Teil 13

Homerecording: Songproduktion Teil 2 – Drum Recording

Schlagzeug aufnehmen ist nicht ganz ohne! Darum habe ich es auch lieber machen lassen, und zwar von einem der krassesten Drummer, der mir jemals untergekommen ist: Boris Ehlers. Ich bin jedenfalls sehr happy, dass Boris den Grundstein für den Song sowohl eingespielt als auch in seinem eigenen Studio aufgenommen hat.

Anzeige

Das war viel Arbeit, und als Gegenleistung werde ich ihn hier bei jeder Gelegenheit in den allerhöchsten Tönen loben. Boris spielt ein Drumset der L.A. Edelschmiede Pork Pie, und so wurden die Aufnahmen mit einem abartig guten VS-Custom-Set eingespielt. Die Kessel bestehen aus Ahorn, wodurch die Drums einen populären, warmen und runden Klang liefern. Kick und Snare sind mit Remo Powerstroke 3 Fellen bespannt, welche durch den doppelt verstärkten Rand einen für Rock gefälligen, eher trockenen Sound fördern.

Bei Aufnahmen ist es sinnvoll, das Set aufs Wesentliche zu beschränken und den ganzen Dickehose-Krempel zu Hause zu lassen. So hat Boris nur zwei Toms (ein Hänge- und das Standtom) benutzt, um die Störgeräusche von mitschwingenden Fellen zu minimieren. Zudem sind die Toms mit doppelschichtigen Remo Emperor Fellen bezogen, welche noch etwas obertonärmer sind, und somit für unsere Zwecke unkomplizierter zum gewollten Sound führen.

Um den Klang noch trockener zu bekommen, wurden Snare und Toms zusätzlich mit Moongel-Pads und das Schlagfell der Kick mit einer Serviette aus einem Kasseler Restaurant gedämpft. Um störende Reflexion und Echos im 16 qm großen Aufnahmeraum mit praktischer Dachschräge zu mildern, wurde das Set mit Gobos umstellt, welche mit porösen Höhenabsorbern unterschiedlicher Dicke beklebt sind (je dicker die Absorberschicht, desto tiefer die untere Grenzfrequenz der Absorbtion).

(Bild: Thomas Berg)

Boris hat für die Aufnahmen folgende Paiste-Becken ausgewählt: 15″ Dark Energy Mk3 Hi-Hat, 22″ Twenty Light Ride, 17″ Traditional & 18″ Twenty Crashs. Als Klöppel kommen bei diesem Baum von einem Mann Agner Light Maple Sticks zum Einsatz …. was musste er dafür schon Häme einstecken!

Die Mikrofonierung: Für Overheads und Hi-Hat kommen die im Preis- /Leistungsverhältnis genialen Rode NT-5 Kleinmembran-Kondenser mit Nierencharakteristik zum Einsatz. Die Overheads sind in einem großen AB (80 cm Abstand) angeordnet, wobei die Mikros leicht nach innen gedreht sind. Das ist nach Lehrbuch eigentlich falsch, bewirkt in der Praxis aber lediglich, dass durch die zusätzliche Intensitäts-Komponente das Stereobild wieder etwas zusammenrückt. Also geht es ein bisschen in die Richtung eines AB-Verfahrens mit Kugeln, wo der seitliche Einfall nicht durch die Richtwirkung gedämpft wird.

(Bild: Thomas Berg)

Die Overheads schweben über den Becken und haben einen Abstand zur Kick von etwa 130 cm. Das Hi-Hat NT5 ist auf das äußere Drittel der großen und Oberton-überquillenden HH ausgerichtet. Das Mikro hat hier einen minimalen Abstand von knapp 10 cm, um das Übersprechen besonders der in Schusslinie stehenden Snare niedrig zu halten. Dadurch enthält das Signal tiefe, ungewollte Anteile der HH, welche später im Mix mittels Lo-Cut bzw. Lo-Shelve zurechtgestutzt werden müssen.

Trotz der Kondenser-Kapsel, des kleinen Abstands und der rockigen, offenen HH ist der Klang nicht hart, was sowohl für die Paiste Hi-Hat als auch für das Mikrofon (und natürlich für Boris) spricht. Das komplexeste und manchmal etwas biestige Instrument am Set ist die Snare. Die teure 14″ Pork Pie Variante ist hier absolut idealtypisch und klingt perfekt.

