Produkt: Gitarre & Bass Digital 09/2018
Gitarre & Bass Digital 09/2018
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03/2021

Die Platten des Monats: Locals

KATJA WERKER: CONTACT MYSELF 2.0

Kaum zu glauben, dass ,Contact Myself‘, das zweite Album der Sängerin und Gitarristin schon über zwei Jahrzehnte alt ist. Die 1970 in Essen geborene Musikerin hat es im Jahr 2000, nach dem Indie-Debüt ,What The Bird Said‘, unter dem Namen Katja Maria Werker veröffentlicht – und mit dieser Musik und ihrer eigenwilligen Atmosphäre damals eine Menge Menschen berührt und beeindruckt. Jetzt hat Katja Werker zehn ihrer 13 großartigen Songs von ,Contact Myself‘ noch mal aufgenommen, ganz nah, ganz sparsam und trotzdem ähnlich intensiv.

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„Live und sehr minimalistisch, so wie ich sie damals in Hamburg an meinem Küchentisch geschrieben habe“, erzählt die Künstlerin im Begleittext zum Album, das als hervorragend klingende SACD-Aufnahme bei Stockfisch Records veröffentlicht wurde. Der Tonträger kann auch auf jedem CD-Player abgespielt werden, und er steckt in einem kleinen, sehr schön gemachten Hardcover-Buch mit 34 Seiten Song-Texten, Fotos und Informationen. Wenn Labels, Künstlerinnen und Künstler so ein Projekt an den Start bringen, muss man es einfach unterstützen; zu kaufen ist das Album übrigens auch direkt über den Shop auf www.katja-werker.com.

Die Musik gemacht haben Katja Werker (voc/g), Gert Neumann (g) und Hans-Jörg Mauksch (fretless-b), alle zehn Tracks wurden live im Studio eingespielt, „… kein Metronom, kein Schnitt, alles in Echtzeit mit viel Herzblut direkt in die Aufnahmeregie geschickt“. Aufgenommen und gemischt hat Label-Chef Günter Pauler, dem ein wirklich raumfüllender, organischer, warmer Sound gelungen ist, der perfekt zur Musik passt. Die akustischen Gitarren klingen voll und rund, der Bass dezent und Katja Werkers halbdunkle Stimme schwebt irgendwie vor dir, in der Mitte des Klangraums.

Beim Anhören der neuen alten Tracks wurde mir wieder klar, wie stilunabhängig gute Songs sein können, wie Folk-frei akustisches Fingerpicking klingen kann, wie jazzig offen geschmackvolle Arrangements von Instrumental-Parts, Stimme und dann auch der Aufnahmespuren im Mix, Singer/Songwriter-Musik rüberbringen können. In einem perfekten, organischen Miteinander. „Und das ist es, worauf es im Leben und im Songwriting ankommt. Begegnung.“ Katja Werker, die bei dieser Aufnahme eine Maton-Steelstring spielte, ist ein weiteres, wirklich großartiges Album gelungen – und neben ,2.0‘ empfehle ich hier auch noch das Original ,Contact Myself‘. Und den 2006 veröffentlichten Nachfolger ,Leave That Thing Behind‘, für mich weiterhin eine der besten Platten, die ich gehört habe. Tolle Künstlerin. lt

 

 

JOCHEN VOLPERT: MODERN BLUES GUITAR / SIX

Instrumentale E-Gitarren-Musik von Jochen Volpert und Band! Der Musiker aus der Nähe von Würzburg stellt diesmal ganz sein Gitarrenspiel in den Mittelpunkt, in allen Facetten: Volpert liebt nicht nur Blues, sondern auch Funk, Motown, souligen Jazz, und abrocken kann er auch. Ob dieses sechste Album jetzt wirklich in nur sechs Tagen entstanden ist, kann ich nicht überprüfen – es klingt jedenfalls wie sehr solide Handarbeit mit Live-Flair. Epidemie-bedingt wurde hier allerdings nicht in einem Studio gejamt, sondern mit Abstand und überwiegend über Online-Kontakt kooperiert.

