Produkt: Gitarre & Bass 4/2019 Digital
Gitarre & Bass 4/2019 Digital
INTERVIEWS: Bryan Adams, Tommy Emmanuel, Devin Townsend+++SPECIAL: Jazzgitarre in Deutschland+++Tiefer. Härter. Breiter: Die ERG-Highlights der NAMM 2019
Aus dem neuen Heft

Interview: Rabea Massaad

(Bild: Rabea Massaad)

Von seinen YouTube-Jüngern wird Rabea Massaad schon lange als einer der besten zeitgenössischen Gitarristen gefeiert. In seinem kleinen Dachgeschoss-Homestudio präsentiert der 32-jährige Brite regelmäßig neue Songs und neues Equipment, er verrät der digitalen Öffentlichkeit Tipps und Tricks zu Sounds und Spielweisen, und erfreut sich damit wachsender Beliebtheit.

Allein sein YouTube-Special „Sound Like Eddie Van Halen Without Busting The Bank“, das er in Zusammenarbeit mit dem englischen Instrumentenhändler Anderton‘s Music im April 2019 ins Netz gestellt hat, zählt bis heute weltweit nahezu 400.000 Aufrufe. Kein Wunder also, dass sich innovative Instrumentenhersteller wie Chapman Guitars oder Victory Amplification rechtzeitig seine Dienste gesichert haben. Darüber hinaus spielt Massaad bei den Charts-notierten Progressive/Djent-Formationen Dorje und Toska und hat vor wenigen Monaten einen eigenen Bare-Knuckles- Signature-Pickup entwickelt, der zukünftig auch in seiner Chapman ML-3-Bea-Signature verbaut werden soll. Alles in allem also ein höchst interessanter junger Musiker, den wir gerne vorstellen und zu seiner bisherigen Laufbahn befragen.

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Rabea, stimmt es, dass du beinahe Schlagzeuger geworden wärst?

Ja, das stimmt. Mit sieben oder acht fing ich an, auf alles einzutrommeln, was mir die Gelegenheit bot. Für kleine Jungs sind Drums natürlich ungemein spannend. Doch mit 16 verletzte ich mich beim Skateboarden so schwer am Bein, dass ich operiert werden musste und nicht mehr Schlagzeug spielen konnte. Mein Vater ist Gitarrist, in unserem Haus gab es immer eine Stratocaster und irgendeine Jackson.

Also nahm ich nach meinem Unfall eine dieser Gitarren in die Hand und merkte, dass ich durch mein jahrelanges Drumming ein gutes Rhythmusgefühl habe und sehr gleichmäßig anschlage. Ich hatte von Beginn an riesigen Spaß, deshalb machte ich schnell Fortschritte und war wild entschlossen, sämtliche Songs von Metallicas ‚Master Of Puppets‘ nachspielen zu können. Ich war süchtig, geradezu besessen davon, die Parts möglichst perfekt wiederzugeben, vergleichbar mit einem Videogame, bei dem man unbedingt das nächsthöhere Level erreichen will.

Mit welcher eigenen Gitarre hat es bei dir angefangen?

Ich bekam mit 16 zu Weihnachten eine Washburn X-50, die ich immer noch besitze. Sie war meine erste richtige Gitarre.

Und der erste Amp?

Auch den bekam ich am selben Heiligabend, es war ein Marshall MG-DFX als 2x12er-Combo.

Wow, dickes Weihnachtsgeschenk!

Ja, meine Tante schenkte mir die Gitarre, und von meinen Eltern bekam ich den Verstärker. (lacht) Man muss sich das mal vorstellen: Am gleichen Weihnachtsabend wurde ich stolzer Besitzer einer eigenen Gitarre und eines eigenen Amps. Wahnsinn! Ich war völlig aus dem Häuschen und spielte jahrelang wie ein Besessener.

Massaad mit Toska beim ArcTanGent Festival in Bristol. (Bild: Rabea Massaad)

Du stehst also schon immer auf Stratocaster-Modelle und nicht so sehr auf Les Pauls?

Immer Strats und Teles! Dies hängt sicherlich auch mit meinen ersten Gitarren zusammen, mit der Strat meines Vaters und meiner eigenen ersten Washburn. Ich war es einfach gewohnt, mit doppelten Cutaways zu spielen. Ich habe viele Jahre gesucht, bis ich endlich eine Les Paul fand, die mir wirklich gefiel.

Und zwar?

Es ist eine Gibson Les Paul Custom von 1971 mit einem völlig anderen Spielgefühl als sämtliche Les Pauls, die ich im Laufe der Jahre getestet habe.

Inwiefern?

Meine Les Paul ist refretted und fühlt sich wunderbar geschmeidig an, außerdem ist der Hals nicht übermäßig dick, aber eben auch nicht zu dünn. Der Hals war früher mal gebrochen, wurde aber repariert. Ich fand die Gitarre bei Norman’s Rare Guitars in Los Angeles.

Kostenpunkt?

Ich hatte vorher auf ‚Reverb‘ und ‚Ebay‘ lange recherchiert und wusste, dass 71er-Custom-Modelle durchaus 9000 Dollar kosten können. Meine Les Paul hat umgerechnet 2000 englische Pfund gekostet, ein absoluter Glücksgriff.

Ist der Hals das für dich ausschlaggebende Kriterium einer guten Gitarre?

Der Hals und die Brücke. Wenn man ein Floyd-Rose-System spielt, fühlt es sich völlig anders an als eine Fender-Bridge oder ein Gibson-Stoptail-Two-Piece. Nicht jede Brücke passt zu meinen großen Händen. Die Brücke meiner Chapman ML3 passt perfekt, ebenso wie Fender-Bridges. Ich habe mich zwar im Laufe der Zeit auch an ein Stoptail-Two-Piece gewöhnt, aber ideal für meine Hände ist es nicht. Ich checke immer erst einmal ab, wie es sich mit einer Gitarre abgedämpft spielen lässt. Erst dann weiß ich, ob mir die Brücke gefällt.

Hattest du mal Gitarrenunterricht? Wodurch hast du dich als Musiker so rasant entwickelt?

In jüngeren Jahren war ich total auf Songs anderer Künstler fokussiert, speziell auf die Alben von Extreme mit Nuno Bettencourt, dazu ‚The Extremist‘ von Joe Satriani oder ein wenig von Steve Vais ‚Passion & Warfare‘, aber auch The Darkness und Rage Against The Machine. Ich spielte alles nach, was mir gefiel.

Jahrelang hatte ich diese Songs nur gehört, dann wollte ich unbedingt wissen, wie man sie spielt. Anschließend entdeckte ich Incubus und stellte fest: All das Shredding, all die Technik bedeuten gar nichts, wenn man…

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