Tech-Interview

Bass für Deep Purple: Roger Glover und sein Vigier Rg Special

Bereits seit Mitte der 90er-Jahre schwört Deep-Purple-Bassist Roger Glover auf das Excess-Modell des französischen Instrumentenherstellers Vigier. Vor einigen Jahren hat ihm die Firma sogar einen eigenen Signature-Bass gewidmet, einen RG Special, der auf dem Excess basiert.

Mit diesem Bass bestreitet er einen Großteil der Shows, wie wir im November 2015 bei der Deep-Purple-Stippvisite in der Hamburger Barclaycard Arena feststellen konnten. Wir sprachen mit DEEP PURPLE Bass-Tech Scoots Lyndon über das Live-Setup seines Arbeitgebers Roger Glover.

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Deep Purple Bassist Roger Glover

Roger, was waren die für dich wichtigsten Kriterien eines guten Basses, als du deine Profikarriere als Musiker gestartet hast?

Roger Glover: Oh Mann, gleich zu Beginn eine solch schwierige Frage!? (lacht) Aber OK! Also: Ich kam nur zufällig zum Bass, weil in meiner Schul-Band ein Bassist fehlte und ich auch nicht so viele Akkorde spielen konnte wie die anderen Jungs. Deshalb klebte ich auf meine spanische Gitarre einen Pickup, entfernte die oberen vier Saiten und legte einfach los.

Aber das, was ich damals auf Schallplatten hörte, klang deutlich tiefer, also legte ich mir einen Hofner-Bass zu, eine Art kleinere Version eines Fender Precision, die zwar vergleichsweise billig war, nicht jedoch für mich, da ich seinerzeit überhaupt kein Geld besaß. Verstärker baute man sich damals selbst, Boxen dazu ebenfalls. Mit ungefähr 18 bekam ich einen richtigen Fender Precision, meinen ersten amtlichen Bass. Ich war stolz wie Bolle, dieser Precision war ein echtes Statussymbol.

Meine Amps waren allerdings weiterhin Eigenbau, übrigens auch noch, als ich 1969 von Episode Six zu Deep Purple wechselte. Das Problem in den Sechzigern war, dass die Boxen bei einem tiefen E oftmals fürchterlich dröhnten, weil die Membranen für diese Frequenzen nicht ausgelegt waren. Mir gefiel damals vor allem dieser warme, volle Bass-Sound auf amerikanischen Schallplatten.

Hat deiner Meinung nach die Qualität von Bässen in den zurückliegenden 35 Jahren ebenso drastisch zugenommen wie die von Lautsprechern?

Roger Glover: Nein, die Qualität der Bässe war auch damals schon relativ hoch. Dazu muss ich dir folgende Geschichte erzählen: Ich habe in meinem Leben viele unterschiedliche Bässe gespielt, von einem Precision auf ,Deep Purple In Rock‘ über einen Fender Mustang auf ,Fireball‘ und einen Rickenbacker auf ,Machine Head‘. Aber irgendwie war ich nie ganz zufrieden, ich suchte nach etwas Anderem, ohne genau zu wissen wonach.

Obwohl auf dem Cover von ,Machine Head‘ ein Precision Bass zu sehen ist, habe ich ihn auf der Scheibe gar nicht gespielt. Der Fotograf gab mir einfach irgendeinen Bass und knipste mich damit. Damals spielte ich über ein Marshall Stack, 100 oder 200 Watt, mit zwei 4x12er-Boxen. Der Marshall verzerrte immer ein wenig, gab mir aber nicht den tiefen, warmen Bass-Sound, der mir vorschwebte. Die Jahre gingen ins Land, und 25 Jahre später arbeiteten wir an den Remixes der Anniversary-Version von ,Machine Head‘.

Zum ersten Mal hörte ich alle damals aufgenommen Spuren getrennt voneinander, also auch die Bass-Spuren. Ich sagte zu meinem Engineer Peter Denenberg: „Damals mochte ich diesen Bass-Sound nicht.“ Er darauf: „Wie bitte? Andere Bassisten würden ihren rechten Arm für diesen sagenhaften Bass-Sound opfern, und du mochtest ihn nicht?“ Ich muss zugeben: Durch diesen Satz von Peter fand ich 25 Jahre nach den Originalaufnahmen meinen Frieden mit dem Sound dieser Platte. Ich hatte den Rickenbacker zwei Wochen vor Studiobeginn gekauft und wusste eigentlich gar nicht, welchen Sound ich damals wollte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich die ersten 30 Jahre meiner Karriere damit verbracht habe, einen für mich zufriedenstellenden Bass-Sound zu finden.

Das komplette Interview mit Deep-Purple-Bassist Roger Glover gibt’s in Gitarre & Bass 08/2016 – und nur da! Ab Freitag, 22. Juli im Handel. Oder versandkostenfrei bestellen unter www.gitarrebass.de/shop

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