Ahnenforschung

Die Ibanez Seriennummern

Wie alt ist meine Ibanez-Gitarre? Und wo wurde sie gebaut? Solche Fragen beantwortet in den meisten Fällen die Seriennummer – sofern vorhanden. Denn bis 1975 wurden Ibanez-Gitarren nicht nummeriert. Bei den E-Gitarren befinden sich die Seriennummern an den klassischen Stellen: entweder auf der Rückseite der Kopfplatte oder als Prägung auf der Metall-Halsplatte. Bei Semiakustik- und Vollresonanz-Gitarren zusätzlich auf einem Sticker unter dem F-Loch.

Ibanez_Seriennummer
FOTO: Olaf Berhorst

Wie die meisten namhaften Hersteller hat auch Ibanez seinen Buchstaben-/Ziffern-Code mehrfach geändert, doch wenn man das weiß und die verschiedenen Codes kennt, lassen diese immer eindeutige Rückschlüsse auf Herkunft und Alter der Gitarre zu. Auch bei solchen Modellen, die nie in einem Katalog oder Prospekt aufgetaucht sind, was in der Ibanez-Historie immer wieder vorgekommen ist. Die Seriennummer gibt jedoch in der Regel keine Auskunft darüber, um welches Modell es sich handelt. Hier eine Übersicht.

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JAPAN PRODUKTION

Bis 1975

Erst 1975 ging der japanische Hersteller dazu über, seine Instrumente mit Seriennummern zu versehen. Ebenfalls bis zu diesem Zeitpunkt bestand das Sortiment größ- tenteils entweder aus Eigenkreationen mit Hertiecaster-Charme oder Kopien der erfolgreichen USA-Gitarren von Herstellern wie Gibson, Fender oder Rickenbacker. Dies war die so genannte Pre-Lawsuit-Ära. Trägt die Gitarre also keine Seriennummer, wurde sie in aller Regel vor 1976 gebaut.

Oft befindet sich die Prägung „Japan“ oder „Made in Japan“ auf der Halsplatte. Tatsächlich wurden während dieser Zeit alle IbanezGitarren im japanischen Stammwerk gefertigt. Das genaue – oder möglichst genaue – Baujahr ist am besten mit Hilfe von Katalogabbildungen herauszufinden. Im Internet gibt es mehrere bestens sortierte Ibanez-Katalogarchive – etwa unter http://s93105080.onlinehome.us/IbanezCatalogs/ oder aber direkt bei Ibanez: http://www.ibanez.co.jp/anniversary/. Nach einigen Klicks wird man dort meistens fündig.

Eine gute Quelle für alte Kataloge ist ebenfalls www.vintaxe.com. Übrigens hatte Ibanez bereits vor 1976 nicht nur die vergleichsweise günstigen Kopien im. Programm, sondern bereits die ersten Gitarren im eigenen Design wie etwa die Custom Agent (Model 2405), die Artist, die Iceman oder frühe Versionen der Professional Randy Scruggs (Model 2671, Abb. 1). Hierbei handelte es sich schon damals um hochwertige Instrumente, die professionellen Ansprüchen gerecht wurden. Eben die Professional Serie – zum entsprechenden Preis und noch ohne Seriennummer. Diese Gitarren sind heute unter Sammlern sehr gesucht.

Professional Randy Scruggs Model von 1975 ...
FOTO: Olaf Berhorst
Professional Randy Scruggs Model von 1975 …

1975 bis 1987

Um im Zuge steigender Produktionszahlen Garantiefälle besser bearbeiten zu können, führte Ibanez etwa Mitte 1975 das erste Seriennummern-Prinzip ein. Die erste allgemein bekannte Ibanez-Seriennummer datiert auf August 1975. Kurze Zeit später endete die Pre-Lawsuit-Ära und Ibanez stellte die Produktionspalette nach und nach komplett auf eigene Gitarrendesigns um. Die sogenannten Golden Years of Ibanez brachen an. Die Seriennummern dieses Zeitabschnitts bestehen aus einem Buchstaben von A bis L sowie aus sechs Ziffern. Der Buchstabe gibt Auskunft über den Monat der Herstellung: A = Januar, B = Februar usw.

