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Im Interview

Robby Krieger: Der Jazzer

(Bild: Jill Jarrett)

74 und kein bisschen leise: Nach einem Jahrzehnt voller Gerichtstermine, toter Freunde und permanentem Jammen hat es Doors-Gitarrist Robby Krieger endlich wieder ins Studio verschlagen. Mit ‚The Ritual Begins At Sundown‘ legt er den ersten Teil einer Trilogie vor – und eine Hommage an seine große Liebe: den Jazz.

Es ist nicht leicht, Robby Krieger ans Telefon zu bekommen. Mal ist er krank, mal kommt ihm kurzfristig etwas dazwischen und dann wittert sein Management urplötzlich ein verkapptes Doors-Interview und will erst einmal die Fragen vorgelegt bekommen. Somit zieht sich das ganze Prozedere über Wochen, und der Verfasser dieser Zeilen hat das Gespräch eigentlich schon abgehakt, als es heißt: „Morgen Abend, 21 Uhr. Hier ist die Nummer.“ Doch die Qualität der transatlantischen Konferenzschalte ist so schlecht, dass der 74-Jährige, der unglaublich leise spricht, kaum zu verstehen ist.

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Da gibt Krieger dann ganz jovial seine Privatnummer durch, entschuldigt sich für die komplizierte Kommunikation und erweist sich als unglaublich charmanter und witziger Gesprächspartner. Einer, der viel lacht, der seine geradezu tragische Karriere seit dem Tod von Jim Morrison mit Humor nimmt, und der vor allem Vollblutmusiker ist: Robby jammt nach wie vor mit halb Los Angeles, hat sich gerade erst ein neues, professionelles Studio eingerichtet, und leidet scheinbar unter kreativer Torschlusspanik.

‚The Ritual Begins At Sundown‘, das wegen der Corona-Krise um vier Monate verschoben werden musste, ist das erste von drei fertigen neuen Alleingängen – und das nach zehnjähriger Albumpause. Ein Sinneswandel, den er bereitwillig erklärt.

Dein letztes Album ‚Singularity‘ wurde für einen Grammy nominiert. Trotzdem hat es zehn Jahre gedauert, um einen Nachfolger einzuspielen. Warum?

(lacht) Das ist wahr – und ich mag das Album sehr. Das Problem ist, dass es sich nicht verkauft hat. Abgesehen von Kritikern hat sich kaum jemand dafür interessiert. Und zu der Zeit hatte ich ja auch angefangen, wieder mehr mit Ray Manzarek zu spielen. Wir sind auf Tour gegangen und haben Doors-Sachen gebracht. Von daher habe ich schlichtweg das Interesse an dieser anderen Musik verloren, die ich so gerne mache, nämlich Jazz und Fusion. Doch als Ray vor drei Jahren starb, habe ich mir ein Studio in Glendale, im Nordwesten von Los Angeles, gekauft und mich mit einigen von meinen Buddys an weiteren Jazz-Sachen versucht. Dabei ist dann dieses Album entstanden.

Worum geht es dir mit diesem neuen Album – ist das nun ein Jazz-Rock-Werk oder eher ein Tribut an Frank Zappa?

Na ja, der einzige Grund, warum da überhaupt ein Zappa-Song am Start ist, sind die Jungs, die auf dem Album spielen. Die meisten von ihnen waren irgendwann in Zappas Band. Darunter auch mein alter Freund Arthur Barrow, der Bassist. Er hat mich auf etlichen meiner Solo-Sachen begleitet, und er war eine Zeit lang Franks Bandleader. Von daher ist er ein Experte. Ansonsten hat das Ganze aber nicht wirklich viel mit Zappa zu tun. Es ist nur der eine Song und das war’s.

Warum habt ihr euch ausgerechnet für ein Cover von ‚Chunga’s Revenge‘ entschieden?

Weil Arthur ihn gerne singt. (lacht) Wenn wir live spielen, besteht er auch immer darauf, ihn zu bringen. Auf dem Album ist er als Instrumental-Version vertreten, aber es ist auch wirklich der einzige ZappaSong, den ich draufhabe. Die Jungs kennen wahrscheinlich ein paar mehr von ihm, aber ich nicht. Wir haben versucht, ihn so originalgetreu wie möglich zu halten. Einfach aus Respekt.

Inwiefern hat Zappa dich beeinflusst? Kanntest du ihn bzw. haben die Doors öfter mit den Mothers gespielt?

Wir haben einige Gigs mit ihnen bestritten, aber zu der Zeit waren es eben noch die Mothers Of Invention, also nicht vergleichbar mit dem, was später daraus geworden ist. Es hatte eher etwas von einem anarchischen Comedy-Act. Auf den ersten Mothers-Alben war eine Menge lustiger Kram, aber die Musik habe ich weder als progressiv noch als sonderlich cool empfunden. Es war ziemlich kitschig – jedenfalls für meinen Geschmack. Erst als er mit Leuten wie Arthur oder George Duke, Ruth Underwood und Ian Underwood gearbeitet hat, fing er an, ernsthafte Musik zu machen.

Und wie komponierst du mit Arthur? Jammt ihr hier in deinem Studio?

Wir arbeiten wirklich toll zusammen. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass er ein großer Doors-Fan ist und immer versucht, ein bisschen was von ihnen in unseren Stücken unterzubringen. Was sehr gut funktioniert, wie ich zugeben muss: Es gibt mir ein gutes Gefühl.

Habt ihr euch nach Sonnenuntergang getroffen?

(lacht) Nein, für gewöhnlich bei hellem Tageslicht. Er hat ein kleines Studio in Venice, in Strandnähe, und da mein Studio noch nicht fertig war, bin ich zu ihm gefahren. Die Vorgehensweise war ganz simpel: Wer immer gerade eine Idee hatte, stellte sie dem anderen vor – und los ging’s. Es hat wirklich wahnsinnig gut funktioniert. Aber für das Album haben nicht nur Arthur und ich geschrieben, sondern jeder, der in irgendeiner Form daran beteiligt war, was wirklich cool war. Tommy Mars hatte zum Beispiel ständig gute Ideen. Genau wie Larry Klimas, der Saxofonist. Und selbst der Schlagzeuger, Joel Taylor, war toll. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit.

(Bild: Jill Jarrett)

Dein Gitarrensound erinnert an eine Art dreckigen Carlos Santana. Bewusst?

Das könnte man so sagen. Obwohl: Es hängt ein bisschen vom jeweiligen Drummer ab, mit dem ich spiele. Aber das, was ich da mache, zielt in erster Linie darauf ab, dass man es nicht so leicht in irgendeine Schublade stecken kann. Also, dass man sagen könnte: Es ist Latin, es ist Salsa, es ist Bossa Nova oder was auch immer. Ich wollte jedem einzelnen Song ein besonderes Gefühl geben, das nichts mit einem normalen, einem ordinären Beat zu tun hat.

Von daher war es nett, drei unterschiedliche Drummer am Start zu haben. Nämlich Tom Brechtlein und Joel Taylor, der sonst mit Leuten wie Robben Ford spielt. Mit all diesen wirklich guten Gitarristen. Er ist ein sehr gitarrenorientierter Schlagzeuger. Und der dritte Musiker im Bund ist Chad Wackerman, der ebenfalls mit Zappa gespielt hat, weshalb er natürlich an unserem Zappa-Song mitwirkt – aber auch an unserer Doors-Nummer ‚Yes, The River Knows‘.

Insofern hat dieses Album etwas davon, als würdest du die beiden großen musikalischen Lieben deines Lebens zusammenführen: Die Doors und den Jazz. Als würdest du diese Einflüsse endlich vereinen, statt ihnen separat nachzugehen.

Das ist durchaus möglich. (grübelt) Schließlich ist es so: Auch die Doors waren bisweilen ziemlich jazzig. Und wir kannten uns alle gut mit Jazz aus. John Densmore und ich sind oft losgezogen und haben uns Miles Davis, Roland Kirk und all die Jazzer angeschaut, die nach L.A. gekommen sind. Sie haben entweder im The Catalina oder in Shelly’s Manne Hole gespielt. Und John war in der Jazz-Band unserer High School. Dort habe ich ihn kennengelernt. Und obwohl ich mehr auf Folk und Flamenco stand, sind wir Freunde geworden und zusammen losgezogen, um Jazz zu sehen.

Was spielst du auf diesem neuen Album? Immer noch deine angestammte Gibson? Wie hast du diesen ungewöhnlichen Sound entwickelt, über den wir gerade gesprochen haben?

Ich verwende viele unterschiedliche Pedale, aber hauptsächlich meine SG. Wobei ich der Meinung bin, dass es im Grunde egal ist, welche Gitarre man einsetzt. Es kommt eher drauf an, was man spielt als mit welchem Instrument. Für die ganzen Slide-Sachen habe ich zum Beispiel auf diese billige Harmony-Gitarre zurückgegriffen, die Arthur im Studio rumstehen hatte. Aus irgendeinem Grund klang sie wirklich gut für Slide-Spiel.

Für gewöhnlich erledige ich das auf meiner 54er-Black-Beauty. Aber das Mist-Ding ist so verdammt schwer, dass es einfach wehtut. Zum Glück haben sie vor ein paar Jahren ein Modell entwickelt, das ein bisschen leichter ist: Die Robby Krieger Black Beauty. OK, sie ist immer noch schwer, aber das Original war so heftig, dass es verrückt war. Es muss locker sechs oder sieben Kilo gewogen haben – die leichtere liegt aber auch noch bei vier Kilo. Das ist der Grund, warum ich die SG mag – sie ist vergleichsweise leicht. Vor allem mein 67er-Modell.

Es scheint, als hättest du dein ganzes langes Leben immer nur Gibson gespielt – jedenfalls gibt es keine Fotos von dir, auf denen das nicht der Fall ist. Wieso?

Das stimmt. Ich habe zwar auch ein paar Fender Strats, die ich liebe, aber ich nehme sie nie mit auf Tour. Ich brauche sie nur für bestimmte Kleinigkeiten, wenn ich im Studio arbeite. Keine Ahnung, warum, aber das ist einfach so.

(Bild: Jill Jarrett)

Wie geht es bei dir weiter? Hast du vor, mit dem Album zu touren – soweit überhaupt möglich?

Ich bin mir nicht sicher. Ich meine, wir spielen diese Nummern schon ein paar Jahre. Was auch der Grund ist, warum sie so gut klingen: Das passiert, wenn du etwas regelmäßig machst – du wirst einfach immer besser. Und wir sind nicht ins Studio gegangen, bevor wir die Sachen ca. zwei Jahre lang live gespielt haben. Zunächst haben wir das nur zum Spaß gemacht. Aber als ich dann mein Studio fertig hatte, habe ich zu den anderen gesagt: „Wir sollten den Kram besser aufnehmen. Einfach, weil er gut ist – er kann gar nicht besser werden.“

Was hast du stattdessen vor? Willst du dein neues Studio nutzen, so gut es eben geht?

(lacht) Das ist der Plan. Und um ehrlich zu sein, habe ich bereits zwei weitere Alben fertig, die ich gerne schnellstmöglich veröffentlichen würde. Denn sobald ich das Studio hatte, habe ich angefangen, wie wild aufzunehmen. Diese Alben sollten eigentlich längst auf dem Markt sein, wenn ‚The Ritual Begins At Sundown‘ wie geplant im April erschienen wäre. Eines davon ist ein instrumentales Reggae-Album, das Phil Chen gewidmet ist. Er spielt seit den 70ern, seit der Butts Band, mit mir. Er kämpft gegen Mesotheliom, einen fiesen Tumor. Also habe ich mich entschieden, dieses Reggae-Album mit ihm zu machen. Er steuerte da den Bass bei und das Ergebnis ist wirklich cool geworden. Es sind größtenteils Cover.

Vielen Dank für das Gespräch.

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2020)

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