Produkt: Stromgitarren Sonderausgabe
Stromgitarren Sonderausgabe
Du liebst elektrische Sounds? Dann downloade dir das GITARRE & BASS SPECIAL über STROMGITARREN!
Zackiger Eisenvogel!

Metal Guitars: B. C. Rich Ironbird

(Bild: Hawemann)

Was ist denn hier los – neuer Titel, Gitarren mit sechs Saiten, extreme Korpusformen?! Nach drei Jahren Extended-Range-Kolumne ist es an der Zeit, neue Wege einzuschlagen. Also erweitern wir den Themenbereich auf Metal Gitarren. Heißt das, dass hier keinerlei Instrumente mit mehr als sechs Saiten besprochen werden? Mitnichten! Aber das ist schlichtweg nicht mehr der alleinige Fokus. Erwarten könnt ihr an dieser Stelle in Zukunft Stories, Interviews und Reviews über alles, was in Sachen Metal und Gitarren Relevanz hat.

Und was passt zum Auftakt dieser neuen Serie besser, als über eine der ikonischsten Metal-Gitarren-Marken überhaupt zu sprechen? B.C. Rich erfährt in den letzten zwei Jahren dank des Extrem Metal Undergrounds ein interessantes Revival. Und die Galionsfigur dieses neu entflammten Hypes ist unumstritten die Ironbird.

Anzeige

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, nicht nur die ehemalige Ironbird von Rick Rozz (ex-Death) zu spielen, sondern auch zwei besonders brutale Custom Shop Exemplare. Alle drei gehören Leon del Muerte von Nails, den ich für diesen Artikel im September in Portland besuchte.

back to the future

Wer sich in letzter Zeit mit der Death-Metal-Szene auseinandergesetzt hat, dem dürfte eines nicht entgangen sein: Die B.C. Rich Ironbird ist in diesem Genre momentan die It-Gitarre schlechthin. Neben Szene Urgesteinen wie Trey Azagthoth von Morbid Angel und Erik Rutan von Hate Eternal, sind besonders die abgespaceten US-Old-School-Death-Metaller von Blood Incantation dafür bekannt, große Ironbird-Fans zu sein.

Die Abkehr von den jahrelang das Genre dominierenden Superstrats zurück zu radikaleren Formen ist untrennbar mit der musikalischen Entwicklung im Death Metal verbunden. Der Genre-Mainstream litt seit geraumer Zeit unter einer gewissen Stagnation und war von überwiegend klinisch produziertem Tech Death geprägt. Also tat sich im Genre-Underground was sich tun musste: Es entstand eine Gegenbewegung. Der Sound wurde oldschooliger, die Produktionen roher, das Image extremer.

Und mit dem Old-School-Death-Metal-Revival kamen auch die zackigeren Korpusformen wieder in Mode. Denn auch diese waren ein klares Statement gegen die Gitarrentrends der letzten Jahre. Und über diese haben wir in der Extended-Range-Kolumne ja sehr viel gesprochen: Superstrats, 7- und 8-Strings, Multiscales und sogar Headless Gitarren haben besonders in den 2010ern den frischen Wind in der Metal-Gitarren-Industrie ausgemacht. Es war und ist entsprechend undenkbar, dass sich eine Death-Metal-Band mit extremerem Image z. B. mit einer Strandberg Boden auf der Bühne sehen lassen würde.

So fand also wieder zusammen, was zumindest ästhetisch gut zueinander passt: Extreme Musik und extreme Gitarrenformen. Der Gebrauchtmarkt für solide B.C.- Rich-Gitarren explodierte förmlich – nicht zuletzt auch weil die Marke in den letzten Jahren mehr oder weniger komplett in der Versenkung verschwunden war. Davon besonders betroffen – ihr erratet es sicher – die Ironbird! Selbst Modelle aus den billigeren Import-Serien werden momentan zu teils horrenden Preisen gehandelt. Die Nachfrage bestimmt nun einmal den Markt.

Ob es Zufall ist, dass ausgerechnet dieses Jahr ein neuer Besitzer für B.C. Rich angekündigt wurde und die ersten Import-Modelle schon in den Händen von Fans der Marke sind? Darüber lässt sich nur spekulieren. Das Timing könnte aber nicht besser sein.

radikal

Designt wurde die Ironbird von Joey Rico im Jahre 1983. Viel mehr Details lassen sich über die Entstehungsgeschichte dieses Modells nicht ohne Weiteres ausgraben. Fakt ist allerdings, dass die Ironbird auch damals schon in relativ überschaubaren Stückzahlen gebaut worden ist. Das Modell war schlichtweg von Anfang an nicht so populär wie z. B. die Warlock. Und während andere B.C.-Rich-Modelle nicht nur im extremen Metal zu Hause waren, hatte die Ironbird ihre Glanzstunde Ende der 80er vor allem im noch recht frischen Subgenre des Death Metals.

Unter anderem zierte die Rückseite des Morbid Angel Albums ‚Altars of Madness‘ z. B. ein Live-Foto von Gitarrist Trey Azagthoth mit einer knallroten Ironbird. Wie ein roter Blitz zierte der Eyecatcher dieses absolut wegweisende Album und weckte somit sicherlich Begehrlichkeiten bei denjenigen Fans, die selbst Gitarre spielten. Und Trey spielt das gute Stück übrigens bis heute. Vor zwei Jahren konnte ich Morbid Angel und dieses legendäre Instrument live in Tampa sehen.

Auch Rick Rozz spielte Ende der 80er eine rote Ironbird bei der Band Death. Angeblich wurde die Gitarre im Studio für die Aufnahmen von ‚Leprosy‘ benutzt. Auf der 1989er-Combat-Records-Tour, von der es seinerzeit ein VHS Tape gab, konnte man die Gitarre auch in Action sehen. 30 Jahre später hatte ich nun die Gelegenheit, dieses legendäre Instrument bei einem Besuch in Portland, Oregon aus der Nähe zu betrachten und natürlich selbst zu spielen. Und zwar im Hause von Leon del Muerte, seines Zeichens Gitarrist von der Grind-/Crustcore Band Nails.

Die feuerrote Ironbird gehörte einst Rick Rozz, dem ehemaligen Death-Gitarristen.

alle bösen dinge sind drei

Wann genau in den 80ern die Rick-Rozz-Ironbird gebaut wurde, konnte ich nicht herausfinden, aber es scheint die einzige ihrer Art mit Wölkchen-Inlays zu sein. Dies untermauert die Vermutung, dass sie für den ehemaligen Death-Gitarristen höchst persönlich angefertigt worden ist. Das ist natürlich ein tolles Detail, aber was den Sex Appeal dieser Gitarre vor allem ausmacht, ist deutlich abstrakter: Es ist das vielbeschworene „Mojo“. Die blitzförmige B.C. Rich hat rundum diverse Blessuren und strotzt nur so vor Patina. Das steht dem transparent-roten Finish sehr gut. Besonders entlang der oberen Zarge ist das Finish stellenweise komplett abgerieben – man sieht jedenfalls, dass der Metallvogel in den gut 30 Jahren seiner Existenz ordentlich gespielt worden ist.

Wie typisch für die 80er ist das Tremolo nicht eingelassen, sondern auf dem Top montiert. Das tut der Bespielbarkeit glücklicherweise keinen Abbruch, sieht allerdings etwas klobig aus. Überhaupt spielt sich die geschichtsträchtige Ironbird wirklich toll. Der Hals ist flink, aber nicht zu flach. Das Resonanzverhalten der Gitarre spürt man am ganzen Körper. Einfach toll!

Was mich allerdings ästhetisch etwas stört, ist die Vielzahl an Drehknöpfen (drei) und Kippschaltern (fünf). Letztere sind, abgesehen vom Tonabnehmer-Toggle-Switch, nicht in Betrieb und ich frage mich ernsthaft, wieso B.C. Rich damals überhaupt so viele Schaltmöglichkeiten in ihren Instrumenten verbaut haben – zumal die meisten Metal-User vermutlich nicht viel damit anfangen konnten.

Und die ‚Leprosy‘-Ironbird ist wahrlich kein Einzelfall. Viele Instrumente der Marke hatten damals eine Kombination aus enorm vielen Kippschaltern und Potis – teilweise habe ich Gitarren mit bis zu 15 an der Zahl gesehen! Zum Glück kommen die aktiven Seymour Duncan Pickups, die jetzt in der feurig roten B.C. Rich verbaut sind, ohne den ganzen Schnick Schnack aus.

Nun hat Leon allerdings noch zwei andere Ironbirds – und diese sind viel eher meine Baustelle. Beide kommen aus dem B.C. Rich Custom Shop und sind absolut aufs Wesentliche reduziert. Die beiden Metal-Blitze kommen in jeweils matt schwarz und matt weiß daher, haben nur einen direkt in den Korpus geschraubten Steg-Tonabnehmer, einen einzelnen Volume-Regler sowie ein eingelassenes Floyd-Rose-Tremolo verbaut. Inlays findet man bei beiden nur im zwölften Bund.

Kurz gesagt: Die beiden Instrumente sehen absolut clean aus. Das minimalistischere Layout steht der Ironbird vortrefflich und betont ihre aggressive Formsprache nur noch mehr. Das gilt zwar oft für Gitarren mit nur einem Tonabnehmer, aber bei diesem B.C. Rich Modell ist es besonders auffällig.

Beide Gitarren sind baugleich, doch das mattweiße Exemplar ist schlichtweg der größere Hingucker – auch Leon bevorzugt sie gegenüber der dunkleren Variante. Sie ist auch etwas leichter und hängt ein bisschen angenehmer am Gurt. Überhaupt bin ich überrascht, wie gut balanciert die Ironbird ist – das gilt auch für die Bespielbarkeit auf dem Schoß in klassischer Position sowie auf dem rechten Oberschenkel. Man mag das bei so einer extremen Korpusform nicht vermuten, aber die Ironbird ist wirklich ein ziemlich bequemes Instrument.

baby bird

Niedlich: die Baby Bird (Bild: Hawemann)

Zu guter Letzt holte Leon noch eine kleine Überraschung aus dem Schrank – die „Baby Bird“. Es handelt sich dabei um eine Miniatur-Version der Ironbird mit eigens angefertigtem, etwas verschroben aussehendem Gigbag, in den man die Kleine allerdings nur mit etwas Gewalt hineinzwängen kann. Natürlich taugt diese maximal als Sammlerstück, aber sie ist tatsächlich mit einem Tonabnehmer bestückt und bespielbar. Für einen Ironbird-Fanatiker wie Leon musste sie natürlich in die Sammlung aufgenommen werden… warum auch nicht? Ein bisschen Spaß muss in der ernsten Welt der aggressiv geformten Extrem-Metal-Gitarren sein!

Produkt: Gitarre & Bass 4/2019
Gitarre & Bass 4/2019
INTERVIEWS: Bryan Adams, Tommy Emmanuel, Devin Townsend+++SPECIAL: Jazzgitarre in Deutschland+++Tiefer. Härter. Breiter: Die ERG-Highlights der NAMM 2019

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren