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Im Interview

Tito & Tarantula: Alben, Altgear, Anekdoten

Tito & Tarantula 2(Bild: Manfred Pollert)

Mit ,8 Arms To Hold You? erschien am 27. September ein neues Werk der Tex-Mex-Rocker. Vor der großen Tour durch Deutschland konnten wir die Saitenfraktion zu ihren Sound-Vorlieben befragen – neben Band-Chef Tito Larriva standen uns seine Bass spielende Tochter Lolita Carroll Larriva und der langjährige deutsche Gitarrenpartner Marcus Praed zur Verfügung.

interview

Euer letztes reguläres Album erschien 2008. Habt ihr in der Zwischenzeit größere Pausen gemacht oder doch regelmäßig miteinander gespielt?

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Tito: Eigentlich haben wir jedes Jahr ein Album gemacht. Wir nehmen ständig Alben auf, veröffentlichen sie aber nie. Aufnahmen gibt es also einige.

Lolita: 2015 haben wir mit ,The Lost Tarantism’ ein Album mit Outtakes der ,Tarantism’-Sessions veröffentlicht. Danach waren wir auf großer Tournee.

Warum kommt gerade jetzt ein Album heraus – nach so vielen Aufnahmen, die unveröffentlicht blieben? Gab es einen besonderen Anlass?

Tito: Ja. Meine Tochter sagte eines Tages: „Wir müssen das jetzt fertig machen.“

Lolita: Wir haben rund zwei Jahre an den Songs gearbeitet, bevor wir mit den Aufnahmen begannen – wir haben also vor ungefähr vier Jahren angefangen.

Tito: Wir dachten nicht, dass es so lange dauern würde.

Lolita: Ich denke, wir haben uns so viel Zeit genommen, damit alles richtig und großartig klingt. Mit dem Ergebnis sind wir sehr glücklich.

Könnt ihr noch was zu den neuen Songs sagen?

Tito: Sie sind persönlicher als sonst. Das hat eine Geschichte: Mein Vater starb an unserem ersten Studiotag. Das hat alles verändert, die Stimmung, alles. Nicht auf negative Art, es war auf eine Art heilend und spirituell. Die Songs haben eine komplett neue Farbe bekommen. Ich bin sehr stolz auf die Platte. Die Aufnahmen waren schön, zugleich aber auch sehr schwierig. Es geht bei dem Album also nicht um einzelne, spezielle Songs, sondern um die generelle Erfahrung.

Gibt es eine Story hinter ,He’s a Liar?? Dort singst du: „He sets the world on fire“. Handelt der von jemand Speziellem?

Tito: (lacht) Das ist offensichtlich, oder? Aber es ging dabei gar nicht unbedingt um Trump. Ich hatte die Idee bereits vor vielen Jahren.

Deshalb frage ich.

Tito: Als wir zusammen komponierten, habe ich einige meiner alten Ideen rausgeholt. Diese hat etwas ausgelöst und so haben wir weiter gemacht.

Lolita: Wir haben vor vier Jahren damit angefangen. Die Wahlen waren da schon ein Thema, es passte also in die Zeit. Es war zwar nicht speziell für ihn, aber wir wollten es unbedingt fertigmachen und auf die Platte packen.

equipment

Tito, auf deinem Pedalboard finden sich einige durchaus als gebraucht zu bezeichnende Pedale. Kannst du dazu ein bisschen was erzählen?

Tito: Ich habe einen alten Tube Screamer, den ich sehr mag. Außerdem benutze ich ein Carbon Fiber Delay (gemeint ist sein MXR Carbon Copy, Anm. d. Verf.) und einen alten Phase Shifter von MXR. Genauer gesagt ist es ein Phase-90-Reissue. Dazu habe ich noch ein ziemlich altes Crybaby Wah-Pedal, das mir mal ein Freund geschenkt hat. Ich glaube es ist aus den 70ern, aber ich weiß es nicht genau. Es funktioniert nur mit Batterie und fällt langsam auseinander. Aber es klingt ziemlich gut, anders als andere Wah-Pedale.

Tito & Tarantula 2
Das namenlose rote Pedal auf Titos Board ist ein linearer Booster, der den Pegelunterschied zwischen der Mustang und der Duesenberg ausgleicht. Außerdem dabei ein Duesenberg Violet Trem und ein TC-Electronic-Hall. (Bild: Chris Hauke)

Welche Gitarren hast du dabei?

Tito: Ich spiele bei diesen Gigs Marcus’ alte Fender Mustang von 1963. Ich habe zwei Mustangs von 1965 zu Hause, aber seine 63er-Mustang klingt besser als meine. Ich weiß nicht warum. Vielleicht weil sie zwei Jahre älter ist. Ich liebe diese Gitarre. Meine Hände sind klein, daher ist die kürzere Mensur sehr passend für mich.

