G&B Basics!

Gitarren Parts, Tuning, Tonabnehmer & Co.

Parts, Tuning, Tonabnehmer – kann man ja später noch alles austauschen… Oder? Ein häufig auftretender Irrtum beim Kauf einer Gitarre ist der, dass man nach Erwerb einer preisgünstigen Sechssaitigen durch den Austausch der Tonabnehmer ernsthafte Konkurrenz zu einem Custom-Shop-Instrument schaffen kann und gleichzeitig noch den 59er-Les-Paul-Sound – was immer das sein soll – aus dem Hut zaubert.

Tuning-Material für eine E-Gitarre

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So einfach ist es mit den Pickups nicht, Kollegen! Denn zu allererst steht da mal der bedrückend wahre Lehrsatz im Raum: „Was nicht schwingt, das nicht klingt!“. Dieser will sagen: Zu allererst sollte man bei jedem Instrument mal dafür sorgen, dass die Physik stimmt, also dass nichts rappelt, mitschwingt oder scheppert. Wenn sich dann eine E-Gitarre, auch unverstärkt gespielt, als gut klingend herausstellt, kann man über die Verbesserung einzelner Komponenten nachdenken. Ist das nicht so, werden auch teuerste Austauschteile nicht viel ändern, weil auch die Tonabnehmer von diesen primären Aspekten einer funktionierenden E-Gitarre ausgebremst werden.

Gehen wir im Folgenden mal von oben nach unten vor, wobei die ersten drei Punkte sich positiv verstärkend auf das Schwingungsverhalten eines Instruments auswirken können:

• STIMMMECHANIKEN: Mal abgesehen von ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich die Saitenspannung und damit die Stimmung stabil zu halten, gibt es noch einen anderen Aspekt, den man mit „die Masse macht’s“ umschreiben könnte. Viele Gitarren gewinnen mit schweren Mechaniken, z.B. dicken Grover-Typen, erheblich an klanglicher Stabilität. Bei der Restaurierung alter Archtops mit den bekannten, an der frischen Luft arbeitenden Wandergitarren-Stimmmechaniken, konnte ich mit schweren geschlossenen Typen extreme Verbesserungen erzielen.

Es ist schon wichtig, was da oben auf der Kopfplatte passiert: In den 70ern gab es spezielle Metallplatten für manche E-Gitarre, die man sich unter die Mechaniken schraubte um so die schwingende Masse der Kopfplatte zu beeinflussen. Das ist kein Voodoo, da hört man Unterschiede! In dem Bereich gibt es aber auch andere Meinungen, so z.B. dass die Mechaniken leicht sein sollen, damit sie das (bei hochwertigen Instrumenten natürlich erstklassige) Schwingungsverhalten der Kopfplatte und des Halses nicht negativ beeinflussen. Da werden dann extra leichte, offene Mechaniken verbaut.

• SATTEL: Am Sattel werden die Saiten praktisch in die Schwingungsfreiheit entlassen, und daher ist dieser Auflage- und Übergabepunkt genau so wichtig wie der am Steg. Sprich: Das Material und seine Härte spielt eine große Rolle. Man kann sich denken, dass sich ein billiger, hohler Plastiksattel – beim Spielen ungegriffener Saiten – auch klanglich anders auswirkt als einer aus massivem Material, und dann Kunststoff, Knochen, Eisen oder Messing wieder ihre jeweils ganz eigene Komponente ins Spiel bringen werden. Auch hier kann man eine Menge Positives erreichen, wenn ein Austausch sauber gemacht wird. Die Sattelkerben müssen natürlich sauber gefeilt sein, sonst bringt’s nichts.

• STEG & SAITENHALTER: Einmal abgesehen von Aspekten der Funktionalität bzw. Disfunktionalität dank vermatschter Schrauben und versemmelter Gewinde, die eine saubere Steg-Justierung und somit auch Schwingungsübertragung unmöglich machen, spielen auch beim Steg und Saitenhalter die Materialien eine große Rolle: Bei einer Tune-o-matic- Bridge klingen Saitenreiter aus Kunststoff – wie bei manchen alten Japan-Kopien von SG und Paula, aber auch einigen Originalen – anders als solche aus Stahl oder Messing, oder eben ein Holzsteg. Wer schon mal einer Telecaster intonationskompensierte Bridges aus massivem Messing spendiert hat, hört einen deutlichen Unterschied.

Den gibt’s auch bei Wraparound-Tailpieces, wie bei der Les Paul Junior o.ä.; die beliebten Alu-Tailpieces klingen anders als schwere Stahlteile oder welche aus Messing. Stop, Korrektur: Natürlich klingen diese Teile nicht, sie beeinflussen nur das Schwingungsverhalten der Saite und des Instruments.

• ELEKTRIK: Schlechte Potis, wackelige Lötstellen, billige Verbindungskabel und Schalter können das Signal, das vom Tonabnehmer auf den Ausgang der E-Gitarre geleitet wird, negativ beeinflussen und in seiner Qualität mindern. Das reicht von verschluckten Höhen bis hin zu deutlich hörbarer Verzerrung durch defekte Potis. Keine Frage, dass hier ein Austausch sehr sinnvoll sein kann.

• TONABNEHMER: Wenn eine Gitarre cool klingt, dann klingt sie! Manche Sänger hören sich mit billigen Mikrofonen einfach viel besser an als mit High-End-Studio-Gear. Manche Klassikaufnahme einer Solo-Violine könnte dagegen aber von erstklassiger Mikrofonierung profitieren, weil nur so die feinsten Feinheiten des Klangspektrums gewandelt und dann aufgezeichnet werden können. Das alles gilt auch für Tonabnehmer: Eine Fender Strat wird mit sehr guten Strat-Tonabnehmern vermutlich immer besser klingen – wobei die von manchem Produkttester oft erregt diagnostizierte „Spritzigkeit, Transparenz und Offenheit in den Zwischenstellungen“ anderen Musikern als „in den Höhen nervend und ohne Arsch“ auf den selbigen gehen kann.

Es ist also vieles auch Geschmackssache. Wer einen guten, klassischen Les-Paul-Sound im Stil von Duane Allman, Slash oder einem anderen Les-Paul-Helden anstrebt, hat schon mal ein klares Klangbild vor Ohren: Da kann man dann konkret auf bestimmte PAF-Tonabnehmer-Typen zwischen 50 und 500 Euro verweisen, und Geldbeutel und Geschmack entscheiden lassen. Man kann mit Austausch-Pickups sicher ein etwas anderes Klangbild und mehr oder weniger Output erzielen, aber man kann aus einer Strat keine Les Paul machen, und aus einer Metal-Axt keine bluesige Tele ….

• UND SONST? Neben dem richtigen Tonabnehmer tragen im Übrigen auch ein ordentliches Kabel, ab und an mal neue Gitarrensaiten und ein guter Gitarrengurt, wenn man im Stehen spielt, sehr entscheidend zu einem guten Gitarren-Sound und einem gut gelaunten Gitarristen bei.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wir verkaufen seit 40 Jahren Gitarren und sind es müde dieses Wissen immer wieder zu erzählen. Ich hoffe dieser Artikel wird von vielen Kunden gelesen. Danke!

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    1. Ich hab`s gelesen Andreas……

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  2. Liebes Musicant Musikhaus,

    wenn ihr es leid seid, dieses großartige und nie gehörte “Wissen” immer wieder zu “erzählen”, dann sucht euch doch einfach ein anderes Betätigungsfeld. Ein Händler, der solch eine Äußerung verbreitet, wäre bezüglich Beratung beim Instrumentenkauf meine letzte Wahl.

