Dougs Gear-Rezept

Doug Aldrich & The Dead Daisies: Für mich ist jede neue Gitarre wie ein neuer Freund

Doug Aldrich

Möglicherweise wiederhole ich mich, wenn ich Doug Aldrich als einen der freundlichsten und umgänglichsten Musiker bezeichne, dem man als Journalist begegnen kann. Der 54-jährige Ausnahmegitarrist, der immerhin mit Legenden wie Ronnie James Dio oder David Coverdales Whitesnake gespielt hat und dort der unumstrittene Co-Star war, hat für jeden in seinem Umfeld ein freundliches Wort übrig, ist überaus geduldig und auf angenehme Weise unkompliziert.

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Wir befragten den virtuosen Rockmusiker, der nie die Bodenhaftung verloren hat und bei dem Freundlichkeit und Empathie in der DNA fest verwurzelt sind, vor einem Konzert zu seinen Vorlieben bei Gitarren und Effektpedalen und nahmen sein aktuelles Equipment etwas genauer unter die Lupe.

interview

Doug, es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie sehr du dich nach so vielen Jahren als Musiker, nach so vielen Konzerten, Alben und Erfolgen noch immer über eine neue Gitarre freuen kannst.

Für mich ist jede neue Gitarre wie ein neuer Freund, nein, mehr noch: wie ein neues Familienmitglied. In diesem Fall handelt es sich allerdings um ein besonders wertvolles Modell, eine John Suhr Aura, sodass ich noch immer mit mir hadere, ob ich die Gitarre kaufen soll. Zurzeit ist sie nur ausgeliehen, aber sie ist fabelhaft, ich liebe sie.

War es Liebe auf den ersten Blick?

Ja und nein. Mir gefiel sie von der ersten Sekunde an, aber wie immer brauche ich einige Zeit, um mich an sie zu gewöhnen. So etwas kann bei mir durchaus bis zu sechs Monaten dauern.

Wovon ist die Dauer abhängig?

Immer unterschiedlich. Ich ändere ein paar Details, in diesem Fall habe ich zum Beispiel den Tone- und den Volume-Poti vertauscht, weil ich eine andere Poti-Zuordnung gewohnt bin. Außerdem wurden die Mechaniken ausgetauscht, weil mir diese besser gefallen.

Wer hat die Modifizierungen vorgenommen?

Ich selbst. Ach ja, die Pickups habe ich auch ausgetauscht. John Suhr schickte mir seine Signature-Pickups, deren Abdeckungen aus einem ganz bestimmten Material sind. Ich fragte ihn: „Was würde sich klanglich ändern, wenn ich meine gewohnten PUs ohne diese Abdeckung einbaue?“ John antwortete: „Vermutlich nichts, aber probiere es aus!“ Das tat ich, und John hatte Recht: Der Sound ist der gleiche geblieben, ob mit oder ohne Rahmen. Manche sind halt aus Nickel, andere aus Kunststoff oder aus Stahl, aber wirklich Einfluss auf den Sound scheinen sie nicht zu haben.

Doug Aldrich(Bild: Mineur)

Kommt es schon mal vor, dass du eine Gitarre nach einer längeren Probephase zurückgibst?

Ja, natürlich kann das passieren. Aber die Sache ist folgende: Ich habe einige Gitarren, mit denen ich gewohnt bin zu spielen. Es gibt andere Gitarren, die ich wirklich mag, an die ich mich jedoch immer wieder neu gewöhnen muss. Zumal die Wahl der jeweiligen Gitarre auch abhängig ist von der Band, in der ich gerade spiele. Zum Beispiel war ich vor ein paar Jahren mit Glenn Hughes auf Tour, und meine schwarze Fender Stratocaster, die ich auch bei Dio gespielt habe, passte perfekt zu ihm. Ich wusste es in dem Moment, als ich sie in den Verstärker einstöpselte. Ich spürte sofort: Ja, sie ist es, mehr noch als eine Les Paul. Und das, obwohl ich Les Pauls wirklich über alles liebe.