Die ersten beiden Ziffern kennzeichnen das Herstellungsjahr. Und die letzten vier Ziffern sind eine laufende Produktionsnummer des entsprechenden Monats – bezogen auf die Ibanez-Gesamtproduktion und nicht auf das jeweilige Modell. Ein Beispiel: Die Seriennummer D815629 bedeutet also, dass diese Gitarre, übrigens eine Artist AR 500 AV, im Jahr 1981 als 5629ste Ibanez Gitarre des Monats April produziert worden ist.

1987 bis 1996

Auf dem Höhepunkt der sogenannten HairMetal-Ära schloss Ibanez mit den JEM- und RG-Serien endgültig zu den weltweit führenden Gitarren-Herstellern auf und änderte 1987 erstmals das System der Seriennummern. Nach wie vor gab es einen vorgestellten Buchstaben mit einem folgenden sechsstelligen Zifferncode. Die Bedeutung hatte sich jedoch geändert. Das Initial gibt nun Auskunft über den Herstellungsort. Bei den meisten Gitarren japanischer Herkunft ist dem Zifferncode ein F (steht für den Hersteller Fujigen) vorangestellt. Es gibt jedoch auch weitere Produktionsstandorte: H (Terada), I (Iida).

Die erste Ziffer bestimmt das Baujahr und bei den folgenden fünf Ziffern handelt es sich um die laufende Produktionszahl des jeweiligen Jahres. Die Seriennummer F346571 besagt also, dass diese JEM 7 VWH im Jahr 1993 als 46571ste Gitarre die japanischen Produktionsstätten (in dem Fall Fujigen) verlassen hat. Ein Rückschluss auf den Produktionsmonat ist seit 1987 ohne weiteres nicht mehr möglich. Bei Gitarren aus den Jahren 1987 und 1988 führen diese Seriennummern gelegentlich zu Missdeutungen – nämlich dann, wenn die Jahreszahl (erste Ziffer) in Kombination mit der ersten Ziffer der Produktionszahl (zweite Ziffer) zufällig eine theoretisch mögliche Jahreskennung des ersten Systems ergeben. Beispiel: H803781 kann entweder auf das Herstellungsdatum August 1980 hinweisen (erstes System) – oder auf eine 1988 in Terada gebaute Gitarre (zweites System). In den meisten Fällen sorgt bereits ein bißchen Ibanez-Allgemeinbildung für Aufklärung. So kann etwa eine RG nicht aus dem Jahr 1980 stammen. Im Zweifel helfen hier die OnlineKatalogarchive weiter.

1997 bis heute

Wer bis hier durchgehalten hat, ahnt vielleicht schon, warum ab 1997 ein neues System eingeführt werden musste. Denn ansonsten wäre es zwangsläufig zur doppelten Vergabe von Seriennummern gekommen. Die aktuell verwendete Nummerierung der Ibanez-Gitarren könnte man als einen Mix aus dem ersten und zweiten System bezeichnen – nach wie vor bestehend aus einem Großbuchstaben mit einem Zifferncode, der nun siebenstellig ist. Das F an erster Stelle deutet weiterhin auf das japanische Fujigen-Werk hin. Die ersten beiden Ziffern kennzeichnen nun wieder das Produktionsjahr, gefolgt von der durchlaufenden Nummerierung der im entsprechenden Jahr hergestellten Gitarren. Auch hier wieder ein Beispiel: F0633396 kennzeichnet diese J.Custom als 33396stes Instrument aus Japan, Fujigen-Fabrik, in 2006.

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FOTO: Olaf Berhorst
Fortlaufende Nummer auf der Halsplatte eines JS-Modells aus Japan

SONSTIGE PRODUKTIONSSTÄTTEN UND SONDERFÄLLE

Produziert wurde jedoch nicht nur in Japan, sondern bereits seit Ende der 80er-Jahre auch in vielen anderen Ländern. Außerdem gibt es viele Sonderfälle und Ausnahmen, deren umfassende Darstellung jeden Rahmen sprengen würde. Nachfolgend also nur einige Beispiele.

