‚Lampshade‘

Jazz Funk: Dean Brown im Interview

Dean Brown gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Jazz-Gitarristen der USA. Als Sideman von Billy Cobham, Marcus Miller, den Brecker Brothers, Roberta Flack und unzähligen anderen Stars war er auf der ganzen Welt unterwegs. Aber in letzter Zeit liegt sein Fokus auf seinen eigenen Bands, für die ihm die besten Musiker dieses Planeten gerade gut genug sind.

Der Titel seines aktuellen Albums ‚RoLaJaFuFu‘ steht für Rock, Latin, Jazz, Funk und Fusion und belegt, wie breit Dean stilistisch aufgestellt ist. Für diesen Workshop hatten wir Gelegenheit, mit dem Meister ausgiebig über ‚Lampshade‘ zu sprechen, einen Track mit Funk-DNA und einem Solo, dessen erster Teil sich auch für Jazz-Einsteiger bestens eignet.

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Interview

Dean, kannst du uns die Geschichte von ,Lampshade‘ erzählen?

,Lampshade’ habe ich Anfang der 80er geschrieben. Wir hatten eine Jam-Session im Haus des Drummers Joe Franco, außerdem waren Schuyler Deale (Billy Joel) am Bass und ich selbst dabei. Ich brachte das Intro- Riff ein, und Schuyler veränderte es rhythmisch so, dass der vierte Takt in Gruppen von drei Sechzehnteln unterteilt war. Später schrieb ich eine Melodie für den Chorus. Alle Breaks vor dem letzten A-Teil entstanden, während wir das Stück live gespielt haben. Dreißig Jahre später schrieb ich dann das Bläser-Arrangement. Alle Trompeten- und Posaunen- Parts hat Bill Churchville von Tower of Power eingespielt.

Ich weiß, dass du dich in der Geschichte von Stilen und Grooves gut auskennst. Mich erinnert das Stück an die Art von Funk, mit der George Duke bekannt wurde. Siehst du für ‚Lampshade‘ Quellen in der Geschichte des Funk?

Über Quellen hab ich noch gar nicht nachgedacht, aber mir ist klar, warum der Song die Hörer an George Duke erinnern kann, das liegt an den Piano-Parts, die von Gerry Etkins stammen. Für mich war aber die größte Inspiration der Gitarrist Kevin Eubanks, dem ich die Idee der eingestreuten Pull-Offs auf der D-Saite verdanke. Die Pull-Offs auf Leersaiten haben sich über die Jahre zu einem meiner Trademark- Licks entwickelt. Für die Horn-Parts wollte ich einen James-Brown/Michael-Jackson- Vibe kreieren. In Grooves dieser Art spielt für mich die Latin-Komponente eine nicht zu unterschätzende Rolle, und ich denke, dass Latino-Rhythmen bei der Entstehung des Funk einen großen Anteil hatten. Ich höre das ganz deutlich bei Musik aus der Bay Area und aus New Orleans, bei Tower Of Power, Head Hunters, Meters und verwandten Bands. Meine Rhythmusgitarren- Kadenz erinnert mich an einige meiner rhythmischen Idole, Al McKay (Earth, Wind and Fire), Jeff Lockhart (heute Professor in Berklee und einer der funkigsten Gitarristen, die ich kenne) und Nile Rodgers (Chic). Ich sehe mich nicht als jemand, der diese Art des Gitarrenspiels weiterentwickelt hat. Ich habe vielmehr aus diesen Einflüssen etwas Neues für mich entwickelt.

Und teilst du die Ansicht, nach der der Funk begann mit James Browns ,Papa’s Got A Brand New Bag‘?

James Browns Musik war für den Funk so etwas wie der Urknall. Ich finde es schwer zu sagen, ob ,Papa’s Got A Brand New Bag‘, ,I Feel Good‘, ‚Cold Sweat‘‚ ‚Big Payback‘ oder ‚Sex Machine‘ der Auslöser war. ,Payback‘ und ,Sex Machine‘ kamen etwas später, aber diese Songs hatten ein etwas langsameres Tempo, das für den Funk später maßgeblich wurde. Hör dir Sly Stones ,Sing A Simple Song‘ an! Das ist für mich der erste ausgewachsene Funk-Song mit einem schweren Bass- und Schlagzeug-Riff.

Für ,RoLaJaFuFu‘ hast du ausschließlich Songs ausgewählt, die du vorher ausgiebig live gespielt hast. Kannst du uns erzählen, was die Vorteile für dich sind?

Als Komponist versuche ich, die notwendigen Zutaten bereitzustellen, die Musiker wie Publikum inspirieren können. Melodie, Harmonik und ein gutes Arrangement sind hier der Schlüssel. ‚Lampshade‘ basiert zwar nur auf zwei Akkorden, aber die verschiedenen Teile sind so einzigartig, dass man sie sofort wiedererkennt. Das wirklich Magische aber passiert, wenn die Musiker mit dem Song so vertraut sind, dass sie erkunden können, auf welchen Wegen sie sich innerhalb des Arrangements ausdrücken können. Wenn das Arrangement sehr einfach ist, braucht man diese Live-Erfahrung mit einem Song nicht so dringend. Ich habe entdeckt, dass sich die Geschichte eines Songs eloquenter erzählen lässt, wenn er live getestet wurde. Dazu kommt, dass wir heute im Studio nicht mehr unendlich viel Zeit haben, um am Ende ein perfektes Ergebnis zu erreichen. Mir gefällt es, einen Song ein paar Mal aufzunehmen und dann mit dem nächsten weiterzumachen. Ich liebe die magische Qualität der ersten Takes, auch wenn sie nicht perfekt sind.

Weißt du noch, wann du ‚Lampshade‘ zum ersten Mal live gespielt hast?

Das war 1985 in dem Club „Carol’s Place“ auf Long Island, mit meiner Latin-Jazz- Rock-Band Primo. Das ist mit Abstand der älteste Song auf ‚RoLaJaFuFu’, er ist vorher aber noch nie aufgenommen worden, obwohl wir ihn immer wieder spielen.

Welches Equipment hattest du bei der Nummer am Start?

Ich hatte zwei Gitarren am Start: Die Singleton DB Level hat Mark Singleton aus Los Angeles gebaut. Sie hat einen Single- Cutaway und Klangkammern, ist bestückt mit zwei handgewickelten Humbuckern, die klanglich in die PAF-Richtung gehen. Der Hals ist geschraubt, und die Saiten werden durch den Korpus geführt. Kein Whammy! Ich finde, die klingen nur gut bei Surf-Guitar oder, wenn es in die Jimi- Hendrix-Richtung geht. Meine andere Gitarre ist eine 2003er American Strat mit einem Rosewood-Hals und Bill-Lawrence- Noiseless-Singlecoils. Meine Amps sind von DV Mark, ein 2×12-Combo und der Multi Amp. Ich glaube, bei den Basic Tracks war der Multi Amp am Start. Ich liebe diese Amps! Gerade haben sie ein 50-Watt-Analog-Topteil herausgebracht, das ich in letzter Zeit mit zwei 1×12-Boxen gespielt habe.


Aus Gitarre & Bass 11/2016

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