Was schätzt du, wie deine Entscheidung bei dieser John Suhr Aura ausfallen wird?

Ich weiß es nicht. Möglicherweise sage ich zu John: Die Gitarre ist wundervoll, aber bitte bau mir ein Modell mit einigen kleinen Änderungen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm, er war mir gegenüber immer sehr großzügig, weshalb ich ihn gerne unterstütze.

Doug Aldrich
Zwei Marshall JCM 800 plus 4x12er-Boxen (Bild: Mineur)

Dein ehemaliger Whitesnake-Kollege Reb Beach ist ebenfalls überzeugter Verfechter von Suhr-Gitarren. Hat er dich mit John Suhr bekanntgemacht?

Nein, ich kenne John schon viel länger als Reb. Als John 1991 nach Kalifornien zog und zusammen mit Bob Bradshaw die Custom Audio Amps entwickelte, brachte ich ihm eines Tages meinen Haupt-Amp, einen Marshall, der kurz zuvor seinen Geist aufgegeben hatte. Sie testeten damals gerade einen großartigen Trafo als Prototyp für ihre Amps, und John baute ihn mir in meinen Marshall ein. Der Trafo war super und hat immerhin bis zum vergangenen Jahr gehalten. Momentan steht der Amp also wieder bei John in der Werkstatt. So jedenfalls lernte ich ihn kennen.

Danach arbeitete er drei oder vier Jahre lang als Masterbuilder für Fender. In dieser Zeit sprach ich mit ihm des Öfteren über verschiedene Pickup-Modelle. Ich hatte ein paar P-90 von einer 1978er-Les-Paul-Pro, die ständig brummten. John wickelte sie neu, das Ergebnis war unbeschreiblich. Es sind die lautesten Pickups, die ich besitze, ohne dass sie komprimiert klingen. So kamen wir über Les-Paul-Pickups ins Gespräch und er schickte mir vier Prototypen, aus denen ich mir den besten aussuchen durfte. Ich wählte die Nr. 3, er perfektionierte ihn und machte daraus den Aldrich-Signature-Humbucker.

Mit John arbeite ich generell sehr eng zusammen. Er kümmert sich um meine Verstärker, bundiert mitunter meine Gitarren neu. Ich würde ihn noch viel öfter kontaktieren, aber er ist immer schwer beschäftigt. Eines Tages rief er mich an und erzählte mir, dass er an einem Single-Cut-Modell arbeitet und gerne meine Meinung dazu hätte. Zunächst schickte er mir ein Foto mit einer Zeichnung, dann bekam ich das Holz zu sehen, dann einen lackierten Korpus, und schließlich fertigte er vier Exemplare für die NAMM-Show. Diese vier Modelle sind jetzt in seinem Shop, meins ist das erste davon.

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Aldrichs Gitarrentechniker Lee Hollister (Bild: Mineur)

Kannst du mal etwas zu den drei anderen Gitarren sagen, die du aktuell auf Tour dabei hast? Am auffälligsten ist natürlich die Gibson Doubleneck.

Ein tolles Modell aus dem Jahr 1990. Ich habe es gekauft, da ich ein großer Jimmy-Page-Fan bin und unbedingt mal eine solche Doubleneck spielen wollte. Kurz bevor ich sie mir zugelegt habe, sah ich Joe Bonamassa mit einer Doubleneck, nur die Sixstring-Abteilung, und es klang überragend. Ich sprach mit Joe und er sagte: „Gibson-Doublenecks klingen einfach großartig. Sie bestehen aus einer Menge Holz, sind also schwer, das alles wirkt sich sehr positiv auf den Sound aus.“ Also kaufte ich mir eine, auch weil ich sie gelegentlich bei meiner Show in Las Vegas einsetzen wollte. Aber es dauerte, bis ich mich wirklich an sie gewöhnt hatte, denn mit diesen Gitarren muss man kämpfen, sie wehren sich gewissermaßen. Außerdem verliert man schnell den Überblick, auf welchem Hals man sich gerade befindet und welcher Pickup wo geschaltet ist. Aber wie immer bei mir: Eine Doubleneck war mir nicht genug, also kaufte ich zwei weitere, darunter ein weißes Don-Felder-Modell.