Korea Produktion

Etwa seit Anfang der 90er-Jahre hat Ibanez die Herstellung der vornehmlich günstigeren Produktreihen vermehrt nach Korea verlagert. Die Seriennummern der KoreaProduktion bestehen ebenfalls aus einem Buchstaben-/Ziffern-Code. Das Initial kennzeichnet die Produktionsstätte: C (Cort), P (Peerless), S (Samick) und W (World). Der nachfolgende Zifferncode ist entweder sieben- oder achtstellig. Bei der siebenstelligen Folge kennzeichnet die erste Ziffer das Herstellungsjahr, die beiden folgenden den Monat und die vier anschließenden die Produktionsreihenfolge. Beispiel: C6091345 – die 1345ste Gitarre im September 1996. Bei der achtstelligen Ziffernfolge benennen die ersten beiden Ziffern das Herstellungsjahr – ansonsten ist die Übersetzung identisch. Also: C05110431 – die 431ste Gitarre im November 2005.

USA Produktion

Für einige Jahre hat Ibanez auch CustomShop-Gitarren in den USA produziert. Zunächst in Bensalem, Pennsylvania, und anschließend von Anfang 1991 bis 1993 in North Hollywood, Los Angeles (wo auch heute noch ein kleiner Custom Shop für Endorser existiert). Von 1993 bis 1996 ließ Ibanez dann die bislang letzten Made-in-USAModelle von dem Gitarrenbauer Dave Bunker in Coopersburg, Pennsylvania, fertigen: die USRG-Serie. Bei diesen Gitarren handelte es sich hauptsächlich um hochwertige RGs aus ausgesuchten Hölzern oder solche mit GrafikDesigns und sonstigen Effektlackierungen. In der Regel bestehen diese Gitarren allerdings aus Japan-Teilen, die in den USA zusammengesetzt wurden. Ausnahme: Die Exotic-Wood-Modelle, die ganz oder zumindest in Teilen in den USA gebaut wurden.

Die USACustom-Shop-Gitarren tragen die Bezeichnung „USA Custom“ auf der Kopfplatte, und es gab viele verschiedene SeriennummernSysteme. Hier einige Beispiele: Zunächst die sechsstellige Ziffernfolge – hier also ohne einen vorgestellten Buchstaben. Ansonsten folgt die Übersetzung dem üblichen Schema: Die ersten beiden Ziffern kennzeichnen das Produktionsjahr, gefolgt von der laufenden Produktionsnummer. Die fünfstellige Seriennummer einer USA Custom liest sich genau so. Die laufende Produktionsnummer ist hier lediglich dreistellig. Instrumente aus dem Los Angeles CustomShop haben in der Regel das Initial „LA“ vorgestellt, gefolgt von einer zweistelligen Jahreszahl, der Modell-Kennung und der Produktionsnummer. Beispiel: LA91JS01 – das erste in Los Angeles hergestellte SatrianiModell aus 1991. Darüber hinaus existieren LA-Nummern ohne Modellkennung, deren Ziffernfolge das Herstellungsdatum benennen

J.Custom Serie

Nachdem die Ibanez-USA-Modelle Geschichte waren, begann der Hersteller ab 1997 mit der Produktion von Custom-ShopGitarren im japanischen Mutterland. Die J.Custom-Serie war geboren. Bis auf wenige Ausnahmen wurde diese Serie bislang nur auf dem asiatischen Markt angeboten. Sie erfreut sich jedoch rund um den Globus großer Beliebtheit und ist – mitunter auf Umwegen – auch hierzulande erhältlich. Das World Wide Web macht’s möglich. Die Seriennummer folgt dem üblichen Schema F (wie Fujigen, wo diese Gitarren nach wie vor hergestellt werden). Einige frühe J.Customs tragen eine zweite, sechsstellige Seriennummer auf der Kopfplattenrückseite, die auf die besonders sorgfältige Bearbeitung des Halses hinweist. Die allerersten J.Custom-Modelle weisen sogar nur diese Nummer auf und haben keine F-Kennung.

