Rockin’ Sisters: The Warning im Interview

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(Bild: Chino Zenteno)

Drei Schwestern aus Monterrey in Mexiko sorgen aktuell nicht nur auf YouTube, TikTok und anderen Social-Media-Kanälen für mächtig Furore: The Warning rocken, was das Zeug hält, und sorgen auch live dafür, dass ihnen die Herzen der Fans in Massen zufliegen.

Mit enormer Vitalität und erstaunlicher spielerischer Reife hat das Trio mehr als 80 Millionen YouTube-Aufrufe gesammelt und konnte allein für seine Single ‚Choke‘ bereits mehr als zwei Millionen Streams verzeichnen. Das Beste aber ist: Diese Band existiert nicht nur viral, sondern auch im tatsächlichen Leben. Will heißen: Trotz ihres noch jungen Alters weisen die drei Bandmitglieder Daniela, Paulina und Alejandra Villarreal Velez bereits eine bemerkenswerte Bühnenerfahrung auf. The Warning eröffneten zwei ausverkaufte Shows in Mexiko-Stadt und Guadalajara für The Killers und Def Leppard, sie spielten auf großen Festivals, in vielen kleinen schwitzigen Clubs und auf so ziemlich jeder verfügbaren Freilichtbühne in der Nähe ihrer Heimatstadt Monterrey, und das immer vor begeistertem Publikum.

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Zudem waren die Geschwister auf dem 2021 erschienen Metallica-Album ‚The Metallica Blacklist‘ mit einer Coverversion vom Klassiker ‚Enter Sandman‘ zu hören. Weitere Meilensteine sind Auftritte als Special Guest für die Foo Fighters in Mexiko-Stadt im November 2021 und bei zwei ausverkaufte Shows im kalifornischen Hollywood im Januar 2022.

Es gibt also viele Gründe, die drei sympathischen Frauen einmal genauer vorzustellen, insbesondere ihre Gitarristin und Sängerin Daniela, mit 21 Jahren die Älteste im The-Warning-Camp und so etwas wie das offizielle Sprachrohr der Gruppe.

Daniela ist die Gitarristin und Sängerin der Band (Bild: The Warning)

INTERVIEW

Daniela, es heißt, dass dir und deinen beiden jüngeren Schwestern die Musik nicht unbedingt in die Wiege gelegt wurde. Stimmt es, dass ihr die ersten Musikerinnen in eurer Familie seid? Und dann gleich drei auf einmal!

(lacht) Ja, das ist richtig. Paulina, Alejandra und ich sind in unserer Familie tatsächlich die ersten Musikerinnen. Mein Vater hatte früher zwar ein kleines Aufnahmestudio, ist selbst jedoch kein Musiker. Wir drei Mädchen bekamen etwa ab unserem sechsten Lebensjahr eine klassische Klavierausbildung, außerdem lief bei uns zuhause den ganzen Tag über klassische Rockmusik, wir schauten Konzertfilme von Bands wie Pink Floyd, Queen und speziell auch Muse, von denen ich riesiger Fan bin.

Eines Tages bekamen wir das Videospiel ‚Rock Band‘ und waren wie paralysiert, weil es so viel Spaß machte. Damit fing letztlich alles an: Von da an wollte ich unbedingt Gitarre spielen, Paulina unbedingt Schlagzeug, und für Alejandra, die etwas jünger als Paulina und ich ist, blieb der Bass übrig. So ging die Geschichte los. Übrigens fing jeder getrennt vom anderen mit seinem jeweiligen Instrument an. Zu Beginn waren wir also noch keine Band, und es existierten zunächst auch keinerlei Pläne für so etwas.

The Warning ist demnach eure allererste Band.

Exakt. Es fing damit an, dass wir Songs anderer Künstler coverten. Wir nahmen sie auf, filmten uns beim Spielen und stellten die Clips bei YouTube ein. Eines Tages veröffentlichten wir ein Video von Metallicas ‚Enter Sandman‘, und das trat eine Welle der Aufmerksamkeit los. Das Video erschien 2014 und plötzlich waren wir in aller Munde. Dadurch erhielten wir auch die Chance, unsere eigenen Songs zu veröffentlichen. Und seither sind wir eine richtige Band.

War es für dich anfangs schwierig, gleichzeitig Gitarre zu spielen und zu singen?