Mitgearbeitet haben Achim Gössl am Fender Rhodes Piano und der Orgel sowie Tobi Mürle und Jan Hees an Bass & Drums. Beim Live-Bonus-Track ,Würz-Blues‘ sind noch Thomas Gawlas (b) und Peter Wirth (dr) zu hören. Jochen Volpert ist mal wieder ein sehr abwechslungsreiches Gitarren-Album gelungen, das viele Aspekte dieses Instruments beleuchtet und wirklich unterhaltsam rüberkommt. Gelungen! Kontakt & CD-Bestellung: jochenvolpert.de lt

 

 

HANNO BUSCH: BACK TO ZERO

Der Kölner Gitarrist Hanno Busch ist immer für eine Überraschung gut. Wer ihn kennt, weiß, dass er ein Teamplayer und Band-Musiker ist, dessen Spiel dann am besten funktioniert, wenn er in Kommunikation mit anderen Musikern steht. Busch ist ein unaufgeregter aber aufregender Improvisateur mit Sinn für Sound und Raum, gesegnet mit einem gehörigen Maß an Eigenständigkeit. Auf seiner neuesten Veröffentlichung ,Back To Zero‘, einer 7-Inch mit lediglich einem Track auf jeder Seite, zeigt er sich zunächst als Solokünstler mit allem drum und dran: Field-Recording-Beats treffen auf OP-Z-Sample-Synths treffen auf angecrunchte Gitarren-Sounds treffen auf beschwingte Eingängigkeit. Alles aus der Hand des 45-Jährigen.

Dreht man die Scheibe um, gesellt sich mit Armin Alic und Hendrik Lensing eine Rhythmusgruppe dazu, die Busch beim Stück ,Unity‘ mit der nötigen Zurückhaltung zur Seite steht. Vor allem im Solo dieser poppigen Jazz-Ballade fällt der Sound von Buschs Nik-Huber-Gitarre auf. So muss eine Gitarre klingen, und so muss sie auch gespielt werden! Erwerben lässt sich das Kleinod deutscher moderner Jazzgitarrenkunst direkt über den Shop von Hanno Busch unter www.frutextracks.de. mame

 

 

JIMMY REITER: LIVE

Was tut man, wenn ein pandemiebedingter Lockdown alle Studioarbeit verhindert? Na klar, man bringt sein erstes Live-Album raus, was im Falle des Osnabrücker Gitarristen Jimmy Reiter auch mehr als Sinn macht. Denn in diesem Kontext kann der 45-Jährige auf seiner Gibson ES-335 all seine bluesigen Trümpfe am besten und direktesten ausspielen. Gleichzeitig gibt er in den fast 80 Minuten einen guten Überblick über sein bisheriges Schaffen, indem er eine Zusammenstellung der besten Stücke seiner drei Soloalben ausgewählt hat.

Unbestreitbarer Mittelpunkt des bei zwei Gigs aufgenommenen Albums ist das zwölf Minuten lange ,Give It To Me Straight‘, in dem Reiter und seine fünfköpfige Band alles auffahren, was an Dynamik und Energie möglich ist. Doch auch in den kürzeren, schnelleren Nummern wie ,It’s Easy When You Know How‘ oder dem funkigen ,Woman Don’t Lie‘ überzeugt Reiter mit kompromissloser Authentizität und unterhaltsamer Leichtigkeit. mame

 

 

FLORIAN HARTZ’ FLO & FAUNA: WALD: LIVE

Es gehört zu den unbewiesenen Wahrheiten, dass Jazz auch was mit Mathematik zu tun hat. Nicht nur wegen der Zahlen in den Akkordsymbolen, sondern auch aufgrund des steten Versuchs Chaos zu schaffen und wieder zu ordnen und erfassbar zu machen. Kein Wunder also, dass der gebürtige Augsburger Florian Hartz, bevor er sich dem Fender Jazz Bass widmete, einen Bachelor in Mathematik machte. Ob ihm das bei seinem aktuellen Trio-Projekt, zusammen mit Lukas Langguth (keys) und Jakob Dinnebier (drums), hilft, darf bezweifelt werden.

Denn was auf ,Wald: Live‘ vorherrscht sind extrem groovige, nur dezent eskalierende Fusion-Nummern voller Spielfreude und Energie. In den ersten vier und den letzten zwei Nummern steht dabei das Klavier im Vordergrund, wobei vor allem die Stücke ,Sommerregen‘ und ,Outing‘ die ganze kompositorische Bandbreite des Bassisten offenlegen: Funk, Klassik, Jazz, Kollektiv-Improvisation – da lässt sich eine Menge finden. Und dass zur Hälfte der Platte dann auch noch Synthies und Rhodes ausgepackt werden, macht das Album nur umso abwechslungsreicher. mame

 

 

ROLAND KALUS: LITTLE AUTUMN BLUE

Roland Kalus ist nicht nur Gitarrist, er produziert seine Musik auch selbst, veranstaltet (hoffentlich bald wieder) Konzerte, unterrichtet und programmiert Websites. Für sein neues Album ,Little Autumn Blue‘ hat er 17 Tracks aus den Jahren 2014 bis 2020 zusammengestellt, bis auf drei Ausnahmen (von Metheny, Mancini & Mandel) alles Eigenkompositionen. An einigen Stücken war auch die Sängerin und Keyboarderin Elke Diepenbeck beteiligt.

