Zwischen Fender, Gibson und Pensa

Mark Knopfler über seine Fender Stratocaster

Marvin Hanks Stil – der Twang-Sound der Shadows – hatte auf viele große Gitarristen einen großen Einfluss, so auch auf Dire-Straits-Chef Mark Knopfler – gut rauszuhören bei seinen klaren Strat-Licks des ersten Mega-Hits ,Sultans Of Swing‘. Natürlich schaffte sich auch Knopfler eine rote Stratocaster an, allerdings ist er ihr im Laufe der Jahre nicht treu geblieben und spielte später u. a. Gibson- und Pensa-Suhr-Gitarren. Knopflers Verhältnis zu Gitarren ist heute eher undogmatisch, wie folgende Äußerungen zeigen…

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Wie kommt, dass du im Verlauf deiner Karriere ständig zwischen Fender Strats und Gibson Les Pauls gewechselt bist. War das in Gitarristenkreisen nicht mal so etwas wie der Verrat an einer Ideologie?

Mark Knopfler: Kann schon sein, aber das heißt ja nicht, dass ich das genau so handhaben muss. An Fender-Gitarren liebe ich zum Beispiel, dass sie einspulige Tonabnehmer (Singlecoils) haben und das sorgt im Allgemeinen für einen schärferen Sound.

Gibson-Humbucker haben dagegen viel mehr Power, was aber auch nicht zu verallgemeinern ist. Manchmal benutze ich die Les Paul auch für einen besonders cleanen Sound. Obwohl: Was die Leute mit diesem charakteristischen ,Sultans Of Swing‘-Sound assoziieren, ist natürlich eine Fender Stratocaster mit klarem Sound und gutem Fingerspiel.

Wenn ich aber einen dickeren Klang will, benutze ich meine Les Paul, denn sie ist einfach dynamischer. Ich stehe darauf. Was nicht heißt, dass sich das nicht auch mit einer Stratocaster machen ließe.

Also konntest du diese ideologischen Gegensätze zwischen den beiden Marken nie nachvollziehen?

Mark Knopfler: Nicht wirklich. Weißt du, ich habe einfach ein Menge Gitarren, und wenn ich an einen bestimmten Sound oder Song denke, dann ist das wie bei einem Casting – und das entscheidet sich häufig zwischen zwei oder drei Modellen.

Als es etwa darum ging, das Ende von ,Balony Again‘ aufzunehmen, hatte ich die Wahl zwischen einer ’58er Les Paul und einer ’59er ES 335. Ganz zu schweigen von den Verstärkern: Wird es ein ’59er Fender Bassman-Amp oder ein Vibrolux oder ein Vibroverb oder etwas völlig anderes? Das ist wirklich die Qual der Wahl.

Wie viele Gitarren umfasst deine Sammlung derzeit?

Mark Knopfler: Ich denke mit akustischen und elektrischen Gitarren haben die meisten meiner Kollegen etwa 100 Instrumente zu Hause. Das sind alles richtige Sammler. Ich dagegen komme auf etwa 60 oder 70, wovon ich aber allenfalls 20 benutze.

Wenn es zum Beispiel darum geht, so richtig in die Saiten zu hauen und nicht mit den Fingern zu zupfen, dann benutze ich eine flat top Les Paul samt Plektron – das gehört einfach zusammen. Und wenn mir gerade danach ist, wähle ich meistens zwischen drei Gibsons.

Für den typischen Fender-Sound würde ich dann natürlich zwischen drei Stratocasters wählen – und eventuell noch eine Rudy-Pensa-Gitarre in Betracht ziehen. Aber nur eine, die auch von ihm selbst gebaut wurde, ebenfalls im bewährten Strat-Stil.

Ganz allgemein gesprochen interessiere ich mich hauptsächlich für alte Gitarren. Suche ich also nach einem jazzigen Sound, entscheide ich mich wahrscheinlich für eine Gibson Super 400 von 1953 oder eine Gitarre im Scotty-Moore-Stil mit alten Pickups.

Und was ist so besonders an der Pensa, wenn es doch nur eine Strat-verwandte Gitarre ist?

Mark Knopfler: Tja, ich benutze sie derzeit kaum noch, weil ich mich an dickere Hälse gewöhnt habe. Das bezieht sich jetzt auf den oberen Teil des Halses und nicht auf das Griffbrett. Keine Ahnung, woran das liegt, aber ich spiele darauf einfach viel besser, was mir erst vor ca. fünf Jahren aufgefallen ist. Schließlich habe ich riesige Hände und brauche deshalb auch ein bisschen mehr Platz. Das lässt sich in etwa mit den Tennisschlägern von Boris Becker vergleichen.

Boris hat mir vor Jahren einen geschenkt – ein riesiges Ding, fast wie ein antikes Schwert oder ein schweres Stück Holz. Egal, seitdem bevorzuge ich breitere Hälse wie sie etwa die ’58er Les Paul hat, der ist so richtig fett. Ich liebe diese Gitarre – genau wie die 1959er ES 335. In den folgenden Jahren sind die Hälse dann immer dünner geworden, obwohl sie ursprünglich schon ziemlich perfekt waren.

Außerdem gibt es mehrere Varianten was das Griffbrett betrifft – eben convex (gewölbt) oder flat (flach), wobei ich convex bevorzuge. Dann gibt es da noch die Bünde, und aus irgendeinem Grund sind die auf meiner ’58er Les Paul sehr dünn. Also habe ich sie gegen Jumbo-Frets austauschen lassen, auf die ich wirklich stehe. Du siehst, es gibt so viele Möglichkeiten, einer Gitarre eine eigene Persönlichkeit zu geben bzw. sich selbst darin zu verwirklichen. Und wenn du selbst kein Instrument spielst, ist das alles natürlich fürchterlich langweilig.


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Was deine Fingerpicking-Technik betrifft, hast du die unterschiedlichsten Stadien durchlaufen – wo stehst du jetzt?

Mark Knopfler: Ich bin ziemlich verzweifelt. (lacht) Die aktuelle Art, wie ich spiele, ist verdammt normal. Beim Fingerpicking verwende ich noch nicht einmal meine Nägel. Meistens greife ich auf ein Plektrum zurück – eben immer, wenn ich etwas besonders Rhythmisches oder auch Kurzes aufnehmen will. Ganz einfach, weil es das Beste ist, was man machen kann. Nur dadurch erzielst du diese klare Intonation. Ganz abgesehen davon, dass Plektren prima Verstärker sind, eben die besten, die es gibt. Natürlich hat es auch gewisse Nachteile, mit den Fingern zu spielen – es ist einfach softer, und es gibt weniger Definition.

Wie würdest du selbst den typischen Knopfler-Sound charakterisieren?

Mark Knopfler: Das hängt davon ab, von welchen Songs wir reden. Geht es etwa um ,Sultans Of Swing‘, dann wäre das eine Fender mit einem extrem cleanen Sound, die mit den Fingern gespielt wird. Würde es aber etwas Heftigeres sein, dann wäre das eine verzerrte Gibson, die durch einen voll aufgedrehten Marshall-Amp liefe. Und das ist natürlich nicht wirklich originell.

Die Leute sagen zwar immer, auch das würde von einer eigenen Note zeugen, aber das liegt doch nur daran, weil ich so viel Vibrato in der Hand habe. Du musst wissen, ich habe eine unglaublich starke linke Hand. Schließ- lich bin ich ein Linkshänder, der die Gitarre wie ein Rechtshänder spielt, und deshalb kann ich auch so viele Saiten auf einmal abdecken – ich habe jede Menge Power! (lacht).

Du brauchst viel Geld für alte Gitarren: Wie macht sich diese allererste Fender Strat, die je gebaut wurde, bei dir?

Mark Knopfler: (süffisant grinsend) Die steht bei mir im Keller – zusammen mit ungefähr 70 anderen Gitarren. Die meisten davon sind Fender-Instrumente, also bestimmt 80 Prozent von ihnen. Einfach, weil ich auf diesen klaren Sound stehe – den guten alten Hank-Marvin-Ton. Und die erste Stratocaster, die ich die „Jurassic Strat“ nenne, ist von 1954. Sie ist also genauso alt wie mein Austin Healey. Und das ist eine großartige Gitarre. Die beste und schönste, die ich habe.

Sie ist übrigens ein Geschenk von einem sehr guten Freund von mir, einem Songwriter namens Paul Connolly. Ein wirklich toller Kerl, und unglaublich generös. Er hat sie mir vor ein paar Jahren einfach so geschenkt, und bereut es mittlerweile wahrscheinlich auch schon wieder. Denn das Teil ist mittlerweile so viel wert, dass man sich davon ein nettes Häuschen in London kaufen könnte. Unfassbar, oder? (lacht)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mark Knopfler ist einfach der genialste Gitarrist unserer Zeit. Was er aus einer Stratocaster an Tönen rausholt ist einfach sensationell. Noch höher ist das, meiner Meinung nach zu bewerten, wenn man bedenkt das er nie Gitarrenunterricht oder etwas in der Art hatte – also Autodidakt ist.

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