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Die Gibson Doubleneck, Baujahr 1990 (Bild: Mineur)

Auf dieser Tournee hast du die rote dabei.

Richtig. Ich fragte David Lowy (Gitarrist und Chef der Gruppe, Anm. d. Verf.), ob ich eine Doubleneck mit auf Tour bringen solle. Er meinte: „Ja, coole Idee, bring die rote mit.“ Und genau das tat ich. Ich spiele sie in dem Song ‚Resurrected‘, vor allem, weil sie im Outro der Nummer die Streicher, die auf der Albumversion zu hören sind, wunderbar ersetzt. Außerdem setze ich sie gegen Ende der Show bei ‚Judgement Day‘ ein. In dieser Nummer bräuchte man zwar nicht unbedingt eine Doubleneck, aber sie klingt fantastisch und gibt dem Song seine spezielle Note.

Hast du sie modifiziert?

Nein, fast alles an ihr ist Gibson-Standard, auch die Pickups, obwohl ich gerne einmal meine Signature-Pickups einbauen würde. Bislang habe ich jedoch noch keine Zeit dafür gefunden.

Mir bereits gut bekannt ist deine 2006er-Gibson-Les-Paul-Gold-Top, die ich vor wenigen Minuten auf der Bühne fotografiert habe.

Die 57er-Reissue-Gold-Top ist seit Jahren meine Hauptgitarre und kommt bei etwa zwei Dritteln der Show zum Einsatz. Ich habe sie direkt von Gibson bekommen. Ein absolut identisches Modell habe ich bei Cowtown Guitars in Las Vegas gekauft. Wie du weißt, habe ich zu Hause eine ganze Reihe Gold Tops, darunter das Original, das ich bei Whitesnake und Dio gespielt habe. Aber es hat mittlerweile eine reparierte Kopfplatte, außerdem sind die Unterschriften all meiner Helden darauf, deswegen möchte ich es nicht mehr mit auf Tournee nehmen.

Doug Aldrich
Aldrichs Hauptgitarre: Gibson Les Paul 57er Reissue Gold Top von 2006 (Bild: Mineur)

Neu für dich ist die ESP Custom Tele, oder? Ich jedenfalls habe dich damit noch nie spielen gesehen.

Mag sein, aber ich habe sie schon gelegentlich auf der letzten Tour mit The Dead Daisies eingesetzt. Die Tele wurde 2016 gebaut, die Geschichte dazu: The Dead Daisies kooperieren eng mit ESP, und man fragte mich, ob es irgendwelche Modelle gäbe, die mich interessieren würden. Eigentlich brauchte ich nichts, aber dann sah ich ein Foto der Tele und wurde neugierig. ESP wollten wissen, welche Features mir gefallen würden. Ich sagte: „Mich würde reizen, eine Tele mit Humbuckern zu spielen.“ Also schickten sie mir dieses Exemplar. Ich spiele es in ‚All The Same‘ und in zwei weiteren Nummern. Weißt du: Die Les Pauls, die ich seit einigen Jahren spiele, haben einen fetten, lauten Sound, der allerdings nicht für jeden Song geeignet ist. Insofern ist es toll, mit der Tele ein paar Variationsmöglichkeiten zu haben.

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Aldrichs ESP-TE-Modell mit Humbuckern, Baujahr 2016 (Bild: Mineur)

Auch dein Pedalboard hat sich seit der letzten Tour ein klein wenig verändert.

