(Bild: Sandra Hennies, Hennies Markendesign)
Der Hamburger Gitarrist Marcus Deml hat gerade erst sein brandneues Album ‚Pure’ veröffentlicht. Auf der beeindruckenden Langrille sind neun Songs zu finden, in deren Komposition und Produktion der bekennende Guitar Junkie zwei Jahre investierte. Im Gespräch erzählt er, wie sein bislang bestes Werk entstanden ist.
INTERVIEW
Das Vorgängeralbum von ‚Pure‘, ‚Healing Hands‘ war ja ziemlich schon erfolgreich, oder?
Ich habe 10.000 Stück physisch und dazu 4.000 Stück als Download verkauft. Das heißt, ich hätte irgendwie 18 Trilliarden Streams gebraucht, um den gleichen Umsatz zu machen. Das Album hat sich definitiv gelohnt und mich ernährt. Ich habe alles in das neue Album investiert, um neben der kompositorischen Entwicklung auch in Produktion und Sound einen Fortschritt zu erreichen. Als Recording-Nerd war mir ein Studio mit einem alten Pult und großen Räumen wichtig. Ich habe so getan, als wäre es 1979 und ich würde mein ‚Dark Side of the Moon‘ aufnehmen.
Aber du hast zuerst eine Vorproduktion gemacht?
Ja, ich mache immer zuerst ein komplettes Album allein. Im Sinne von: Was passiert, wenn ich alles selber mache? Diese „fertige“ Produktion gebe ich dann an die Musiker. Diesmal haben wir auch Live-Takes integriert. Achim Rafain (Bass) und Felix Dehmel (Drums) haben zu den fertigen Gitarren live gespielt, oder wie bei ‚Csárdás Blues‘, da haben wir alle zusammengespielt. Das hat die Kraft der Produktion stark beeinflusst. Die Keyboards habe ich dann aber doch bei mir aufgenommen, weil es da auch viel um Sounds ging.
Das ganze Album wurde komplett auf Klick eingespielt, oder?
Ja, das ging nicht anders. Wobei, ich überlege, ob ich das nächste Album ohne Click aufnehme. Dafür müssten wir dann aber eine Woche lang proben, bevor es ins Studio geht.
Mir ist aufgefallen, dass auf ‚Pure‘ ziemlich viele Balladen sind.
Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Meine Zielsetzung war die perfekte Performance und der perfekte Sound. Dies ist meine Stärke. Ich komponiere mittlerweile so, dass ich immer zuerst eine Melodie zum Click aufnehme und mich nicht um Akkorde oder irgendwas anderes kümmere. Der Rest wird um die Melodie arrangiert. Diese muss für sich alleine stehen und strahlen. Das ist meine Zielsetzung!
Wir haben im letzten Interview über die drei T’s gesprochen, die du in deinen Clinics vermittelst: Time, Technik und Ton. Was mich bei ‚Pure‘ total beeindruckt hat, ist die rhythmische Präzision in allem. Egal, wie schwierig das Zeug ist, alles ist immer auf dem Grid und super phrasiert. Wie kriegt man das hin, dass das auf der einen Seite so genau ist und auf der anderen Seite aber nicht so steif klingt, als würde man sich krampfhaft auf den Click konzentrieren?
Ich habe das Glück gehabt, viel Studioarbeit machen zu können. Das heißt, ich hatte bis zu 20 bis 30 Pop-Jobs im Monat und stellte dann fest, dass die Inspiration nur in Verbindung mit Perfektion optimal übertragen wird. Alles, was die G&B-Leser tun sollten, und heutzutage ist es einfacher denn je, ist: NEHMT EUCH AUF! Ich hatte ja auch schon als 20-Jähriger den Berufswunsch, Studiomusiker zu werden. Dann ist mir aufgefallen, nachdem ich alle großen Musiker gehört habe, dass die (fast) immer genau drauf sind. Wenn du Peter Weihe sagst, spiel mal ein 128stel hinten dran, dann macht der das. Das hat mich geprägt. Bei Songs wie ‚Rusty Leaves‘ oder ‚Pure‘ spiele ich ein wenig hinter dem Beat, sonst würden die Melodien nicht die gleiche Wirkung erzielen. Dies geschieht aber intuitiv.
Mein Leben ist komplett auf Musik und Gitarre abgestimmt. Das heißt, ich bin fast jeden Tag im Studio, komponiere und nehme auf. In meine Clinics kommen auch Spieler, die eine irre Technik haben. Alles ist dabei: Ob Anfänger oder Virtuose … Eine Gemeinsamkeit gibt es aber: Wenn es musikalische Schwierigkeiten gibt, ist es fast immer Timing. Wo ist die Pocket? Das ist aber auch ein Gitarristen-Problem. Andererseits gibt es YouTuber, die komplett auf dem Grid sind, aber dadurch wie programmiert klingen.
Wie ein MIDI-File!
Was es vielleicht auch manchmal ist. Es gibt ja die Faker, die filmen, und alles korrigieren. Ich versuche, mit der Musik im Einklang zu sein. Kreativ, mental und körperlich. Es freut mich sehr, dass auf ‚Pure‘ dieser Einklang gelungen ist.
Talk über den Song ‚Persecución‘ samt Transkription auf Seite 2 …
Marcus Deml bringt es auf den Punkt,und er hat völlig Recht mit seinen Worten! Sein Gitarrenspiel gefällt mir!
Viele liebe Grüße von Stella.