Bass Basics

4 schlechte Angewohnheiten am Bass

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Im Grunde genommen ist es ja so, dass es beim Bassspielen keine Regeln gibt. Solange es gut klingt und wir als Musiker mit dem klanglichen und dem „time feel“-Ergebnis zufrieden sind, ist es vollkommen egal, welcher Finger wie angeschlagen, gegriffen oder gedämpft hat. Und der persönliche Geschmack spielt dabei ja auch eine nicht ganz untergeordnete Rolle. Glücklicherweise gibt es auch keinen Knigge, der sagt: „So macht man das“ oder „Das darf man nicht“!

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Am Ende des Tages kann ein eigener Stil und ein eigener Sound eben von diesen bestimmten Angewohnheiten und einer ganz individuellen Technik, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben, geprägt sein. Das wäre dann das positive Ergebnis. Aber es können sich auch Eigenarten einschleichen, die man an sich selbst nicht mag. Und noch schlimmer sind die Angewohnheiten, die einem selbst gar nicht bewusst sind, die einen aber beschränken. Man dreht sich dann musikalisch oder technisch im Kreis und weiß gar nicht, warum und vor allem wie man da rauskommen kann. Dann findet man sich in einem Entwicklungsloch und höchst unzufrieden wieder.

Immer wieder höre ich dann die Sätze: „Ich spiele immer das gleiche“, „Ich bin einfach zu langsam“ oder „Ich bekomme das einfach nicht gegriffen“. Es entwickelt sich der Wunsch, sich zu verbessern, indem man sich dieser Angewohnheiten, die sich ungewollt eingeschlichen haben, entledigt. Und tatsächlich gibt es da klassische Phänomene, die ich bei vielen Bassist:innen immer wieder beobachte. Deswegen möchte ich im Folgenden mal vier Angewohnheiten und technische Phänomene beleuchten, die du vielleicht auch bei dir wiederfindest:

1. Mehrere aufeinanderfolgende Töne der E-Saite werden nur mit dem Zeigefinger der Anschlagshand gespielt

Dieses Phänomen ist weit verbreitet und den meisten Bassisten überhaupt nicht bewusst. Das ist übrigens ein spezielles Problem bei klassischen Viersaiter-Spielern. Unheimlich viele Bassisten, selbst die, die den Wechselschlag eigentlich sehr gut beherrschen, schlagen mehrere aufeinanderfolgende Töne auf der E-Saite einzig und allein mit dem Zeigefinger an.

Ich selbst habe auch nur eine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht liegt es daran, dass man als Bassist auf einem herkömmlichen Viersaiter bei der G-, D- und A-Saite immer nach dem Anschlag einen schönen Landepunkt an der nächst dickeren Saite hat. Auf der E-Saite aber leider nicht. Dort hat man ja schnell das Gefühl in die Luft, ja ins Nichts, zu spielen.

Ich kenne sogar Bassisten, die nur aus diesem Grund einen Fünfsaiter spielen. Eben weil sie das Gefühl brauchen, „irgendwo Landen zu wollen“. Denn beim Fünfsaiter lande ich ja beim Anschlagen der E-Saite an der Low-B-Saite. Beim viersaitigen Bass eben nicht. Spiele ich zum Beispiel mehrere Töne auf der A-Saite, können meine anschlagenden Finger immer schön an der E-Saite landen. Das gibt Sicherheit und bestimmt auf eine natürliche Art und Weise das Ende der Anschlagsbewegung.

Auf einem herkömmlichen viersaitigen Bass ist das aber bei Anschlägen auf der E-Saite eben nicht so. Je nach Technik und Haltung endet mindestens die Anschlagsbewegung des Mittelfingers in der Luft. Es gibt einfach keine Begrenzung. Der Zeigefinger spielt dann evtl. gegen den Daumen der Anschlagshand, der auf dem Pickup abgesetzt ist und einen Fixpunkt bildet, und findet dort seinen Landepunkt. Das wäre vielleicht das Argument, warum viele Bassisten beim Anschlagen der E-Saite nur auf den Zeigefinger zurückgreifen. Das ist im Moment für mich die einzig logische Erklärung – also eine Vermeidung des „ins Nichts spielen“.

Schaue dir dazu bitte die Beispiele 1 bis 3 an. Gerade dann, wenn es sich um eine Passage handelt, auf der zum Beispiel mehrere Töne auf der A- und dann auf der E-Saite gespielt werden, verfällt die Anschlagshand auf der E-Saite in ein James-Jamerson-eskes „The Hook“-Spiel, also einzig mit dem Zeigefinger. Wenn du dich genau auschecken möchtest, dann beachte bitte genau den angegebenen Fingersatz für die Anschlagshand über den Noten in diesen Beispielen. Das „i“ steht für den Einsatz des Zeigefingers, das „m“ für einen Anschlag mit dem Mittelfinger.

