Meilenstein 1972

David Bowie: The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars

Unglaublich: schon über 40 ist dieser Rock-Klassiker jetzt alt! Ja, liebe Spätgeborene, David Bowie war auch mal ein Rocker, ein Classic-Rocker aus heutiger Sicht. Und wenn man diese am 06. Juni 1972 veröffentlichten elf Tracks von ,The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars‘ hört, weiß man 38 Minuten und 37 Sekunden später, dass der britische Sänger, Gitarrist, Saxophonist und Bandleader auch schon damals ein hervorragender Pop-Entertainer war, der ein breites Publikum ansprechen konnte. Es reichte jedenfalls für Platz 5 der britischen Album-Charts.

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Bowies 1972 noch durchaus von seiner Folk-Singer/Songwriter-Phase und der vorangegangenen Schlager-Episode mitgeprägter Glam-Rock kommt immer noch faszinierend rüber: Was für packende Arrangements, was für eine plastische Produktion, und was für schöne Gitarren-Parts von Les-Paul-Spieler Mick Ronson (*1946 =1993)! Der zum aktuellen Jubiläum wiederveröffentlichten Vinyl-Version dieses Albums liegt eine Audio-DVD bei, die das gesamte Werk noch mal remixed in diversen Stereo- und Surround-Formaten plus ein paar Bonus-Tracks liefert. Absolute Empfehlung! Denn spätestens beim etwas zupackenderen dritten Album-Track ,Moonage Daydream‘ rocken die Spiders From Mars via 5.1 dein Wohnzimmer: Ronsons Gitarren-Sound ist einfach nur packend, Trevor Bolders Bass legt McCartney-virtuos bis kontrapunktig songdienliche Fundamente, unauffällig gekonnt unterstützt von Drummer Woody Woodmansey.

Darüber und dazwischen flirrten Bowies Akustik-Gitarre, gelegentlich hört man ihn am Saxophon. Und wenn nicht gerade der zweite Frontman Ronson soliert – was er im Outro von ,Moonage Daydream‘ bedrückend intensiv tut – steht natürlich diese Stimme im Vordergrund: Bowie pur, mal direkt, mal theatralisch, immer intensiv. Und klar: Das folgende ,Starman‘ ist eine simple Nummer, aber in diesem Arrangement wird aus dem kleinen Lagerfeuer-Song ganz großes, pathetisches 70s-Rock-Kino. Ebenso ,Lady Stardust‘. Rock’n’rolliger wird es dann in den folgenden Songs ,Star‘ und ,Hang On To Yourself‘, Letzteres mit scharfem Gitarren-Hook.

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The Spiders From Mars: Bassist Trevor Bolder, Drummer Mick Woodmansey, Ziggy Stardust und Gitarrist, Pianist und Backing-Vocalist Mick Ronson (Bild: EMI)

Und dann folgen die drei Stücke, die gemeinsam mit dem o.g. ,Moonage Daydream‘ (das auch noch mal in einer instrumentalen Version als Bonus-Track vorliegt) dieses Album zu einem Gitarrenklassiker machen: Mit dem Intro des Titelsongs ,Ziggy Stardust‘ kann man auch heute noch punkten, ebenso mit dem Heavy-Rocker ,Suffragette City‘, eindeutig dem coolsten Track dieses abwechslungsreichen Albums.

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Alleine die Backing-Vocals mit dem schnoddrigen „Hey, man!“ sind unerreicht. Ein kurzes, gedoppeltes Ronson-Solo, melodisch wie immer, noch ein paar Mal der Refrain, fertig! Keine Frage, dass hier Velvet Undergrounds ,Waiting For The Man‘ mitschwingt. Zu seinen Inspirationsquellen, von V.U. über Neu! bis Placebo und Drum N’Bass hat sich Bowie übrigens immer klar bekannt, da ist er erfrischend uneitel. Und dass er inszenieren kann, sich selbst, seine Band und immer auch seine Alben, ist bekannt: So beendet er die Geschichte des Ziggy Stardust mit ,Rock ‘n’ Roll Suicide‘, einem Song, der mit einem verhaltenen Acoustic-Intro beginnt und sich dann mit großorchestralen Zutaten dramatisch steigert um mit einer fetten, voller Pathos vorgetragenen, gerade mal viertaktigen Gitarrenmelodie zu enden.

„And you’re not alone!“ schreit uns David Bowie zum Abschied hinterher. Das alles geschieht in knapp drei Minuten und wirkt wie eine Zusammenfassung des Albums, wie das dramaturgische Modell dieser Rock-Oper, in der uns Geschichtenerzähler David Bowie das exzessive Leben eines scheiternden RockStars skizziert, getrieben zwischen Musik und Mission, Sex und Drogen, Erfolg und Unverständnis. Fast schon visionär, wenn man bedenkt, dass db ein paar Jahre später in Berlin dem weißen Wahnsinn verfällt und selbst dem R&R-Suizid sehr nahe ist. Heroes? Wie man’s nimmt: Ziggy ist eine tragische Figur, die scheitert. Bowie ist ein lebenssüchtiger Mensch – der glücklicherweise überlebt hat: Am 08. Januar wurde er 65 Jahre alt.

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Wer mehr will: Der gleichnamige Dokumentarfilm von D.A. Pennebaker von 1973 gibt die Möglichkeit Bowie, Ziggy & The Spiders live zu erleben – die DVD ist im Handel, ebenso eine 2CD-Version, die das letzte Spiders-Konzert aus dem Londoner Hammersmith Odeon vom 03. Juli 1973 dokumentiert, bei dem Bowie das Kapitel Ziggy Stardust beendete, und – angeblich unangekündigt – gleich auch mal seine gesamte Band entließ.bowie

Ebenfalls empfehlenswert ist das inzwischen regulär gehandelte frühere Bootleg ,Live Santa Monica ‘72‘ und natürlich das großartige ,David Live At The Tower Philadelphia‘ (1974), mit Earl Slick an der Gitarre. ,David Live‘ transportierte zwar noch drei Ziggy-Tracks, zeigte aber ansonsten einen komplett neuen David Bowie: Der ehemalige Glam-Rocker hatte sich endgültig auf den Weg gemacht eine Kunst-Institution zu werden.

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