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Im Interview

Eric Steckel: Blues-Metal

(Bild: Eric Steckel)

So jedenfalls nennt der Gitarrist und Sänger aus Los Angeles die Musik seines aktuellen Albums ,Grandview Drive‘. Und gemeint ist: kraftvoller Gesang, eingebettet in satte Blues-Riffs mit virtuosen Soli sowie dynamische Drums und Bässe.

Das ehemalige Gitarren-Wunderkind der Nuller-Jahre spielt hier wirklich beeindruckend. Mit großer Spielfreude und Ton in den Fingern feuert er ultra schnelle Läufe ab, gewürzt mit Mega-Bends und Fingervibrati. Und das in einem fetten Sound, der geradezu aus den Boxen zu quillen scheint. Die Rocknummern werden kontrastiert von schönen Balladen mit Southern-Rock-Einschlag. Ein Gespräch über Einflüsse, Gitarren, Amps und Klang.

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Als du 2002 dein Debütalbum ,A Few Degrees Warmer‘ aufgenommen hast, warst du gerade mal elf Jahre alt. Ein Alter, in dem andere beginnen ein Instrument zu lernen. Wann hast du angefangen zu spielen?

Da war ich neun, mein Onkel kaufte mir eine schwarze Mexico-Strat. Ich habe sie in die Hand genommen und war sofort so leidenschaftlich dabei, dass ich innerhalb von zwei Jahren die Grundlagen des Blues-Gitarrenspiels in der Tasche hatte. Ich gründete eine Band und nahm die Platte auf. Es ging alles sehr schnell. Wenn ich zurückschaue, ist das verrückt.

Hat dich dein Onkel zur Gitarre gebracht oder wolltest du von dir aus das Instrument lernen?

Nun, eigentlich wollten das am meisten meine Eltern. Sie hatten eine unglaubliche Vinyl-Sammlung mit Van Halen, Lynyrd Skynyrd, The Allman Brothers Band, Foghat und Led Zeppelin, also alles Gitarrenmusik. Als ich zur Schule ging in den 90ern, hörten die meisten Radio, und da liefen damals die Backstreet Boys und Britney Spears. Meine Eltern spielten hingegen all diese Platten und ich bin aufgewachsen mit Jimmy Page und Eric Clapton. Ich wollte so sein wie diese Typen.

Hattest du am Anfang einen Lehrer?

Ich habe einerseits die Platten angehört und versucht einiges davon zu kopieren. Aber ich habe mir andererseits auch gute Gitarristen aus der Gegend um Allentown/Pennsylvania angeschaut, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Ich konnte natürlich nur mit meinen Eltern zu einem Konzert gehen. Ich habe das alles aufgesogen wie ein Schwamm und bin dabei geblieben mit den Ohren zu lernen.

Welche Gitarristen haben dich besonders beeinflusst?

Meine Top5 bestand aus Gary Moore, Eddie Van Halen, Stevie Ray Vaughan, Jimi Hendrix und Eric Clapton. Und das ist auch immer noch so. Ich habe viele verschiedene Live-Videos von dir gefunden, in denen du ,Scuttle Buttin’‘ von Stevie Ray Vaughan spielst.

Anfangs habe ich viele Cover meiner Helden gespielt, über die Jahre ist das weniger geworden. Ich wurde nach und nach selbstbewusster und sagte mir: Mein Sound und mein Songwriting haben sich entwickelt und jetzt spiele ich eigene Songs.

Was kannst du mir über deine Band sagen.

Ich habe verschiedene Rhythm Sections, die in der ganzen Welt verstreut sind. Sie sind alle Freunde und es gibt keinen Wettbewerb untereinander. So habe ich eine Band in Europa, in Australien, in Amerika, Kanada und in Asien. Das halte ich deswegen so, weil ich zu Konzerten nur mit meiner Gitarre auf dem Rücken und einem Koffer anreise. Die Jungs lernen meine Songs und dann komme ich dazu und wir treten auf. Viele Solokünstler machen das. Weil die Fans, und das sage ich mit Respekt für meine Bands, wollen halt in erster Linie mich sehen. Es funktioniert und es ist einfach so auf Tour zu sein.

Du nennst deine Musik Blues-Metal. Was verstehst du darunter?