2. Der Schokoladenfinger

Sehr weit verbreitet ist der so genannte Schokoladenfinger der Anschlagshand. Bei den meisten Bassist:innen, die im herkömmlichen Fingerstyle spielen, ist das der Zeigefinger. Mit diesem wird stets der erste Anschlag eines Songs, einer Übung oder eines Riffs vollzogen. Der Zeigefinger macht mindestens den ersten Anschlag oder gerne auch mal mehrere Anschläge nacheinander.

Und so entwickelt sich unbewusst eine Tendenz, auch schwierige oder schnelle Passagen in einem Song immer mit dem Zeigefinger beginnen zu wollen. Einfach aus Gewohnheit oder eben auch weil es ein sicheres Gefühl gibt. Dadurch wird aber der Zeigefinger automatisch mehr trainiert, und es entsteht ein Missverhältnis zwischen den eigentlich doch gleichberechtigt anschlagenden Fingern. Was dann passieren kann, ist, dass Bassist:innen darüber klagen, in schnellen Passagen nicht mithalten zu können.

Oder es kann ein Ausdauer-Problem auftauchen. Also lange schnelle Achtelnoten-Passagen oder sogar Sechzehntel-Linien nicht durchhalten zu können. Oder es entsteht sogar ein Knoten im Hirn, weil man sich schon Minuten vorher Stress macht, weil man doch die schnelle Passage am Ende des Songs unbedingt mit dem Zeigefinger beginnen muss. Würde der Mittelfinger starten, würde man das Lick nicht hinbekommen. Kennst du das von dir?

In Beispiel 4 habe ich dir den Basslauf aus Beispiel 1 noch einmal notiert. Dieses Mal solltest du aber bewusst mit dem Mittelfinger starten. Kannst du beide Varianten gleich gut spielen? Oder anders gefragt: Fühlen sich beide Varianten gleich gut an? Falls nicht, möchte ich dich motivieren, in den nächsten Wochen mal bewusst mit dem Finger der Anschlagshand zu starten, der eben nicht dein Schokoladenfinger ist. Sei gespannt auf die Entwicklung.

Wenn du wirklich bewusst übst, ist dieses Phänomen schneller zu beseitigen, als du glaubst – und das mit nur ein paar Minuten täglicher Übezeit. Und wenn du diese Aufgabe angehst, dann wundere dich bitte nicht, wenn du bei der nächsten Bandprobe gefühlt „schlechter“ spielst oder an Stellen rauskommst, die du früher eigentlich im Schlaf spielen konntest. Das ist die klassische Übergangszeit, in der du die alten Bewegungsmuster „überschreibst“ bzw. umprogrammierst. Der Körper will immer die alten Bewegungsmuster aufrechterhalten.

Mittelfinger der Anschlagshand nach dem Anschlag der A-Saite – landet an der E-Saite
Mittelfinger der Anschlagshand nach dem Anschlag der E-Saite – spielt in die Luft

3. Raking, ja oder nein?

„Mein Basslehrer hat gesagt, ich muss immer abwechselnd anschlagen.“ Alleine das Wort „muss“ in diesem Satz, den ich schon gefühlte 10.000 mal in meinen Veranstaltungen gehört habe, finde ich unangebracht. Du musst gar nichts! Das Raking, also das Durchziehen eines Fingers von einer dünneren zu der nächst dickeren Saite, ist eine ganz wichtige Anschlagstechnik beim Bassspielen! Es gibt Spielsituationen, die du ohne diese Technik nur sehr schwer und in bestimmten Geschwindigkeiten gar nicht mehr ohne Raking spielen kannst. Rückwärts gespielte Dreiklänge über drei Saiten zum Beispiel.

Es gibt aber auch Songs, so wie die ‚Blackbird‘-Version von Jaco Pastorius, die nur mit dem Raking spielbar sind. Warum also das Leben schwer machen, wenn man einfach den Finger durchziehen kann? Bitte schaue dir dazu auch das von mir transkribierte Beispiel 5 an. Versuche es doch bitte mal im dogmatischen Wechselschlag zu spielen und dann mit dem Raking. Entscheide einfach selbst, was sich besser für dich anfühlt! Ohne „Muss“!

