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Kino für die Ohren

Interview: Jacob “Jake” Kiszka & Greta Van Fleet

(Bild: ©ALYSSE GAFKJEN 2020)

Seit die Newcomer aus dem amerikanischen Provinznest Frankenmuth in Michigan durchstarteten, spalten sie die Rock-Welt: Kritiker belächeln sie als Epigonen Led Zeppelins, Fans sehen in ihnen die Retter des Rock’n’Roll. Fakt ist: Ihr aktueller Longplayer ist verdammt gut.

Als die Brüder Joshua (Gesang), Jacob (Gitarre) und Samuel Kiszka (Bass) mit ihrem Schlagzeuger Daniel Wagner als Garagen-Band begannen, dachten sie nicht im Traum daran, weltweit derart durchzustarten. Doch schon mit ‚Highway Tune‘ wurden erste US-Sender auf das Classic-Rock-Quartett aufmerksam. Mit ihren beiden EPs ‚Black Smoke Rising‘ und ‚From The Fires‘ tourte die Band ausgiebig durch die USA und ihr Longplayer-Debüt ‚Anthem Of The Peaceful Army‘ bescherte ihnen schließlich Support-Slots für Guns N’Roses und die Foo Fighters. Dann kam der Lockdown. Das Quartett nutzte die Zeit, um neue Songs aufzunehmen.

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Frühjahr 2021: Nach drei YouTube-Videos mit neuen Songs wurde über kein anderes Rock-Album derart viel spekuliert wie über das neue Werk von Greta Van Fleet. ‚The Battle At Garden’s Gate‘ heißt es. Wir sprachen mit Gitarrist Jacob (genannt: Jake) über Sounds und Songwriting, seine 1961er Les Paul und Jimmy-Page-Posen.

INTERVIEW

(Bild: Universal)

Jake, Gratulation zum neuen Album. Was ist aus deiner Sicht anders im Vergleich zu ‚Anthem Of The Peaceful Army‘? Wie habt ihr euch als Band weiterentwickelt?

Das ist eine komplexe Angelegenheit. Wir hatten uns auferlegt, weiter unsere Einflüsse aufzuzeigen, also womit wir aufgewachsen sind und was uns beeinflusst hat. Musiker wie Howlin’ Wolf, Muddy Waters, Elmore James und Leadbelly. Aber jetzt waren wir an dem Punkt, dass wir diese Einflüsse weiterentwickelt haben. Die neuen Songs zeigen, wo wir stehen, was Songwriting, Instrumentierung, Arrangement und Performance angeht. Dieses Album ist deutlich größer und dichter produziert. Es ist sozusagen gleichermaßen orgasmisch und cinematisch.

Ihr wart mit Produzent Greg Kurstin im Studio, der bisher mit Popstars wie All Saints, Pink, Adele und Celine Dion gearbeitet hat. Warum fiel die Wahl auf ihn?

Wir haben uns mit einigen Produzenten unterhalten, denn wir wollten ein groß klingendes, cineastisches Rock’n’Roll-Album aufnehmen. Wir wollten etwas Neues machen. Und Greg war derjenige, der am besten verstand, worauf wir hinaus wollten. In der Rückbetrachtung der Alben, die er produziert hat, dachten wir, dass er der Richtige sein könnte. Die Arbeit mit ihm war ein spannendes Abenteuer, eine echte Reise! Wir haben viel von Greg gelernt. Er hatte richtig viel anzubieten. Er ließ uns zum Beispiel verschiedene Bridges schreiben, drei, vier Stück pro Song. Und dann setzten wir uns zusammen und er wusste stets welcher Part am besten passen würde.

Beschreib uns mal deine Art des Songwritings und nimm einen Riff-Song wie ‚Built By Nations‘, zum Beispiel.

Es hängt immer von der Song-Idee ab, ob ich auf akustischer oder elektrischer Gitarre schreibe. Manchmal hilft die akustische Gitarre dem Ansatz eines Songs mehr, als ein elektrischer Sound. Ich denke schon ganz am Anfang über mögliche Arrangements nach, und die werden von den jeweiligen Motiven, wie ich das nenne, bestimmt. Es passiert auch, dass wir zusammen jammen, ich spiele etwas auf der elektrischen Gitarre und plötzlich entsteht daraus etwas, das wir verwenden wollen. Es hängt von der Situation ab.

Du hast in unserem letzten Interview gesagt, der Katalog von Led Zeppelin bestehe aus Songs, die in ihrer Zeit völlig neu oder zumindest neu arrangiert waren. Findest du es schwer neue Riffs zu erfinden, wo doch schon vieles gesagt wurde?

Das ist ein interessanter Gedanke. Wir definieren uns am ehesten darüber, was man wohl Classic Rock nennt. Sicher, wie du schon sagst, ist bereits eine Menge gesagt worden in der Geschichte der Rock-Musik. Aber auf der anderen Seite sind die Möglichkeiten endlos. Es gibt konstante Inspirationen um dich herum. Und es gibt so viele kulturelle Einflüsse, so viel tolle Musik in Rock, Soul und R&B.

Der letzte Track ‚The Weight Of Dreams‘ hat mit acht Minuten eine epische Länge und du einen langen Solopart. Ist der auskomponiert oder in einem spontanen Take entstanden?

‚The Weight Of Dreams‘ hätten wir niemals live im Studio aufnehmen können, wenn wir ihn nicht bereits in manchen unserer Live-Shows gespielt hätten. Da hieß er ‚Black Flag Exposition‘. Dies ist der einzige Song auf dem neuen Album, den die Leute von unseren Live-Shows kennen. Mein Solo ist daher arrangiert, hat bestimmte Phasen und entwickelt sich langsam bis zum Höhepunkt.

Dein Vater hatte großen Einfluss auf dein Gitarrenspiel. Was war rückblickend sein wichtigster Rat an dich? Und spielst du ihm heute auch noch Song-Ideen vor?

Einer der wichtigsten Ratschläge, die mir mein Dad gab, war während einer Phase, in der ich den Gain-Regler am Verstärker aufgerissen und voll verzerrt mit viel Feedback gespielt habe. Daraufhin hat er mir meine elektrische Gitarre weggenommen und mir eine akustische in die Hand gedrückt. Er sagte, er gebe mir die elektrische erst zurück, wenn ich mich das nächste halbe Jahr mit den akustischen Wurzeln der Gitarrenmusik beschäftigen würde. Das war total lehrreich für mich! Dadurch hat sich mein Ton massiv verändert. Mein Ton ist deutlich cleaner geworden. Und dadurch in vielerlei Hinsicht besser. Das war eine wichtige Erkenntnis. Natürlich spiele ich meinem Vater auch heute noch neue Sachen vor. Vor allem, wenn ich hören möchte, was einer Idee fehlt und was ich anders machen sollte. Eben typisch Vater! (lacht)

Auf Tour sieht man dich mit deiner 1961er Gibson Les Paul. Die Gitarre hat ganz schön was mitgemacht und hatte zuletzt einen recht dramatischen Riss im unteren Teil des Bodys, den du zum Ende der Tour getaped hast!

Ja! Ich habe zum Glück einen Gitarrenbauer gefunden, der den Body wieder geleimt hat. Die Gitarre ist jetzt wieder okay.

1961 Gibson Les Paul (SG) (Bild: Jacob Kiszka)

Es heißt du stehst auf den Sound alter PAF-Tonabnehmer, auf deren Transparenz und Klarheit.

Das ist der Hauptgrund, warum mich diese 1961er Les Paul so angesprochen hat: die Klangqualität dieser Pickups. Es ist total faszinierend! Ich habe zum Beispiel von einer Firma Repliken alter PAFs geschickt bekommen, handgewickelt, streng am Original orientiert und mit den besten Materialien gebaut. Tolle Tonabnehmer! Aber am Ende ist die Klarheit der alten PAFs doch unerreicht. Die Art und Weise, wie sie sich im Band-Gefüge durchsetzen ist einmalig. Du kannst sie selbst sehr aggressiv einsetzen und trotzdem verlieren sie nicht ihre Klarheit.

Schaust du auf Tour ab und zu nach alten Gitarren?

Klar suche ich hier und da nach alten Instrumenten. Aber alle Gitarren, die ich spiele, haben mehr oder weniger ihren Weg zu mir gefunden. Ich habe sie ausprobiert, fand sie gut und habe sie gekauft, wie meine 1961er Les Paul. Das war genau die Gitarre, die ich mir erträumt hatte. Neu dazugekommen ist, ist eine Gretsch G6228, die mir ein Freund geschenkt hat. Eine Gitarre, die ich mir gerne kaufen würde, wäre eine Fender Telecaster aus den 50ern. Wir werden sehen.

