Teil 10

Homerecording: Schalldämmung

Wir haben es diesmal nicht mit Gesundheitsprophylaxe in Form eines warmen Halses zu tun (man beachte das zweite L…) sondern mit einer manchmal lästigen aber lohnenden bauakustischen Maßnahme.

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Denn: „Recording wird oft nicht schön gefunden, weil es stets mit Geräusch verbunden“. So oder so ähnlich wusste das Wilhelm Busch schon 100 Jahre bevor Angus Young zum ersten Mal mit Bon Scott den Putz von den Wänden bröckeln ließ. Und kürzlich musste sogar ich zu der Erkenntnis gelangen, dass die durchs Treppenhaus schallenden Schlagzeugkünste meines Nachwuchses nicht allen Nachbarn gefallen müssen.

Deshalb habe ich die kalten und nassen Sommerabende damit verbracht, mittels Leichtbau den Hausfrieden zu wahren und unseren Musikraum wirksam zum Treppenhaus hin zu dämmen. Und wer wäre ich, wenn ich meine privaten Frickeleien nicht lukrativ als Workshop-Thema verwursten würde … und außerdem ist diese leidige Problematik unter urbanen Musikern ja leider relativ verbreitet, sodass es mir diesen Monat so oder so einen kleinen Exkurs wert ist.

In meinem konkreten Fall ging es um eine nicht mehr genutzte Tür, welche es möglichst „dicht“ zu machen galt (was aber zur Not auch ohne Hilti wieder rückgängig gemacht werden können sollte). Die hierbei behandelten Überlegungen lassen sich natürlich auch auf die Schalldämmung mittels Vorschalwand zum Nachbarhaus (bzw. zur Nachbarwohnung) oder auf freistehende Wände zwecks Raumteilung bis hin zu Raum-in-Raum-Konstrukten übertragen.

Prinzipiell muss man sich aber erst mal für eine Bauweise entscheiden, wobei Massiv- oder Leichtbau zur Auswahl stehen. Generell heißt es ja, dass viel Masse auch viel dämmt, sodass man bei einer Bunker-Konstruktion mit 80 cm Mauerwerk rundum auch ohne große Akustik-Kenntnisse schon mal nicht viel falsch machen kann.

Dabei sollten in der Wand aber keine Rohre oder Monster-Nägel vorhanden sein, da solche „Schallbrücken“ eine dicke Wand akustisch in eine dünne Holztür verwandeln können. Da solche größeren Baumaßnahmen aber sowieso wegen Kosten und Aufwand meistens nicht in Frage kommen, beschränke ich mich hier auf die sogenannte Leichtbauweise mit Stellwänden und Hohlraumdämmung.

Damit eine solche Konstruktion trotz relativ geringer Masse den Zweck der Schalldämmung auch zufriedenstellend erfüllt, gibt es ein paar einfache aber sehr wichtige (und dem Baumarkt-Fachverkäufer leider meist nicht geläufige) Grundregeln zu beachten:

Fugenabdichten

Alle Fugen müssen luftdicht geschlossen werden, da selbst das kleinste Loch die schönste Schalldämmung zunichte macht. D. h. man muss in allen Arbeitsschritten sämtliche Fugen unter nicht zu zimperlichem Einsatz von Acryl aus der Spritzpistole zuballern.

Bauschaum ist für unsere Zwecke übrigens sowohl zur Fugenverschließung als auch zur Hohlraumfüllung unbedingt und aufs Äußerste zu vermeiden, da es ähnlich wie Styropor zwar z. B. in der Wärmedämmung salonfähig ist, aber durch die steife und gleichzeitig leichte Masse sehr ungünstige Eigenresonanzen mitten im Hörbereich aufweist, und die Schalldämmung sogar noch verschlechtern würde.

Entkoppeln

Der Schall pflanzt sich nicht nur durch die Luft, sondern auch durch Stein, Metall, Gips, schon glasig schimmernde Hartkäserinde etc. fort. Man spricht in diesem Fall von Körperschall. Auch wenn massiver Stein durch den Schall nur sehr schwer in Schwingung gebracht werden kann, ist z. B. das oben beschriebene Rohr in der Wand in der Lage, den Krach wunderbar weiterzutransportieren. Vertikal durchs Haus laufende Kaminschächte sind deswegen besonders gemein, da diese auch über fünf Etagen noch den Eindruck vermitteln, man säße in der Bassdrum.

Ohnehin ist Körperschall vorrangig bei tiefen Frequenzen problematisch, da diese durch ihre höhere Energie steife Materialien besser in Schwingung versetzen können. Deshalb kann man schon innerhalb des Raums etwas zur Schalldämmung beitragen, indem man versucht, Drums oder 4x12er vom Boden zu entkoppeln. Beim Schlagzeug haben sich als einfache Methode Europaletten mit unterseitig aufgeklebten (nicht geschraubt oder genagelt, >Schallbrücke!), möglichst dicken Gummimatten bewährt.