4. Das Abheben des greifenden Fingers der Greifhand ergibt immer ein Schnarrgeräusch

Zum Abschluss möchte ich dir auch noch ein Beispiel einer Angewohnheit geben, die bei der Greifhand sehr weit verbreitet ist. Das zu langsame Abheben des greifenden Fingers, das stets ein Schnarrgeräusch erzeugt. Warum schnarrt es eigentlich? Die Saite schwingt und soll gedämpft werden. Wenn ich jetzt einfach den Finger der Greifhand, der diesen Ton gerade noch gedrückt hat, langsam hochnehme, kann die Saite zwischen der Fingerkuppe, die den Druck löst und dem Bundstäbchen hin- und herschwingen. Sie rüttelt und schnarrt sich sozusagen los.

Je langsamer ich die Saite loslasse, desto mehr und länger schnarrt es. Viele Bassisten wollen das kompensieren, indem sie dann bestimmte Finger der Anschlagshand benutzen, um die Saite zu dämpfen, also die Schwingbewegung zu beenden. Das ist manchmal OK. Es gibt aber auch Spielsituationen, in denen du gar keinen Finger übrig hast, oder auch Situationen, in denen es schnell gehen muss.

Zeigefinger Druck-entlastet – Ton gedämpft
Zeigefinger drückt – Ton klingt

Die richtige Abhebe-Geschwindigkeit und die Strecke sind hier die Lösung. Also das Timing, wie schnell und wie weit ich den Finger entlaste. Hebe den Finger nicht so ab, dass er den Kontakt zur Saite verliert, sondern hebe den Finger schnell ab und nur so weit, dass die Fingerkuppe, also wirklich der vorderste Teil der Fingerbeere, die Saite noch berührt und somit abdämpft. Es geht also eher um die richtige Entlastung des Drucks, den du vorher zur Tonerzeugung gebraucht hast, als um ein richtiges Abheben.

Die Finger der Greifhand sollten ja bestenfalls immer schön nah an den Saiten sein. Warum? Aus Gründen der Effektivität, und weil Strecke Zeit kostet. Hebe ich die Finger weit ab oder verstecke ich den Kleinen Finger sogar immer hinter dem Basshals (eine weitere weit verbreitete Angewohnheit), muss ich viel Weg gehen, um den Finger wieder ans Griffbrett zu bekommen. Und einen weiten Weg zu gehen, kostet eben mehr Zeit, als einen kurzen Weg zu gehen. Also versuche ich doch die Finger immer möglichst nah an ihren Greifpositionen zu lassen.

Kleiner Finger versteckt sich hinter dem Hals – langer Weg zur Greifposition
Kleiner Finger über den Saiten – kurzer Weg zur Greifposition

Das kannst du nochmal speziell mit den Beispielen 6 und 7 auschecken. Achte darauf, ob alle Fingerpaare gleich gut funktionieren. Wenn dir bestimmte Kombinationen auffallen, die schlechter, sperriger oder gar nicht fließen wollen, kannst du diese aus der Übung ausschneiden und separat üben. Natürlich habe ich zu diesem Artikel auch wieder ein Video aufgenommen, das du auf www.gitarrebass.de findest. Ich wünsche dir nun viel Spaß beim Entdecken deiner individuellen Angewohnheiten. Die guten dürfen bleiben, sie machen deinen individuellen Stil aus. Die unangenehmen, die dich beschränken, dürfen gehen. Bis zum nächsten Mal!

(Die Noten können durch Anklicken vergrößert werden)

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2022)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Guter, hilfreicher Artikel. Selbst wenn man schon aus dem Anfänger Level raus ist. Sollte man sich immer wieder reflektieren. Kleine nicht so tolle Angewohnheiten schleichen sich gerne ein. Also danke dafür, es hilft in jedem Fall Anregungen zu bekommen, um die eigene Betriebsblindheit zu besiegen.

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  2. Ich bin als kompletter Anfänger sehr froh, über die “Bass Basics”-Reihe von Markus Setzer gestolpert zu sein. Das Konzept, von Beginn an eine saubere Technik zu praktizieren, um sich nicht zu limitieren, begeistert und motiviert mich. Mittlerweile bin ich in die Übungen voll eingetaucht, allerdings bahnen sich genau seitdem nachhaltige Schmerzprobleme im Bereich der Greifhand an, u.a. im Muskel/Sehnenbereich für den Ringfinger.

