„Alles, was die G&B-Leser tun sollten: NEHMT EUCH AUF!“

Zwischen Gefühl und Präzision: Marcus Deml im Interview

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(Bild: Sandra Hennies, Hennies Markendesign)

PERSECUCIÓN

‚Persecución‘ ist ja ein spanischer Titel. Sag mal ein bisschen etwas über das Stück, wie das entstanden ist und worum es da geht.

‚Persecución‘ heißt Verfolgungsjagd. Ich habe immer irgendwas im Kopf bei instrumentaler Musik. Hier war das so ein 70er-Jahre-Film. Ich habe das häufig schon gemacht. Bei ‚Time Traveller‘ von ‚Healing Hands‘ habe ich so eine Sci-Fi-Serie geguckt, den Ton abgedreht und dazu meine eigene Filmmusik komponiert.

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Die Verfolgungsjagd vertont eine Sequenz, bei der es immer weiter aufwärtsgeht (Takt 1–30). Die Band spielt unisono, da sind keine Harmonien dahinter.

Ich spiele jeden Tag ein paar Stunden und ich bin mittlerweile in der Lage, auch Musik, zumindest Melodien, im Kopf zu schreiben. Diese entstehen oft bei meinem täglichen Waldspaziergang. Das Riff von ‚Persecución‘ war in drei Minuten fertig. Die Tonfolgen sind ja auch nicht so kompliziert. Obwohl das Stück mit 170 bpm nicht so wahnsinnig schnell ist, hat es uns Zeit gekostet, das richtige Feel zu entwickeln.

(zum Vergrößern klicken!)

Der Basspart ist ja auch nicht ganz trivial, wenn man den richtig gut spielen will.

Alle mussten das erstmal üben, aber Achim Rafain ist ja ein Weltklasse-Bassist, der alles spielen kann. Wir spielen dieses Jahr noch zwei Record-Release-Konzerte und bei der ersten Probe ist mir aufgefallen, wie tricky die Musik doch ist. Ich muss es wirklich vorbereiten. Beispielsweise hat das String-Skipping-Lick bei ‚Only Half A Step‘ mir echte Schwierigkeiten bereitet.

Ich hätte das Haupt-Riff von ‚Persecución‘ komplett mit Alternate Picking gespielt. Aber dann habe ich im Video gesehen, dass du es mit Economy Picking spielst.

Ja, ich spiele in meinen Riffs sehr viel Down-Down-Up Picking, also wie die Gypsy-Gitarristen oder die Bluegrass-Gitarristen. Ich habe vor 100 Jahren mal ein paar Stunden bei Frank Gambale gehabt. Beim Alternate Picking macht die Anschlagshand oft längere Wege, aber dafür ist es natürlich viel leichter, die Time zu halten. Dieses Riff ist mit Wechselschlag leichter tight zu spielen, aber es klingt nicht so wuchtig … Ganz ähnlich, wie manches Metal-Riff nur mit Downstrokes gut klingt! Picking-Patterns oder auch Fingersätze sind bei mir auch soundabhängig… Bei Melodien überlege ich: Spiele ich das C auf dem fünften Bund der G-Saite oder auf dem zehnten Bund der D-Saite? Wo klingt es besser? Das hat zur Folge, dass man nicht immer unbedingt den einfacheren Weg geht. Da kann man das chaotische Griffbrett irgendwie klanglich für sich nutzen, finde ich. Und genauso verhält es sich auch bei dem Pattern. Nach wie vor ist der Wechselschlag das Wichtigste, um „on the grid“ zu spielen. Mit Economy-Picking kann man schneller spielen, aber die Time wird dann häufig zum Problem. Aber ich mache das ja jetzt schon ein paar Tage. Und weil ich Linkshänder bin, braucht meine rechte Hand immer etwas mehr Fürsorge, ihr gehören jeden Morgen die ersten 30 Minuten.

Kannst du beschreiben, welches Besteck bei ‚Persecución‘ am Start war?

Da habe ich meine 1963er Strat gespielt, die ich „Headhole“ getauft habe. Die am unangenehmsten zu spielende und abgenutzteste Strat der Welt, gleich nach der von Rory Gallagher. Sie war mal Olympic White, teilweise mit Tipp-Ex ausgebessert. Ich bin der festen Überzeugung, dass der einfachste Signalweg immer die besten Aufnahmeergebnisse erzielt. Das heißt, ich habe zum Beispiel nie Hall oder Delay in der Kette. Niemals! Das heißt, ich nehme immer das trockene Signal auf. Ich mikrofoniere immer und spiele nie DI. Ich habe auch nichts gegen Modeler wie Axe-FX, aber jedes Mal, wenn ich so ein Ding ausprobiert habe, war ich nur am Tippen oder am Drehen und habe nie gespielt. Das heißt, jetzt bei der Platte sind es hauptsächlich meine drei Marshalls. Ich habe alle drei wichtigen Marshalls: Einen 50 Watter, einen Superlead und einen Superbass. Alle Non-Master-Volume. Die Distortion vor dem Amp erzeugt entweder der Sweet Elephant, mein Overdrive, oder das Angry Gorilla Distortion. Beim Riff ist noch ein MXR Phase 90 am Start. Beim Aufnehmen spiele ich immer eine 4x12er-Box, die mit einem TUL-G12-Mikrofon mikrofoniert wird. Das habe ich von Peter Weihe bekommen. Es ist ein südafrikanisches Mikrofon. Wir haben bei jedem Song im Album-Booklet die Equipment-Liste für die Guitar Junkies aufgeführt. Peace.


Mehr Infos und Live-Termine unter:

www.marcusdeml.com

www.triplecoilmusic.com


(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Marcus Deml bringt es auf den Punkt,und er hat völlig Recht mit seinen Worten! Sein Gitarrenspiel gefällt mir!
    Viele liebe Grüße von Stella.

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