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Der Boss CE-2 und das Strom-Mysterium

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Meine aktuelle Pedalboard-Baustelle mit dem Boss CE-2. (Bild: M.O. Richter)

Im letzten Beitrag hatte ich bereits meine Pedal-Board-Baustelle vorgestellt und einige Grundlagen zum Thema Stromversorgung von Pedalboards beschrieben. Wer sich die Effekte auf meinem Stressbrett genau angeschaut hat, wird darunter auch meinen Lieblingschorus, den Boss CE-2, entdeckt haben. Der CE-2 ist bekanntlich schon etwas älter – und die Eigenart älterer Boss-Effekte hinsichtlich der Stromversorgung soll uns heute beschäftigen.

boss chorus family

Der Boss CE-2 kam 1979 auf den Markt und wurde offiziell bis 1982 produziert. Er war aber noch lange darüber hinaus, bis etwa 1990, erhältlich. Sogar den Umzug der Produktion von Japan nach Taiwan im Jahr 1988 hat der CE-2 noch mitgemacht, wie die Exemplare mit dem grünen Sticker auf der Unterseite belegen. Der CE-2 war das erste Chorus-Pedal von Boss in dem bis heute üblichen Kompaktgehäuse.

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Sein Vorgänger, der legendäre Boss CE-1 steckte in einem grauen Gehäuse, das gut dreimal so groß war, wie die Standardpedalform, mit der Boss seit den 80ern auf allen Bühnen der Welt präsent ist. Während die CE-1-Schaltung noch ziemlich exakt dem Chorus-Effekt in dem Roland Jazz-Chorus-Verstärker entsprach, entwickelte Boss im CE-2 den Chorus-Effekt dezent weiter: Der mittlere Frequenzbereich wurde durch eine geringere Eingangsimpedanz stärker betont, sodass der CE-2 etwas kräftiger klingt. Der Kern der Schaltung blieb aber gleich. Der sphärige Chorus-Effekt wird durch das IC-Pärchen MN3007 und MN3101 erreicht.

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Links der Boss CE-1, rechts sein Nachfolger, der CE-2. Im direkten Vergleich wird der Begriff „Kompaktpedal“ anschaulich. (Bild: M.O. Richter)

Nachfolger des CE-2 wurde 1982 der CE-3 mit Metallic-Lack und Stereo-Option. Klanglich gilt der CE3 aber eher als schwarzes Schaf. Das dort verwendete günstigere MN3207/MN3102- Pärchen lässt den CE-3 nicht so vollmundig warm und eher etwas „digital“ klingen. Die Gebrauchtpreise des CE-3 sind dementsprechend auch deutlich günstiger als die der beiden Vorgänger. 1989 kam mit dem „Super Chorus“ Boss CH-1 ein Pedal mit anderer klanglicher Abstimmung auf den Markt. Der CH-1 sollte bewusst höhenreicher klingen als seine CE-Vorgänger. Die Bedienelemente des günstigen Stereo-Chorus wurden durch eine einfache Tonblende und einen Level-Regler erweitert.

Die CE-Familie wurde dann 1991 mit dem CE-5 weitergeführt – einen CE-4 gab es nie. Der CE-5 wurde dem CH-1 als Premium-Option zur Seite gestellt und erhielt über die Stereo-Option und den Regler für die Effekt-Intensität hinaus eine zweifache Klangregelung. Sowohl der CE-5 als auch der CH-1 werden bis heute produziert und sind seit über 25 Jahren ein beliebter Standard auf vielen Pedalboards.

Bis Oktober 2001 waren beide ihren Vorgängern technisch noch recht ähnlich und erzeugten den Chorus-Effekt analog – übrigens nach dem kurzen Seitensprung des CE-3 wieder mit der bewährten MN3007/MN3101-Kombination. Ab Oktober 2001 arbeiten der CH-1 und der nun intern als CE-5s bezeichnete Boss-Chorus nicht mehr mit den analogen Eimerketten-Speicherchips, sondern erzeugen den Chorus-Effekt digital.

