Peter Keller über die Zusammenarbeit mit Peter Maffay

Peter Keller über Peter Maffay, Musik und Metal

Als der Hamburger Gitarrist Peter Keller im Jahr 2004 in die Band von Peter Maffay kam, leitete er personell wie musikalisch einen Generationenwechsel ein. Seither klingt die Gruppe moderner und vielseitiger denn je. Was auch ein Verdienst des Produzenten Peter Keller ist, der sich den Respekt seines Arbeitsgebers und dessen Team redlich verdient hat.

Peter Keller

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Wir befragten den sympathischen Musiker während der Tabaluga-Tour 2014 zu seiner Rolle und schauten uns gleichzeitig seine Gitarren und sein neues Equipment an.

Peter, könntest du mal deine Position beim Tabaluga-Projekt beschreiben?

Peter Keller: Sie ist nicht viel anders als bei den vorherigen Alben. Zunächst existierte ein Buch mit den fertigen Texten, auf deren Grundlage wir in meinem Hamburger Studio etwa die Hälfte der Platte mit meinen Leuten produziert haben. Wir, das sind meine Freundin Katrin Schröder, mit der ich früher die Band Wunder hatte, und Rupert Keplinger, ein exzellenter Gitarrist und echter Metal-Typ, der auch schon Eisbrecher produziert und mit Gary Meskil von Pro-Pain sein eigenes Projekt Dark House am Start hat. Mein Studio ist quasi der Schmelztiegel, hier entstehen Songs, die wir dem Tabaluga-Projekt anbieten.

Gitarren von Peter Keller

Wir sind innerhalb der Band durchaus in einer positiven Konkurrenz, jeder offeriert seine Sachen und gemeinschaftlich wird ausgewählt. Der Ska auf dieser Tour ist beispielsweise von mir, auch die Revolutionsnummer, da kann man sehr schön meinen Stil und meine Riffs hören. Anschließend wurde die Tour geplant, für die wir neben den Songs auch Zwischenspiele und Geräusche benö- tigten.

Du hast also die Zwischenspiele komponiert?

Peter Keller: Komponiert hat sie überwiegend der Münchner Filmmusiker Martin Stock. Ich war quasi Kommunikator zwischen ihm und Regisseur Rufus Beck, musste mich also um Up- und Downloads, Aktualisierungen etc. kümmern. Das alles hat mich ein Jahr an Tabaluga gebunden, nebenbei konnte ich aber auch meine eigene Band Keller weiterentwickeln, hab Musik für ,Popstars‘ auf Pro7 produziert und das Album von Mandy Capristo fertiggestellt.

Im Vergleich zu eurem früheren musikalischen Direktor Carl Carlton, der sich eher an Little Feat oder Levon Helm orientiert, gilt dein Hauptaugenmerk dem Mainstream-Charakter der Musik. Ist das reine Kopfgeschichte oder kommt so etwas intuitiv.

Peter Keller: Gute Frage. Ich habe mir auch selbst bereits Gedanken gemacht, wo man Peter musikalisch inszenieren sollte. Früher gab es mitunter Sachen, bei denen er zum Beispiel gerappt hat, was man ihm aber nicht abnimmt. Peter ist absolut authentisch, er hat es verdient, dass die Musik zu ihm passt. Meine Aufgabe sehe ich darin, möglichst viele Stile oder Atmosphären anzubieten und ihn damit auch ein wenig zu nerven, um ihn vor Fehlern zu bewahren.

