Produkt: Jazz Amp
Jazz Amp
Realität oder Illusion?
Review

Metal Guitars: LTD M-7HT Baritone Black Metal

(Bild: Hawemann)

Nur weil sich das Thema meiner Kolumne vor ein paar Monaten von Extended Range Guitars zu Metal Guitars geändert hat, heißt das natürlich nicht, dass ihr an dieser Stelle ganz auf Gitarren mit mehr als sechs Saiten verzichten müsst!

Und was wäre ein passenderer Anlass, diese beiden Themen zu verbinden, als eine siebensaitige Bariton der bitterbösen LTD-Black-Metal-Serie? Diese matt-schwarzen und aufs Wesentliche reduzierten Gitarren treffen genau meinen Geschmack, und mit der LTD M-7HT Baritone ist nun endlich auch ein Modell der Serie erhältlich, das wie auf mich zugeschnitten scheint.

Anzeige

BLACK METAL

Was will uns der Name dieser Serie eigentlich sagen? Handelt es sich hierbei um Gitarren, die vor allem für das Genre Black Metal geeignet sind oder war der Gedanke dahinter einfach, schwarze Metal-Gitarren zu bauen? Letzteres ergibt wahrscheinlich etwas mehr Sinn, aber am Ende des Tages spielt die Serie ästhetisch natürlich mit beiden Konzepten.

Im Jahre 2018 kam der erste Schwung Black-Metal-LTDs in Form einer sechssaitigen Eclipse, einer ebenfalls sechssaitigen M mit Floyd Rose und einer siebensaitigen Viper. Qualitativ versprach die Serie mit den LTD-1000er/ Deluxe-Modellen ebenbürtig zu sein, aber dank der reduzierten Spezifikationen zu einem vergleichsweise niedrigeren Preis. Reduziert heißt in diesem Fall schon mal, dass alle Modelle mit lediglich einem Humbucker am Steg und einem Volume-Poti auskommen.

Und auch sonst sind die Schwarzmetaller angenehm schnörkellos: Keine Maserung, kein Abalone, überhaupt keinerlei Inlays. Lediglich das 3D-LTD-Logo weicht vom sonst so minimalistischen Ansatz dieser Instrumente ab.

Reversed Headstock mit 3D-LTD-Logo (Bild: Hawemann)

Nun sollte es den einen oder anderen vielleicht überraschen, dies zu hören, aber die Serie ist von Anfang an eingeschlagen wie eine Bombe! Was ist also das Besondere an den LTD-Black-Metal-Äxten? Ich würde sagen, dass es die Konsequenz ist, mit der das Konzept hier durchgezogen worden ist. Klar, (matt-)schwarze Metal-Gitarren gibt es zuhauf, aber es wurde hier penibel darauf geachtet, dass auch wirklich jedes Detail komplett schwarz ist: Lackierung, Brücke, Tonabnehmer, Potis, Griffbrett, Stimmmechaniken und ja, selbst das LTD-Logo.

Dank des großen Erfolgs wurde die Serie 2019 um eine sechssaitige Arrow erweitert und die Viper 7 wurde von einer Standardmensur von 25,5 Zoll auf eine 27er-Baritonmensur befördert. Letztere ließ ich mir zum Test auch damals direkt schicken – und während mich die Qualität der Gitarre wirklich beeindrucken konnte, wurde ich mit dem hohen Gewicht, dem verhältnismäßig fetten Hals und dem, durch die Mahagoni-Vollkonstruktion bedingten, dunkleren Ton der Viper-7-Bariton leider nicht warm.

Zum Glück nahm man im Hause LTD für 2020 nochmal Anlauf und veröffentlichte jetzt auch die M in einer siebensaitigen Bariton-Ausführung. Das war für mich der Moment bei der Black-Metal-Serie endlich zuzuschlagen!