Marcus: Die Mustang besitze ich seit 1989. Ich habe sie damals für 70 Dollar gekauft.

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Links im Bild eine 1963er Fender Mustang. Außerdem spielt Tito seit einigen Jahren Duesenberg-Gitarren. (Bild: Chris Hauke)

Tito: Früher habe ich meistens Telecasters gespielt. Ich mag diese Gitarren auch noch immer und nutze sie häufig für Aufnahmen, aber inzwischen bin ich mehr und mehr auf Duesenbergs umgestiegen. Das sind feine, sehr gute Instrumente. Wir trafen Dieter Gölsdorf von Duesenberg vor vielen Jahren. Er kam zu einer unserer Shows in Hannover. Eins unserer Crew-Mitglieder kam nach hinten und sagte: „Da ist ein Typ, der sagt, er hätte eine Tito- &-Tarantula-Coverband. Und er macht Gitarren. Er will dir eine geben.“ Wir ließen ihn rein und dann schenkte er mir diese orangefarbene Gitarre. Ich habe sie an diesem Abend gespielt, denn ich wollte mich dafür bedanken, dass er sie mir gegeben hat.

Marcus: Das war ein Carl-Carlton-Modell. Sie hatten gerade damit angefangen.

Tito: Sie war ganz neu. Ich mochte die Gitarre, aber sie war etwas zu groß für mich. Dann fing er an, noch andere Instrumente zu machen. Die mochte ich noch mehr.

Auf der Bühne hinter dir steht ein Vox AC30.

Tito: Ja, das ist ein alter handverdrahteter Verstärker. Wir sind Vox-Fans. Marcus hat zwei richtig alte und ich habe auch einen alten zu Hause. Ich hatte mal zwei, aber Robert Rodriguez, der Regisseur (u.a. ,Desperado’, ,From Dusk Till Dawn’, ,Sin City’, Anm. d. Verf.), hat mich dazu gebracht, ihm den zweiten zu verkaufen. Das hätte ich nicht tun sollen, aber er ging vor vielen Jahren mal mit uns auf Tour und ich habe ihn diesen Vox-Amp benutzen lassen. Danach hat er mich gezwungen, ihm den zu verkaufen.

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Tito ist Vox-Fan: Links der AC30 und rechts der AC15 als Ersatz. (Bild: Chris Hauke)

Und der kleine rechts daneben?

Tito: Das ist ein 15-Watt-Top, ein Ersatz, falls mal etwas schief läuft. Was bei einem AC30 ja durchaus mal vorkommen kann.

Insgesamt sieht dein Equipment so aus, als würdest du es schon länger benutzen.

Tito: Ja, es war schon überall. In Sachen Gitarren habe ich eine große Kollektion an Duesenbergs. Meine Frau ist nicht sehr glücklich darüber, aber ich bin es. Ich war überrascht, dass ich sie so sehr mag, denn normalerweise ziehe ich meine älteren Instrumente vor. Ich habe eine 1957er-Les-Paul, die ich vor etwa zehn Jahren auseinandergenommen habe. So liegt sie nun bis jetzt in ihrem Koffer. Das ist eine Schande. Ich muss sie wieder zusammensetzen. Ich habe generell viel altes Gear, vor allem viele alte Gitarren. Aber ich bin ja auch schon 66 Jahre alt und ich habe sie gekauft, als ich jung war.

Marcus, wie sieht es bei dir in Sachen Gitarren aus?

Marcus: Meine Hauptgitarre für heute Abend ist eine Les Paul Standard aus den 90ern mit einem Bigsby drauf.

Tito: Sie ist nicht wirklich eine Standard, denn sie wiegt so viel wie unser Van. Das Ding muss aus Beton sein.

Wiegt sie mehr als fünf Kilo?

Marcus: Ich glaube schon. Aus irgendeinem Grund werde ich von schweren Gitarren verfolgt. Ich habe eine Telecaster, die ich gerne und viel gespielt habe. Aber die ist genauso schwer. Es muss die schwerste Telecaster der Welt sein. Dann habe ich noch eine Strat dabei, die nicht wirklich eine Strat ist. Sie ist ein totaler Bastard, ich habe sie, seitdem ich 19 bin – sie besteht aus einem Ibanez-Korpus von Mitte der 70er-Jahre und einem Schecter-Hals. Das ist eine wirklich tolle Gitarre, die ich erst vor Kurzem wiederentdeckt habe. Ich habe einen Satz David-Barfuss-Pickups eingebaut und bin sehr glücklich damit. Ich verwende sie derzeit nur für einen Song, weil sie in einem anderen Tuning gestimmt ist. Ich spiele Slide darauf.

