Lieblingsplatten: Alex Beyrodt

Anzeige
(Bild: Matthias Mineur)

Musiker spielen nicht nur Musik, sie hören auch gerne welche. Manchmal ist es nur ein Song, der jemanden zur Gitarre oder zum Bass greifen lässt. Und dann gibt es noch Alben die richtungsweisend sein können. Eine eigene TOP-5-LISTE kommt auf Zuruf jedem in den Sinn. Und manchmal sind es auch ein paar mehr …

Für welche Bands und Künstler das musikalische Herz von Alex Beyrodt schlägt, ist kein Geheimnis. Als Leadgitarrist von Gruppen wie Sinner, Primal Fear oder Silent Force, vor allem als Songschreiber in eigener Sache beziehungsweise für seine Band Voodoo Circle, tauchen in Beyrodts Spiel immer wieder mehr oder minder konkrete Zitate von Rainbow, Deep Purple, Whitesnake, Jimi Hendrix, Steve Lukather oder Yngwie Malmsteen auf. Ihnen allen hat er nun sein neues instrumentales Soloalbum ‚Weekend Warrior‘ gewidmet.

Anzeige

Allerdings hat er sich diesmal nicht nur von reinen Rock-Virtuosen inspirieren lassen, sondern – zur Überraschung vieler Fachleute – auch vom Jazzgitarristen Larry Carlton oder vom amerikanischen Pianisten Brian Culbertson. Und sogar von seiner neugeborenen Tochter Julie. Hier nun die Details zu Beyrodts musikalischen Verneigungen, kommentiert vom Meister himself.

Alex, elf Songs auf ‚Weekend Warrior‘, elf Fragen, auf welches deiner Lieblingsalben sich die jeweilige Nummer bezieht. Beginnen wir mit dem Album-Opener und zugleich Titeltrack ‚Weekend Warrior‘.

Okay, hierzu möchte ich vorausschicken, dass ich ein riesiger Fan von Glenn Hughes bin. Mein Lieblingsalbum ist ‚Black Country Communion I‘, das er 2010 mit Joe Bonamassa, Derek Sherinian und Jason Bonham eingespielt hat. In ‚Weekend Warrior‘ ging es mir darum, mich vor seinem unfassbar dynamischen Basston zu verneigen. Deshalb beginnt mein Song auch mit einem richtig heavy verzerrten Bass-Riff. Die Gitarre ist übrigens meine Maybach Les Paul.

Nummer zwei: ‚Fly Away‘.

Michel Schenker hat mich immer schon besonders beeinflusst, obwohl ich stilistisch völlig anders spiele als er. In ‚Fly Away‘ habe ich es aber einfach mal versucht. Schenker steht ja quasi sinnbildlich für die Flying V, deshalb auch das „Fly“ in meinem Songtitel. Inspiriert wurde diese Nummer von seinem 1982er-Album ‚Assault Attack‘, konkret von der Nummer ‚Desert Song‘. Mein Track ist stilistisch zwar ganz ähnlich, aber dennoch nicht einfach nur abgekupfert. Natürlich wurde er mit meiner weißen Gibson Flying V eingespielt.

Der nächste Song: ‚Thru The Eyes Of A Rainbow‘. Da weiß man sofort, an wen du gedacht hast.

Ja, logisch, Ritchie Blackmore ist eines meiner größten Idole, zumal man mir nachsagt, dass es in meinem Spiel auch eine Blackmore-Seite gibt. Ich wollte in ‚Thru The Eyes Of A Rainbow‘ Blackmores episches Spiel nachempfinden, nur ein wenig dynamischer und etwas stärker in der Gegenwart angesiedelt. Mein Lieblings-Album von Rainbow ist übrigens ‚Long Live Rock’n’Roll‘ von 1978, bei der von mir eingesetzten Gitarre handelt es sich um meine Fender „Play-Loud“-Strat.

Der vierte Song ‚Road To Salem‘ ruft nach Malmsteen, oder?

Er schreit sogar nach Yngwie! (lacht) Dieses Tempo, die phrygische Tonleiter, dieser drahtige Strat-Sound, wie man ihn speziell auf den Alben ‚Odyssey‘ oder ‚Facing The Animal‘ perfekt hören kann. Natürlich kommt meine Generation an Malmsteen nicht vorbei, auch wenn früher so mancher über ihn geschmunzelt und behauptet hat: „Der kann ja nur schnell!“ Aber für mein Empfinden sollte man Yngwie in einem Atemzug mit Randy Rhoads, Eddie Van Halen und Jimi Hendrix nennen. Die verwendete Gitarre ist erneut die Fender Strat.

Es folgt ‚Night Time‘ mit der wohl ungewöhnlichsten Hommage.

Als ich während des Songwritings beim vierten Song angekommen war, hatte ich einen kurzen kreativen Durchhänger. Dann sagte meine Frau Shirin zu mir: „Denk stilistisch doch mal etwas breiter und versuch eine Nummer zu schreiben, die zum Beispiel von Brian Culbertsons Piano-Instrumentalmusik beeinflusst wurde.“ Dieser Tipp hat mir die Augen geöffnet und das gesamte Album in eine etwas andere Richtung gelenkt. Ich freue mich darüber, denn es zeigt auch eine andere Seite von mir. Ein explizites Lieblingsalbum von Brian Culbertson habe ich nicht, es sind immer einzelne Stücke, die mir besonders gut gefallen. An Gitarren gibt es hier einen Mix aus meiner Maybach Les Paul und meiner Siggi Braun Alex Beyrodt Custom Strat.

