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Im Interview

Jörg Sander & Zoran Grujovski: Udo Lindenberg Unplugged II

Zoran, Udo, Jörg(Bild: Mineur)

Hamburg, Kampnagel, einer der wichtigsten Kulturtempel der Stadt. Sieben Jahre nach seinem bahnbrechenden Erfolg mit ‚MTV Unplugged‘ residiert hier Udo Lindenberg mit seinem gesamten Tross ein zweites Mal. Fünf komplette Tage lang ist die renommierte Veranstaltungshalle mit ihrer variablen Infrastruktur fest in der Hand des deutschen Superstars.

Denn Udo – wie ihn alle nur nennen – produziert den Nachfolger des Multisellers, der sein grandioses 2008er-Comeback zusätzlich veredelte. Jetzt also ‚MTV Unplugged II‘, natürlich in ganz großem Stil inszeniert: Neben dem NDR Elbphilharmonie Orchester sind illustre Gäste wie Jan Delay, Andreas Bourani, Schauspielerin Maria Furtwängler, Marteria und Gentleman dabei. Und natürlich auch Udos Bands: das Panikorchester und seine Unplugged-Formation. Dazu gehören weiterhin auch die Wilhelmshavener Gitarristen Jörg Sander (JS) und Zoran Grujovski (ZG), denen wir während der umfangreichen Generalprobe auf die Finger schauen durften und dabei natürlich ebenso ihr Equipment und ihre Gitarren begutachtet haben.

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interview

Jörg und Zoran, zum zweiten Mal ‚MTV Unplugged‘ mit Udo Lindenberg, und die Anspannung scheint noch größer als beim ersten Mal zu sein. Oder täuscht das?

JS: Nein, das täuscht nicht. Bei ‚MTV Unplugged I‘ war der Druck geringer, weil keiner mit einem solchen Erfolg gerechnet hatte. Diesmal ist bei den Produzenten und der Plattenfirma natürlich die Hoffnung da, dass es erneut durch die Decke geht. Bin mal gespannt, ob es funktioniert. Allein die Entwicklung der Songs ist ein riesiger Aufriss, da sehr viele Leute mitreden: Musiker, die Plattenfirma, die Produzenten. Jeder hat seine eigene Vision, wie die Stücke klingen sollen, und dann ist es unsere Aufgabe als Musiker, diese Vorstellungen zu filtern und sie entsprechend der Vorgaben umzusetzen. Der Spaß beginnt natürlich dann, wenn die Songs stehen, man sie spielt, die Gäste dazukommen und aus den vielen Einzelteilen ein fertiges Puzzle wird.

Wer sind die wichtigsten Entscheidungsträger?

JS: Vor allem die drei Produzenten, die Plattenfirma und natürlich Udo. Die Plattenfirma hat verständlicherweise den kommerziellen Aspekt im Sinn und Udo seine persönliche künstlerische Vision. Das beides müssen die Produzenten in Einklang bringen. Deshalb sind wir mitunter die Spielbälle dazwischen. Man fragt sich schon manchmal: Wo soll es spielerisch überhaupt hingehen?

ZG: Natürlich werden wir als Musiker auch mit zu Rate gezogen. Es hat ja einen Grund, weshalb sie gerade diese Besetzung gewählt haben, weil sie den Input halt wünschen. Es geht darum, die wichtigsten Kriterien zu filtern und umzusetzen. Die Frage für uns ist immer: Wann mische ich mich ein und wann halte ich mich lieber zurück, um der Hauptvision gerecht zu werden.

Heißt das: Zu Beginn der Arbeiten läuft es eher nach dem „Try and Error“-Prinzip?

JS: Das gehört auf jeden Fall auch dazu. Im Vergleich zur MTV-I-Produktion ist die Nervosität nun viel größer. Außerdem wurden weitaus mehr Dinge von den Produzenten vorbereitet, während wir uns beim ersten Mal häufiger die Bälle gegenseitig zugeworfen haben.

ZG: Damals wurden Ideen mitunter völlig umgekrempelt oder sogar komplett verworfen. Das passiert zwar auch diesmal, aber weitaus seltener.

Was sind in solchen Fällen die Gründe? Falsche Tonarten? Zu rockig? Nicht radiotauglich genug?

