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Brian’s Secret Sauce ‒ Burns Pickups & Treble Booster

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(Bild: Archiv)

Dass Brian Mays Sound mit einer Vielzahl von Variablen zusammenhängt und natürlich vor allem aus seinen Fingern kommt, muss man heute wohl niemandem mehr erzählen. Interessanter wird es da schon, wenn man einen genaueren Blick auf die weniger häufig besprochenen Equipment-Details wirft: allen voran die Pickups seiner selbstgebauten Red-Special-Gitarre und der oft unterschätzte Einfluss von Treble Boostern.

BURNS TRI-SONIC PICKUPS

Der von James O. Burns konstruierte und patentierte Single-Coil-Tonabnehmer (US Patent 3.249.677, filed Oct. 1962) unterscheidet sich bezüglich seiner Magnetstruktur und Spulengeometrie schon deutlich von dem ähnlich ausschauenden Fender-Stratocaster-Pickup. Anstelle sechs individueller AlNiCo-Zylindermagnete, die je einer Saite zugeordnet sind, verwendete Burns (zumindest in der Patentschrift) einen barrenförmigen Ferrit-Blockmagneten mit quadratischem Querschnitt innerhalb der Spule. In der praktischen Umsetzung wurde jedoch mit zwei verkürzten Blockmagneten (5/16″ × 5/16″ × 1 1/8″) gearbeitet, da diese leichter zu beschaffen waren.

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Die Patentschrift der Burns-Tri-Sonic-Pickups
Die Patentschrift der Burns-Tri-Sonic-Pickups (Bild: Burns)

Dem Ferrit-Material selbst geschuldet, gibt es keine Wirbelströme in den Magneten, welche hier zu zusätzlicher Bedämpfung führen könnten. Man muss jedoch berücksichtigen, dass das metallene Pickup-Gehäuse den eigentlichen Pickup und somit auch die beiden Blockmagneten umschließt. Das führt zu unvermeidlichen Wirbelströmen im Blechgehäuse, welche dann als eine Art Kurzschlusswindung wirken, die wiederum final das ganze magnetische System bedämpft. Das alles hat zur Folge, dass sich die Resonanzspitze des Pickups nicht richtig ausprägen kann. Nutzt man wie Brian May direkt hinter der Gitarre einen Treble Booster, spielt dieser Effekt jedoch keine entscheidende Rolle.

Die Windungszahl der Burns-Pickups war mit etwa 5200 deutlich geringer als beim Fender-Strat-Pendant; durch die Wickelgeometrie der Spule erreicht die Spulen-Induktivität trotz kleiner Windungszahl nebst Ferrit-Magneten doch noch knapp 2 Henry, was etwas weniger ist als beim Strat-Pickup. Gewickelt wurde mit einem dünnen AWG #44 (0,05 mm Durchmesser) Draht, mit dem z. B. auch die Rickenbacker-Toaster-Pickups der 60er-Jahre gefertigt wurden. Dadurch ergibt sich trotz gemäßigter Windungszahl ein verhältnismäßig hoher DC-R-Wert von 7kOhm. Fender verwendete bei seinen Pickups übrigens den dickeren AWG-#42-Draht.

Ein Reissue des Burns-Tri-Sonic-Single-Coils
Ein Reissue des Burns-Tri-Sonic-Single-Coils (Bild: WD Music)

Die beiden quaderförmigen Blockmagnete generieren ein etwas lineareres, weniger inhomogenes Magnetfeld, verglichen mit dem Strat-Pickup mit seinen sechs Zylinder-Magneten. Dadurch werden weniger magnetische Verzerrungen generiert – der Burns-Pickup klingt daher etwas zahmer und milder als sein Strat-Pendant.

Greg Fryer, der Brian Mays Red-Special-Gitarre nebst den Pickups in den 1990er-Jahren komplett überholte, gibt die Flussdichte der Ferrit-Magnete mit etwa 650 Gauss an – allerdings ohne die Distanz von der Magnetoberfläche, an der die Messung erfolgte, explizit zu benennen.