    Daher meine Frage: Ist diese Technik — so flexibel sie einen Bassisten auch macht (in einem anderen Video von Markus sieht man ihn Fingerkombinationen strecken und beugen, die man eher von Schlangenmenschen kennt :-)) — eher an Fortgeschrittene adressiert, die eine limitierte Technik resettieren wollen, allerdings schon ein Mindestmaß an Kraft/Sicherheit in den Fingern haben? Ich will nicht hoffen, dass sich der noch komplett unflexible Anfänger, der von Null auf 100 mit diesen Flexibilisierungsübungen wegstartet, sich dabei nachhaltig verletzt. Gibt es Erfahrungswerte mit kompletten Anfängern?

    Ganz am Beginn übte ich auch mit “Flying Fingers”, mehreren Fingern pro Bund (statt Barré-Collapsing) und sonstigen Limitationen, nur hat es damit nie Schmerzen gegeben.

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  3. Lieber groovilus,

    erstmal herzlichen Dank dafür, dass Du meine Artikel liest. Ich freue mich sehr, dass Dich die Artikel motivieren an Deiner Technik zu arbeiten.

    Nun zu Deiner Frage bzgl der Schmerzen im Muskel/Sehnenbereich des Ringfingers:

    Zuerst einmal: Alle Übungen die ich hier vorstelle, kann auch ein Anfänger praktizieren. Dabei kommt es aber immer auf die persönliche Dosierung an.
    Ich empfehle stets beim Üben sofort aufzuhören, wenn sich eine Art Verspannung, Ermüdung oder gar ein Schmerz einstellt. Diese Signale des Körpers sollte man nie überhören. Er sendet sie nicht ohne Grund. Allerdings können die Gründe für Verspannung, Verkrampfungen oder gar Schmerzen sehr unterschiedliche Ursachen haben. Die einfachste und unproblematischste Ursache dafür wäre, dass der Körper eine ihm ungewohnte Bewegung ausführen “muss”. Das mag er erstmal gar nicht. Aus der Ferne kann ich natürlich, ohne Dein Spiel oder Deine Bewegungen gesehen zu haben, kein finales Urteil fällen. Aber vielleicht macht es Sinn abzuklären, ob ein grundsätzliches Problem mit deinem Ringfinger vorliegt. Hast Du die Schmerzen nur nach langem Üben? Oder stellen sich die Schmerzen schon nach zwei drei Wiederholungen ein? Spätestens dann, wenn der Schmerz nicht mehr weggeht, würde ich einen ärztlichen Rat einholen.
    Für komplette Anfänger empfehle ich, dass sie erstmal die “saubere” Haltung für die Greifhand erlernen und etablieren. Am Anfang können aufgrund von Kraftmangel gerne mal die Fingerkuppen (also das Fingerendgelenk) als auch die mittleren Gelenke der Finger unkontrolliert Durchknicken. Man spricht hier von “collapsing fingers”. Deswegen könntest Du, wenn Du das “Ein Finger Pro Bund”-System übst, bitte immer maximal in der 7.Lage das Üben beginnen. Starte bitte nicht darunter. Auch wenn es natürlich das Ziel ist, irgendwann auch mal in der ersten oder zweiten Lage mit jedem Finger ein Bund zu erreichen. Die Muskeln, die für das Spreizen der Finger benötigt werden, die so genannte Ringmuskulatur, wird im Alltag so gut wie nie gebraucht. Deswegen braucht es Zeit diese zu aktivieren. Der oft zitierte “Gruß der Vulkanier” ist für manche nicht so einfach umzusetzen. Sie denken dann: “Das kann ich nicht.” Es müsste aber heißen: “Das kann ich noch nicht!” Die Ringmuskulatur ist in der Regel untrainiert und braucht seine Zeit. Deswegen würde ich Dir wenig Wiederholungen pro Übezeit empfehlen, aber dafür vielleicht drei Sessions am Tag. Immer wenn Du merkst, dass die Hand, oder bei Dir im speziellen Fall der Ringfinger ermüdet, legst Du eine Pause ein. Regelmäßiges Üben hilft immer. Und damit meine ich nicht regelmäßig einmal die Woche. Sondern am besten an fünf von sieben Tagen die Woche. Regel: lieber viele kurze Sessions, als eine lange in der Woche. Dann wird der Körper mit Muskelaufbau reagieren.

    Und am Ende zählt doch: Es soll Spass machen. Also gilt es einen Kompromiss zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu finden. Deswegen rate ich auch immer zu einer guten Balance zwischen Spaß-Übungen und Übungen die einen fordern.

    Ich hoffe, dass ich Dir mit meiner Antwort ein wenig weiterhelfen konnte. Weiterhin viel Spaß beim Musikmachen und einen freundlichen Gruss, Markus

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