ZG: Es entsteht ja etwas völlig Neues. Die Songs sind zwar da, aber die Instrumentierung und das Arrangement sind neu. Also muss man erst einmal testen, wie es mit Akustik-Gitarren überhaupt klingt. Außerdem müssen die Songs in den Programmablauf passen.

JS: Für Plattenfirma und Produzenten geht es um das Produkt, für Udo aber zusätzlich um das Live-Erlebnis. Er möchte seinen Spaß haben, mit den Leuten interagieren, herumtanzen. Ursprünglich lautete die Vorschrift, dass alle sitzen und das Setting eher intim sein soll. Aber Udo kann das nicht, er will aufspringen und tanzen. Er fordert uns und die Background-Sänger ständig auf, nach vorne zu kommen. Für ihn ist der Partyspaß ganz wichtig.

Lindenberg Udo Lindenberg(Bild: Mineur)

Wie lange vor der Generalprobe hier im Kampnagel wurde im Studio geprobt?

JS: Fünf Wochen lang. Es gab eine Liste mit Songs, von denen wir uns pro Tag jeweils einen vorgenommen haben. Wir haben uns das Original angehört, dann ein neues Arrangement getestet und versucht, das Stück in die Gegenwart zu transportieren. Die komplette Band war dabei, zusätzlich die beiden Produzenten und ihr Assistent. Gegen Abend kam dann immer Udo dazu …

Ab wann habt ihr die endgültige Wahl der für das Arrangement notwendigen Gitarren getroffen?

ZG: Na ja, so unendlich viele Gitarren besitze ich gar nicht. Da war zum einen die Guild, die ich auch schon bei ‚MTV I‘ gespielt habe. Hinzu kommt meine Taylor, die live auch sehr schön klingt. Die beiden habe ich natürlich mitgenommen, plus die Martin-Gitarren, die Andreas mir zugeschickt hatte und die ich mal anchecken wollte. Jörg kam mit der Triple-O an, die sich gut anfühlte. Die Gitarre ist etwas kleiner, was gut für meine kleineren Hände ist, sodass sie sich während der Proben zu meiner Hauptgitarre entwickelt hat. Davon bin ich selbst ein wenig überrascht.

Wie war das bei dir, Jörg?

JS: Im Unterschied zu ‚MTV I‘ hat sich bei mir ein anderes Setup entwickelt. Ich spiele jetzt häufig die 12- und die 6-String von Taylor, die von sich aus schon sehr gut klingen und zusätzlich dieses Expression-Pickup-System besitzen. Es ist das Beste, was ich bisher gehört habe, mit einem schönen, fast räumlichen Klang, nicht zu sehr Piezo-mäßig. Hinzu kommt meine Resolectric, die wie eine Art Nashville-Gitarre funktioniert. Zu Beginn hatte ich etwa zehn Gitarren im Studio und eine Menge ausprobiert, freue mich jetzt aber, dass ich mich auf diese drei Modelle festlegen konnte.

Wie teilt ihr beiden, beziehungsweise ihr drei, denn Martin Gallop ist ja auch noch mit an Bord, die einzelnen Parts auf?

ZG: Jörg spielt natürlich alle Soli, ist doch klar! (lacht laut los)

JS: Stimmt, das hat sich irgendwie so ergeben. Alles andere entwickelt sich beim Spielen. Mal spielt Zoran etwas, das gut klingt, und ich übernehme dann die tiefere Lage, oder es gibt bereits zwei Parts von Zoran und Martin und ich nehme dann die Zwölfsaitige, um einen weiteren Sound hinzuzufügen.

ZG: Vieles ergibt sich wirklich von ganz alleine, zum Teil auch während des Spielens. Wir kennen uns alle schon sehr lange, wissen wer wie spielt. Wir hören auch sehr genau aufeinander, haben beim Spielen den jeweils anderen immer mit im Ohr. So arrangieren sich viele Dinge, bewusst oder unbewusst, von ganz alleine. Manchmal fallen einem dann Sachen auf, ein anderes Groove-Empfinden, bestimmte Harmonien. Das bespricht man dann natürlich und ändert es gegebenenfalls.

Wie lange dauert bei einer solch aufwendigen Produktion der reine Soundcheck?