In den letzten zwei, drei Jahren gab es einen großen Wechsel in meinem Sound und meinem Ton. Wir haben 2018 auf meinem Album ,Polyphonic Prayer‘ eine moderne Produktionsweise eingeführt. Wir haben die Drums gesampelt und heavy gemacht, außerdem gab es High-Gain-Verstärker. Wir begannen an den Blues so heranzugehen wie das eine Heavy-Metal-Band machen würde. Ich nenne das Blues-Metal und meine damit Acts wie Jake E. Lee, Badlands, Zakk Wylde, Gary Moore, David Lee Roth und George Lynch. Diese Typen haben härtere Sounds mit einem Blues-Gefühl kombiniert. Das ist die Idee dahinter, eben vom Blues zu kommen, aber einen Metal-Gitarrenton zu haben.

Dein Gitarren-Sound geht auf dem aktuellen Album in der Tat in Richtung Metal.

Ja, besonders in ,Solid Ground‘. Ich hatte das Ziel, einen Song aufzunehmen, der für mich so etwas wie eine Blues-Metal-Hymne darstellt.

Einige deiner Riffs und Licks erinnern auch an Joe Satriani.

Er gehört in meine Top10-Liste, genauso wie Steve Vai. Nur, was Vai macht ist weit entfernt von dem, was ich mache, er spielt in einer eigenen Liga. Satriani ist mehr der bluesige Typ.

Welche Spuren hast du denn zuerst aufgenommen?

Bei den Rock-Nummern haben wir Rhythmus-Gitarre und Drums live ohne Click eingespielt. Wir waren dabei beide im selben Raum. Und bei den bluesigen, ruhigen Stücken wurden live, durch eine Glaswand voneinander getrennt, Drums und Klavier aufgenommen. Wir haben für alle Stücke einen einzigen Tag gebraucht. Später habe ich Gesang und und den Rest hinzugefügt. Der ganze Prozess hat nur ein oder zwei Wochen gedauert.

Das ist schnell.

Ja, ich mag das! Wenn du das Album vom ersten bis zum elften Song durchhörst, klingt es wie eine Live-Show. Wir trafen uns und haben die Songs direkt rausgehauen. Es klingt nicht so, als hätten wir monatelang an Details gearbeitet. Es gibt Leute, die machen in dieser Art und Weise großartige Alben. Aber mein Aufnahmestil ist eben, zumindest was die Basis-Spuren betrifft, mehr wie ein Konzert, eben live einspielen und ohne Click.

Knaggs Guitars, Made in Greensboro, Maryland (Bild: Eric Steckel)

Zu Beginn deiner Karriere hast du überwiegend Fender Stratocaster, also Singlecoil-Gitarren gespielt, jetzt bevorzugst du Humbucker-Gitarren. Vollzog sich dieser Wechsel Schritt für Schritt?

Mehr oder weniger. Als junger Teenager war ich ein riesiger Fan von Stevie Ray Vaughan. Das Aussehen, der Sound, die Haltung, darauf stand ich. Und damals war die Welt anders. Stevie Ray war gestorben und jeder vermisste ihn und suchte nach diesem Sound und diesem Texas-Blues-Ding. Und auch ich begann in diese Richtung zu gehen.

Nun, die Welt änderte sich und damit Stile und Geschmäcker. Ich wurde älter und fand meinen eigenen Sound und begann Tom-Anderson-Gitarren zu spielen, bei denen es sich grundsätzlich um Strats handelt, die jedoch mit Humbuckern ausgestattet sind – in der Steg- oder Halsposition oder welche Kombination auch immer du wolltest. Ich spielte sie etwa vier Jahre lang.

Und dann hat sich vor zwei Jahren Joe Knaggs bei mir gemeldet, eine ehemalige PRS-Legende. Er hat die Private-Stock-Modelle von PRS erfunden und 25 Jahre für Paul Reed Smith Gitarren gebaut. Vor neun Jahren hat er sein eigenes Unternehmen Knaggs Guitars gegründet. Und er fragte mich, ob ich daran interessiert wäre, ein Signature-Modell von ihm zu spielen. Sie haben Steve Stevens und viele weitere großartige Gitarristen, die ihre Modelle spielen.

