Produkt: Gitarre & Bass 8/2019
Gitarre & Bass 8/2019
Special: PUNKROCK – Die Toten Hosen, Donots, Muff Potter +++ STORY: Paul Gilbert, Derek Trucks, Stu Hamm, Esperanza Spalding, Laura Cox, The Amazons, Accept, Carol Kaye, Keith Merrow +++ TEST: LTD Xtone PS-1000, Framus D Series, Mesa California Tweed 6V6 4:Forty, BassLine Bustiny 5, Collings D2H, G&L Fullerton Deluxe ASAT, EBS Reidmar 502, Walrus Audio Lillian & Monument, Seymour Duncan Billy Gibbons Red Devil PUs
Workshop

Hot Rod Mod: Effektboard-Fehlersuche

(Bild: Richter)

Je mehr Einzelteile in einem System sind, desto größer ist die Fehleranfälligkeit. Diese Tatsache gilt natürlich auch und insbesondere bei selbst konfigurierten Effektboards. Das Risiko von Störgeräuschen oder gar Totalausfällen erhöht sich auch, weil sich in der Regel viele unterschiedliche Teile diverser Hersteller vertragen sollen. Keine leichte Aufgabe, hier für Ruhe und Ordnung zu sorgen…

Rauschen, Brummen und Co.

Sehr viele Leserzuschriften, die mich erreichen, beziehen sich auf Störgeräusche in Pedalboards. In der Regel wird ein konkretes Problem mit den verwendeten Pedalen eines Pedalboards geschildert: Bei dem einen brummt es, bei dem anderen rauscht es, der dritte klagt über Fiepen und Zirpen und der vierte moniert ein Ploppen und Knacken. Störgeräusche können mannigfaltig sein! Und ebenso regelmäßig, wie diese Zuschrift erscheint, muss ich die Erwartungen dämpfen und darauf hinweisen, dass eine konkrete Fehlersuche per Ferndiagnose natürlich nicht möglich ist. Einige grundlegende Dinge kann man aber checken – und gar nicht so selten hilft das bereits weiter.

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In Ausgabe 09/2019 haben wir acht Noise Gates verglichen – hier gibt‘s für jedes Rauschen die passende Lösung! (Bild: Dieter Stork)

In Ausgabe 09/2019 haben wir acht Noise Gates verglichen – hier gibt‘s für jedes Rauschen die passende Lösung!

Wichtig ist es, die Störgeräusche voneinander zu unterscheiden, um zu entscheiden, wie und womit man gegen das Problem vorgehen kann: Als Rauschen bezeichnet man ein dauerhaftes Geräusch, meist im mittleren Frequenzbereich, Ploppen und Knacken sind kurzfristige mehr oder weniger laute Störsignale, Brummen ist ein tieffrequentes dauerhaftes meist gleichbleibendes Störgeräusch und Fiepen und Zirpen sind meist hochfrequent und können auch in Intensität und Tonhöhe schwanken. Gemeinsam ist Ihnen, dass sie nerven! Die gute Nachricht aber lautet: Jedes Störgeräusch hat seine eigene Ursache und die meisten können erfolgreich bekämpft werden. Doch bevor nun Euphorie ausbricht, sollte die erste wichtige Regel berücksichtigt werden…

Ibanez warb 1982 mit dem „FET silent switch“ für die Pedale der 9er-Serie. (Bild: Ibanez)

Realistisch bleiben!

Manch einer hat schon ziemlich hohe Erwartungen an sein frisch konfiguriertes Effektboard. Wenn es dann bei Verwendung von mehreren Effektgeräten – insbesondere Verzerrern – deutlich mehr rauscht als vorher, muss man halt einfach akzeptieren, dass das völlig normal ist. Jedes Effektpedal ist im Prinzip auch ein Vorverstärker. Und je mehr Vorverstärker im Spiel sind, desto höher sind natürlich auch die Nebengeräusche. Rauschen lässt sich also grundsätzlich nicht verhindern.

Man kann zwar davon ausgehen, dass hochwertigere Bauteile weniger rauschen als billige, aber im Prinzip wird der Rauschpegel immer erhöht, wenn ich Pedale nutze. Wer mit einem erhöhten Rauschpegel nicht leben mag, kann mit einem Noise-Gate für Ruhe sorgen. Mittlerweile gibt es einige davon auch in Pedalform. Empfehlenswert sind möglichst „intelligente“ Noise-Gates, die zwar für Ruhe in Spielpausen sorgen, aber zarte Klänge noch durchlassen und nicht alles unterhalb eines bestimmten Pegels rigoros abschneiden. Einen großen Vergleichstest zu dem Thema haben wir bereits in der September-Ausgabe gebracht.

Weiterhin sollte man sein Setup auch immer nur im „Normalbetrieb“ prüfen. Die Gitarre sollte also angeschlossen sein, wenn man Aussagen über Störgeräusche machen möchte. Hängt nämlich der Eingang in der Luft, kann man dem System keinen Vorwurf machen, wenn es rauscht, brummt oder zirpt.

Übrigens gehört beim Testen auch immer eine Hand an die Saiten. Denn schließlich wird darüber die Gitarrenelektronik „geerdet“.

Auch Knack- oder Ploppgeräusche (z. B. beim Betätigen der Ein-Ausschalter) sind bei True-Bypass-Pedalen oft bauartbedingt und nicht immer zu vermeiden. Neben dem mechanischen Geräusch, das eh nicht zu verhindern ist, nerven einige Pedale mit einem elektronischen Knallen beim Einschalten.

Ein Pull-Down-Widerstand kann manchmal gegen das elektronische Einschaltploppen helfen. In den meisten Schaltungen ist er bereits vorgesehen: R1 (1M) am Eingang und R4 (100K) am Ausgang sollen in unserem 10-Teile-Booster ein Einschaltploppen verhindern.
Ein Pull-Down-Widerstand kann manchmal gegen das elektronische Einschaltploppen helfen. In den meisten Schaltungen ist er bereits vorgesehen: R1 (1M) am Eingang und R4 (100K) am Ausgang sollen in unserem 10-Teile-Booster ein Einschaltploppen verhindern.

Mit einem hochohmigen „Pull-Down-Widerstand“ am Eingang – 1 MOhm oder mehr zwischen Eingang und Masse, z. B. direkt an der Buchse – und ggf. einem weiteren Widerstand am Effektausgang, kann man das elektronische Einschaltploppen zwar oft in den Griff bekommen, aber manchmal hilft nichts und man muss die Gegebenheiten einfach akzeptieren. Das Einschaltploppen war übrigens der Grund, warum die großen japanischen Effektgerätehersteller den elektronischen Bypass entwickelt haben. Ende der 70er-Jahre bewarben Boss und Ibanez ihre Pedale damit, dass sie knackfrei ein- und ausgeschaltet werden konnten.

Ordentlich arbeiten!

Weniger tolerant darf man gegenüber Brummgeräuschen sein. Diese deuten, wie auch ihre hochfrequenten Kollegen aus der Kategorie Fiepen und Zirpen, auf einen behebbaren Defekt meist im Bereich der Stromversorgung hin. Trotzdem kann die Fehlersuche bei Brumm & Co natürlich kompliziert und langwierig sein.

Aber einiges haben wir ja bereits beim Pedalboard- Bau berücksichtigt: Ein ausreichend dimensioniertes Netzteil mit isolierten Ausgängen und eine Trennung von Effekten vor dem Amp und im Amp sind schon mal eine gute Basis, um das unschöne Netzbrummen zu verhindern. Wer dann noch die Kabel ordentlich verlegt, also stromführende von signalführenden Kabeln möglichst trennt, und das Wah-Wah mit seiner empfindlichen Spule möglichst weit vom Netzteil entfernt, ist meist auf der sicheren Seite. Eine Notfallhilfe bei den berüchtigten Brummschleifen, die entstehen können, wenn man mehrere Zugänge zum Stromnetz benutzt, kann ein Trenntrafo sein, der für eine galvanische Trennung der Masseverbindung sorgt. Eine „Line-Isolation-Box“ oder ein „Hum Destroyer“ sind bereits fertig konfektionierte Trenntrafos für die schnelle Hilfe.

Ein Trenntrafo, z. B. in einer Line-Isolation Box, kann die Rettung vor einer Brummschleife sein. (Bild: Behringer)

Cool bleiben!

Wenn man festgestellt hat, dass die Störgeräusche nicht bauart- oder konstruktionsbedingt normal sind, gilt es die zweite wichtige Regel zu beherzigen: Cool bleiben und versuchen, den Fehler einzugrenzen. Das Cool-Bleiben ist v. a. auf der Bühne wichtig, wenn man plötzlich ohne oder mit einem merkwürdigen Sound dasteht. Hier sollte man erst mal alle Effekte durchschalten und schauen, ob nicht zufällig bei einem Effekt nur ein Regler ungünstig verstellt ist. Zugedrehte Level-Potis bei Verzerrern sind z. B. gerne mal dafür verantwortlich, dass kein Ton aus der Anlage kommt und man schon befürchtet, der Verstärker sei nun abgeraucht. Ich hatte mal ein Cry Baby (ohne LED), das wider Erwarten an war und mir wegen des nasalen Sounds beim stressigen Soundcheck suggerierte, mein Effektboard sei kaputt.

