Stadion-Metal

Five Finger Death Punch Bassist Chris Kael im Interview

Five Finger Death Punch
FOTO: Sony

In der Welt der harten Klänge scheint zurzeit eine Wachablösung stattzufinden. Während sich die rasant steigenden Aktienkurse von Bands wie Volbeat oder Amon Amarth auf ein Normalmaß eingependelt haben, erfreuen sich die amerikanischen Schwermetaller von Five Finger Death Punch geradezu verblüffend großer Zuschauerzuwächse. Mit Hits wie ‚Wrong Side Of Heaven‘, ‚Wash It All Away’ oder ‚Bad Company’ (eine Cover-Version des Songs der gleichnamigen Band aus dem Jahr 1974) belagert die fünfköpfige Band nicht nur unzählige Radiostationen und Charts, sondern füllt Jahr für Jahr zunehmend größere Hallen.

Kurz ins Stocken schien die Karriere nur durch die alkoholbedingten Ausfälle ihres Sängers Ivan L. Moody zu geraten, doch Moody ist offenbar vorerst rehabilitiert und 5FDP sind zurück in der Erfolgsspur. Am18.Mai 2018 erscheint ihr neues Album ‚And Justice For None‘. Wir haben uns im Vorfeld der Veröffentlichung mit Bassist Chris Kael getroffen und uns nach Begutachtung des wirklich sehenswerten Band-Equipments von Kael die Details seines Bass-Spiels und die Erfolgsgeheimnisse dieser außergewöhnlichen Band erklären lassen.

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Interview

Chris, derzeit eilt ihr von einem Höhepunkt zum nächsten. War ein solcher Erfolg bereits bei deinem Einstig im Jahr 2011 abzusehen?

Chris Kael: Ja und nein. Meine erste Show mit Death Punch war in Kanada beim Boonstock-Festival. Der Veranstalter hatte das Event einige Jahre zuvor auf einem Hinterhof gestartet und die Sache jedes Jahr vergrößert. Ich war vor der Show unglaublich aufgeregt, aber – ehrlich gesagt – ich bin es jeden Abend, auch hier und heute. Damals hatten wir noch nicht so viele Fans wie heute, aber dass unsere Zuschauerzahlen anwachsen, ist der Lohn für unsere harte Arbeit, für die Songs, die wir schreiben und für unsere Fan- Nähe. Jeder Zuschauer, der uns gesehen hat, erzählt seinen Freunden von Death Punch und bringt sie beim nächsten Mal mit zu unseren Shows.

Mit welchem Equipment bist du 2011 bei 5FDP eingestiegen? Kannst du dich noch an die Details erinnern?

Chris Kael: Oh ja, absolut. Ich hatte einen Mesa Boogie Big Block 750. Seitdem habe ich so ziemlich jeden Amp der Firma getestet, der in der Zwischenzeit auf den Markt gekommen ist. Zurzeit spiele ich über einen Bass Strategy Eight:88. Mein damaliger Bass war der originale Spector CK-4, heute habe ich die CK-4-Modelle mit dem neuen Korpus. Ich war viele Jahre lang auf der Suche nach dem perfekten Sound und der perfekten Spielbarkeit meiner Instrumente. Jetzt, mit dem aktuellen Equipment, bin ich rundum glücklich. Mein Techniker Marcus sorgt dafür, dass ich mit all den kleinen Features, den Sans Amps und den EBS-Pedalen immer optimale Bedingungen auf der Bühne vorfinde, um die größten Arenen der Welt zu rocken.

Welchen Sound bevorzugst du auf der Bühne? Wie muss er beschaffen sein, damit du dich im Konzert wohlfühlst?

Chris Kael: Dank unserer JH-Audio-In-Ears, hat sich mein Spielgefühl auf der Bühne enorm verbessert. Ich höre jedes Detail, nichts klingt muffig oder verwaschen, ich muss nicht gegen die Gitarren ankämpfen und alles klingt klar und definiert. Ich bevorzuge einen Monitor- Mix mit Snare, Bassdrum und Hi-Hat, sodass ich dem Groove jederzeit folgen kann. Außerdem habe ich auch Ivan auf den Monitoren, weil ich einige Chöre singe. Insgesamt ist es auf der Bühne eine sehr angenehme Sound-Atmosphäre, in der man sich auf sein eigenes Spiel konzentrieren kann und sich nicht mit anderen Instrumenten ins Gehege kommt.

Bassist Chris Kael Five Finger Death Punch
FOTO: Mineur, Sony
Bassist Chris Kael beim Interview und auf der Bühne

Macht ihr jeden Abend einen regulären Soundcheck?

Chris Kael: Das ist ganz unterschiedlich. Normalerweise machen wir Soundchecks nur zu Beginn einer Tour, wenn die Songs noch nicht zu 100% sitzen oder wir neue Stücke ausprobieren.

Wo probt ihr für eine Tour?