JS: Nicht lange. Das Manko dieser Produktion war, dass die Zeit dafür gar nicht vorhanden war. Wir sind fünf Tage im Kampnagel, von Montag bis Freitag, spielen drei Shows, proben das gesamte Programm, mit Gästen, mit den ganzen Performances der Künstler. Mein Eindruck ist, dass man eigentlich zwei Wochen dafür hätte Zeit haben müssen, mindestens. Der Soundcheck war … ich weiß nicht … eine halbe Stunde, oder so. (lacht) Eigentlich hätte man dafür viel mehr Zeit investieren müssen.

ZG: Ein Soundcheck im eigentlichen Sinne war das gar nicht, mehr so: Kommt alles an? Sind alle Instrumente drauf? Für Feinheiten, die man natürlich gerne hätte, war überhaupt keine Zeit.

JS: Der Produzent achtet mehr auf das Bild und die Inszenierung, während die Musiker natürlich gerne an den Songs und Sounds arbeiten würden. Da muss dann halt jeder einen Kompromiss finden.

ZG: Natürlich heißt es deswegen dann schnell: „Klingt alles super, absolut top.“

Was es im Publikum auch tatsächlich tut, wie ich bestätigen kann.

ZG: Prima, das beruhigt uns natürlich.

Gibt es einen Notfallplan, falls etwas in die Hose geht? Kann anschließend im Studio nachgebessert werden?

JS: Zumindest gibt es theoretisch die Möglichkeit. Aber immerhin werden alle drei Shows aufgezeichnet, da wird dann schon genügend Auswahl vorhanden sein.

Hat jeder von euch einen Click auf dem Ohr? Oder nur euer Schlagzeuger?

JS: Wir haben zumindest immer die Option. Manchmal schalte ich ihn an, manchmal aber auch nicht, dann folge ich einfach unserem Drummer. Wenn Udo und ich alleine spielen, dann ist der Clicktrack sehr hilfreich, da die Nummer ansonsten wohl immer langsamer werden und der Refrain nicht mehr funktionieren würde. Mit Udo sind das immer sehr spannende Interaktionen, weil er toll singt und ein ganz eigenes Timing hat. Udo ist immer total entspannt und legt sehr viel Wert auf die Worte. Aber es macht riesigen Spaß und ist immer wieder eine Herausforderung.

Zoran, wie ist das bei dir mit Clicktrack?

ZG: Ich habe ihn durchgehend auf dem Ohr. Allerdings mache ich ihn von Song zu Song leiser oder lauter. Es gibt Stücke, bei denen in der Strophe nur die Gitarren zu hören sind oder das Intro nur von den Gitarren stammt. Ich kann das mental aber immer gut ausblenden, zumal die Lautstärke bei mir sowieso eher moderat ist.

Letzte Frage: Seid ihr froh, wenn das Projekt vorüber ist? Klingt ja nach einer riesigen Anstrengung für alle Beteiligten. Oder wünscht man sich eher, dass jetzt, da alles so gut vorbereitet ist, die Sache weitergeht?

JS: Ich würde es gut finden, wenn es weitergehen würde, denn hier im Kampnagel war alles sehr komprimiert. Wie gesagt: Besser wäre es, man hätte 14 Tage und zehn Shows, dann würde es vermutlich so richtig Spaß machen, weil nicht der Druck auf einem lasten würde, in so kurzer Zeit alles auf den Punkt bringen zu müssen. Es sind oftmals pro Tag 12 bis 14 Arbeitsstunden, das schlaucht ganz schön. Ich spiele ja in beiden Bands, der Unplugged-Formation und anschließend auch noch im Panikorchester. Während sich also die Unplugged-Band ausruhen kann, bin ich dann auch noch zusätzlich mit dem Panikorchester beschäftigt. Das geht ziemlich an die Substanz.

ZG: Ich freue mich jetzt natürlich auf den Urlaub und mache drei Kreuze, wenn es vorbei ist, weil der Aufwand so groß war. Es macht Spaß, aber der schönste Teil ist natürlich, am Ende damit auf die Bühne zu gehen.

JS: Gegen diesen Kraftaufwand sind Tourneen mit Udo der reinste Urlaub! Man spielt irgendwo einen Gig, hat dann anschließend ein oder zwei Off-Days, fantastisch! Hier dagegen ist nur Programm, Programm, Programm, den ganzen Tag!

