„Ich habe keine konkreten Ziele. Ich denke, der ultimative Smash-Hit gelingt einem sowieso nur rein zufällig.“

Virtuosität aus Down Under: Plini im Interview

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Dein allererstes Instrument war das Schlagzeug, nicht wahr?

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Ich war gerade erst sechs und liebte die Beatles abgöttisch, ich wollte unbedingt wie Ringo sein. Also schnappte ich mir Töpfe und Pfannen aus unserer Küche und bearbeitete sie mit Löffeln. Das war offensichtlich prägend, denn bis heute achte ich immer dann, wenn ich einen neuen Song höre, zuerst auf den Rhythmus, vor allem auf Snare und Bassdrum.

Du hast im Workshop erzählt, dass deine erste E-Gitarre von Ibanez stammte. Mittlerweile spielst du ausnahmslos Strandberg-Gitarren. Könntest du dein aktuelles Songmaterial auch auf deiner ersten Ibanez spielen?

Oh ja, absolut. Eine gute Gitarre ist eine gute Gitarre, solange sie auch gute Pickups hat. Ich bin da nicht auf eine bestimmte Marke festgelegt. Ich spiele auch Gitarren meiner Freunde und sie spielen meine. Für mich macht es keinen Unterschied. Interessanterweise verliert man seinen eigenen Sound auch dann nicht, wenn man die Gitarre wechselt.

Wie muss eine Gitarre beschaffen sein, damit du dich damit wohlfühlst?

Ich mag leichte Modelle, denn wenn man über Stunden spielt, ist ein zu hohes Gewicht hinderlich. Ich suche nach einer ganz bestimmten Resonanzfähigkeit, die ich bei den meisten Strandberg-Gitarren gefunden habe, diese Obertöne, diese extra Harmonien, die von ganz allein entstehen. Strandberg-Gitarren haben einen ganz eigenen Charakter, das mag ich an ihnen.

Du hast also nie Les Pauls, Strats oder Teles gespielt?

Nein, nicht wirklich. Ein guter Freund, mit dem ich in meiner Jugend oft gejammt und Sachen von Queens Of The Stone Age oder Mastodon gecovert habe, besitzt eine Les Paul Junior, aber ich fand, dass es damit weniger Spaß macht als mit einer Ibanez oder irgendeiner anderen Super-Strat.

Weil?

Die Les Paul entspricht nicht meinem Spielstil, ich stehe auf leichtere Modelle, auf die dünneren Metal-Gitarren.

Aber immer mit Humbucker, nie mit Single Coils!

Bislang ausnahmslos Humbucker, allerdings habe ich kürzlich begonnen, gelegentlich auch mal mit Single Coils zu experimentieren.

Überraschenderweise hast du vorhin deinem Publikum erklärt, dass du mit 7- und 8-Saitern nur wenig anfangen kannst.

Viele sind verblüfft, wenn ich es erzähle. Das Griffbrett bei 7- und 8-Saitern überfordert mich. Für mich ist es auf einer 6-saitigen Gitarre einfacher, mich zu orientieren. Es wäre in etwa so, als wenn man einem Schlagzeuger, der normalerweise drei Toms gewohnt ist, plötzlich über zehn spielen lassen würde. Auch er würde vermutlich zu häufig über sein Spiel nachdenken, anstatt rein intuitiv zu agieren. 7- und 8-Saiter fühlen sich nicht wie die natürliche Verlängerung meines Arms an. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich dies ja noch einmal. Ich arbeite daran.

Ist der Unterschied tatsächlich so groß? Muss man das Gitarrenspielen neu lernen, wenn man ein oder zwei Saiten mehr hat?

Ich denke, es sollte nicht so sein, zumal sich bei mir Musik sowieso in der Mitte des Griffbretts entwickelt und ich eigentlich nur überlegen muss, ob es höher oder tiefer geht, aber nicht wie viel höher oder tiefer ich etwas spielen könnte. Alles oberhalb einer 7-saitigen Gitarren überfordert mein Hirn.

Spielst du im Studio mit Röhrenamps oder vertraust du ausschließlich auf Plugins? Was ist mit Soundeffekten?

Ich nehme alles über Plug-ins auf, inklusive aller Effekte, die ich benötige. Ich recorde mit einem D.I.-Signal und schicke das Resultat zu meinem Mischer Simon, der entweder die gleichen Plug-ins verwendet oder das trockene Signal über einen der Röhrenverstärker seines Studios reampt.

Weißt du, um welche Amps es sich konkret handelt?

Simon hat einen Peavey 5150, einen Marshall JVM und einen Yamaha-Combo, den er erst kürzlich in einem kleinen Musikgeschäft entdeckt hat. Er nimmt die Amps immer in seinem Badezimmer auf, deshalb haben sie diesen feucht klingenden Hallsound. Simon liebt es, in seinem Studio die abgefahrensten Dinge auszuprobieren.

Du selbst hast also nur ein kleines Demo-Studio?

Ja, es steht in meinem Schlafzimmer, nur ein Schreibtisch mit einem iMac plus Monitore, das war’s.

Sammelst du Gitarren?

Nicht wirklich. Ich besitze einige Strandbergs, darunter ein paar Prototypen, darüber hinaus versuche ich jedoch, meinen Privatbesitz bewusst klein zu halten.

Verfolgst du ein bestimmtes Ziel als Songschreiber? Zum Beispiel den ultimativen Hit in der Art von Satrianis ‚Summer Song‘?

Ich habe keine konkreten Ziele. Ich denke, der ultimative Smash-Hit gelingt einem sowieso nur rein zufällig. Ich möchte mich einfach weiterentwickeln, Dinge miteinander kombinieren, die ich irgendwo aufgeschnappt habe. Meine Musik ist eine Kombination aus Dingen, die ich selbst mag. Als Jugendlicher habe ich fast ausschließlich Rock und Metal gehört, dementsprechend sind diese Einflüsse bei mir am überzeugendsten. Bei Funk und Soul dagegen habe ich weniger Erfahrung. Wenn ich solche Elemente in meinen Songs unterbringen möchte, bedeutet es für mich harte Arbeit. Aber ich mag das, es sind die Herausforderungen, die einen als Musiker weiterbringen.


(erschienen in Gitarre & Bass 02/2024)

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