Kalus’ Acoustic-Songs sind klar strukturiert, mal minimalistisch bis meditativ angelegt, dann wieder sehr lebhaft mit Latin-Touch interpretiert oder mit dezenten Blues-, Klassik- und/oder Jazz-Bezügen ausgestattet. Handwerklich ist hier ein Könner am Start, und was Aufnahme-Sound und Arrangements angeht ein Musiker mit Geschmack. Der zeigt sich u.a. im bluesigen Titel-Track, den Roland via Playback mit sich selbst eingespielt hat. Coole Lead-Licks! Fingerstyle-&-more-Gitarrist Kalus hat einen Shop auf www.rolandkalus.de, über den man sein neues Album wie auch den Vorgänger ,Acoustically Yours‘ für € 12 bestellen kann. lt

 

 

JOCHEN SCHRUMPF & PATRIC SIEWERT: PULSE

Die beiden Protagonisten von ,Pulse‘ gehören zwei unterschiedlichen Generationen der internationalen Fusion-Szene an, und doch finden sie auf ihrer ersten gemeinsamen Zusammenarbeit einen klaren Nenner: Fusion-Gitarren-Tunes mit einem großen Augenmerk auf Melodien und mitreißenden Grooves. Gitarrist Jochen Schrumpf (*1952) zeigt sich dabei mit seinem mitunter recht dreckigen Crunch-Sound und Mut zu waghalsigen, nicht um Schönklang bemühten Solo-Ausflügen als perfektes Gegengewicht zu Patric Siewerts (*1977) prägnantem aber auch lyrischem Fretless-Bass-Spiel.

Die Kompositionen stammen bis auf drei Cover (Jimi Hendrix, Lionel Richie, The Beatles) aus der Feder von Schrumpf. Als Gäste lud sich das Duo die Sachlagzeuger Sven Petri, Wilm Filks und Marcus Seiler sowie Moritz von der Forst für zwei Gesangsbeiträge der ansonsten instrumentalen Platte ein. mame

 

JACK MCBANNON: TRUE STORIES

Jack McBannon alias Thorsten Willer ist Deutscher, klingt aber wie ein Amerikaner, was sich in McBannons Fall absolut als Qualitätsmerkmal erweist: ‚True Stories‘, das erste Album des Wuppertalers unter seinem neuen Künstlernamen, atmet die Weite der USA, ihre – jedenfalls normalerweise – Entspanntheit und Offenheit für alles und jeden. Musikalisch findet man in den elf Songs einen Mix aus Rock, Blues, Singer/ Songwriter, Americana, Folk und Country. McBannon spielt mit Ausnahme der Drums alle Instrumente selbst, darunter diverse Gitarren, Bass, Mandoline, Klavier, Banjo und Orgel.

Der Allrounder hat das gesamte Material in Eigenregie komponiert, arrangiert und produziert. Die toll klingenden Songs erzählen vom Leben mit Höhen und Tiefen, Irr- und gelegentlich auch Abwegen. Man merkt, dass der Künstler lange in Amerika gewohnt, sich dort auf die Spuren seines Idols Kurt Cobain begeben und nun seinen eigenen künstlerischen Weg gefunden hat. Und der besteht aus einer Prise sprödem Tom-Petty-Charme, der Hymnen-Gabe eines Bruce Springsteen, aber auch hier und da aus Fingerzeigen auf Rick Springfield, Johnny Cash, Neil Young und Bob Dylan. Kein Zweifel: ‚True Stories‘ könnte unbedeutendere Referenzen aufweisen. mm

 

Die Musik aus den Rezensionen sowie unseren Stories findet ihr in unserer Spotify-Playlist. Die Playlist wird jeden Monat aktualisiert, mit den Inhalten der neuesten Ausgabe. Ihr könnt dieser Playlist gerne folgen, um regelmäßig neue Musik zu entdecken. Viel Spaß beim Anhören!

www.gitarrebass.de/spotify

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