(Bild: Thomas Berg)

Von oben kommt der Klassiker Shure SM57 zum Einsatz, für einen ausgewogenen Klang wurde das Mikro ziemlich nah und nicht ganz am Rand positioniert. Gerade bei dem Powerstroke Fell samt Moongel ist es vorausschauend, die Snare zusätzlich von unten abzunehmen. Dadurch kann man die Obertöne separat einfangen, und dann im Mix nach Belieben dazu mischen. Klassisch werden dafür Kondenser benutzt.

Hier kommt allerdings eine coole Alternative zum Einsatz: ein SM58, welches in diesem Fall auch schön kompatibel zum obigen SM57 ist. Durch den etwas „größeren“ Abstand von 7 cm ist der Frequenzgang dieses Mikros sehr Bass arm und hat genau im Obertonbereich der Snare einen 5 dB Boost – wie dafür gemacht! Bei einem Bottom-Snare Mikro darf man nicht vergessen, die Phase zu drehen, entweder bei der Aufnahme per Kabel (Pin 2&3 vertauschen) oder einfach am Preamp bzw. im Sequenzer per Knopfdruck.

Auch sehr wichtig und manchmal etwas schwierig ist die Bassdrum. Die 22×18 Pork Pie Kick ist relativ fest gespannt, um Boris den gewünschten „Rebound“ zu geben. Der Sound dieser Trommel ist selbstredend fantastisch und keinesfalls zu hoch, und dementsprechend ebenfalls einfach zu mikrofonieren und später zu mixen. Trotzdem ist die Bassdrum zur Sicherheit mit zwei Mikros ausgestattet: Einmal das Kick-Mikro AKG D112 („Das Ei“), welches im Inneren der Kick, mittig zwischen Schlag- und Resonanzfell und leicht zur Snare-Seite versetzt positioniert ist.

Darunter auf einer Decke liegt ein Sennheiser E901 Grenzflächen Modell (Mikro-Tipp!), welches speziell auf Bassdrum abgestimmt wurde. Die Position ist ebenfalls mittig, wodurch eine ausgewogene Balance zwischen Attack und Resonanz/Bauch sichergestellt wird. Beide Mikros bieten tolle aber recht unterschiedliche Signale, wobei die Grenzfläche deutlich Attack-betonter ausfällt. Hier hat man also im Mix einigen Spielraum, ohne überhaupt einen EQ bemühen zu müssen.

Das 12″ Hängetom wird mit einem gängigen Sennheiser E904 abgenommen, das 16″ Standtom ist mit einem dafür idealen Sennheiser MD421 mikrofoniert. Letzteres kann den Attack-Bereich dieses nicht ganz so obertonreichen, großen Kessels (samt Emperor und Moongel) noch ziemlich gut in Szene setzen.

Als Stützmikro für das Ride-Becken hat Boris ein interessantes Beyerdynamik M420 im Angebot, welches durch die kleine Kapsel ein (für dynamische Mikros) extrem schnelles Ansprechverhalten aufweist. Zudem hat das Mikro einen dicken Tiefenabfall, wodurch Cross-“Uhmpf“ von Kick und Floortom schon ohne Lo-Cut minimiert wird. Das warm klingende Mikro ist auf den Fuß der Glocke ausgerichtet, und bietet dort eine gute Balance.

Zu guter Letzt hat Boris noch ein Neumann TLM-103 als Raummikrofon spendiert. Dieses ist am Rand des Raumes mit der Vorderseite zur Wand in etwa 1 m Abstand ausgerichtet.

In der nächsten Folge kommt dann der zweite Teil zum Thema „Drum Recording“, wo es mit dem restlichen Equipment, „Aufräumarbeiten“ und dem ersten Drum-Mixing weitergeht.


Alle Folgen zum Homerecording: www.gitarrebass.de/thema/homerecording

Tiefergehende Informationen zur gesamten Bandbreite der Recording-Welt gibt es auf: www.soundandrecording.de

Die Workshop- & Community-Plattform für alle Recording-, Mixing- & Mastering-Engineers sowie Produzenten: www.studioszene.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren