Produkt: Gitarre & Bass 07/2020 Digital
Gitarre & Bass 07/2020 Digital
Im Test: Fender Custom Shop 63 Stratocaster Relic Masterbuilt, Sadowsky J/J MetroLine & MasterBuilt LTD2020, MEC J/J-Style Metal Cover Bass Pickups u.v.m. +++ Stefan Stoppok: Deutschrocker, Universaltalent und Sound-Tüftler +++ Rabea Massaad: YouTube-Gitarrist & Equipment-Nerd +++ Carl Martin Acoustic Gig: Live-Tool für Akustiker +++
Made by Matsumoku

Japan Vintage: 1970s Aria Archtops

Poch, Poch, Poch schlägt das weltoffene Jazzer-Herz, wenn der oder die Organtragende diese wunderbaren japanischen Zwitterwesen aus Johnny Smith, L-5, Wes Montgomery und Super 400 entdecken. Und vergleicht man mal 70s-Gibson-Preise mit denen von Matsumoku aus der gleichen Zeit, dann wird einem noch wärmer um die Pumpe.

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Fans von Instrumenten made in Japan und Anhänger großartiger Gitarristen wie Eric Gale, bekannt aus der superben Easy-Listening-Jazz-Soul-Crossover-Band Stuff, des Entdeckers der Oktave, Wes Montgomery, von Elvis-Rocker Scotty Moore oder Patti-Begleiter Tuck Andress und natürlich Joe Pass und George Benson – alle lieben Archtops.

Die edle Ibanez 2461, ein Johnny-Smith-Modell, oder die 2460, eine Kopie der Gibson L-5, sind mittlerweile sehr selten geworden. Und auch teuer. Die megararen Ibanez-Modelle 2464 (Birdland), 2470 (L-5), die dicke George Benson GB20 und die rein akustische Archtop FA-800 werden inzwischen schon über € 3000 gehandelt. Immer noch günstiger zu bekommen sind z.B. die Ibanez FA300, die 2355 (ES-175), 2453 (Howard Roberts) und das schöne Joe-Pass-Signature-Modell.

Matsumokus namenlose PE180 (Bild: Lothar Trampert)

ARIA

Die Marke Aria stand in puncto Jazz-Gitarren lange etwas im Schatten von Ibanez, was sich aber in den letzten Jahren geändert hat. So sind die Modelle PE180 und PE190 inzwischen sehr gesucht, besonders begehrt sind die Robert-Conti-Signatures, gewidmet dem gleichnamigen, bei uns weniger bekannten, 1945 in Philadelphia geborenen BeBop-Gitarristen. Ein Qualitätsmerkmal zeichnet diese Aria-Gitarren aus: Sie wurden in den 1970er-Jahren in Japan von Matsumoku hergestellt – auf diese legendäre Gitarrenfabrik bin ich bereits in den beiden letzten Folgen von „Japan Vintage“ eingegangen.

Matsumokus namenlose PE180 (Bild: Lothar Trampert)

VIERERLEI ARCHTOPS

Im Folgenden vier Beispiele für qualitativ hochwertige Archtops, made in Japan by Matsumoku: Besonders selten ist das oben rechts zu sehende Modell ohne Logo auf der Kopfplatte, ohne Seriennummer und auch ohne Etikett im Inneren. Diese namenlose Schönheit ist absolut baugleich mit Aria-PE180-Modellen aus den späten 70ern, und Matsumoku hat sie eventuell als Vorführmodell für interessierte Firmen genutzt oder eben als namenlose Katalogware, so wie man das in Deutschland in den 60er/70erJahren von Lindberg, Quelle und Neckermann kannte. Sie hat die Pre-Lawsuit Gibson-Kopfplattenform (aka Open Book) und ist insgesamt eine Kopie der L-5, mit Details einer Super 400, was z. B. die Griffbretteinlagen angeht. Diese wunderschöne, große Gitarre klingt so, wie eine vollakustische Jazz-Gitarre klingen soll, und sie kann mehr als nur den klassischen, warmen Handschuhton.

Aria PE180 von ca. 1976
Aria PE180 von ca. 1976

Die allermeisten der hier erwähnten japanischen Archtops haben, im Gegensatz zur Gibson-Oberliga, keine massiven Decken. Hört man das bei rein akustischem Spiel meist noch raus, ist es oft bei verstärktem Einsatz kaum noch relevant – da überwiegt fast schon der Vorteil, unempfindlicher im Rückkopplungsverhalten zu sein. Und mal ehrlich: Wer hört bei klassischen Aufnahmen von Joe Pass, Attila Zoller, Tal Farlow oder Scotty Moore schon raus, ob die Decke wie gewachsen oder aus verleimten Holzschichten besteht? Die beiden baugleichen Aria-PE180-Modelle (siehe Abbildungen) liegen, wie an den unterschiedlichen Kopfplatten-Designs zu sehen ist, vermutlich zwei Jahre auseinander und wurden ca. 1976/’78 hergestellt.

Aria PE180 von ca. 1978
Aria PE180 von ca. 1978

Ähnlich wie bei der bekannten Gitarrenmarke „7ender“ wurde auch die Aria Pro II immer mal wieder falsch gelesen und von Musikern als „Aria Proll“ bezeichnet. Oft nannte man so sogar ihre Besitzer, von denen manche derart darunter litten, dass sie die Musik komplett aufgaben und z. B. Schmuckdesignerin oder Analog-Influencer wurden. Es war eine andere Zeit.

Aria Pro II PE190 Robert Conti von ca. 1979
Aria Pro II PE190 Robert Conti von ca. 1979

Die bereits erwähnte Robert-Conti-Signature PE190 hat nur einen Floating-Tonabnehmer und Volume- und Tone-Regler auf dem Schlagbrett. Sie wurde zwischen 1977 und ’79 hergestellt. Die PE190 gibt es einmal als extrem seltene Variante mit floralem Headstock-Design, über dem nur „Pro II“ zu lesen ist. Das hier abgebildete Modell hat die etwas schlichtere Kopfplatte; der Name „Robert Conti“ ist auf dem Saitenhalter-Tailpiece vermerkt. Die PE180 und die 190 haben einen 17″-Body mit ca. 9 cm Zargenhöhe.

Aria Pro II PE190 Robert Conti von ca. 1979 (Bild: Lothar Trampert)

Der dreiteilige Hals und der Korpus bestehen aus Ahorn, die Decke aus Fichte und das Griffbrett mit den Blockeinlagen aus Ebenholz. Diese schönen Aria-Archtops werden, je nach Zustand, für ungefähr € 1800 bis € 2400 gehandelt. Und sie sind wirklich nicht nur als Jazz-Gitarren zu gebrauchen. Mit .012er-Flatwound-Saiten klingen sie natürlich authentisch und swingen fast von ganz alleine – mit Roundwounds können sie aber auch richtig bluesig und oldschool funky rüberkommen. Ausprobieren!! Sofern man es schafft, eine in die Hände zu bekommen …

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 07/2020 Digital
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Im Test: Fender Custom Shop 63 Stratocaster Relic Masterbuilt, Sadowsky J/J MetroLine & MasterBuilt LTD2020, MEC J/J-Style Metal Cover Bass Pickups u.v.m. +++ Stefan Stoppok: Deutschrocker, Universaltalent und Sound-Tüftler +++ Rabea Massaad: YouTube-Gitarrist & Equipment-Nerd +++ Carl Martin Acoustic Gig: Live-Tool für Akustiker +++

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