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Jimi Hendrix Technik
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Gitarrist in der Schlangengrube

Interview: Reb Beach & Whitesnake

(Bild: Matthias Mineur)

Die Geschichte von Whitesnake ist gleichzeitig auch die Geschichte großartiger Gitarrenduos. Micky Moody, Bernie Marsden, Mel Galley, Vivian Campbell, John Sykes, Adrian Vandenberg, Steve Vai, Doug Aldrich, jedem Gitarrenfan läuft bei diesen Namen das Wasser im Mund zusammen. Bislang wurde Reb Beach in dieser Auflistung immer ein wenig stiefmütterlich behandelt, obwohl er schon seit 16 Jahren zum Whitesnake-Camp gehört, sich bei Interviewanfragen aber oftmals hinter Kollege Aldrich anstellen musste.

Seit fünf Jahren ist Doug Aldrich nicht mehr in der Band. Seither gilt Beach als bester Mann in der Schlangengrube. Der Amerikaner, der unter anderem auch zum festen Stamm von Winger zählt und sich ein paar Jahre lang graue Haare beim Chaosclub Dokken holte, hat quasi im Alleingang mit seinem Chef David Coverdale das ‚The Purple Album‘ (2015) realisiert und durfte als Dankeschön erstmals auch als Co-Komponist für die neue Scheibe ‚Flesh & Blood‘ fungieren.

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Wir haben uns bei einem Whitesnake-Konzert im holländischen Tilburg zum Soundcheck mit dem 56-Jährigen verabredet und ziehen mit ihm eine Art Zwischenresümee seiner nun bereits fünf Jahre andauernden Beförderung.

Interview

Reb, mit Doug Aldrichs Ausstieg hat sich deine Rolle bei Whitesnake grundlegend geändert. Du bist jetzt der unumstrittene musikalische Leiter der Band, oder?

Musikalischer Leiter ist und bleibt David Coverdale. Aber es stimmt, dass ich jetzt eine größere Verantwortung für Whitesnake trage. Mehr Geld bekomme ich deshalb allerdings nicht. (grinst) Ich helfe dabei, die Maschine am Laufen zu halten und betrachte mich als Bindeglied zwischen David und der Band. Ich bin seit 16 Jahren bei Whitesnake und kenne den Chef länger als jeder andere von uns. Wenn also irgendjemand etwas auf dem Herzen hat, gehe ich zu David und spreche mit ihm darüber. Aber natürlich hat sich auch meine musikalische Funktion verändert. Doug und David waren ein großartiges Songschreiberteam, ähnlich wie Kip Winger und ich. Als Doug die Gruppe verließ, wollte ich natürlich in seine Fußstapfen treten. Also bat ich David darum, auch Songs anbieten zu dürfen.

Warst du überrascht, als David Coverdale zu dir kam und sagte: „Das Purple-Album ist deines“?

Ich war total baff! Denn es klingt nicht ansatzweise so, wie ich dachte, dass es klingen sollte. Als David zu mir kam und eine solche Scheibe vorschlug, wollte ich, dass es wie ein Album aus den Siebzigern klingt. Also roh, zwei Gitarren, Orgel, Bass und Schlagzeug, ein paar Jungs singen die Background-Vocals, und ab dafür! Aber David hatte eine völlig andere Vision, die ja am Ende auch zu einem großartigen Resultat geführt hat. Er wollte eine riesige Produktion mit monströsen Gesängen und gigantischen Gitarren, die wie Panzer über die Berge gerollt kommen. So lautete seine Idee und so wurde es gemacht. Ich liebe die Scheibe.

Hat diese Art der Produktion dir geholfen, die geforderten Direktiven für das neue Whitesnake-Album ‚Flesh & Blood‘ zu verinnerlichen?

Nicht so sehr die Produktion, sondern mehr die Tatsache, dass ich sehr viel Zeit mit David im Studio und in seinem Haus verbracht habe. Ich habe in den mehr als 18 Monaten, die wir gemeinsam an ‚Flesh & Blood‘ gearbeitet haben, eine Menge über ihn gelernt. David hört den ganzen Tag über Musik, und zwar alle nur erdenklichen Stilrichtungen, einfach alles. Er besitzt eine der größten iTunes-Sammlungen der Welt. Unter allen iTunes-Käufern gehört er zu den Top-20, mit astronomischen Terabytes voller Musik. Für mich war das eine sehr interessante Erfahrung. In der Zusammenarbeit als Songschreiber habe ich gelernt, dass er auf simple Ideen steht. Drei Akkorde, fertig. Vier Akkorde? Okay, aber damit muss es dann auch genug sein. Keine progressiven Elemente, so wie beispielsweise bei Kip Winger, mit dem es für mich sehr einfach ist zu arbeiten. Ich habe etwa 25 Ideen eingebracht und gelernt, dass man sie sorgfältig durchdacht haben sollte, bevor man sie ihm vorspielt. Denn David hat immer nur kurz Zeit, weil er sich gleichzeitig mit tausend anderen Dingen beschäftigt. Also habe ich ihm nur die einfachsten Riffs vorgespielt, wie etwa ‚Hey You‘, zwei Akkorde, danke, bitte, ist genehmigt. Er fand die Idee auf Anhieb klasse und hat sie akzeptiert.

