Workshop

Americana: Cowboy Of The Ocean

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In dieser Folge gibt es mal wieder ein Stück aus eigener Feder, das Techniken aus Country und Jazz mit ozeanischem Surfsound verbindet.

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DER SONG

‚Cowboy Of The Ocean‘ ist ein Stück meines Albums ‚Adventures In The Land Of Twang‘, das ich 2006 mit dem amerikanischen Drummer Dusty Watson aufgenommen habe. Die Platte vereint Instrumentals aus unterschiedlichen Stilen, von Surf über Rockabilly bis zu Blues, Country und Rock. Eine meiner Lieblings-CDs aus dieser Zeit war ‚The Amazing California Health And Happiness Road Show‘, auf der Gitarrist Jim Thomas den Surf-Grundsound seines Trios auf die Spitze trieb und Elemente aus Country, Psychedelic und indischer Musik einfließen ließ. Davon inspiriert, experimentierte ich mit verschiedenen Genres und Spieltechniken, und das Ergebnis war dieses Stück.

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Die Grundidee des Songs ist eine Akkordfolge in Arpeggien, die in den ersten 4 Takten von Beispiel 1 zu hören ist und als Intro des Songs dient:

| Em | Gmaj7 | A | F# |

Die Grundtonart ist E-Moll und die ersten zwei Akkorde stammen aus E-Natürlich Moll. Beim A-Dur wechseln wir nach E-Dorisch. Der letzte Akkord F# ist eine Sekundärdominante, die eigentlich zur fünften Stufe führen würde, aber in diesem Fall direkt wieder zur ersten Stufe geht.

Im B-Teil bemühe ich die typische dorische Akkordfolge Em – A, die man von Carlos Santana, ‚Riders On the Storm‘ und vielen anderen 70s-Rocknummern kennt.

STEEL GUITAR BENDINGS

Das Thema des A-Teils basiert auf diversen Pedal-Steel-Bendings, die zum Grundrepertoire vieler Country-Gitarristen gehören. Ich habe zahlreiche solcher Licks aus Country-Gitarrenbüchern gelernt, in denen sie aber ausschließlich über Dur-Akkorde gespielt wurden. Irgendwann habe ich dann angefangen, sie auch über Moll-Akkorde einzusetzen. Im Takt 5 von Beispiel 1 siehst du, wie das funktioniert. Statt zum G# bende ich zum G und erhalte so einen Moll-Dreiklang. Auch in Takt 13 erzeuge ich einen solchen Akkord, indem ich den tiefsten Ton eines G-Dur-Dreiklangs auf das E ziehe und so eine andere Umkehrung des E-Moll-Dreiklangs erzeuge.

In Takt 6 verwende ich ein Lick, bei dem die Sekunde zur Terz des darunter liegenden Gmaj7-Akkordes gezogen wird. Typisch wäre die Auflösung auf den Grundton, aber ich gehe stattdessen zur maj7, was einen ungewöhnlichen Klang zur Folge hat. Eine solche Herangehensweise kann ich empfehlen, denn so lassen sich aus klischeehaften, altbekannten Licks ganz persönliche Sounds entwickeln. Da es kein Gesetz gibt, das den Einsatz von Pedal-Steel-Licks nur über eine Honky-Tonk-Begleitung in A erlaubt, kann man sie straffrei in ganz neuem Umfeld einsetzen. Dort klingen solche Licks oft ganz anders und sehr erfrischend. Viel Kraft erfordern die zweistimmigen Bendings in Takt 16 und 18. Lass dich nicht entmutigen, wenn es am Anfang ziemlich verstimmt klingt. Es braucht etwas Zeit, um herauszufinden, wie viel Kraft man aufwenden muss, um G- und B-Saite einen Halb- oder Ganzton nach oben zu ziehen.

OKTAVEN

Im B-Teil wechsle ich zu Oktaven im Stil von Wes Montgomery, bei denen die Saite zwischen den Oktaven mit der linken Hand beim Greifen (fast automatisch) abgedämpft wird. Damit es nicht zu plüschig und jazzig klingt, habe ich den Part mit dem Plektrum statt dem Daumen gespielt. Am Ende jeder zweitaktigen Phrase steht ein Akkord, der quasi eine Antwort zu der Oktav-Frage darstellt.

RHYTHMUSGITARRE

Der Rhythmuspart des Songs wird größtenteils auf einer Akustikgitarre gespielt. Im A-Teil verwende ich ein beliebtes Strumming-Pattern mit Akzent auf der 2und. Im B-Teil wechsele ich auf den Galopp-Rhythmus aus einer Achtel und zwei Sechzehnteln, den man aus unzähligen Western und von Iron Maiden kennt. Im Hintergrund sorgt eine E-Gitarre mit stark zerhackt eingestelltem Tremolo-Effekt für zusätzliche Wild-West-Atmosphäre.

GEAR

Die Leadgitarre wurde auf dem Hals-PU einer 69er Fender-Strat eingespielt, die auf drei Blackface Amps gelenkt wurde: Ein Pro Reverb, ein Deluxe sowie ein Bassman. Pro und Deluxe wurden mit Effekten versehen (Tube Reverb und Echoplex), während der Bassman clean blieb, um dem Sound etwas mehr Durchsetzungskraft zu verleihen. Den Tremolo-Sound habe ich mit einem Fulltone Supa Trem erzeugt, das im Hard-Modus betrieben wurde. Für den Crunch sorgte ein Fulltone Fulldrive 2.

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(erschienen in Gitarre & Bass 12/2023)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Wow, was für ein cooles Cover …. das “Ufo” von Binz auf Rügen, Ulrich Müther lässt grüßen und ihm würde das ganz sicher auch gefallen

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