Hilft das nicht weiter, kommt der Test, ob das System ohne Effektboard normal funktioniert. Also mal alles abklemmen (auch den Effekteinschleifweg) und mit der Gitarre direkt in den Verstärker. Geht das problemlos, dann geht die mühsame Sucherei am Effektboard weiter. Vielleicht hebt man sich das aber lieber für zu Hause auf und versucht den Gig mit dem rudimentären Notbesteck über die Bühne zu bringen?

Mehrere Klinkenbuchsen an Effektpedalen können schon mal verwirren. Wer beim PS6 z. B. die Input- mit der EXP Buchse verwechselt, muss sich nicht wundern, wenn das Pedal kein Mucks mehr macht. (Bild: BOSS)

Fehler schrittweise isolieren!

Im sicheren Proberaum oder Wohnzimmer fällt das Cool-Bleiben sicher leichter. Wenn man hier feststellt, dass etwas nicht stimmt, kann man in Ruhe an die Fehlersuche gehen. Mein erster Blick, wenn irgendetwas nicht stimmt, gilt den Kabeln. Erfahrungsgemäß sind es viel häufiger die Verbindungen als die Geräte, die defekt sind. Daher erst mal prüfen, ob alle Kabel funktionieren und die Kabel auch richtig gesteckt sind. Effektgeräte haben zum Teil mehrere Ein- oder Ausgangsbuchsen. Wenn man z. B. statt des Inputs versehentlich die Fußschalterbuchse erwischt, wird aus dem Effekt kein Ton herauskommen – auch nicht im Bypass. Auch wenn man Send und Return am Verstärker falsch belegt, wird der Einschleifweg des Amps nicht funktionieren. In der Regel muss das Signal von der Send-Buchse des Verstärkers zum Eingang des Effektgerätes (Input) und von dem (Mono-)Ausgang des Effektgerätes (Output) wieder zur Return-Buchse geführt werden.

Der zweite Blick gilt der Stromversorgung: Sind die Pedale mit der vorgeschriebenen Spannung und mit ausreichender Stromstärke versorgt. Hier hilft es oft nachzuschauen, ob die einzelnen Pedale des Boards nur an dem verwendeten Netzteil brummen oder auch mit Batteriebetrieb. Auch für die Stromkabel gilt natürlich der oben erwähnte erste Schritt und damit die Prüfung, ob die Kabel in Ordnung sind. Neben der Sichtprüfung und dem Tauschverfahren kann hierbei ein Multimeter wertvolle Dienste leisten. Also erst mal Kabel und Buchsen des Netzteils durchprobieren und untereinander tauschen oder gleich mit der Ohmmeter-Funktion des Messgerätes prüfen, ob das Kabel auf beiden Adern Durchgang hat.

Die Ohmmeterfunktion des Messgerätes zeigt Durchgang. Zumindest diese Ader des Kabels funktioniert. (Bild: Richter)

Der dritte Schritt gilt dann den Geräten an sich: Nach einer Sicht- und Fühlprüfung, ob z. B. auch alle Buchsen fest sind, teste ich, ob die Geräte alleine – am Netzteil und ggf. über Batterie – einwandfrei funktionieren. Bei dem Netzteil messe ich, ob die Buchsen alle die angegebene Spannung liefern und falls das nicht weiterhilft, probiere ich ein anderes Netzteil aus. Meist kann der Fehler so gefunden werden und nach dem Austausch oder der Reparatur des defekten Elementes kommt wieder Freude auf.

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 12/2019
Gitarre & Bass 12/2019
INTERVIEWS: Steve Morse, Mando Diao, Whitesnake, Guido Donot +++ TEST: Fender American Ultra Stratocaster & Telecaster, Schecter Keith Merrow KM-7 MKIII Artist & Standard, BluGuitar Amp1 Iridium Pedalboard-Amp, Sandberg California SL TT4 Superlight, Warwick RockBass Idolmaker 5string

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Die Reihenfolge der Stromanschlüsse am Netzteil der kann eine Ursache für Störgeräusche sei und die Digitalgeräte streuen gern “Fieselgeräusche” über das Netzteil ein. Abhilfe kann ein “Joyo ZGP” oder ein “Purifier” von Palmer schaffen, die zwischen Netzteil und Gerät angeordnet werden. Angeblich isolierte Netzteile sind nicht immer die Lösung. Vielleicht hilft eine Powerbank mit ausreichend mAh. Pflicht für eine “Geräuschkultur” ist auf jeden Fall ein Sentry. Manche Bodentreter klingen einfach mit 9 V Batterie besser als im Board. Bonamassa macht das angeblich jetzt. Ein Multieffektpedal ist hinsichtlich der Störgeräusche immer im Vorteil und spart Platz und viel Geld.

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