Ich muss zugeben, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich beides gleichzeitig konnte. Ich habe immer schon gerne gesungen, insofern war ich es gewohnt, aber natürlich muss man sich gleichzeitig auf mehrere Dinge konzentrieren können, auf die Stimme, auf die Hände und wegen des Pedalboards auch auf die Füße. Das ist eine ziemlich große Herausforderung, bei der ich auch jetzt noch viel dazulernen muss. Denn in einem Moment muss ich mich stärker aufs Gitarrespielen konzentrieren, in einem anderen mehr auf den Gesang. Aber es gibt ja zum Glück so etwas wie ein „muscle memory“, und das macht es leichter, mich in kniffligen Passagen stärker auf den Gesang konzentrieren zu können. Zumal ich auf der Bühne beobachten konnte, dass die Leute sowieso mehr auf das achten, was und worüber ich singe. Aber um beides unter einen Hut zu bringen, stehe ich oft vor dem Spiegel und trainiere die Koordination.

Kannst du dich noch an deine allererste Gitarre erinnern?

Ja, natürlich, es war eine Akustikgitarre, eine Mini-Taylor. Ich war ja noch klein, also musste auch die Gitarre klein sein. (lacht) Meine erste E-Gitarre war eine blaue Ibanez-Hollowbody, die genaue Typenbezeichnung weiß ich gar nicht. Dann folgte eine Fender Stratocaster, die meinem Onkel gehört hatte. Meine erste wirklich eigene Gitarre war eine Gibson Les Paul Standard, die ich von meinem Vater zum 13. Geburtstag geschenkt bekam. Eine tolles Instrument, das ich sehr liebe, obwohl es ehrlich gesagt fast zu schwer für meinen Rücken ist.

PRS 35th Anniversary Custom 24 (Bild: The Warning)

Mal generell gefragt: Bist du eher ein Les-Paul- oder ein Stratocaster-Typ? Magst du also du lieber Humbucker- oder Singlecoil-Tonabnehmer?

Beide Gitarrentypen liefern dir natürlich völlig unterschiedliche Sounds, und ehrlich gesagt habe ich als Musikerin noch nicht genügend Erfahrungen, um mich für eine Seite entscheiden zu können. Aber ich liebe Humbucker und die Energie, die aus ihnen herauskommt. Humbucker sind für The Warning allein schon deshalb besser, weil ich die einzige Gitarristin in einem Trio bin und dementsprechend einen möglichst fetten Sound brauche. Aber ich mag auch Fender Stratocaster. Es ist halt ein anderes Spielen, allein schon wegen der unterschiedlichen Mensur. Deshalb war es zu Beginn meiner Laufbahn als Gitarristin nicht immer ganz einfach, von einem zum anderen Modell zu wechseln, da die Hälse völlig unterschiedlich sind.

Wie sieht es bei dir mit Amps aus? In vielen Videos sieht man dich mit einem Orange-Stack. Was ist mit Modelling-Amps, und was mit Plug-Ins?

Um ganz ehrlich zu sein: Mir gefällt alles. Aufgewachsen bin ich mit traditionellen Amps, und auch mein Pedalboard besteht beispielsweise komplett aus analogen Geräten. Außerdem spiele ich den Orange-Amp schon seit vielen Jahren. Ich mag sein warmes Feeling, etwas, das digitale Geräte nicht haben. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass ich derzeit mit einer ganzen Reihe digitaler Pedalboards wie etwa dem Helix experimentiere, und mich auch der Kemper positiv überrascht hat. Für Liveshows und zum Reisen sind Kemper und Helix perfekt.

Im Studio schwöre ich dagegen eher auf Vintage-Amps. Unser Produzent David Bendeth (u.a. The Dillinger Escape Plan, Papa Roach, In Flames, Bring Me The Horizon, Breaking Benjamin, Anm. d. Verf.), mit dem wir an unserem neuen Album, das in Kürze veröffentlicht wird, gearbeitet haben, hat eine Menge analoges Custom-Equipment mit ins Studio gebracht. Das war ein riesengroßer Spaß, all diese Gerätschaften miteinander zu kombinieren, um die gewünschten Sounds zu bekommen.

Vielen Dank Daniela, viel Erfolg für das Album und hoffentlich sieht man euch bald auch mal in Deutschland auf der Bühne!


(erschienen in Gitarre & Bass 03/2022)

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