Gear von Peter Keller

Im Umgang mit Peter muss man wissen: Er spielt zwei Akkorde auf der Gitarre und wenn er mit den falschen Leuten zusammensteht, heißt es sofort: „Mensch Peter, was für’n Song! Hammer!“ Ich dagegen bin derjenige, der auch schon mal zu ihm sagen muss: „Sorry, Peter, aber ich finde, das hast du nicht gut gesungen, du musst noch einmal ins Studio.“

In diesem Moment bist du zwar der Arsch, aber er braucht nun einmal meine Einschätzung und letztendlich fordert er sie ja auch. Am Ende einer Produktion kommt es fast immer vor, dass er mir wütend einen Stuhl vor die Füße knallt und sagt: „Dann musst du eben dein eigenes Album machen.“

Peter Kellers Gear

Aber für mich ist das okay. Peter ist der Typ auf dem Plakat, natürlich hat er das letzte Wort, aber bis dahin muss ich ihm alles anbieten, was für mein Verständnis in seinem Sinne wäre. Ich will ihn nicht verdrehen, zumal: Wenn er den Mund aufmacht, ist es automatisch ein Maffay-Song. Ich finde, seit ,Laut & Leise‘, der ersten Scheibe, auf der ich meine Spuren hinterlassen durfte, haben wir uns zumindest nicht im Kreis gedreht, sondern neue Fans gewonnen und keine alten verprellt.

Welche Rolle spielt da der Sound? Wie entwickelt man Maffay-Songs weiter?

Peter Keller: Mein Hauptwerkzeug ist meine Art zu spielen. Diese Band ist unglaublich fett, und spielt richtig heavy. Während Carl sagt, er sei von Levon Helm beeinflusst, versuche ich, diesen Blues-Grad, für den Carl steht, durch moderne, zeitlose Musik in der Waage zu halten. Peter steht total auf Blues-Sachen, also spielen wir sie auch, lassen dafür aber in reinen Popnummern jede Art von BlueNotes heraus.

E-Gitarre von Peter Keller

Gleichzeitig sind wir mit Carl, Peter, Pascal Kravetz und mir insgesamt vier Gitarristen, für mein Empfinden sind das zwei zu viel. Deshalb muss man Arrangements finden, um alles unterzubringen. Die Losung lautet daher fast immer: weniger, weniger, weniger!

Und diese Aufforderung wird von allen anderen akzeptiert? Auch von Carl?

Peter Keller: Natürlich gibt es da Kämpfe. Carl ist unsere Diva – ich meine das im positivsten Sinne: Er ist wie ein eitles Dressurpferd, ihn muss man streicheln und pflegen, denn dann ist er geil und bereichert die Sache. Genau darum geht es nämlich: ein geiles Produkt abzuliefern. Carl ist ein massiver Spieler, der unfassbar klingt, den man aber manchmal bremsen muss. Doch Carl ist Profi und akzeptiert das, auch wenn wir uns natürlich schon mal fetzen.

Peter Kellers Equipment

Ich als Produzent bin gleichzeitig auch Band-Mitglied, muss also nächste Woche wieder mit den Jungs im Nightliner sitzen und zum nächsten Gig zu fahren. Aber ich habe ein dickes Fell und kann das ab. Wenn ich eine Vision habe und Peter mir vertraut, dann ziehe ich das durch, dann ist mir der Ärger egal. Natürlich darf man als junger neuer Produzent die Erfahrung dieser eingespielten Truppe nicht ignorieren; Leute wie Ken Taylor oder Bertram Engel muss man einfach machen lassen und versuchen, das noch Bessere aus ihnen herausholen.

In welcher deiner Tätigkeiten – Produzent, Gitarrist, Songschreiber – hast du dich durch Maffay am meisten weiterentwickelt?

Peter Keller: Auf jeden Fall als Produzent, zumal Maffay-Scheiben eine riesige Hausnummer sind und wir mit dem Studio in Tutzing und großartigen Musikern an unserer Seite tolle Möglichkeiten haben. An einer solchen Aufgabe wächst man natürlich. Andererseits ist Peter gnadenlos: An meinem allerersten Tag auf Mallorca, als ich zum ersten Mal in der Band auftauchte, schickte mich Peter gleich in den Aufnahmeraum und forderte: „Sag bitte jetzt Bertram, wie er das spielen soll!“

Wenn man an solchen Situationen nicht kaputt geht, kann man daran wachsen. Auch als Gitarrist habe ich mich definitiv weiterentwickelt. Ich frage mich manchmal, was Peter an mir gefressen hat, aber ich glaube, dass ich die fetten Wasserträgergitarren, auf denen Carl tanzen kann, nicht so schlecht spiele. Ich sehe mich gitarristisch eher bei Ken und Bertram als vorne bei Carl. Pascal nehme ich bewusst raus, denn sein Akustikgitarren-Picking ist der Knaller.