Wegen ihrer Außenabmessungen passen die Burns Tri-Sonic-Single-Coils standardmäßig übrigens nicht in eine Fender-Strat. Neuerdings gibt es jedoch baulich modifizierte Tri-Sonic-Typen mit Strat-Pickup-Abmessungen, sodass auch hier bei Bedarf nachgerüstet werden kann.

TREBLE BOOSTER & HOCHPÄSSE

ANFÄNGE

Schon zeitig, etwa 1961, erkannte Dick Denney, der technische Kopf in Tom Jennings Firma Vox (aka JMI = Jennings Musical Industries), dass ein Röhren-Amp – bzw. dessen Endstufe – gegen Ende seines Aussteuerungsbereiches undurchsichtig und muffig klingt und an Durchsetzungsfähigkeit im Bandgefüge verliert. Die Bässe fangen an, unpräzise das Gesamtbild zu dominieren, zudem wünschten sich einige der britischen Gitarrist:innen mehr Höhen, so wie bei den amerikanischen Fender-Amps. Da half, wie Denney folgerichtig feststellte, zunächst ein Hochpass vor der Endstufe, der die Bässe auf ein erträgliches Maß zurücknimmt. Gleichzeitig war dieses probate Mittel ein Weg, die tonale Balance der E-Gitarre besser darzustellen, denn die Basssaiten tönen systembedingt immer lauter als die Diskantsaiten. Außerdem hatten die britischen Gitarren-Amps – insbesondere die kleineren Modelle der Hersteller Watkins, Selmer und auch Vox – in der frühen ersten Hälfte der 1960er-Jahre oft keine wirkungsvollen Klangregler. Vox nannte nun in ihrem AC30-Verstärker diesen, mit einem zusätzlichen Hochpass ausgestatteten Kanal „Brilliant channel“. Zwei Jahre später, 1963, wird der AC30 noch ein sog. „Top-Boost“-Schaltkreis nebst Klangregler bekommen.

Schnell erkannte man also die Vorteile eines merklichen Hochpass-Effekts in der Übertragungskette eines Röhren-Amps. Etwa Mitte der 60er-Jahre wandelte sich der britische Sound dann langsam vom zahmen Beat in Richtung des aggressiveren Blues-Rock und Rock, wo auch lauter gespielt wurde. Es gab, diesem Trend folgend, ab Mitte der 60er, insbesondere von der Firma Marshall dann immer kräftigere Röhrenverstärker, ab 1967 sogar die 200 Watt starken Modelle der „Major“-Serie.

Doch nochmal ein paar Jahre zurück: Schnell kamen damals die gerne benutzten 15-30-Watt-Amps an ihre akustischen Grenzen. Ein Blick zu Vox zeigte die Lösung: ein externer Hochpass musste her! Die neue, auch mit kleinen Batterien zu betreibende, Transistortechnik lieferte den idealen Nährboden für einen Hochpass-Filter nebst Verstärkung in einem kompakten Gehäuse. Vox kam als erstes mit einem solchen Gerät, dem „Treble Booster“, auf den Markt – das war September 1964. Das erfolgreiche Unternehmen wählte als Transistor einen brandneuen Silizium-Typen, kurze Zeit später wird Vox sogar auch Transistor-Gitarren-Amps auf den Markt bringen, welche dann auch von den Beatles genutzt werden – z. B. das 50-Watt-Modell „Defiant“ während der „Sgt. Pepper’s“-Ära.