JS Serie

Die Signature-Modelle für Joe Satriani aus der Japan-Produktion sind doppelt gekennzeichnet: Einmal mit der den üblichen Schemata folgenden Seriennummer auf der Kopfplattenrückseite, sowie zusätzlich mit einer fortlaufenden Nummer aller Japan-JSModelle auf der Halsplatte, wie bei dieser JS1000. Diese Nummer hat also nichts mit der Seriennummer auf der Kopfplatte zu tun. Der Halsplattennummer war anfangs noch ein „J“ vorangestellt – etwa ab der 2700sten JS wurde das Initial nicht mehr verwendet.

JEM und Universe Serie

Steve Vais Signature Modell bekam erst 1993 den heute üblichen All Access Neck Joint verpasst und wurde vorher wie die JS mit Halsplatte ausgeliefert, die bis dahin ebenfalls eine fortlaufende Nummer trug. Diese folgt dem gleichen System wie die USA Custom Nummern, also sechsstellig mit zweistelliger Jahreskennung plus Produktionsnummer. Gleiches gilt für die UniverseModelle mit Halsplatte.

Reissue Modelle

Für Wiederauflagen von Klassikern wie der Professional Bob Weir Model 2681 oder den Modellen der Handcrafted Reissue Serie verwendet Ibanez bis heute ganz stilecht das erste System (1975 bis 1987). Die Seriennummer H950452 auf dieser Iceman PS 10 LTD (Reissue des ersten PaulStanley-Signature-Modells) weist sie also als 452ste Gitarre im August 1995 aus.

Gitarren ohne Seriennummer

Eine fehlende Seriennummer weist nicht immer auf ein Baujahr vor 1976 hin. Bei einigen Gitarren aus den späten 80ern oder auch auf manchen USRG-Modellen war die Seriennummer nämlich nicht gedruckt oder als Decal auf der Kopfplatte angebracht, sondern sie befand sich auf einem kleinen Aufkleber. Diese Aufkleber lösten sich im Laufe der Zeit gerne mal von den Kopfplatten, ohne sichtbare Rückstände zu hinterlassen. Eine Halsplatte mit eingeschlagener Seriennummer ist leicht austauschbar – und die Gitarre anschließend ihrer Kennung beraubt. Wurde eine Ibanez-Gitarre irgendwann (professionell) umlackiert, ist der Lack nicht unbedingt auf den ersten Blick als neu zu erkennen. Die Seriennummer fällt einer solchen Prozedur jedoch oft zum Opfer.

 

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4 Kommentare zu “Die Ibanez Seriennummern”
  1. Sehr klasse. So konnte ich das genaue dating meiner Ibanez JEM7VH Steve Vai feststellen. Vielen Dank an Meinl! Wieviel wurden denn davon in 1999 gebaut? Beste Grüße, Volker

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  2. Thomas Radermacher

    Hallo Olaf Berhorst. Be dem ganzen Wissen über Ibanez, bist Du genau der richtige Man den ich suche. Ich habe mich erkundigt und man findet angeblich das Modell meiner Westerngitarre mit der Modell nr. B 670 BK, Kauf im Jahre 1981 nicht. Mich würde halt interessieren, was meine Gitarre noch so wert ist. Ich weiss,dass dieses Modell auch als cut away verkauft wurde.Kannst Du mir da weiter helfen. Danke. Thomas

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  3. Ralf Stotz

    Hallo Olaf, ich hab’ eine Ibanez Artist Custom 2700 mit original Koffer in meinem Besitz. Ich weiß nur nicht, ob das ein DS-Modell und was es damit auf sich hat. Vielleicht weißt du ja was darüber und was diese für einen ca.-Wert hat. Danke und viele Grüße Ralf

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  4. Jens Würdemann

    Hallo, ich besitze eine Artist mit der Seriennummer 1795216
    Die Gitarre wurde einst von Peter Mafay gespielt und auf einem Konzert in Bremen mit Koffer, Kabel, Ledergurt und Unterschift auf dem Korpus verlost. Mich würde interessieren um welches Modell es sich handelt, da ich die Nummer nicht finden und aufschlüsseln kann. Habe auch noch eine aus der x-Serie. Auch da kann ich die Nummer F804074 im Netz nicht finden. Vielleicht kannst du mir helfen?

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