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Marcus Stratocaster mit Ibanez-Korpus, Schecter-Hals und David-Barfuss-Pickups und rechts die Les Paul Standard mit Bigsby (Bild: Chris Hauke)

Wie kamst du auf David Barfuss?

Marcus: Euer ehemaliger Kollege Heinz Rebellius hat meine Telecaster repariert. Der Hals-Pickup war nicht gut für die Gitarre, also hat er einen neuen eingebaut. Und das war eben einer von David Barfuss. Der Tonabnehmer war mir allerdings zu heiß, daher habe ich ihn David geschickt, der dann Wicklungen abgenommen hat. Jetzt passt er besser zum Steg-Pickup. David war so freundlich und hilfsbereit. Er hat nicht mal nach Geld gefragt .

Wie ist dein Pedalboard bestückt?

Marcus: Unter dem Board sitzt ein Lehle Sunday Driver Buffer-Amp. Den mag ich sehr. Er sorgt dafür, dass alles etwas aufklart. Wenn du das Volume-Poti runterdrehst, verlierst du keine Höhen. Alles bleibt, wo es ist. Auf dem Board selber benutze ich hauptsächlich das TC Electronic Flashback Delay und den Analog Man King of Tone als Overdrive. Dazu habe ich einen „Muff der Freundschaft“, den ein Freund von mir, Jan van Triest, gebaut hat. Seine Firma heißt Orion. Ich habe ein Studio namens „Mühle der Freundschaft“. Jan war bei uns. Er macht echt gute Pedale. Es ist wie ein Big Muff, nur ein bisschen optimiert.

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Marcus Pedalboard: TC Electronic Flashback Delay,
Analog Man King of Tone, Orion Muff der Freundschaft,
Line 6 MM4 Modulation Modeler, Boss OC-2 Octaver, TC
Electronic Polytune
(Bild: Chris Hauke)

Neben dem obligatorischen Tuner hast du dazu einen alten Line 6 MM4 Modulation Modeler auf dem Board, der im Signalweg vor den beiden Drives sitzt. Warum?

Marcus: Den Line 6 habe ich in der Kette, aber ich glaube, ich habe ihn auf den Konzerten jetzt kein Mal benutzt. Die meisten Modulationseffekte kommen mir organischer vor, wenn sie vor dem Overdrive Pedal sitzen. Mehr aus einem Guss.

Letztes Pedal ist der Boss OC-2 Octaver. Für was setzt du den ein?

Marcus: Den OC-2 habe ich aktuell nur für ein Solo im Song ,Slow Dream’ in Verwendung – zusammen mit dem „Muff der Freundschaft“.

Auf deinem Amp steht ein Gerät von Thomas Reußenzehn namens „Tube Reverbration“.

Marcus: Das ist ein röhrenbetriebener Federhall.

Tito: Da ist eine Feder drin? Oh, so einen will ich auch.

Die Gitarre läuft also in den Hall und von da in den Amp.

Marcus: Ja, was super ist. Der Spiralhall hat auch eine Art Tube Driver. Ich kann den Amp damit also ein bisschen mehr anpusten.

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Auf Marcus Vox-Amp steht ein Reußenzehn „Tube Reverbration“, ein röhrenbetriebener Federhall. (Bild: Chris Hauke)

Habt ihr von diesen Sachen auch etwas bei den Aufnahmen zu ,8 Arms To Hold You’ verwendet? Oder ist darauf komplett anderes Instrumentarium zu hören?

Tito: Das ist komplett anders. Wir haben die Platte in den Sonic Ranch Studios in der Nähe von El Paso aufgenommen. Das ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Die Studios liegen direkt am Rio Grande. Wenn du auf die Homepage der Sonic Ranch gehst, kannst du dir das Equipment anschauen. Sie haben eine Liste mit allen Instrumenten, da drehst du ab. Darunter sind Gitarren, die ihnen Billy Gibbons gegeben hat. Es gibt jede Menge Drumsets, ohne Ende Gitarren und Hunderte von Amps – darunter Fenders, die im ersten Jahr gemacht wurden.

Welches Equipment hast du dabei, Lolita?

Lolita: Eine Ashdown-Box mit einem EBS-Classic-450-Top und dazu einen Duesenberg-Hollowbody-Bass im Höfner-Style, den ich sehr liebe. Und das war es auch schon. Keep it easy.

Was für Speaker sind in der Box?

Lolita: Vier 10er. Wir haben sie von einem Freund geliehen. Normalerweise habe ich ein größeres Cabinet, aber auf dieser Tour gibt es nur begrenzt Platz.

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Lolitas Bass-Setup: Eine Ashdown-Box mit einem EBS-Classic-450-Top sowie ein Duesenberg-Hollowbody-Bass im HöfnerStyle. (Bild: Chris Hauke)
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