Der kompakte Ur-Treble-Booster aus dem Hause Vox
Der kompakte Ur-Treble-Booster aus dem Hause Vox (Bild: VOX)

DALLAS RANGEMASTER

Der 1965 eingeführte RangeMaster, gefertigt in der Dallas-Musical-Ltd-Fabrik, ansässig in London, war für den betriebenen elektrischen Aufwand, schon ein größeres, klobiges Kästchen. Er hatte einen Regler für den Ausgangspegel sowie ein kurzes Ausgangskabel, sodass dieser Kasten meist auf den Verstärkern stand. Der Kern des Geräts bestand aus dem älteren PNP-Germanium-Transistor des Typs OC44 mit schwarz lackiertem Glasgehäuse. Dieser OC44 war bei seiner Markteinführung 1956 eigentlich als HF-Transistor für Rundfunk-LW/MW-Anwendungen, und dort als Oszillator/ Mischer gedacht. Genau betrachtet, war er aber 1965 bereits technologisch veraltet, dafür aber dann preiswert und in größeren Mengen verfügbar. Seine technischen Daten waren auch für das verstärkende Hochpass-Vorhaben im Audio-Bereich sehr gut geeignet (β=100, geringe Sperrströme), kurzum, mit diesem Transistor ließ sich das RangeMaster-Gerät preiswert herstellen.

Es war bezahlbar für den schmalen Geldbeutel der jungen, aufstrebenden Gitarren-Generation. Das Konzept war klar: ein kleiner Kondensator am Eingang, der zusammen mit dem folgenden Schaltungs-Eingangswiderstand den Hochpass realisierte, gefolgt von dem Aufholverstärker mit dem OC44-Transistor. Da dieser Transistor in der Schaltung ohne Wechselstrom-Gegenkopplung betrieben wurde (Emitter-R kapazitiv überbrückt), generierte er auch leichte Verzerrungen, sprich Oberwellen, welche den Stahlsaiten der E-Gitarre zusammen mit der Höhenanhebung einen metallischen Glanz verliehen. Damit vorgeschaltet ließ sich nun jeder Röhrenverstärker auch für Rock gebrauchen.

Eigentlich war der Treble Booster für einen Betrieb mit zurückgedrehtem Lautstärke-Poti an der Gitarre gedacht – man sollte den Lautstärke-Bedarf also direkt am Instrument regeln. In der Praxis zeigte sich aber, dass der Treble Booster seine aufklarende Funktion verlor, der Ton ins Mittige abkippte und das ganze Equipment verzerrte – oder neudeutsch: crunchte. Mitte der 60er-Jahre war dieser Crunch jedoch (noch) nicht auf breiter Ebene erwünscht. Hauptsächlich die britische Band Cream, mit Eric Clapton an der Gitarre, erkannte jedoch das Potenzial des Crunch-Sounds als wichtiges Stilmittel und setzte ihn durchweg ein.

DIE BOOSTER DES HERRN MAY

Der irische Bluesrocker Rory Gallagher benutzte einen RangeMaster mit Vox AC30 zu Beginn seiner Karriere, und der Geschichte zufolge war Brian May bei einem Besuch eines Konzertes von Gallaghers Sound so beeindruckt, dass er sich wenig später das gleiche Equipment anschaffte. Brian May spielte also den germaniumhaltigen RangeMaster Treble Booster seit den späten 60ern – so dann auch in der Band Queen, und dort bis etwa Mitte 1973. Das ist interessanterweise ziemlich exakt die gleiche Zeitspanne, in der auch Ritchie Blackmore einen Treble Booster von Hornby-Skewes benutzte. Jedenfalls wechselte May nach seiner RangeMaster-Periode zu einer Silizium-Variante, ausgestattet mit dem recht neuen BC238-Silizium-Transistor. Gebaut wurde der Booster übrigens von John Deacon, dem Bassisten von Queen.

Etwa 1975 trat der Elektronik-Spezialist Pete Cornish auf den Plan, der Mays Deacon-TrebleBooster überarbeitete. Hauptsächlich wechselte er den leicht rauschenden BC238 gegen den low-noise-Typ BC149 aus. Später wurde auch der BC182L zeitweise als Ersatz benutzt. Da die Beta-Grenzfrequenz der Silizium-Transistoren – verglichen mit Germanium-Transistoren, z. B. dem OC44 – weitaus höher liegt, hatte Brians neuer Silizium-Booster weiterhin am Eingang noch zusätzlich einen kleinen HF-Filter, welcher das Signal vor starken Rundfunksendern oder sonstigen HF-Einstreuungen schützte.