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  3. Hallo Musikhaus, sorry aber das ist euer Job. Wenn Ihr durch gute Beratung dem Kunden keinen Zusatznutzen gegenüber den Internetkonkurrenten anbieten könnt, wird dieser beim T… und Co. bestellen. Also lieber das oben Gesagte wiederholen oder eigene Erkenntnisse anbringen. Im Übrigen gibt es unzählige Verallgemeinerungen über die sich trefflich streiten lässt: z.B. leichte Gitarren klinger besser als schwere, Stahlbrücken klingen bei einer Strat immer besser als Gussbrücken, Bodies mit Nitrolackierung klingen besser als solche mit Poly…lack, Stratbodies aus Linde klingen meistens schlechter als solche aus Erle, alte Tubesscreamer aus den 80′ klinger grundsätzlich besser als neue etc. Zu der These, dass man bei E-Gitarren bereits “trocken” gespielt die Qualität erkennen kann, habe ich auch von bekannten Gitarrenbauern ganz andere Meinungen gehört.

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  4. Ich verstehe euch! Es ist nicht die Aufgabe eines Händlers dem Kunden immer und immer wieder zu erklären dass ein trabbi mit Ferrari Motor trotzdem immer ein trabbi bleiben wird. Der Kunde ist dem Irrtum erliegen er könne dadurch Geld sparen. Tut er nicht, er schadet nur dem Handel. Immer alles billiger und billiger und das auf Kosten von uns Händlern. Irgendwann sind wir dann alle weg und ihr könnt euch bei eurem tollen thomann eure gitarren einstellen, tunen und reparieren lassen.viel Spaß beim verschicken

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  5. Ich muss Uli Püschel recht geben. Da ich Anfänger bin und mich noch nicht so gut auskenne, ist eine gute Beratung wichtig. Beim Trabbi und Ferrari ist es für jeden deutlich sichtbar, dass da ein großer Unterschied ist. Aber wenn man zwei Strats, zwei Tele und zwei Paulas sieht, da ist der erste äußerliche Unterschied für mich jedenfalls nicht so deutlichbsichtbar. Das sehe ich dann eher am Preis oder höre und fühle den Unterschied. Je größer die preisliche Differenz, desto eher kann man wohl auch als Anfänger ein Unterschied erkennen. Aber ich glaube bei z.B. einem Preis von 1500 Euro zu 3000 Euro wird es schwieriger für Anfänger.

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  6. Die Anschraubteile für die Kopfplatte hießen “Fathead”, wenn mich die Erinnerung nicht im Stich läßt. Über die Jahrzehnte hab’ ich immer wieder Gitarren gehabt, bei denen mehr Gewicht am Kopf das entscheidende bißchen ausgemacht hat. Das gilt immer noch, auch im derzeitigen Fuhrpark hab ich “beschwert”.

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  7. Zum Kommentar von Graubart: Ich stimme Dir gern zu, das bringt – gar nicht selten – erstaunlich viel. Ich benutze einen durchaus gewichtigen “fat)finger” [TM], schreibt sich genau SO, und der kam einst von Grooves Tubes (www.groovetubes.com), an sich einem Spezialisten für hochwertige Röhrentechnik. Diesem kleinen Helfer ist das Gitarrenmodell schnurz, das goldfarbene, nicht zu große Teil zum Anschrauben auf der Kopfplatte tut immer, was es kann, und das ist ist eine Menge! Physik halt! Zum Thema Service, hier vor Jahren angestoßen, sage ich mal lieber nur: Service muss immer sein, ob beim kleinen regionalen oder lokalen Händler oder beim großen Thomann, Musik Store, Musik Produktiv oder Session – um einige zu nennen. Wer seine Kunden missachtet, wird sie verlieren. Da spielt dann die Größe des Unternehmens kaum noch eine Rolle.

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  8. Fachgerechte Tipps und Informationen, wie in dem Artikel hier, sind für jeden Leser von unterschiedlichem Wert, aber grundsätzlich erstmal nützlich. Als Rentner-Oldie und Hobby-Guitar-Tech mache ich durch Austausch von Teilen, Einbau pfiffiger Schaltungen, Abrichten der Bünde, optimale Einstellungen (das ist das A + O) seit über 30 Jahren aus befriedigenden bis guten Gitarren sehr gute, und daher ist das meiste was ich so lese (wie hier) inzwischen ein “alter Hut”. Ab und zu entdecke ich aber mal einen Tipp, den ich so noch nicht kannte. Meine über die Jahrzehnte angelegte Tipp-Library wächst also immer noch :-)), man lernt nie aus. Gute Gitarrenläden sollten Leute beschäftigen, die gute Beratung drauf haben.
    Gitarrenauswahl: 1. Auge 2. Halsgefühl. 3. Trockentest 4. Schon nach 1. + 2. fallen die meisten Gitarren schon durch, ohne sie überhaupt ganz in die Hand genommen zu haben. Trockentest sagt mir vieles. Danach bleiben nur wenige übrig, egal in welcher Preisklasse. Amptest nur an Amps deren genauen Typ ich grds. kenne, also am liebsten simplen Röhrenamp ohne Effekte. Und: dann Lautstärke schrittweise erhöhen bis so laut wie möglich. Am liebsten habe ich das gleiche Gitarren-Modell mehrfach nebeneinander gehabt (was es leider nur noch selten in Läden gibt), dann war tatsächlich von 3 übriggebliebenen identischen (auch aus derselben Serie) nur eine, die mich voll überzeugt hatte. Im gereifteren Alter verkaufe ich seit Jahren schrittweise meine Bestände und erlebe immer wieder bei den Kaufinteressenten, dass Geschmack, Spielerfahrung, Spielgewohnheiten und letztlich Fertigkeiten sowie dann das Ohr den Käufer bei guter Qualität sehr unterschiedlich entscheiden lassen. Das lässt sich in kein Schema pressen. Und das ist gut so.

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    1. zu Gitarrenauswahl oben fehlt 4.: Amptest. sorry

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  9. @ Musicant Musikhaus Ihr habt beschrieben, was ihr tut: VERKAUFEN. Eure ganze Formulierung klingt nach Unlust. Schade, mir macht es Spaß, wenn Gitarrenwissen auf interessierte Neulinge trifft. und wer “Wow, Danke oder Geil” zu eurer Beratung sagt, der bleibt oft treu. NACHDENKEN.

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  10. Den Beitrag von MrHKBlues finde ich richtig gut ‒ es geht eben nicht um Theorie, sondern um Praxis. Auch ich habe, neben etwas teureren, jede Menge unterschiedlich günstiger Gitarren durch Hardware-Tuning und anderes mehr zu richtig guten Instrumenten machen oder machen lassen können, was mir auch viele Gitarristen in unserer musikalisch sehr aktiven Gegend bestätigen. Viele wundern sich, was eine vom Einkaufspreis her günstige Gitarre so leistet, wenn man sie gezielt verbessern kann. Aber eine gewisse Basis (Hölzer usw.) muss schon da sein, sonst laufen solche Tunings ins Leere und kosten mehr Geld, als das alles wert ist. Ich bin wohl in einem ähnlichen Alter wie MrHKBlues, spiele nach wie vor auch sehr viel live. Fachgerechte Tipps und Informationen aus möglichst vielen unterschiedlichen Quellen sind für mich immer erst mal interessant ‒ ich picke mir dann halt jeweils raus, was für mich neu oder so noch nicht betrachtet war. Ein zentraler Satz von MrHKBlues ist für mich: „Gute Gitarrenläden sollten Leute beschäftigen, die gute Beratung drauf haben.“ Ja, genau das. Und da kommt es auf die Größe des Ladens letztlich nicht an. Ich habe auch schon in Ein-Mann-Geschäften Inhaber gefunden, die eben „alles können müssen“. Ich habe zurzeit rund 30 E-Gitarren, verkaufe davon jetzt auch mal 10 Exemplare oder mehr. Und jedes, egal, welche Preis-Idee ich da habe, kann ich mit gutem Gewissen weitergeben, weil das eben immer „fertige“ Instrumente sind, die man sich je nach Geschmack zu Gemüte führen kann. Japan, Korea, China, Indonesien, auch Vietnam ‒ aus all diesen Ländern kommen inzwischen gute Gitarren, die mit etwas Aufwand zu sehr guten Gitarren werden können. Ich erlebe das fast täglich und freue mich über diese Art der Globalisierung!

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