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Blues Bootcamp: Jazzing up the blues – Part 2

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(Bild: MichalV33/Shutterstock)

Habt ihr Takt 8 und den Rest der letzten Episode einigermaßen gut verdaut? Nochmal zur Erinnerung: Von allen Veränderungen vom Blues zum Jazz Blues ist dieser Takt wegen des C# im A7-Akkord eigentlich derjenige, den man wirklich im Auge haben und um den man sich kümmern muss. Just saying …

Am Start? Okay, dann wenden wir uns heute den beiden nächsten Takten zu: Takt 9 und 10.

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Zur Erinnerung findest du in Beispiel 1 noch einmal das in Richtung Jazz Blues veränderte Bluesschema. Wie in der letzten Folge vorgestellt, wird in Takt 8 durch die Zwischendominante A7 der nächste Akkordblock eingeleitet: Dm7, der zusammen mit dem auf ihn folgenden Akkord (G7) einen weiteren Schritt weg vom Blues in Richtung Jazz vollzieht. Dies liegt daran, dass zusammen mit dem C7 aus Takt 11 eine II-V-I-Verbindung entsteht.

Die II-V-I-Verbindungen in Dur und Moll sind ein zentrales Element in vielen Jazz-Kompositionen. Sie sind die harmonischen Elemente, die sich am stärksten vom traditionellen Blues-Sound absetzen. In einen normalen Blues eingesetzt, verfehlen sie auch in dieser Situation ihre Wirkung nicht und machen ihn – richtig: jazziger! Oder zumindest anders. Melodischer.

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In Beispiel 2 findest du Variationen wie man diese Akkordverbindung mit anderen Harmonien spielen kann. Bei einigen wird auch wieder der Dom7-Akkord G7, wie zuvor der A7 in Takt 8, für noch mehr Dynamik alteriert. Du kannst sie wie ein kleines Modul in die Takte 9 und 10 einsetzen. Sie heben sich deutlich vom normalen Blues-Sound ab. Was kann man nun solistisch über diese beiden Takte beisteuern? Hier kommen einige Ideen, mit denen du diese beiden Takte füllen kannst.

Ähnlich wie die Akkorde aus Beispiel 2, kannst du sie wie kleine melodische Module sehen, die sich in diese beiden Takte einbauen lassen. Ich persönlich finde ja, dass generell über das ganze Akkord-Schema – abgesehen von Takt 8 – die Optionen Dur-Moll-Pentatonik-Wechsel bzw. der Einsatz der jeweiligen Dominant-Pentatonik sehr hübsch klingen. Theoretisch könnte man auch über die ganze Form die C-Blues-Skala spielen, aber das trifft meinen persönlichen Geschmack nicht wirklich. Über Takt 9 und 10 würde man dann also einfach entweder die C-Dur-Pentatonik oder die G-Dominant-Pentatonik spielen.

Die nächste Option wäre es, die Stammtonleiter der beiden Akkorde zu spielen – also C-Dur. Wegen der darin enthaltenen Note H/B hebt sich die Variante schon etwas vom Blues-Sound ab. Wichtig ist, dass man vorzugsweise die Melodien in beiden Takten mit Akkordtönen der jeweiligen Akkorde startet. In Beispiel 3 findest du, wie das klingen könnte. Sehr effektiv klingt auch die chromatische Durchgangsnote, die die Terz des G7-Akkords schön in Szene setzt.

Spielt man Akkordtöne, liegt man ja nie falsch. In Beispiel 4a findest du zuerst jeweils einen Fingersatz für eine Dm7- und eine G7-Akkordzerlegung. In Beispiel 4b gibt es dann ein Lick dazu. Auch dieser Klang hebt sich schon durch die melodische Struktur erkennbar vom bluesigen Rest ab.

In Beispiel 5 findest du einige weitere Licks für die II-V-I-Verbindung. Es gibt zig Möglichkeiten, Lines über diese Akkorde zu spielen. Im Jazz werden – wie schon in der letzten Episode erklärt – funktionale Dominant-Septakkorde (also die, die auf eine Tonika auflösen) gerne alteriert. Dies geschieht nicht nur auf der Akkordebene, sondern auch melodisch. Das sind dann genau die Momente, die dann wirklich nicht mehr nach Blues sondern nach Jazz klingen. Man setzt die Phrasen einfach wie kleine melodische Bausteine in die Takte 9 und 10 ein. Die Ideen über den A7 aus der letzten Episode helfen dabei, einen schön geschmeidigen Einstieg zu finden. Wie schon mehrmals in dieser Serie erwähnt, ist es eine wirklich gute Idee, sich auf das Spielen von zweitaktigen Phrasen einzulassen. Das erleichtert das Einsetzen solcher melodischer Module sehr.

Hier sind kurze Erklärungen dazu, was in den einzelnen Licks passiert:

5a – Dm7: ein paar Noten D-Dorisch, dann eine chromatische Rückung,

G7: G7-Arpeggio, dann vier Noten aus der alterierten Tonleiter.

5b – Dm7: D-Dorisch mit einer chromatischen Durchgangsnote, G7: Vier Noten aus der G-Dominant-BeBop-Skala, dann vier Noten aus der alterierten Tonleiter

5c – Dm7: Dorisch, G7: etwas Chromatik, dann Terz-b9-Sprung

5d – Dm7: F∆7-Arpeggio plus eine chromatische Durchgangsnote, G7: Abm∆9-Arpeggio

5e – Dm7: G-Dominant/D-Dorian-BeBop-Skala, G7: das Motiv eine kleine Terz nach oben gerückt (Bb-Dominant/F-Dorian-BeBop-Skala)

Noch einmal kurz zusammengefasst wie man über einen Jazz Blues spielen kann:

Takt 1 bis 7 Blues je nach Geschmack, Takt 8 Ideen für die Zwischendominante, Takt 9 und 10 II-V-Licks einsetzen, Takt 11 und 12 erstmal bis auf weiteres normale Blues-Turnaround-Licks einsetzen. Ach ja, bevor ich es vergesse: in Takt 4 – im Übergang von C7 auf F7 – passen auch die Ideen aus Takt 8 und 10 sehr gut, natürlich nach C transponiert. In der nächsten Episode kümmern wir uns um die finalen zwei Takte. Bis dahin, bleibt echt!


(erschienen in Gitarre & Bass 05/2023)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Danke für die vielen Ideen.
    Aber – will nicht meckern – in Beispiel 2a hat sich ein Tabulaturfehler eingeschlichen: das f vom Dm7 liegt auch im 5. Bund.
    Rock‘n Roll
    Hans-Karl Schloßmacher

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