Brian Mays Wet/Dry/Wet-Setup
Brian Mays Wet/Dry/Wet-Setup – hier mit Boss RV-3 Delays anstelle des TC Electronic G-Major 2 (Bild: Pete Cornish)

Im Großen und Ganzen begleitete dieser Ein-Transistor-Booster Brian bis in die Neuzeit. Lediglich Ende der 80er-Jahre wurde vor den eigentlichen Schaltkreis noch ein Transistor-Impedanzwandler in sogenannter Bootstrap-Schaltung vorgelagert. Da der hochohmige Impedanzwandler beide Schaltungsteile vollkommen voneinander entkoppelt, belastet der niederohmige Eingang des Treble Boosters den Pickup nicht mehr, weshalb der Tonabnehmer auch eine höhere Ausgangsspannung abgibt – der neue Zwei-Transistor-Booster wirkt deshalb kraftvoller und höhenreicher.

Vom Hersteller Guild wurde Mitte der 80er-Jahre der von Cornish entworfene Ein-Transistor-Schaltkreis leicht modifiziert als „Brian May Power Booster“ in rotem Gehäuse für kurze Zeit angeboten. Als „Brian May Booster“ erschien in den 90ern dann – wieder von Guild – der kraftvoller arbeitende Zwei-Transistor-Schaltkreis. Auch Pete Cornish und Greg Fryer, der in den späten 90er-Jahren Brians Gitarre nebst Pickups überarbeitet hat, haben unter eigenen Namen „Brian May“ Treble Booster am Markt platziert.

WEITERES EQUIPMENT

Mitte bis Ende der 70er benutze Brian May als einziges Live-Effektpedal das Foxx-Phaser-Pedal – wohlgemerkt hinter dem Treble Booster platziert. Das Foxx war nicht ein gewöhnlicher Vier-Stufen-Phaser wie etwa der damals weit verbreitete Phase 90 von MXR, sondern eine seltenere 6-stufige Ausführung. Dadurch ergibt sich, dass neben den beiden üblichen Frequenzlücken im Bass- und Höhenbereich zusätzlich im Mittenbereich noch ein weitere Absenkung erscheint, was wiederum ein intensiver klingendes Phasing liefert. Um den Foxx Phaser nicht zu stark zu übersteuern, drehte Brian den Output-Regler seines Boosters etwas zurück. Das nun fehlende Gain wurde nach dem Foxx dann mit einem 15dB-Linear-Booster wieder aufgeholt, um seine Vox-AC30-Amps kräftig genug anzusteuern. Diesen Linearbooster hat May seit dem auch weiterhin direkt vor den Vox-Amps platziert – unabhängig der aktuell vorgeschalteten Pedale.

Ab Anfang der 80er wurde dann auch ein Boss-CE-1-Chorus live eingesetzt. Für Delay-Sounds nutzte May später zwei TC Electronic G-Major 2 19“-Multieffektgeräte – eines auf 800ms und das zweite auf 1600ms eingestellt. Brian benutzt übrigens den Normal Channel seiner Vox-Amps. Auch wurden aus den nicht genutzten Schaltungsteilen – z. B. der Top-Boost- oder Trem/Vib-Einheit – rigoros alle Röhren entfernt. Das vermindert etwas die Leistungsentnahme aus dem Netztrafo und reduziert leicht die Wärmeentwicklung des Amp, sodass der Amp insgesamt stabiler läuft.

Brian May ist der letzte große Rock-Gitarrenheld, der seit den End-60er-Jahren unentwegt den Urzeit-Saurier-Schaltkreis des Treble Boosters benutzt.

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2021)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ein sehr guter Artikel, weil technisch fundiert. Könntet ihr freundlicherweise einen solchen auch über das Equipment von Hank Marvin, dem legendären Shadows-Gitarristen mit seinem Echosound, veröffentlichen ? Das käme den Wünschen der zahlreichen Marvin-Fans und Coverbands sehr entgegen, und auch viele Soundtüftler und Selbstbauer würden davon enorm profitieren.
    Danke schon mal im voraus !

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