Trotzdem halte ich ihn – und das sage ich ihm auch ganz ehrlich – für einen noch besseren Keyboarder. Auf Orgel und Klavier ist er eine Weltmacht.

Kein Wunder, bei diesen Genen.

Peter Keller: Stimmt, auch mit seinem Vater Jean-Jacques zu spielen ist eine tolle Herausforderung.

Eigentlich bist du eher Metal-Gitarrist, oder?

Peter Keller: Absolut! Ich komme direkt vom Metal, hab irgendwann die Radiohead-Abfahrt genommen und mag breite Sounds. In der Blues-Ecke hat sich bei mir gar nichts getan, zumal ich Carl diesbezüglich ewig hinterherlaufen würde. Aber ich habe meine Sound-Vorstellungen und deswegen auf dieser Tour beispielsweise auch eine Baritongitarre dabei. Als Produzent war mir klar, dass ich meinen eigenen Platz finden muss.

Pedalboards von Peter Keller

Aber: Ich kann auch einfach mal nichts spielen. Klingt ziemlich uneitel. Total. Mein Job als Freund, Produzent und Musiker von Maffay ist, dass er gut rüberkommt.

Letzte Frage: Wie viel Peter Keller ist mittlerweile in einer Maffay-Produktion und wie viel Maffay ist mittlerweile in Peter Keller?

Peter Keller: Das hält sich vermutlich die Waage, aber Fakt ist, dass ich auch in meinem Hamburger Studio jeden Tag an die Zusammenarbeit mit Maffay denke. Ich habe hier gelernt, sehr viel von mir und von anderen zu erwarten. Das ist manchmal ganz schön krass, aber es führt zu tollen Ergebnissen, und das allein zählt.

Peter hat einen extremen Anspruch, und diese Haltung habe ich für mich verinnerlicht. Hier ist alles gnadenlos, im Guten wie im Bösen. Hier kann keiner schummeln, hier muss man immer gut drauf sein. Aber ich habe Bock darauf, und für mich ist es der absolute Glücksfall, hier gelandet zu sein.

Danke Peter, für das nette Interview.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich und mein Freund sind große Mafia Fans. Das Interview mit Peter Keller finde ich sehr interessant. Man kann garnicht genug über eine Band und deren Geschichte erfahren. Schließlich will man ja auch wissen, wie so ein großes Werk wie Tabbaluga entsteht oder andere Produkte. Danke für das interessante Interview und weiter so?. Wir haben auch schon Karten für das Unplugged Konzert am 06.03.18 in Leipzig. Darauf freuen wir uns ganz besonders. LG von uns?

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  2. Der größte “verlogene” Keller Sch… den ich jemals gelesen habe. Sorry liebe Redaktion, ihr könnt ja nichts dafür, aber die Worte dieses Intriganten können einem bei entsprechenden Hintergrundwissen wirklich nur sauer aufstoßen. Wenigstens scheint Herr Keller selbst zu wissen, dass er mit seiner “ist-mir-egal-ob-es-Ärger-gibt” letztlich das Bandgefüge nachhaltig zerstört hat. Wenn es jemanden nur um Kohle und abhängige Macht geht, dann wohl ihm!
    Studiomusiker wäre der bessere Job für ihn, da braucht es keine Sozialkompetenz.

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  3. Ich finde es schade wie er über Carl redet.Für mich ist Carl mit Abstand der bessere Gitarrist von beiden und ich denke mal das weiß er auch.

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