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Americana Standards: Sleepwalk-Solokonzepte

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(Bild: Copyright (c) 2019 Rolf_52/Shutterstock. No use without permission.)

Ich hoffe, du hast das Thema von Sleepwalk gut verarbeitet. Diesmal geht es um Ideen, wie man über das Stück improvisieren und solieren kann.

DIE AKKORDFOLGE

Alle Solokonzepte, die ich vorstelle, laufen über die Akkorde der ersten zwei Takte. Schauen wir uns daher zuerst mal diese Akkordfolge genauer an:

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C | Am | Fm | G

Von den Grundtönen her stammt alles aus der Tonart C-Dur, in der du diese Stufendreiklänge findest:

  • C
  • Dm
  • Em
  • F
  • G
  • Am
  • Bmb5

Die Akkordqualitäten passen auch, bis auf den Fm – in C-Dur müsste es eigentlich ein F-Dur sein. Die Erklärung für den Akkord ist einfach: es handelt sich um eine Moll-Subdominante. Das bedeutet, dass diese Subdominante einfach als Mollakkord gespielt wird, was mehr Spannung erzeugt und einen sehr charakteristischen Klang hat.

SOLOKONZEPTE

Wer noch nie im Solo auf die Akkorde der Begleitung eingegangen ist und eher aus einer Pentatonik nach dem Gehör Melodien entwickelt, kommt mit dem Konzept aus Beispiel 1 gut zurecht. Ich bewege mich in der C-Dur-Pentatonik (oder A-Moll, je nach Sichtweise) und vermeide über den Fm den Ton A – funktioniert und bewahrt das Skalengehirn vor Überhitzung.

(zum Vergrößern klicken!)

Beispiel 2 verwendet die C-Dur und C-Moll Pentatonik in der gleichen Lage am achten Bund. So kannst du immer noch in deinen Pentatonik-Boxen denken, stellst den Wechsel zwischen Dur und Moll aber schon im Solo dar.

In Beispiel 3 nehme ich zwei Akkordtöne des Fm zur Dur-Pentatonik dazu, das F und das Ab, die beide nicht in der C-Dur Pentatonik enthalten sind. Das lässt sich einfach merken, da wir von der Position immer noch in der Dur-Pentatonik am achten Bund bleiben, die schon in den vorherigen Beispielen verwendet wurde.

Ab Beispiel 4 gehe ich genauer auf die Akkorde ein, sodass man auch ohne Begleitung im Solo die Akkordfolge erkennt. Hier mache ich das mit einem Lick aus der Dur-Pentatonik, das zum ersten Mal über dem C auftaucht. In Takt 2 spiele ich dasselbe Lick dann in der Fm-Pentatonik über den Fm und kehre beim G in eine Figur aus dem G7-Arpeggio zurück.

Beispiel 5 stellt die Akkorde mithilfe von Dreiklangs-Arpeggios dar, die mit Skalentönen verbunden werden.

Hendrix lässt grüßen in Beispiel 6. Doublestops dieser Art findest du in Balladen wie ‚Little Wing‘ oder ‚The Wind Cries Mary‘. Der Trick ist: Du spielst über jeden Akkord die zum Akkord gehörende Pentatonik in Doublestops mit Hammer Ons:

  • C / C-Dur-Pentatonik
  • Am / Am-Pentatonik
  • Fm / Fm-Pentatonik
  • G / G-Dur-Pentatonik

Beispiel 7 kombiniert Sexten und Dreiklänge. Wir starten in der C-Dur-Tonleiter, wechseln für den Fm nach C-Natürlich Moll und spielen über den G einen verminderten Dreiklang, der in kleinen Terzen verschoben wird, was einen G7b9-Sound ergibt. Das klingt schon recht clever.

Als Abschluss gibt es dann in Beispiel 8 noch eine Runde Jazz, mit vielen Noten, Arpeggios und Chromatik. Ein umspieltes Cmaj7- Arpeggio steht am Anfang, gefolgt von einem Am7-Arpeggio. Über Fm findest du eine Tonleiterfigur, die am Ende die Quinte des G-DurAkkords chromatisch ansteuert. Von diesem Ton, dem D, wird dann die Terz H von G-Dur chromatisch von oben (D, C#, C) und unten angenähert (Bb), gefolgt von einem verminderten Arpeggio, bevor ich das E – die Terz von C-Dur – einkreise (G, F, D, D#). Das ist recht komplex und erfordert einen guten Überblick.

AM BALL BLEIBEN …

Wenn dir jetzt der Kopf vor lauter Möglichkeiten raucht, mach einen Schritt zurück und versuche, die einzelnen Konzepte nacheinander zu üben. Schau auch, ob du die Bausteine der einzelnen Licks beherrschst. Für Beispiel 1 wäre das die C-Dur Pentatonik am 5. und 8. Bund. Wenn dir das noch Rätsel aufgibt, übe erstmal die Fingersätze und spiele anschließend das Lick erneut nach. Dann versuche eigene Variationen zu finden. Für Beispiel 2 käme die C-Moll-Pentatonik hinzu.

Übe die Fingersätze und wechsle zwischen den zwei Tonleitern hin und her. In diesem Stil machst du weiter mit Sexten, Dreiklängen, Pentatoniken und Sept-Arpeggios. Das ist zuerst verwirrend und arbeitsintensiv, erklärt aber im Laufe der Zeit immer besser, wie Musiker wie Brian Setzer, Danny Gatton, Barney Kessel u.a. auf ihre Linien kommen. Viel Spaß beim Üben!


(erschienen in Gitarre & Bass 06/2022)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Geil! Endlich mal was für Anfänger!

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