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Guitar Basics: Modes – Lydisch

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(Bild: KRIACHKO OLEKSII/Shutterstock)

Bei Lydisch handelt es sich um einen Mode, der sich vor allem bei virtuosen Saitenartisten wie Joe Satriani, Steve Vai oder Plini – einem Vertreter der jüngeren Generation – großer Beliebtheit erfreut. Mit dem Klang des Modes verbinden sich Begriffe wie Helligkeit, Weite, Offenheit oder Sehnsucht. So ist Lydisch auch bei vielen Filmkomponisten eine häufig eingesetzte Klangfarbe. Joe Satrianis berühmter Song ‚Flying In A Blue Dream‘ ist ein Paradebeispiel für den unverkennbaren Sound dieses Modes, der hier gleich in drei Tonarten leuchten darf: C-Lydisch, Ab-Lydisch und F-Lydisch.

F-Lydisch entsteht, wenn wir die C-Durtonleiter vom vierten Ton aus spielen (siehe Beispiel 1). Suchen wir für C-Lydisch die passende Durtonleiter, hilft uns das Wissen, dass C der vierte Ton unserer gesuchten Durtonleiter sein muss. Bei G-Dur werden wir fündig:

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G  A  B  C  D  E  F# G

(zum Vergrößern klicken!)

Die Intervall-Struktur von Lydisch ist sehr interessant: Sie gleicht der einer Durtonleiter mit dem entscheidenden Unterschiedston #4. An die Stelle einer reinen Quart tritt eine übermäßige Quart, und diese ist auch die charakteristische Note des Modes. Sie sorgt nämlich dafür, dass auf der II. Stufe der Stufendreiklänge ein Durakkord erklingt, wie in Beispiel 3 zu sehen ist.

Und bei den Vierklängen (Beispiel 4) steht auf der II. Stufe ein Dominantseptakkord.

Um den Sound eines Modes zu verinnerlichen, ist es hilfreich, sich den Grundton, also das tonale Zentrum, als durchklingenden Ton im Bass zurechtzulegen.

Beispiel 5 zeigt einen Weg, F-Lydisch wie gerade beschrieben, ohne Hilfsmittel zu spielen. Das klingt durch die integrierten Leersaiten gar nicht nach Etüde.

Beispiel 6 zeigt die diatonischen Terzen von F-Lydisch in der XII. Lage. Eine technisch wie musikalisch fruchtbare Übung.

In der gleichen Lage spielen wir in Beispiel 7 F-Lydisch komplett in Terzschichtung. Mit den ersten vier Tönen decken wir den Basis-Vierklang Fmaj7 ab, es folgen mit den nächsten vier Tönen, die übrigens dem Arpeggio von G7 entsprechen, die Optionstöne 9, #11 und 13 und wieder der Grundton. Interessant ist, dass alle Optionstöne ohne Probleme eingesetzt werden können, es gibt keine sogenannten „Avoid Notes“, also Töne, die, als Akkord-Erweiterung oder auf schweren Zählzeiten gespielt, problematisch klingen. So ist das Improvisieren in Lydisch leichter als in anderen Modes.

Um sich in Lydisch besser auszukennen, empfehlen sich die Arpeggio-Studien der leitereigenen Dreiklänge (Beispiel 8) und Vierklänge (Beispiel 9).

Die oben schon angesprochenen Lydisch-Fans Steve Vai, Joe Satriani und Plini benutzen statt der bekannten fünf Fingersätze gerne die Three-Notes-Per-String-Scales, die sich für alle von der Durtonleiter abgeleiteten Modes bestens eignen.

Beispiel 10 zeigt alle sieben Positionen, denn man kann von jedem der sieben Töne der Modes beginnen. Die Fingersätze sind nur Vorschläge, die aber sehr gut spielbar sind. Am Ende sehen wir die Position 1, allerdings eine Oktave höher in Triolen legato gespielt. Wir merken hier schon, dass mit wenig Stress für die rechte Anschlagshand sehr schnelle und ungemein flüssig klingende Linien möglich sind. Man kann diese Legato-Linie in allen sieben Position durchspielen und lernt so eine Menge über die Bausteine, die z.B. Joe Satriani in seinen spektakulären Solos immer wieder verwendet.

Mit Beispiel 11 wenden wir uns den lydischen Akkordfolgen zu, die nicht so zahlreich sind wie die dorischen, mixolydischen oder äolischen, aber es gibt sie. Tom Petty hat seinen Song ‚My Girl‘ in A-Lydisch geschrieben. Wir erinnern uns: A ist der vierte Ton unserer E-Durtonleiter, die dann die Töne liefert:

E  F#  G#  A  B  C#  D#  E

E-Dur vom vierten Ton aus gespielt erzeugt A-Lydisch. In dem Riff klingt der Grundton A immer durch, über diesem kommt zunächst der Powerchord A5, dann Badd11, also ein B-Dur-Dreiklang mit hinzugefügter 11. Die kleine Sekunde zwischen Terz D# (H-Saite, 4. Bund) und E (Leersaite) klingt sehr markant, aber für meine Ohren nicht wirklich dissonant.

Fleetwood Mac haben mit ‚Dreams‘ einen Song in F-Lydisch geschrieben, der auf einer sich stets wiederholenden Basslinie basiert, die fast ausschließlich zwischen F und G hin- und herpendelt.

Beispiel 12 zeigt eine Begleitfigur, die nur leitereigene Septakkorde verwendet, aber auf Quinten konsequent verzichtet. Der Song wird aber durch das äußerst phantasievolle Arrangement mit zum Teil fünfstimmigen Backing Vocals und sparsamen aber effektvollen Rhythmusgitarren nie langweilig. Und er ist konsequent diatonisch, kommt also mit dem Tonmaterial von F-Lydisch aus, über das wir in diesem Workshop ja schon Einiges gelernt haben.

Zum Abschluss liefert Beispiel 13 noch eine aus den Three-Notes-Per-String-Scales bestehende Legato-Linie in F-Lydisch, wie sie Plini häufig spielt. Das Zusammenspiel von der rechten Anschlagshand, die nur Downstrokes spielt, und den Legato-Techniken der linken Hand ist genau dokumentiert. Viel Spaß damit!


(erschienen in Gitarre & Bass 08/2023)

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