Mit ‚Sands Of Time‘ gibt es aber doch auch einen leicht progressiven Song auf ‚Flesh & Blood‘, oder?

Das stimmt, aber es war der einzige Track dieser Art, den er akzeptiert hat, und auch erst, nachdem ich ihn dreimal überarbeitet hatte, da er David anfangs zu stark nach Led Zeppelins ‚Kashmir‘ klang. Für mich ist es ein kleines Wunder, dass er es auf das Album geschafft hat. Ich bin super-stolz auf diese Nummer, für mich ist sie der Nachfolger von Dougs ‚Forevermore‘, den ich großartig finde. Ich wollte auf ‚Flesh & Blood‘ eine Art eigene Version von ‚Forevermore‘ verewigen, doch David fremdelte zunächst mit der Idee. Nach der dritten Änderung hatte er eine Gesangsmelodie gefunden, die ihm gefiel, und so hat es die Nummer dann doch noch aufs Album geschafft.

Bedeutet das, dass du gut beraten bist, jede Idee, die du David Coverdale vorstellst, möglichst professionell vorzuproduzieren? Gab es komplette Demos deiner Songs?

Nein, ganz im Gegenteil. Am besten nimmt man einfach eine Akustik-Gitarre in die Hand und spielt David die Idee darauf vor. Dann sind die Chancen am größten, dass man seinen Geschmack trifft. Je weniger etwas vorproduziert ist umso leichter ist er davon zu überzeugen. Er steht auf einfache Ideen, er möchte selbst inspiriert werden und nicht vor vollendeten Tatsachen stehen.

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Wie und wo hast du deine Gitarren für ‚Flesh & Blood‘ aufgenommen?

Alle Gitarren wurden im Studio eingespielt, mit den Preamps, die uns dort zur Verfügung standen, und von dort aus direkt in Pro Tools. Ich nehme immer auf die gleiche Weise auf: Ich richte einfach ein Shure SM57 direkt auf die Kalotte. Ich habe nur ein Suhr-Shiva-Distortion-Pedal für die Soli eingesetzt, die Delays wurden anschließend über Pro Tools hinzugemischt. Allerdings konnte ich das Delay bereits beim Einspielen hören, um das richtige Feeling zu bekommen.

Jeweils eine Rhythmusgitarre links und rechts, und dann ein paar Overdubs in der Mitte?

Zwei Gitarren von mir, jeweils links und rechts, und zwei Gitarren von unserem zweiten Gitarristen Joel Hoekstra, ebenfalls links und rechts.

Nach welchen Kriterien wurden die Soli zwischen Joel und dir aufgeteilt? Wie habt ihr euch verständigt?

Joel ist in der Lage, zu jeder wie auch immer gearteten Vorlage ein tolles Solo beizusteuern. Bei mir ist das anders, ich muss mich inspiriert fühlen. Wenn mich ein Track langweilt, fällt mir dazu kein Solo ein. Ich brauche Akkordwechsel, damit ich darüber eine schöne Melodie entwickeln kann. Deshalb habe ich mir die Songs ausgesucht, zu denen mir ein Solo einfällt und habe den Rest Joel überlassen, sodass wir beide jeweils 50 Prozent der Parts haben.

Besonders großartig ist dir das Solo in ‚Shut Up & Kiss Me‘ gelungen: grandioser Ton, tolle Melodie! War es ein First Take oder setzt sich das Solo aus mehreren Takes zusammen?

Oh, vielen Dank, das freut mich sehr. Ich habe das Solo einmal gespielt und mir dann ein paar Notizen gemacht. David war beim Einspielen dabei, ihm war das Originalsolo zu schnell. Und er hatte recht.

Suhr/Custom Audio Amplification PT 100 und Voodoo Lab GCX Switcher, Cry Baby DCR-2SR und TC Electronics G-Major
Beachs Rack mit Suhr/Custom Audio Amplification PT 100 und Voodoo Lab GCX Switcher, Cry Baby DCR-2SR und TC Electronics G-Major (Bild: Matthias Mineur )

Das Solo ist perfekt, finde ich.

Ja, finde ich auch. David hat dafür ein gutes Gespür. Ich ging also noch einmal in die Aufnahmekabine und änderte den Mittelteil in einen melodischeren Part. Also nicht wie Steve Vai, sondern etwas getragener. Mein Lieblingssolo auf ‚Flesh & Blood‘ ist allerdings das von ‚Sands Of Time‘, ich finde, da ist mir etwas Großartiges gelungen.