Neben den SGs spielt Jake auch mal Stratocaster oder seine neue Gretsch G6228. (Bild: Jacob Kiszka)

Du hast als Backup eine Gibson Custom Shop SG auf Tour dabei. Inwiefern unterscheidet sie sich klanglich vom Original?

Beide Gitarren sind sehr unterschiedlich, was ihren Ton angeht. Ich denke, das Alter des Holzes hat einen großen Einfluss auf den Ton. Auch der Spielkomfort meiner alten Gitarre ist umwerfend. Ein neues Instrument muss sich erst einspielen. Die 1961er hat eine unglaublich direkte Ansprache. Meine Custom Shop SG hat auch sehr resonantes Holz, ist sehr leicht, klingt sehr trocken.


EQUIPMENT

    • Gitarren/Bässe: 1961 Gibson Les Paul (SG), 2018 Gibson Custom Shop SG, Fender „Coodercaster“ Frankenstein (für Slide), Martin 12+6-String Doubleneck Guitar, Gibson J-45, Gretsch G6228
    • Amps & Boxen: Marshall Astoria, Marshall 4×12 Cabinet, Bletchley Belchfire 45
    • Effekte: Boss TU-3 Chromatic Tuner, Electro Harmonix Nano Holy Grail, Jext Telez Range Lord
    • Zubehör: D’Addario-Saiten 0.10, Dunlop-Plektren Tortex 6.0

Aber bei meiner alten kannst du auf die Gitarre klopfen und erhältst sofort eine Reaktion, fast wie bei einer akustischen Gitarre. Die alten PAFs sind total transparent. Die neuen Pickups sind auch sehr clean und präzise, das gefällt mir. Vielleicht klingen sie ein bisschen dunkler, aber das ist mein persönliches Empfinden.

Spielst du noch deinen Marshall Astoria Custom?

Ja. Inzwischen ist aber noch ein Bletchley-Head dazu gekommen. Als wir dort im Studio waren, traf ich den Besitzer Danny Russell, probierte seine Amps und war begeistert. Live spiele ich entweder seinen Belchfire 45 oder den Marshall Astoria in Verbindung mit einem Marshall-4×12-Cabinet.

Marshall Astoria mit Marshall-4×12″-Cabinet (Bild: Jacob Kiszka)

Du besitzt eine Martin-12-String, weil du den Sound von Leo Kottke und Leadbelly magst. Im Video zu ‚My Way, Soon‘ spielst du eine alte Gibson Jumbo, live eine Ovation Elite. Auch auf dem neuen Album kommen akustische Gitarren zum Einsatz. Akustische Gitarren spielen scheinbar eine wichtige Rolle für dich.

Als ich 16 oder 17 war, schenkte mir meine Großmutter diese Martin-12-String, was ein großer Schritt für mich war. Eine Zwölfsaitige war für mich, wie zwei Gitarren gleichzeitig zu spielen! (lacht) Die ist auch wieder auf diesem Album vertreten, zum Beispiel in der Bridge von ‚Broken Bells‘. Inzwischen besitze ich auch eine Martin-Double-Neck, als Kombination aus 12-String und 6-String. Eine sehr imposante Gitarre, die ich auch eingesetzt habe. Und eine finnische Espana-12-String, eine sehr interessante alte Gitarre, die so nicht mehr gebaut wird.

Letzte Frage: Vergleiche mit Led Zeppelin nerven euch vermutlich ziemlich. Aber mal ehrlich: Deine Körperhaltung beim Spielen, Gestik und Mimik erinnern doch ziemlich an Jimmy Page.

(lacht) Ich denke, diesen Ausdruck und diese Körperhaltung auf der Bühne entdeckst du auch bei einer Menge anderer Gitarristen. Du entwickelst mit der Zeit eine Köpersprache und Mimik, das ist ein natürlicher Prozess. Ich habe zum Beispiel eine Weile lang oft meine Beine beim Spielen gekreuzt und bewegte mich wie ein Tänzer. Das ist ein unbewusster Prozess, eine direkte körperliche Reaktion auf die Musik. Auf das, was durch meinen Körper fließt und was mein Herz fühlt. Aber ich nehme das auf alle Fälle als Kompliment.

Vielen Dank für das Gespräch, Jake, und viel Erfolg mit dem neuen Album!

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2021)

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