Danke Jörg und Zoran, und weiterhin alles Gute mit Udo!


2 Fragen an Bassist Stephan Gade

Lindenberg Stephan Gade
Bassist der Unplugged-Band: Stephan Gade mit seinem 1964er Epiphone-Rivoli-Bass (Bild: Mineur)

Stephan, warst du bei ‚MTV Unplugged II‘ entspannter als bei ‚MTV Unplugged I‘, da du das ganze Prozedere schon einmal miterlebt hattest?

Für die meisten von uns war ‚MTV I‘ totales Neuland, ein Format, das man nur als Musikfan von außen kannte. Nun waren wir mittendrin und dabei. So konnten wir bei ‚MTV II‘ als Band und auch das Produzenten- und Filmteam aus dieser Erfahrung schöpfen, speziell im Hinblick auf Vorbereitungszeit, Organisation und Logistik. Bei ‚MTV I‘ hatten wir natürlich schon eine Menge „Udo-Hits“ verbraten, die man bei ‚MTV II‘ nicht noch mal machen konnte. Deshalb wurde bei der Auswahl der Titel etwas tiefer in Udos Gesamtwerk gegraben. Das hat ja auch einige Perlen zutage gefördert, die so noch mal zu hochverdienten Ehren kommen.

Es war interessant, sich bei den alten Titeln mit den für heute ungewöhnlichen Songstrukturen zu befassen. Die heutigen Standardstrukturen waren noch nicht entdeckt. Gut so! Toll war auch, dass wir bei ‚MTV II‘ mit denselben Leuten wie bei ‚MTV I‘ arbeiten konnten – ein eingespieltes Team!

Welche Bässe hast du bei ‚MTV II‘ verwendet?

Da war zum einen mein Höfner 500/1, Baujahr 1966. Einer der Vorbesitzer hat, wie man unschwer erkennen kann, die Originalmechaniken durch neuere von Schaller ersetzt, die zwar styling- und zeitmäßig nicht so richtig passen, aber vermutlich einen besseren Job als die Originale machen. Der Höfner klingt am besten mit Daumen oder Filzplektrum und ordentlich Kompression.

Dann war da noch mein Gibson EB-2D aus dem Jahr 1967, an dem, soweit ich es beurteilen kann, alles original ist. Den Deckel über dem Bridge-Mini-Humbucker habe ich aus ergonomischen Gründen abgebaut. Der vordere dicke Humbucker macht einen Mega-Bass und hat so gut wie keine Höhen. Zusätzlich zum 3-Way-Pickup-Selector gibt es noch einen On/Off-Bariton-Switch, durch den der Sound drahtig und schmal wird, was an einen Bariton-Gitarren-Sound erinnert.

Als drittes gibt es den Lakewood-Akustikbass. Den hat mir Lakewood-Chef Martin Seeliger als Leihgabe für das MTV-Unplugged zur Verfügung gestellt. Meines Wissens ist es ein Prototyp, da Lakewood normalerweise nur Gitarren herstellt. Eigentlich stehe ich mit reinen Akustikbässen auf Kriegsfuß, da sie schwer zu spielen und oft soundmäßig nicht so geil sind. Aber dieser Bass ist wirklich toll: satter Sound und sehr gut bespielbar.

Last but not least: Mein Epiphone Rivoli, der vermutlich aus dem Jahr 1964 stammt – diese Seriennummer gibt es zweimal: 1964 und 1967 – und war damals die preiswerte Epiphone-Schwester vom Gibson EB-2. Das Finish ist nicht Original. Ich glaube, es gab diese Modelle nur in Cherry Red und Sunburst, aber ich finde, das Cremeweiß passt auch ganz gut. Dieser Bass klingt sowas von 60s-mäßig, dass es eine wahre Freude ist: kaum Höhen, schöne honkige Mitten, nicht so fett wie der dicke Humbucker vom EB-2D, aber genug Bässe für ein sattes Fundament. Klingt sowohl mit Fingern als auch mit Daumen oder Filzplektrum super. Den Rivoli habe ich auf ‚MTV II‘ bei den meisten Songs gespielt.

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2019)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Was machen die denn da für gefällige Konstrukte aus den schönen Udo Liedern? Klingt eher danach, als wollte man sie nochmal ordentlich melken, als nach rockiger Spielfreude.

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