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Guitar Guru: Eko C02 & Wolfgang-Hüttl-Archtop

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine Eko C02 und eine Wolfgang Hüttl-Gitarre.

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? Hey, habt ihr vielleicht Infos zu dieser seltsamen Strat – sieht mir aus wie aus den 70ern (so Schrankwand-artig ;-), aber ich krieg nicht raus, was das für eine ist.

Georg

! Klar kriegen wir das raus. Bei deiner „Schrankwand“ hier handelt es sich um eine Eko C02. Gegründet 1959 in der italienischen Kleinstadt Recanati, entwickelte sich Eko rasch zum größten Instrumentenbauer Italiens und einem der größten in Europa. Bis in die späten 1960er-Jahre schufen die Italiener so gut wie ausschließlich eigenständige Designs, in den 1970er-Jahren allerdings setzten auch sie auf mehr oder weniger originalgetreue Kopien der US-Originale und dann, in der Schlussphase ab den späten 1970ern, ähnlich wie Ibanez wieder auf durchaus eigenständige Entwürfe.

Gegen diese Preiskonkurrenz konnte auch das – damals noch – Billiglohnland Italien nichts ausrichten. Wie bei der deutschen Konkurrenz hielt man bis in die frühen 1980er-Jahre durch, dann war Schluss. Nach einer Übergangsphase produzierte Eko im Jahr 2000 zunächst eine Neuauflage von Modellen in Tschechien. Heutige Ekos kommen aus China. Deine Eko, genannt C02, stammt aus der Endphase der klassischen Eko-Periode, also aus den späten 1970er- oder frühen 1980er-Jahren.

Diese Gitarren orientieren sich am typischen Spät-70er-Design (Naturfinish, Messingteile, hohes Gewicht), überzeugen mit hoher Qualität und Fertigungskunst und sind durchaus unter Sammlern und Liebhabern gefragt. Den Wert würde ich bei ca. € 400-500 sehen.

? Diese Gitarre habe ich auf dem Flohmarkt gefunden und mir wurde gesagt, es handele sich um eine Höfner. Ein anderer meinte, das sei eine Framus – was ist denn nun richtig?

Helmut

! Beides ist falsch! Aber auch ich sehe oft in Internetforen, dass viele klassische Archtops ohne Label einfach mal als Höfner oder Framus deklariert werden, weil sie so ähnlich aussehen und das eventuell dem einen oder anderen verkaufsfördernd erscheint. Es gab aber eben damals noch eine Menge anderer Gitarrenhersteller, die heutzutage in Vergessenheit geraten sind, sich qualitativ aber nicht von den beiden bekannten Marken unterscheiden.

Bei deinem schönen Stück handelt es sich um eine Archtop von Wolfgang Hüttl. Erkennbar ist das an einigen Merkmalen wie der Form des Sattels, den aufgesprühten Verzierungen auf der Kopfplatte und so weiter – aber ich gebe zu, dass es Erfahrung braucht, um deutsche Archtops jener Periode genau einzuordnen. Und sie sehen sich alle ähnlich, weil die Gitarrenbauer damals meistens aus der gleichen Stadt in der Tschechoslowakei – Schönbach – stammten und derselben Tradition entsprangen. So auch Wolfgang Hüttl.

Nach der Vertreibung siedelte er sich wie viele andere Instrumentenmacher in Bubenreuth an und betrieb bis 1983 einen Betrieb mit zeitweise 50 Mitarbeitern. Die meisten Hüttl-Gitarren sind eher einfacher Natur (laminierte Hölzer, schlichte Ausstattung), so auch deine – es handelt sich um das Modell „Joker“ und dürfte aus den späten 1950er- oder frühen 1960er-Jahren sein. Da es sich nicht um eines seiner wenigen Topmodelle handelt, würde ich den Wert in komplett restauriertem Zustand auf etwa € 300 schätzen, so wie sie auf dem Foto dasteht deutlich unter € 200 – leider.

Das Problem sind die Hälse – derartige Gitarren wurden oft mit dicken Flatwounds gespielt und diese dann unter voller Spannung jahrzehntelang draufgelassen. Da der Hals keinen Spannstab hat, haben die meisten heute eine Bananenartige Krümmung und sind teilweise nicht mehr spielbar. Oft muss auch der ganze Hals neu eingeleimt werden, weil die Spannung ihn aus der Halstasche gezogen hat. Wenn diese beiden Problempunkte nicht zutreffen, dann sind das sehr schöne nostalgische Instrumente mit viel Django-Twang und „Chop“-Rhythmussound.

[7106]

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2018)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Auch ich habe eine Gitarre, über die ich nichts weiß, ausser, daß es eine Hoyer Gitarre ist. Erstanden habe ich sie bei einem Großcousin von Django Reinhardt, der mir erzählte, dass Django auch schon darauf gespielt hat. Demnach muß sie schon etwas älter sein…Fotos kann ich gerne schicken. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir mehr über das gute Stück sagen könnt.

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