Auf der Oberseite kann man z. B. Laminat (am besten noch mit trittschalldämmender Schicht) + Teppich anbringen und den Hohlraum (zur Vermeidung von Resonanzen) mit Dämmwolle o. ä. auffüllen. Auch bei der Leichtbauwand ist penibel darauf zu achten, sämtliche Bauteile elastisch von den anliegenden Wänden, dem Boden und der Decke zu entkoppeln. Falls die Schalldämmung auch nach oben oder unten erfolgen soll, muss die Entkopplung auch in Form von elastisch abgehängter Decke bzw. „schwimmendem“ Boden, beides ohne starren Kontakt zu den Wänden, berücksichtigt werden.

So gibt es in professionellen Studios sogar ganze Raum-in-Raum(-in-Raum) Bauten, wo alle Schalen elastisch voneinander getrennt sind. Solche schweren und teuren Konstruktionen sind für uns allerdings höchstens als kleine Kabine machbar, wobei man sich bei Interesse gerne mal Bausätze einiger spezialisierter Firmen angucken kann.

Doppelt hält besser

Für optimalen Schallschutz sind (falls möglich) zwei voreinander liegende, getrennte Stellwände (Abstand ca. 10 cm) wesentlich effektiver als nur eine (auch wenn diese doppelt so dick dimensioniert ist!). Das kommt daher, da der Schall nun insgesamt vier statt zwei mal das Medium (Luft>Wand>Luft>Wand, zusätzlich zur ursprünglichen Wand) wechseln muss, und das ist anstrengend.

Das gilt übrigens auch für Türen! So ist eine billige (aber luftdichte!) zweite Tür vor der „alten“ Tür effektiver als nur eine einzelne, eventuell unbezahlbare Schallschutztür. Zudem ist es sinnvoll, die Stellwände zweilagig zu beplanken. Zum einen verdoppelt sich dadurch die in Schwingung zu versetzende Masse, zum anderen werden so die kritischen Fugen zwischen den Platten durch Versatz der 2. Lage verdeckt.

Praxis

Konkret ist eine vernünftig dämmende Trennwand folgendermaßen zu realisieren: An Boden und Decke werden „UW“ Rahmenprofile geschraubt, welche an den Seiten keinen Kontakt zu den Wänden haben sollten. Zusätzlich wird zur Entkopplung die Profil-Unterseite mit selbstklebendem Filz versehen und die Befestigungsschrauben mit kleinen Gummiplättchen o. ä. innenseitig vom Metallprofil getrennt (und wenn man pedantisch sein will, kann man noch darauf achten, die Schrauben möglichst mittig, also ohne seitlichen Kontakt zum Profil-Loch reinzuschrauben).

Selbstklebender Filz zur Entkopplung

Vertikal werden nun „CW“ Standprofile eingeklemmt, bei breiteren Wänden alle 60 cm, bei meiner Türöffnung nur jeweils links und rechts. Die Standprofile müssen ca. 1,5 cm kürzer abgesägt werden als die lichte Höhe zwischen Boden- und Deckenprofil. Die äußeren Standprofile müssen wegen des Kontaktes zu den Seitenwänden ebenfalls mit Filz beklebt werden, brauchen und sollen aber nicht mit den Wänden verschraubt werden.

UW-Rahmenprofil (links) und CW-Standprofil

Zur Vermeidung von Resonanzen im noch zu verschließenden Hohlraum wird dieser nun mit Glaswolle (oder sonstiger Mineralwolle) ohne zu pressen ausgefüllt. Dabei ist derjenige ein Fuchs, welcher die Dämmung ca. 1 cm breiter als den Profilabstand abschneidet. Nun werden die möglichst dicken (12,5 mm) Rigipsplatten mit Schnellbauschrauben im Abstand von 25 cm (nur!) an den CW-Standprofilen festgeschraubt.

Profile für 2. Schale mit Gummi „U-Scheibe“ vor verfugter erster Schale

Falls an der Leichtbauwand Regale oder sonstige schweren Gegenstände befestigt werden müssen, sind auch teurere OSB-Platten als Beplankung denkbar. Wichtig ist, dass die Platten rundum eine schmale Fuge und somit keinen festen Kontakt zu Boden, Wänden und Decke haben. Bevor die zweite Lage Rigips mit Versatz angeschraubt wird, müssen diese Fugen elastisch mit Acryl geschlossen und jene zwischen den einzelnen Rigipsplatten verspachtelt werden. Nach der zweiten Lage ebenfalls alle Fugen abdichten!

So, nun ist die erste Schale fertig. Falls noch Platz und Lust vorhanden sind, ist eine zweite, genauso aufgebaute Schale wie gesagt sehr empfehlenswert, da die schalldämmende Wirkung dadurch erst richtig in Fahrt kommt und dann mit einer dicken Steinmauer vergleichbar ist.


Alle Folgen zum Homerecording: www.gitarrebass.de/thema/homerecording

Tiefergehende Informationen zur gesamten Bandbreite der Recording-Welt gibt es auf: www.soundandrecording.de

Die Workshop- & Community-Plattform für alle Recording-, Mixing- & Mastering-Engineers sowie Produzenten: www.studioszene.de

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Eine gute Methode ist, in einer Lautstärke zu musizieren, bei der das Trommelfell und andere wichtige Organe geschont werden.
    Irgendwann kommt jeder dahinter.
    ausserdem klingt das Gehörte besser und intensiever.

    Gruss an alle Schwerhörigen.

    Peter

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