SCHWARZ, SCHWÄRZER, AM SCHWÄRZESTEN

Und der erste Eindruck hält schonmal was die Serie verspricht: Schwärzer und aufs Wesentliche reduzierter kann man eine Gitarre kaum designen. Die LTD M-7HT Bariton ist noch minimalistischer ausgefallen als ihre Schwester – die Rede ist von der Viper. Diese kam ab Werk mit einer Tune-o-matic-Brücke und zusätzlichem Saitenhalter.

Der M-7HT wurde mit der Hipshot die deutlich modernere Brücke spendiert. Somit findet man auf der Korpus-Oberseite auch nur noch drei Elemente: Die Brücke, einen Volumen Poti und den ‚Blackened Black Winter‘ von Seymour Duncan. Wie der Name sagt, ist dieser Tonabnehmer ebenfalls komplett schwarz – normalerweise kommt er nämlich mit einem weißen Seymour Duncan Schriftzug.

Das Ebenholz-Griffbrett ist ebenfalls tiefschwarz und auf der Kopfplatte findet man eine Halsspannstab-Abdeckung mit einem ‚Black Metal‘-Schriftzug, der in einer etwas generischen Schriftart gehalten ist. An dieser Stelle hätte ich mir entweder ein etwas cooleres Logo gewünscht oder eben ggf. eine komplett schwarz gehaltene Abdeckung. Zu guter Letzt findet man noch sieben hauseigene Locking Tuner an der spitz zulaufenden, umgedrehten Kopfplatte.

Das akkurat bundierte Ebenholzgriffbrett (Bild: Hawemann)

Nun werden die Black-Metal-LTDs gleich in zwei verschiedenen Ländern hergestellt: Einerseits bei World Music Instrument Co. Ltd in Korea und zum anderen in einer Fabrik in Indonesien. Ich hoffte, dank der ausgezeichneten Reputation von WMI, ein Exemplar aus Korea zu bekommen, aber es sollte anders kommen!

Auf der Rückseite meiner Kopfplatte prangt in weißen Lettern ‚Made In Indonesia‘. Zunächst wollte ich fast etwas enttäuscht darüber sein, aber dann nahm ich die Qualität der M-7HT genauer unter die Lupe. Und was soll ich sagen – ich bin absolut überrascht darüber, was LTD hier aus ihrer indonesischen Fertigung abliefern!

Das Instrument fühlt sich nicht nur grundsolide an, es hält auch Blicken auf Details hervorragend stand. Besonders begeistert bin ich von der absolut ausgezeichneten Bundierung – da bin ich in der Preisklasse durchwachsenere Verarbeitungsstandards gewöhnt. Die Bünde sind allerdings nicht nur 1A abgerichtet, sondern auch an den Enden akkurat verrundet. Hut ab!

Da in Sachen Tonabnehmer und Brücke auf Bewährtes zurückgegriffen wurde, gibt es auch an diesen Stellen nichts zu meckern. Und selbst die hauseigenen Locking-Stimmmechaniken verrichten ihre Arbeit präzise und zuverlässig. Lackierung und Shapings lassen schlichtweg keine Schwächen erkennen, und ich bin schlussendlich etwas darüber geschockt, wie nah die LTD-Black-Metal-Serie qualitativ an meine aus japanischer Produktion stammenden ESP-E-II-Bariton-7er herankommt.

Präzise arbeitende LTD-Locking-Mechaniken (Bild: Hawemann)

ARBEITSTIER

Optik und Haptik stimmen also bei der LTD M-7HT Bariton schon mal. Mit 3,6kg bringt sie ein solides Grundgewicht auf die Wage, das sich für mich etwas am oberen Ende der Komfort-Skala befindet, aber definitiv nicht darüber hinaus schießt. Die Gitarre ist auf dem Schoß sowie am Gurt gut ausbalanciert und mir fällt auch gleich positiv das ‚Extra Thin U‘-Profil auf. Meine Horizon-Bariton-7-Strings haben das reguläre „Thin U“-Profil, und während dieses durchaus komfortabel ist, fühlt sich das Profil der M-7HT auf Anhieb erst mal etwas flinker an.

Mein Exemplar hat vor der Auslieferung ein vernünftiges Setup spendiert bekommen, und die flache Saitenlage sorgt in Kombination mit den ausgezeichneten Bünden für ein sehr angenehmes Spielgefühl.

Der einzige Wermutstropfen ist trotz des eigentlich so minimalistischen Layouts der Gitarre der etwas unglücklich platzierte Volume-Poti, der regelmäßig mit der unteren Kante meines kleinen Fingers in Berührung kommt. Die Position des Potis ist häufig ein Kritikpunkt bei Spielern und potenziellen Käufern von Gitarren aus dem Hause ESP. Ich wusste mir im Endeffekt so zu helfen, dass ich anstelle des Potis einen Stummschalter installieren ließ. Dieser hat ein ungemein niedriges Profil und ist passend zum Rest der Gitarre in schwarz gehalten.

An der Hipshot-Brücke liefert der Seymour Duncan Black Winter ein straffes, leicht gescooptes Metal-Brett. (Bild: Hawemann)

Der ab Werk installierte Seymour Duncan Black Winter macht seinen Job indes gut – zumindest bis zu einer Stimmung bis maximal A. Aber machen wir uns nichts vor: Viele Gitarristen kaufen Bariton-Gitarren um ggf. noch tiefer zu stimmen. Meine ist z. B. wie eine 8-Saiter gestimmt, ohne hohe E-Saite versteht sich.

Und bei Akkorden auf der tiefsten Saite geht der Black Winter einfach etwas in die Knie. Das Low End wirkt schlagartig komprimiert, aber verliert dabei auch einiges an Aggression und Attack. Solltet ihr mit euren Tunings irgendwo zwischen H und A landen, sollte der Humbucker seinen Job aber problemlos verrichten – denn die restlichen sechs Saiten überträgt der Black Winter straff, klar und aggressiv.

Was mir an dem Tonabnehmer darüber hinaus besonders gut gefällt, ist der leichte „scooped“-Charakter, der sich besonders für 90er-Death-Metal oder Industrial-Metal-Sounds à la Fear Factory eignen dürfte. Nur zu tief in den Keller darf es anscheinend nicht gehen.

Fluoreszierende Luminlay-Griffbrettmarkierungen sorgen für beste Orientierung, auch auf dunklen Bühnen (Bild: Hawemann)

FAZIT

Schwarze Gitarren waren für mich in Vergangenheit doch eher ein langweiliges Thema, aber LTD haben es mit der Black-Metal-Serie geschafft, so konsequent schwarzzumalen, dass ich mich von Anfang an in sie verguckt habe!

Wer nach einem hochqualitativen Arbeitstier mit sieben Saiten sucht, das darüber hinaus auch noch richtig finster aussieht, der wird bei der LTD M-7HT Baritone Black Metal auf jeden Fall fündig. Schwächen sind bis auf die für einige Gitarristen sicherlich etwas ungünstige Position des Volume-Potis schlichtweg nicht auszumachen.

Darüber hinaus kratzt die Qualität der M-7HT an Gitarren in ganz anderen Preisklassen und so manifestiert sich bei mir tatsächlich zum ersten Mal überhaupt das Gefühl, dass mir hier eine Gitarre vorliegt die ihren Verkaufswert streng genommen übersteigt.

SPECS

● Erle Korpus
● Matt-schwarz Lack
● Ahorn Hals, 3-teilig
● 27“-Mensur
● Extra dünnes U-Profil
● Ebenholz-Griffbrett
● 24 XJ-Bünde
● Hipshot-Brücke
● String-Thru-Body
● Seymour Duncan Black Winter Humbucker
● LTD Locking-Mechaniken
● Luminlay Side Dots
● Preis (Street): ca € 1150

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2020)

Produkt: ESP im großen Technik-Special
ESP im großen Technik-Special
Vom Parts-Lieferanten zum Gitarren-Giganten: In unserem großen ESP Technik-Special erfährst du alles über den Erfolgshersteller aus Japan!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren