Wir stellen verschiedene Konzepte vor

Hot Rod Mod: Mehrere Effekte gleichzeitig schalten

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Vor einiger Zeit erreichte mich eine Leserfrage, die ich nur kurz beantwortete, weil mir das geschilderte Problem interessant genug für einen Kolumnenbeitrag erschien. Gefragt hatte mich der Leser konkret nach einem Overdrive/Boost-Pedal mit dem man bei Anschalten (zum Solo) gleichzeitig den Loop des Verstärkers aktivieren kann, um mit einem Schaltvorgang das Signal zu boosten und gleichzeitig das Delay zu schalten. Im Prinzip trifft die Frage also auf das Problem, mehrere Effekte gleichzeitig schalten zu wollen. Ein Thema, die sicher für viele von uns interessant ist und für die es auch ganz unterschiedliche Lösungen gibt.

PRAGMATISCH

Ich habe mich dem Problem vor längerer Zeit schon mal gestellt, weil ich für meinen Solo-Sound ein Delay und einen Booster gleichzeitig aktivieren wollte. Meine Lösung damals war rein mechanisch, indem ich mir ein Delay/Booster-Doppelpedal baute, bei dem die beiden Schalter eng genug beisammen waren. So konnte ich mit einem Tritt gleichzeitig den Solo-Boost und das Delay aktivieren. Das Pedal kam dann in den Einschleifweg des Verstärkers und wurde für das Hervorheben von Soli angeschaltet. Die Idee ist sicherlich weder neu noch besonders innovativ, aber sehr pragmatisch. Dem Vorteil, dass man die unterschiedlichen Effekte auch noch einzeln schalten kann, steht der Nachteil gegenüber, dass man schon etwas konzentrierter beim Schalten sein muss, um auch wirklich beide Fußschalter zu treffen.

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Für Fußakrobaten: Zwei Fußschalter eng beieinander können auch zwei Effekte gleichzeitig aktivieren. (Bild: Himmelstrutz)

Bereits ein leicht schiefer Tritt, kann das gewünschte Umschalten beider Effekte verhindern. Wer mit Einzelpedalen arbeitet, wird die Pedale vielleicht nicht eng genug zusammenstellen können. Und spätestens wenn man drei Effekte gleichzeitig aktivieren möchte, ist man mit der simplen Lösung am Ende. Besser wäre es also, die Umschaltung mit nur einem Fußschalter aktivieren zu können.

MECHANISCH

Größere Pedalhersteller haben sich bisher eher zurückgehalten, zwei Funktionen in einem Pedal zu vereinen. Mein oben erwähntes Boost-Delay-Pedal gab es aber zumindest schon mal von der Firma Tech 21. Die hatte vor einigen Jahren die Pedale Boost DLA und Boost RVB am Start, die auch eine Lautstärkeanhebung beim Einschalten des Delays (bzw. Halls beim RVB) ermöglichten. Das ging dann mit nur einem Schalter. Die Booster-Schaltung wurde einfach hinter den Delay-Schaltkreis gelegt (Ausgang Delay in Eingang Booster) und gemeinsam mit dem Fußschalter aktiviert.

Doppelpedale, die mehrere Funktionen mit einem Fußschalter aktivieren, sind auf dem Markt eher selten. Ein Beispiel jedoch ist das Tech 21 Boost-DLA. (Bild: Tech 21)

Interessant wird es allerdings, wenn diese Effekte an verschiedenen Stellen im Signalweg liegen sollen. Die in der Leserzuschrift genannte Distortion/Boost-Delay-Doppelfunktion ist nämlich nur für Leute interessant, die nicht den OD des Amps nutzen wollen. Denn aus gutem Grund legt man die (zusätzliche) Verzerrung gerne vor den Amp und das Delay in den Einschleifweg. Ein Delay vor der Verzerrung klingt meist genauso unschön wie ein weiterer Verzerrer hinter der Vorstufe des Verstärkers.

Normale Belegung eines 3PDT-Schalters mit LED-Anzeige.

Aber auch das Problem könnte man mit einer Schalterlösung rein mechanisch bewerkstelligen. 3PDT- oder 4PDT-Schalter können ja drei oder vier Schaltvorgänge mit einem Fußtritt gleichzeitig auslösen. In der Regel wird ein 3PDT-Schalter genutzt, um gleichzeitig den Effekt-Ein- und -Ausgang sowie eine LED zu schalten. Wenn man auf die Schaltung der Ausgänge verzichtet, könnte man auch zwei Effekte gleichzeitig schalten. Wer keine Störgeräusche riskieren möchte, weil er die Ausgänge in der Luft hängen lässt, kann mit Hilfe eines 4PDT-Schalters zwei Effekte gleichzeitig komplett schalten. Um dann auch noch eine LED einzubauen, wäre z. B. die Millenium-Bypass-Schaltung, die ich schon mal in einem Kolumnenbeitrag (G&B 10/2017) vorgestellt habe, interessant.

Ein 4PDT-Fußschalter hat drei Anschlüsse auf vier Ebenen. Mit jedem Schalten bekommen die mittleren Pins entweder Kontakt mit den oberen oder unteren Anschlüssen – und das viermal gleichzeitig aber isoliert voneinander.

LUXUSLÖSUNG

Eine dritte Möglichkeit, um mit einem Tritt mehrere Schaltvorgänge auszulösen, ist die Verwendung eines Loopers. Der Begriff Looper wird ja bei Pedalen doppeldeutig verwendet. Einmal ist damit ein Aufnahmegerät gemeint, das mehrere Spuren übereinander abspielen kann, zum anderen ist damit aber auch ein Pedal gemeint, das eine oder mehrere Send-Return-Schleifen schalten kann. Gemeint ist hier natürlich Letzteres, das auch gerne mit der Bezeichnung Switcher/Looper präzisiert wird.

Ein kleiner True-Bypass-Looper kann schon mal eine Effektkette aus mehreren Effekten schalten. (Bild: One Control)

Wir hatten in einem früheren Kolumnenbeitrag (G&B 06/2016) einen kleinen einfachen True-Bypass-Looper gebaut, der den Job, mehrere Effekte gleichzeitig zu schalten, erledigen könnte. In die Send-Return-Schleife des Loopers kann man verschiedene Effekte hängen, die dann mit dem Tritt auf einen Fußschalter gleichzeitig aktiviert werden. Das Vermengen von Effekten, die vor dem Verstärker liegen und Effekten im Einschleifweg, sollte man aber besser vermeiden, wenn man sich keine Störgeräusche, Brummschleifen oder ähnliches ins Haus holen möchte. Das Bedienen von Effekten an verschiedenen Stellen des Signalweges benötigt schon aufwendigere Systeme mit isolierten Effektschleifen.

Das Rundum-Sorglos-Paket. Programmierbare Loop-Systeme lösen den Job und noch vieles mehr. (Bild: Harley Benton)

Professionelle Looper, die mit mehreren Schleifen arbeiten und diese auch noch kombinieren können, gibt es mittlerweile schon zu sehr vernünftigen Preisen. Ich denke, da z. B. an die Harley-Benton-Geräte von Thomann, die mit vier Effektschleifen bereits unter 100 Euro angeboten werden. In die Effekt-Return-Schleifen kann man einzelne Effekte oder Effektgruppen legen und per Tastendruck aktivieren. Auch die Kombination verschiedener Effekte oder Effektgruppen in mehreren Programmen ist in der Regel möglich. Viele Looper können auch zusätzlich noch Umschaltvorgänge – z. B. für die Kanalwahl am Verstärker – vornehmen.

Die Luxus-Looper-Option ist natürlich nicht ganz billig und hinsichtlich der Programmierung, bzw. der Konstellation des Effektboards auch bisweilen aufwendig. Aber die Vorteile liegen auf der Hand: Die unabhängigen Effektschleifen können auch für verschiedene Stellen im Signalweg gleichzeitig aktiviert werden und die Effektketten werden kurzgehalten, da immer nur die aktiven Effekte im Pedalweg sind, was dem Sound zu Gute kommt.

DIY-LÖSUNG

Aber die Empfehlung für einen programmierbaren Looper ist hier eigentlich fehl am Platz. In dieser Kolumne geht es ja schließlich um kleine DIY-Lösungen. Also zurück zum Kern der Dinge und ran an den Lötkolben. Wir verschalten dann jetzt mal einen Fußschalter so, dass neben der Kanalumschaltung eines Verstärkers auch noch ein Effekt aktiviert werden kann. Der erste Blick geht dabei zu der Umschaltung am Verstärker. Diese wird in der Regel im Verstärker selbst mit Hilfe eines Relais vorgenommen, das über ein Kabel am Fußschalter ferngesteuert wird. Die Footswitch-Pedale der meisten Verstärker sind demnach auch ganz einfache An-/Ausschalter.

Die Innenansicht zeigt, dass für die Kanalschaltung vieler Amps lediglich eine An- und Ausschaltung vorgenommen werden muss. (Bild: Richter)

Ein Blick in das Innere meines Marshall-DSL-Schalters zeigt, dass hier die einfachstmögliche Verdrahtung vorliegt. Der Schalter hat lediglich eine Ebene mit drei Anschlüssen, von denen der mittlere und ein äußerer mit den zwei Litzen des Anschlusskabels belegt sind. Er schaltet bei jeder Betätigung den Kontakt von der mittleren zu jeweils einer der äußeren Anschlüsse. Wird der Schalter betätigt, bekommt ein Relais im Verstärker das Signal, die Kanalumschaltung vorzunehmen. Natürlich kann für den Job auch ein Schalter mit mehreren Ebenen – z. B. unser beliebter 3PDT mit drei Schaltebenen – genommen werden. Die beiden übrigen Schaltebenen bieten dann die Möglichkeit, wie üblich jeweils den Ein- und Ausgang des Effektpedals ein- oder in den Bypass zu schalten.

Marshall-Fußschalter des DSL 100 mit LED (Bild: Marshall Amplification)

Im Fall des Marshall-Fußschalters ist eine vierte Ebene zur Schaltung einer Status-LED nicht notwendig, da der Footswitch bereits eine LED mitbringt. Diese wird vom Verstärker aus mit Spannung über eine der beiden Leitungen des Anschlusskabels versorgt. Die Verschaltung des 3PDT-Fußschalters orientiert sich an der normalen Verschaltung eines True-Bypass-Schalters. Nur, dass statt der LED bzw. zu der LED noch die Anschlüsse für die Kanalumschaltung auf die mittlere Ebene des Schalters gelegt werden. Statt lediglich die LED ein- und auszuschalten wird nun bei Betätigung des Effekts die Kanalumschaltung des Verstärkers vorgenommen. Eine extra Stromversorgung der LED sollte aber unterbleiben, da die LED des Marshall-Fußschalters ja den Strom vom Verstärker bekommt. Bietet der Amp-Footswitch die LED-Option nicht, sollte ein 4PDT-Schalter genommen werden, der auf der vierten Ebene dann noch die LED schalten kann. Natürlich kann das Prinzip auch auf andere Schaltfunktionen eines Verstärkers übertragen werden, so z. B. auf die Fernsteuerung des Hall-Effekts, den ja zahlreiche Verstärker anbieten. Denn ob man mit der Kanalschaltung des Verstärkers auch immer einen Effekt mitschalten will, halte ich für fraglich. Ich bleibe übrigens gerne bei meiner pragmatischen Lösung mit den eng beieinander liegenden Fußschaltern …


(erschienen in Gitarre & Bass 07/2022)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Einfach Line 6, Fractal und Co. nehmen. Dann noch die 4-Kabel Methode und man ist ab ca. 500,- Euro dabei. (und hat noch 100e andere Effekte und Möglichkeiten). Ist halt digital (wie fast alle sonstigen Delays auch).

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