Chris Kael: In Las Vegas. Aber auf einer so großen Bühne ist natürlich alles immer ein wenig anders als im Proberaum. Bruce, unser Soundmann, nimmt jeden Abend die Show auf, sodass wir sie einerseits am folgenden Tag kontrollieren können und er andererseits den Sound zum Einmessen der PA bei der nächsten Show nutzen kann. Insofern besteht der Soundcheck zumeist aus der Aufnahme vom Vortag, die einfach per Pro-Tools abgespielt wird. Für uns ist das natürlich bequem. Wir kommen zum Abendessen in die Halle, hängen dann noch ein, zwei Stunden gemütlich in der Garderobe ab, gehen um 22 Uhr auf die Bühne und liegen um ein Uhr nachts in der Koje, wenn wir wollen. Sehr angenehm! (lacht)

Was zeichnet für dich generell einen guten Bass aus? Der Hals? Das Gewicht? Die Balance?

Chris Kael: Ein bisschen von allem. Was ich an meinem CK-4 mag, in dem ich übrigens aktive EMG-Pickups verbaut habe: Er erzeugt genau den Sound, den ich immer schon im Ohr hatte. In Las Vegas gibt es eine Band namens The Sin City Sinners, mit denen ich kürzlich gejammt und dabei ‚Ace Of Spades‘ gespielt habe. Der Bassist der Band war völlig von den Socken und sagte: „So wie bei dir hat mein Bass noch nie geklungen.“ Ich weiß nicht, woran es liegt, sondern nur, dass mein Motto lautet: Ich spiele den Bass nicht, sondern prügle ihm die Seele aus dem Leib.

Dein Sound entsteht also in deiner rechten Hand?

Chris Kael: Exakt. Ich habe eine Menge darüber gelesen, und auch, wie ein bestimmter Sound entsteht. Ich habe viel Jason Newsted von Metallica gehört, der bekanntlich mit Plektrum spielt. Ich wollte auch immer nur mit Plektrum spielen.

Du spielst also nie mit Fingern?

Chris Kael: Sehr selten. Cliff Burton hat mit Fingern gespielt. Er hat alles gespielt, was man mit Fingern spielen kann. Was also hätte ich dem noch hinzufügen können? Nein, ich orientiere mich mit meiner rechten Hand an Jason Newsted und James Hetfield. Die rechte Hand ist meine Geheimwaffe für coole Grooves. Jason Newsted erklärte einmal in einem Musikmagazin seine Technik mit der rechten Hand, und dass er fast immer versucht, nach unten anzuschlagen, anstatt nach oben, weil er dadurch mehr Attack und mehr Aggressivität in sein Spiel bekommt. Diesen Trick habe ich von ihm übernommen. Danke Jason, war ein guter Tipp! Natürlich ist auch ein guter Hals sehr zuträglich, dazu noch gute Saiten, ein wenig Distortion, so setzt sich mein Stil zusammen.

Du hast auf dieser Tour drei Bässe dabei?

Chris Kael: Ja, zwei davon spiele ich während der Show. Die meisten unserer Songs sind in B-Standard-Tuning, dazu ein paar wenige in Drop- A, wie etwa ‚Jeckyll And Hyde‘. Für beide Tunings habe ich jeweils einen Ersatzbass dabei.

Alle warten jetzt auf euer neues Studioalbum. Wie würdest du es beschreiben? Gibt es wieder eine Cover-Nummer?

Chris Kael: Ja, die gibt es, aber ich verrate noch nicht, um welche es sich handelt. Aber ich kann verraten, dass auf dem neuen Album eines meiner liebsten 5FDP-Stücke zu finden sein wird. Ich war schon begeistert, als ich nur die Instrumentalversion davon gehört hatte, und als dann auch noch Ivans Gesang hinzukam, war es um mich geschehen. (lacht) Die Nummer ist unglaublich gut. Trotzdem habe ich keine übertriebenen Erwartungen an das Album, sondern bin ganz ruhig und selbstbewusst, dass die Scheibe die Fans begeistern wird. Natürlich habe ich große Ziele mit der Band, aber ich lasse die Dinge auf mich zukommen und nehme alles, was passiert, als Geschenk. Ziele sind immer besser als Erwartungen, denn Erwartungen führen nur dazu, dass man faul wird. Meine Ziele sind: wieder auf große Tournee gehen, die ganze Welt bereisen, also auch verstärkt in Südamerika und Asien.

Letzte Frage: Empfindest du die neue Scheibe als härter, schneller, komplexer als die vorherige?

Chris Kael: Ich halte es mit den Worten von Jeremy (Spencer, Schlagzeuger der Band, Anm. d. Verf.): Wer Five Finger Death Punch bisher mochte, wird die Band mit dieser Scheibe noch mehr mögen. Und wer Five Finger Death Punch bislang nicht mochte, findet mit dieser Scheibe womöglich Zugang zu ihr.

Danke fürs Gespräch, Chris!

Internet

www.fivefingerdeathpunch.com

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(Aus Gitarre & Bass 06/2018)

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