner Tele einstellen mußt,würde ich dir schon dringend dazu raten,die alten Reiter/Stellschrauben durch neue hochwertigere Ersatzteile auszutauschen,dann brauchst du nicht stets und ständig die „Oktavreinheit“ einzustellen.Und das Tone-Potentiometer sollte in der Regel eigentlich auch länger seinen Dienst verrichten.Aber,es stimmt durchaus,ich habe diesbezüglich bei einigen meiner eigenen „günstigen“ Gitarren schon öfter kratzende Potis durch bessere Teile auswechseln müssen,das bleibt nun mal nicht aus.Besonders langlebig sind z.B. CTS-Potis,die halten wirklich ewig.
      Und du hast absolut Recht,Neuhölzer klingen oft nicht so gut,wie eingeschwungene,ältere,gut abgelagerte Hölzer.Ist ja auch ein Preisunterschied.Mein Gitarrenbauer im Landkreis Oberhavel/bei Berlin verwendet ausschließlich mindestens 9 Jahre,gut abgelagertes Holz für seine zu 100% handgefertigten Custom Gitarren.Ich spiele ebenso besonders gerne leichtgewichtige Elektrische Gitarren,die sind ganz klar viel rückenschonender.
      Viele Grüße 😉

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  9. Hallo Stephan,
    das ist wohl alles eine Frage der eigenen Betrachtung und auch für mich auf der suggetiven Ebene angesiedelt. Wahrscheinlich aber hört das Auge mehr mit, als gedacht-

    LG Klaus

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