Kommen wir zu ‚Boulder Boy‘ …

… und unüberhörbar zu Tommy Bolin, wie ich finde. Bolin hat mich enorm beeinflusst, weil er in seinem Spiel immer diesen Hendrix-Vibe plus Fusion-Anleihen hatte. Meiner Meinung nach ist auch der Sound von ‚Boulder Boy‘ unverkennbar Siebziger-Jahre. Mein Lieblings-Tommy-Bolin-Album ist natürlich ‚Teaser‘ aus dem Jahr 1975. Auch hier noch einmal die Kombi aus meiner Maybach Les Paul und der Siggi Braun Custom Strat.

Überraschend ist auch das jazzige Flair in ‚Have A Little Faith‘, das mich ein wenig an den Sound von George Benson erinnert.

Okay!? Ich höre da eher Larry Carlton, es könnte aber auch von John McLaughlin und seinem Mahavishnu Orchestra inspiriert sein. Mir war eigentlich nur dieses jazzige Flair wichtig, weshalb ich die Nummer mit meiner Gretsch Electromatic gespielt habe. Mein Lieblingsalbum aus dieser Sparte ist ‚Sleepwalk‘ von Larry Carlton, das ich sehr häufig direkt nach dem Duschen höre. (lacht)

Der anschließende Song ‚Picture In An Empty Room‘ deutet ebenfalls bereits im Titel an, um wen es hier geht.

Richtig: Gary Moore! Ich fand ihn in seiner Strat-Phase übrigens besser als in seiner Les-Paul-Ära. Deshalb habe ich ‚Picture In An Empty Room‘ auch mit meiner Custom-Strat gespielt. Meine Lieblings-Gary-Moore-Alben sind ‚Corridors Of Power‘ und ‚Victims Of The Future‘.

Kann es sein, dass du die Nummer ‚Julie‘ deiner kleinen Tochter widmest?

Exakt! Während ich an ‚Weekend Warrior‘ arbeitete, kam eines Tages meine Frau ins Studio und erzählte mir: „Ich bin schwanger!“ Zu diesem Zeitpunkt wussten wir natürlich noch nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, deshalb musste ich mit dem finalen Songtitel noch ein wenig warten.

Dennoch wusste ich sofort, dass ich für mein kleines Baby etwas Fusion-mäßiges schreiben und dabei versuchen möchte, meinen „inneren Jeff Beck“ zu finden, also mit Einsatz des Vibrato-Hebels, so wie Beck es immer wieder so unnachahmlich macht. Deshalb gibt es in ‚Julie‘ nicht nur meine Maybach Les Paul, sondern auch meine Siggi-Braun-Strat zu hören. Mein Lieblingsalbum bzw. in diesem Fall meine Lieblings-DVD von Jeff Beck ist ‚Performing This Week … Live at Ronnie Scott‘s‘ aus dem Jahr 2008.

Bei ‚Gypsy Rose‘ würde ich spontan auf Eddie Van Halen tippen.

Absolut, und zwar von vorne bis hinten! Totales 80er-Jahre-Geshredde plus die berühmten Tappings. Und natürlich mit einer Strat gespielt. Mehr ist dazu wohl kaum zu sagen, außer dass ich leidenschaftlich auf die ersten beiden Scheiben ‚Van Halen‘ und ‚Van Halen II‘ stehe. Als Gitarre kann man hier noch einmal die Siggi-Braun-Strat hören.

Last but not least: ‚While My Guitar Gently Weeps‘. Die Beatles-Nummer ist der einzige Coversong auf ‚Weekend Warrior‘. Bist du Fan von George Harrison?

Natürlich ist dieser Song auch eine Verneigung vor den Beatles und ihrem unfassbar guten Songwriting. Aber inspiriert wurde ich von Steve Lukather, der auf der ‚Rock-meets-Classic‘-Tour diese Nummer jeden Abend gespielt hat. Wir zwei anderen Gitarristen der Band haben dann immer die Bühne verlassen und Luke von der Seite aus zugeschaut, wie er den Song auf unglaubliche Weise interpretiert hat. Ein bisschen Lukather ist eigentlich bei vielen der Stücke auf ‚Weekend Warrior‘ eingebaut. Meine Lieblingsscheibe der Beatles? So richtig entdeckt habe ich sie erst mit dem blauen und dem roten Album, also die Compilations, die ich beide zum ersten Mal bei der Schwester meines besten Freundes gehört habe.

(Bild: Matthias Mineur)

Und zu guter Letzt die Frage: Mit welchen Amps und Effekten hast du ‚Weekend Warrior‘ eingespielt?

Der Amp war ein BluGuitar Amp 1 Iridium Edition mit einer Ox Box von Universal Audio. An Effekten habe ich das RB1011 MK II Silver Edition und das 87 MKII, beide von GuitarSlinger-Effects eingesetzt. Vielen Dank, Alex, und viel Erfolg mit ‚Weekend Warrior‘!

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2022)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.