Zu erkennen sind die „Digitalos“ am sichersten an der Seriennummer: Die Kombination aus zweitem Buchstaben und erster Zahl von „P1“ oder höher, weist auf einen Digitaleffekt hin. Einen digitalen Chorus von Boss gab es natürlich auch schon in den 80er-Jahren: Von 1988 bis 1993 wurde der DC-3, der erst Digital Dimension und dann ab 1989 Digital Space-D hieß, verkauft. Der DC-2 Dimension-C mit den vier Presetknöpfen ist übrigens technisch gesehen nicht der direkte Vorgänger des DC-3, da er noch analog aufgebaut war.

Gleich ist beiden DC-Modellen, zum einen ihr spezieller, sehr zurückhaltender Chorus-Sound und zum anderen, dass sie selten und gesucht sind. In dem programmierbaren CE-20 Doppelpedal steckt neben den anderen Boss-Klassikern übrigens auch eine DC-3 Emulation. Das jüngste Kind der Boss-Chorus-Familie kommt aus der Retorte: Boss ehrte seinen CE-2, indem er ihn in der hauseigenen Boutique-Werkstatt zu einem „Waza-Craft“ moddet. Der CE2w hat gegenüber seinem Vorbild eine Stereo-Option und einen Minischalter für den CE-1-Sound.

stromversorgung psa oder aca?

Doch zurück zu unserem übergeordneten Thema: der Stromversorgung. Denn hier kursieren bei Boss-Effekten zwei unterschiedliche Sticker auf den Pedalen, die den vorsichtigen Nutzer durchaus verunsichern können. Vor allem auf älteren Pedalen fordert Boss auf den kleinen Aufklebern dazu auf, nur die hauseigenen ACA-Adapter zu benutzen (der heute gar nicht mehr angeboten wird).

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Boss macht mit den Aufklebern auf der Stirnseite deutlich, ob das Pedal für stabilisierte 9 Volt (PSA) oder für unstabilisierte 12 Volt (ACA) konzipiert wurde. (Bild: M.O. Richter)

Auf neueren Pedalen wünscht sich Boss, dass wir auf die hauseigenen PSA-Adapter zurückgreifen. Wer den ACA-Wunsch seines älteren Boss-Pedals ignoriert und ihn an ein gängiges stabilisiertes 9-Volt-Netzteil anschließt, wundert sich, warum die Status-LED nicht richtig funktioniert, die bei Batteriebetrieb des Pedals ihren Dienst aber einwandfrei verrichtet. Andere Boss-Pedale reagieren z. T. sogar noch ungehaltener auf das falsche Netzteil, z. B. mit recht unschönen Sound-Ergebnissen.

Komischerweise funktioniert der CE-2 an einem stabilisierten Netzteil aber, wenn man es mit anderen Pedalen an eine Daisy Chain hängt. Um diesem Rätsel auf den Grund zu gehen, müssen wir einen Blick zurück in das Ende der 70er-Jahre werfen.

spannende geschichte

Als Boss 1978 die Kompakt-Pedal-Serie einführte, war der Strombedarf der Effekte sehr überschaubar und beschränkte sich auf einige wenige mA. Ein OD-1 verlangt nicht mehr als 4 mA, das CE-2 kommt mit 8 mA aus. Die passenden Stromadapter, die Boss damals anbot, waren die „ACA-Modelle“: in Europa das ACA-230 und in den USA das ACA-120. Dem damaligen Stand der Technik entsprechend waren die ACA-Netzteile nicht stabilisiert, d. h. sie lieferten je nach Belastung unterschiedlich viel Spannung. Die 9-Volt, mit denen sie angegeben waren, verstanden sich also eher als Richtwert – tatsächlich fütterten sie einzelne Pedale mit mindestens 12 Volt.

Um die Schaltung mit der richtigen Spannung zu versorgen, befand sich innerhalb der älteren Pedale, direkt hinter der Strombuchse, ein Widerstand und eine Diode. Die beiden sorgten dafür, dass die Eingangsspannung auf 9 Volt Betriebsspannung reduziert wurde. Als sich das Pedalprogramm von Boss in den 80ern immer weiter vergrößerte und auch immer mehr Pedale mit deutlich höherem Strombedarf auf den Markt kamen, reagierte Boss und stimmte die neuen Pedale auf ein stabilisiertes Netzteil, das Boss PSA, ab.

