Teil 11

Homerecording: Songproduktion Teil 1 – Einführung

Wenn man als Musiker seine eigene Musik nicht nur machen, sondern auch aufnehmen möchte, müssen neben dem eigentlichen Rumgedudel auch noch eine Menge anderer Dinge erledigt werden. Selbst das Durchziehen des simpelsten Songs von der Idee bis zum Master (auf gewissem Niveau …) bedeutet nicht zuletzt ziemlich viel Arbeit. Da Künstler aber ohne Ausnahme total faul sind, bleibt es trotz Potentials oft nur beim holprigen Demo oder kontextlosen Fragment, beides höchstens für die Schublade interessant.

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Aus diesem Anlass starten wir nun in dieser Ausgabe eine Reihe zu diesem Thema, wo wir von der ersten Idee bis zum (nicht immer alles fixenden) Mixdown einer kompletten Songproduktion beiwohnen werden. Dabei sollen dann über die nächsten Folgen nach und nach die einzelnen Instrumente sowie der Gesang vernünftig aufgenommen werden, wobei wir gleichzeitig auf die dabei anfallenden technischen, künstlerischen und ggf. kosmetischen Eingriffe mit Schere, EQ usw. genauestens eingehen werden.

In dieser Ausgabe geht es erst mal um den groben Song-Entwurf, welcher für den folgenden Produktionsablauf als Vorlage dienen soll. Eigens dafür habe ich persönlich ein unbeschreibliches Anschauungsobjekt komponiert. Da es hier aber in erster Linie ums Recording geht, soll man sich beim Lesen bitte über eventuelle brauchbare Recording-Erkenntnisse freuen, und das behandelte Stück Musik künstlerisch am besten nicht weiter hinterfragen.

Wenn man sich dazu entschließt einen eigenen Song zu schreiben, muss als erstes mal ein Musikstil und eine zündende Idee her. Bei mir gab der etwas dekadente (jeah!) Sound Nr.23 meines DigiTech RP155, welcher mir wie von selbst ein noch dekadenteres Rock-Riff einhauchte (welches ab jetzt nur noch als „Der Refrain“ bezeichnet wird), schließlich den Ausschlag.

So kam es, dass plötzlich feststand: Old School Hardrock in D-Moll. Für all diejenigen, die diese Musik scheiße finden: Da kann man leider nichts machen. Damit dieser potentielle Grundstein eines neuen Songs nicht schnell wieder abhaut, muss man ihn am besten direkt einfangen (ohne dabei tot zu machen …).

In dieser Notsituation sind folgende absurden Szenarien vorstellbar: Man kritzelt bei Ikea mit den dafür bereitliegenden Bleistiften irgendetwas auf ein Papierlineal. Oder man pfeift während des Verdauungsspaziergangs in sein Handy. Oder man hat wohlweißlich immer ein mobiles Aufnahmegerät dabei. Ooooder man ist grade sowieso schon mit Instrument und Sequenzer zu Gange, und drückt auf Aufnahme.  Letzteres ist dank portabler Mini-Studios aber sogar zwischen Tür und Angel oder Abwasch und Stickarbeiten kein Problem mehr.

Egal wie man es macht, wichtig ist, was am Ende für heiße Luft rauskommt. Als nächstes geht’s ums Ausarbeiten. Ein alter Zimmermann meinte mal: „Mach es grade, schief wird’s von ganz alleine“. Diesen Quatsch habe ich mir natürlich direkt gemerkt, und in eine omni-gültige Lebensweisheit umgewandelt. Auf diese vertraue ich beim Musikmachen genauso wie beim Tapezieren lassen von meinem Malermeister.

Also habe ich bei den restlichen Parts nicht lange herumgefackelt, sondern einfach spontane Einfälle eingebracht. Kleine „Interessantmacher“ und Variationen kann man ja auch noch später bzw. nach und nach einbringen, so jedenfalls der Plan. Auch bei der Songstruktur beließ ich es erst mal bei einem schon mal dagewesenen Muster.

Da im Rock besonders das Schlagzeug Aufschluss über die Wirkung der einzelnen Parts und deren Verknüpfungen gibt, habe ich nach den Gitarrenaufnahmen zuerst eine rudimentäre Programmierung der Trommeln in Angriff genommen. Mein plattes iPad-GarageBand kommt einem bei diesem Fremd-Instrument dank einfachem Touchscreen-Schlagzeug sehr entgegen, und wer mit seinen Wurstfingern die filigrane Technik überfordert, kann auch einen „Smart-Drums“- Automaten (ergänzend) zur Hilfe nehmen.

Nach getaner Arbeit fand ich es wiedermal erstaunlich, wie erst mit den Drums und deren Akzenten bzw. Lücken die wahre Songstruktur Form annimmt. Wie die eingespielten Lacher bei amerikanischen Sitcoms dem dumpfen Couchpotato signalisieren, wann er lachen muss, so erklärt das Schlagzeug dem Zuhörer, wie er den Songaufbau zu verstehen hat und wann die Post abgeht. Toll sowas!

Bis zu dieser Stelle ist der Songentwurf zunächst gediehen. Gesang, Bass, Eier, Butter, oh, Moment, war grade kurz abgelenkt, also ein paar nicht ganz unwichtige Elemente muss man sich beim Hören noch vorstellen. Nächsten Monat ist schon die erste Instrumenten-Aufnahme dran, bis dahin: viel Bass!


Alle Folgen zum Homerecording: www.gitarrebass.de/thema/homerecording

Tiefergehende Informationen zur gesamten Bandbreite der Recording-Welt gibt es auf: www.soundandrecording.de

Die Workshop- & Community-Plattform für alle Recording-, Mixing- & Mastering-Engineers sowie Produzenten: www.studioszene.de

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