Und es war eine große Ehre für mich, auch eine Knaggs-Signature zu bekommen. Jeder dachte, es würde eine Art von Strat werden. Aber ich sagte zu Joe, dass ich schon immer eine 59er-Gibson-Les-Paul wollte, die aber angesichts der hohen Preise außer Reichweite für mich war. Wenn du ein Original willst, musst du dein Haus verkaufen. Joe sagte: „Nun, lass mich mal an einer Gitarre arbeiten, und wenn du sie magst kann sie dein Signature-Modell werden.“ Er schickte sie mir und ich mochte sie sofort. Daraus wurde die Eric Steckel Signature, die sich gut verkauft, überraschenderweise, weil es teure Gitarren sind.

Ist die blaue Gitarre mit den weißen Rallyestreifen auf dem Albumcover von ,Grandview Drive‘ so eine Signature?

Ja, sie hat alle Spezifikationen wie jede andere Eric Steckel: Les-Paul-Dicke, Ebenholz-Griffbrett, Mahagoni-Korpus, Ahorn-Decke und Seymour-Duncan-Humbucker. Die Gitarre kommt in Shelby Blue, einem Farbton der in den 60ern bei Ford-Mustang-Autos verwendet wurde. Und sie passte perfekt aufs Foto des Albumcovers, denn es ist eine coole Kombination zwischen dem Naturpanorama und dieser modernen Gitarre.

War das auch deine Hauptgitarre auf dem Album?

Nein, ich habe sechs Knaggs, die ich alle eingesetzt habe. Bei jedem Song haben wir eine andere benutzt. Wir waren sehr wählerisch, was den Gitarrenton betraf, denn ein großer Teil meines Publikums spielt selbst Gitarre und kennt sich mit Sound aus. Bei einigen Songs wurden sogar für Rhythmus und Solo jeweils verschiedene Gitarren eingesetzt. Weil sie handgemacht sind, klingt jede von ihnen ein bisschen anders.

Spielst du dicke Saiten?

Ich habe früher dicke Saiten gespielt wegen Stevie Ray, und dann interessierte ich mich mehr für Leute wie Billy Gibbons, die dünnere Saiten spielen. Jetzt habe ich auf allen Gitarren Saiten in den Stärken .010-.046 aufgezogen. Ich spiele normalerweise im Standard-Tuning. Allerdings habe ich auf dem kompletten neuen Album die Gitarre einen Halbton tiefer gestimmt, also Eb-Ab-Db-Gb-Bb-Eb. Wir trafen die Entscheidung, weil es zu den neuen Songs besser passte. Aber das kann beim nächsten Album schon wieder anders aussehen.

Du spielst auf ,Grandview Drive‘ ja auch Slide-Gitarre. Demzufolge, was du gerade gesagt hast, jedoch nicht im Open-Tuning.

Ganz richtig. Es ist zwar einfacher mit offenen Stimmungen Slide zu spielen, aber da ich nur wenig Slide gespielt habe, reichte es für meine Zwecke.

Was spielst du für ein Slide?

Ein Dunlop-Standard-Glas-Slide in Medium.

Wie sah es mit Amps aus?

Ich spiele inzwischen italienische Mezzabarba-Verstärker. Sie sind großartig. Stell dir einen Soldano SLO-100 vor, nur etwas moderner, mit einem besseren Effects-Loop, mehr Optionen, einem guten Clean-Kanal und etwas mehr Gain.

Heavy Amps: 2x Mezzabarba M Zero Overdrive, 1x Mezzabarba Trinity, 1x Diezel Herbert
Praktisch, wenn man sich mal anlehnen muss: Mezzabarba-Stack
Druckvolles Gespann: Knaggs Eric Steckel Kenai T/S & Mezzabarba-Head

Welche Effektpedale hast du eingesetzt?

Meine Gitarre ging direkt in den Amp. Ich hatte lediglich ein Delay-Pedal in der Effekt-Schleife des Verstärkers. Ich besitze drei verschiedene, die ich alle sehr mag: Ein Boss DD-3 aus den 80ern mit dem alten Chip, ein Gurus Echosex und ein Digitech Hardwire DL-8 Delay/Looper. Wenn du Digitech hörst, denkst du, es handelt sich um Schrott. Aber es ist tatsächlich ein ziemlich berühmtes Pedal, sogar Steve Lukather hat schon mal eines benutzt.

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2020)

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