Der stabilisierte Stromadapter lieferte im Gegensatz zu seinem Vorgänger immer die gleiche Spannung, egal wie viele Verbraucher angeschlossen sind. Aus dem PSA kamen tatsächlich immer die angegebenen 9 Volt – zumindest bis zu einer maximalen Belastung von 200 mA. Über viele Jahre waren die beiden Boss-Adapter gleichzeitig erhältlich. Ältere Pedal-Designs verlangten nach dem ACA, neuere nach dem PSA. Welches Netzteil für das jeweilige Effektgerät passte, markierte Boss auf den oben erwähnten Aufklebern.

Erst wenn ältere Pedal-Designs überarbeitet wurden, passte Boss die Schaltungen dem PSA-Standard an. Ab August 1997 waren dann alle Pedale PSA-kompatibel. Die Diode und der Widerstand wurden in den unveränderten älteren Platinen-Designs, z. B. dem SD-1, einfach mit einer Drahtbrücke übergangen.

Hot Rod Mod(Bild: M.O. Richter)

klärung des mysteriums

Warum nun bei einem ACA-Boss-Pedal an einem stabilisierten Netzteil die LED nicht so recht funktionieren will, erklärt sich einfach dadurch, dass die Dioden-Widerstand-Kombi die echten 9 Volt eines stabilisierten Netzteils so weit reduziert, dass für die Schaltung nicht mehr genug Spannung übrig bleibt. Aber warum funktioniert ein altes ACA-Boss-Pedal dann mit anderen Effekten an einer Daisy Chain wieder normal? Nun, hier kommt ins Spiel, dass alle Pedale, die sowohl über die Daisy Chain als auch über die Signalkabel verbunden sind an einer gemeinsamen Masse hängen. Dadurch wird die Spannungsreduktion des Widerstand-Dioden-Netzwerkes umgangen.

Wer sein ACA-Boss Pedal aber über ein hochwertiges Netzteil mit isolierten Ausgängen betreiben will, muss entweder einen 12-Volt-Ausgang nehmen oder die Widerstand-Dioden-Kombination in dem Pedal selbst entfernen. Entfernen heißt übrigens nicht, dass die Bauteile tatsächlich ausgelötet werden müssen. Es genügt schon, wenn man die Minischaltung überbrückt.

Dazu sucht man das masseführende Kabel, das von der DC-Buchse kommt – also am Centerpin angeschlossen ist – und das Kabel, das an den mittleren Pin (Ring) der Inputbuchse geht. Im Boss CE-2 sind das ein oranges und ein blaues Kabel, die auf der Platine mit der Beschriftung 3 und 4 zu finden sind. Bei meinem Boss DS-1 sind die Kabel gelb und blau und liegen auf den Lötpunkten 10 und 11. Eine Drahtbrücke (Jumper) auf der Platine, die beide Kabel an den Lötpunkten verbindet, genügt, um die Funktion der Widerstands-Dioden-Kombination auszuhebeln. Einen ACA-Adapter muss man also wirklich nicht mehr suchen, um sein altes Boss-Pedal zu betreiben.

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2019)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo!

    Lt. Schaltplan dient die Widerstands-Dioden-Kombination der Masseentkopplung beim Zusammenschalten mehrerer BOSS-Pedale. Ohne diese Kombination würde es wahrscheinlich zu Schwierigkeiten kommen. Das liegt möglicherweise an der unsymmetrischen Verkabelung für diese Effekte.

    Die Plusleitung liegt direkt auf einer Z-Diode, welche die pulsierende Gleichspannung, welche aus einem ungeregelten Netzteil kommt auf ca. 10 Volt begrenzt.

    Bei einem ungeregelten und unbelasteten Netzteil liegt die Gleichspannung ca. um den Faktor 1,414 höher. Nimmt die Belastung zu reduziert sich die Spannung. Gleichzeitig nimmt auch die Brummspannung zu.

    Diese fragliche Mysterium, was meiner Ansicht nach keines ist, liegt also zum einen in der Möglichkeit der Vekabelung und in einer technischen Tatsache bei ungeregelten Netztelen begründet.

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  2. der AHA Effekt….klasse….

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