Richtig. Einerseits verlangen die neuen Songs nach einigen anderen Sounds, außerdem wollte ich auch für mich selbst ein paar Dinge ändern. Vor allem hintereinandergeschaltete Distortion-Pedale sind eine interessante Sache, die ich unbedingt ausprobieren wollte. Außerdem gibt es ein Distortion-Pedal von einer Firma namens Moollon, das einen ziemlich dreckigen Sound erzeugt. Der Signalweg meines Pedalboards führt über einen MXR Phase 90 in ein Custom Audio Electronics WahWah, von dort in das Moollon-Pedal und in einen MXR Boost/Overdrive, dann in einen neuen Chorus der Firma Baroni Lab. Es ist der beste Chorus, den ich je gehört habe.

Du arbeitest seit einiger Zeit mit Baroni Lab zusammen, nicht wahr?

Ja, das stimmt, sie bauen für mich ein Signature-Pedal, das wie ein kompletter Amp funktioniert und direkt an eine Box angeschlossen werden kann. Es ist zwar kein Amp für jede Situation, aber für kleinere Gigs oder wenn man darauf achten muss, wie viel Equipment man transportieren kann, ist es eine wirklich empfehlenswerte Alternative. Das Teil klingt mördermäßig. Der Firmenchef Hugo Baroni hat viele Jahre damit verbracht, dieses Teil zu perfektionieren.

Wann kommt es auf den Markt?

Irgendwann jetzt, in diesen Monaten. Baroni bietet auch einige tolle Pedale an, die sich jeder mal anschauen sollte! Weiter auf meinem Pedalboard: Ich habe ein kleines MXR Analog Delay und ein Eventide H9 mit weiteren wundervollen Delays.

Nicht zu vergessen die MXR Talkbox.

Klar, die muss natürlich auch erwähnt werden, ebenso wie das Volume-Pedal, das ich vor allem dann brauche, wenn ich die Doublenecks mit den vielen Potis spiele. Mit den anderen Gitarren kann ich alles über die Potis am Instrument regeln, aber bei der Doubleneck greift man auch schnell mal daneben bzw. dreht am falschen Regler. Außerdem kann ich mit dem Volume-Pedal auch die Talkbox mit etwas Amp-Sound mischen, was ich sehr gerne mache.

Doug Aldrich
Sein Pedalboard mit Moollon SLO 201, MXR Phase 90, Custom Audio Electronics Wahwah, MXR Boost/Overdrive, Baroni Lab Chorus, MXR Analog Delay, Eventide H9 und MXR Talkbox (Bild: Mineur)

Du spielst jetzt seit zweieinhalb Jahren bei den Dead Daisies. Inwiefern hast du in dieser Zeit die Band verändert, und inwieweit hat die Band möglicherweise auch dich verändert?

Ich lerne von jedem, mit dem ich zusammenspiele. Jeder ist anders, jeder hat einen eigenen Ansatz. John (Corabi, Sänger der Band) und David (Lowy) sind sehr gute Gitarristen, sogar Deen (Castronovo, Schlagzeug) spielt Gitarre. Von ihnen kann ich mir immer etwas abschauen. Was sich aber wirklich signifikant verändert hat, ist die Herangehensweise an die Songs. Unser Produzent Marti Frederiksen hat mich davon überzeugt, dass weniger tatsächlich mehr sein kann. Er sagte: „Ich möchte simple Riffs, simple Soli, alles soll vor allem bluesig klingen.“ Mir gefällt das, zumal Marti mit in der Verantwortung stand und deshalb natürlich auch Mitspracherecht bei der Produktion hatte. Ich mag seinen Ansatz, denn je simpler eine Idee ist, umso eher begeistert sie das Publikum. Jedenfalls bei dieser Art Musik.

Vielen Dank, Doug, und alles Gute! Bis zum nächsten Mal!

Doug Aldrich(Bild: Spitfire Records / Danny Jungslund)

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(erschienen in Gitarre & Bass 10/2018)

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