Hat es konkrete Gründe, dass es auf dem neuen Album weit mehr Slide-Gitarren als in der jüngeren Whitesnake-Vergangenheit gibt? Klingt fast wie zu Zeiten von Micky Moody und Bernie Marsden.

Ich denke, es liegt an der Art, wie David komponiert. Ich habe ein paar Slide-Parts gespielt, Joel ebenso. Viele seiner Riffs fordern regelrecht dazu auf, Slide zu spielen. Ich habe das früher kaum gemacht, aber irgendwie hat es auch bei mir funktioniert. Einige davon hat David mir vorgesummt, also „lalala, spiel es mal so, Reb!“ (ahmt Coverdale nach). Man runzelt mit der Stirn und versucht es irgendwie hinzubekommen. Aber David war zufrieden (noch einmal in der Stimme von Coverdale): „Perfect darling, I love it“. Der Mann ist einfach großartig, es macht riesigen Spaß mit ihm zu arbeiten.

Voodoo Lab Ground Control
Voodoo Lab Ground Control (Bild: Matthias Mineur )

Sind die Slide-Parts so etwas wie eure Referenz an die 80er-Jahre von Whitesnake?

Nein, Joel hat diesen Aspekt in die Band gebracht und wir fanden, dass es toll klingt. An die 80er haben wir dabei überhaupt nicht gedacht. Wir denken immer nur an unsere neuen Songs.

Allerdings feiern die Medien gerade diesen klassischen Whitesnake-Aspekt des Albums.

Ja, das habe ich auch gelesen.

Es stört dich?

Nein, überhaupt nicht, denn es ist ja als Kompliment gedacht. Es ist nur so: Ich höre dies aus dem Album nicht heraus. Die Drums klingen opulent und fett, es gibt eine Million Stimmen, für mich klingt das nicht nach Vergangenheit. Aber, hey, wenn die Presse es so sieht, dann freut mich das. (überlegt kurz) OK, nein, es war ganz anders: Wir haben es absichtlich nach 80er-Jahre klingen lassen. (lacht) Wir haben einen Song aufgenommen, der es nicht aufs Album geschafft hat. Er heißt ‚Can´t Do Right For Doing Wrong‘, eine Blues-Nummer, die ich für David geschrieben habe. Ich wünschte, dass sie auch auf dem Album zu hören wäre, denn ich finde sie stärker als einige andere Stücke. Ich sagte: „David, du solltest den Song unbedingt mit draufnehmen“, aber er ließ mich abblitzen.

Vielleicht wollte er das hohe Energie-Level des feurigen ‚Purple-Album‘ wiederholen?

‚Purple Album‘ wurde live im Studio aufgenommen. Das hat riesigen Spaß gemacht, auch weil Tommy Aldridge unser Drummer ist. Alle standen unter Strom, es herrschte pure Energie. Einige Nummern wurden schneller gespielt als ursprünglich geplant, David forderte ständig, das Tempo zu erhöhen … „faster, faster“… Bei den Aufnahmen zu ‚Flesh & Blood‘ dagegen ließ es der Terminkalender nicht zu, alle Bandmitglieder zur gleichen Zeit im Studio zu haben. So etwas macht natürlich immer einen Unterschied aus.

Gitarrentechniker Willie Gee
Sein Gitarrentechniker Willie Gee (Bild: Matthias Mineur )

Apropos Tempo: Einen solch langen und intensiven Soundcheck wie heute, bei dem sogar noch einmal die Geschwindigkeit von Songs geändert wurde, habe ich bei euch noch nie erlebt.

Ja, das war in der Tat ungewöhnlich. Aber wir haben uns seit einem Monat nicht gesehen und starten heute unsere Festivalsaison, bei der die Setlist noch einmal angepasst werden musste. Deshalb bekamen wir von David vor ein paar Stunden (lacht laut los) drei neue Songs genannt, die wir heute Abend spielen wollen. Und für die muss man dann natürlich erst einmal das richtige Tempo finden.

Letzte Frage: Was machst du ab Spätsommer, wenn die Whitesnake-Tour vorbei ist? Ein neues Produkt mit Suhr Guitars?

Nein, obwohl sie mir gerade eine neue Gitarre bauen, da die aktuelle, die ich zuletzt häufig gespielt habe, nicht in tune bleibt. Das Problem muss erst gelöst werden, bevor ich sie wieder anfasse. Ich habe gerade ein Soloalbum aufgenommen, an dem ich seit Jahren arbeite. Eine Instrumentalscheibe mit einer Mischung aus Rock, Funk und Jazz, mit ausgedehnten Jam-Parts, aber trotzdem sehr geradlinig und eingängig. Die Drums wurden von Dave Throckmorton, der Bass von Philip Bynoe eingespielt. Im August gehe ich mit Kip Winger nach Nashville, wo wir die Arbeiten am neuen Winger-Album beginnen werden.

OK, dann steht dir ein arbeitsreiches Restjahr bevor. Viel Erfolg dabei und danke für das Gespräch!


(erschienen in Gitarre & Bass 09/2019)

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