Happy Birthday Carlos Santana!

Carlos Santana: Equipment, Sound & Gitarrenspiel

Ich denke, mit Carlos Santana geht es vielen so wie mir: Ich bin gebannt von der Energie und der Ausstrahlung seiner Musik und kann nicht weghören, obwohl ich weiß, dass er im Grunde genommen immer das Gleiche spielt. Und das was er spielt, ist zwar kein achtes Weltwunder, aber doch immer fesselnd.

Was also macht das Spiel des gebürtigen Mexikaners so faszinierend, dass er schon seit über vierzig Jahren an der Weltspitze der Gitarrenmusik steht? Zum 69. Geburtstag des Latin-Rock-Meisters, hier der Versuch einer Annäherung.

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Einflüsse

Um zu verstehen, wie Carlos Santana zu seinem Stil gefunden hat, muss man wohl weniger nach seinen potenziellen Vorbildern suchen, als vielmehr seine Spiritualität zu Rate ziehen. Uninformierte oder intolerante Stimmen bezeichnen ihn gern als Spinner, aber Santana hat eine ganz eigene Sichtweise auf das Leben und damit auf die Musik, was ihn nachhaltig beeinflusst.

Geboren ist er in Mexiko, wo er zunächst das Geigenspiel von seinem Vater lernt, mit acht Jahren aber zur Gitarre wechselt. Mit 13 verlässt er seine Heimatstadt Tijuana und geht mit seinen Eltern nach San Francisco. Dort verdient er sein Geld zunächst in Nachtclubs, bevor er im Jahre 1966 die Santana Blues Band gründet, die sich später nur noch Santana nennt und es 1969 mit ihrem gleichnamigen Debüt-Album bis in die Top 5 der amerikanischen Album-Charts schafft.

Schon an den damaligen Aufnahmen ist zu hören, dass Carlos Santana mit seiner Musik neue Wege geht, indem er verschiedenste Einflüsse in ungewöhnlichen Konstellationen verbindet – auch so unterschiedliche Persönlichkeiten wie z. B. den Saxofonisten John Coltrane oder die Sängerin Dionne Warwick benennt er als Inspiration. Und an diesem Punkt kommt die Spiritualität ins Spiel, deren Kern er sich aus den verschiedenen Religionen zusammengetragen hat. Santana sagt von sich selbst: „Ich liebe es, so viele unterschiedliche Territorien auszuloten, wie eben möglich. … Das Wichtigste ist, dass man keine Angst vor neuen Dingen hat.“

Seiner Meinung nach ist es Auftrag eines jeden Menschen einen Sinn im Leben zu finden und diesen so gut und lebendig wie möglich auszufüllen. So ist er selbst nie nur bei einer Sache geblieben, sondern hat sich im Jazz genauso umgeschaut wie in lateinamerikanischer oder afrikanischer Musik. Und dies spiegelt sich nicht nur in seinem Gitarrenspiel wieder – das bluesige Grundzüge hat, aber auch von Anleihen aus unzähligen anderen Stilistiken lebt – sondern auch in der Musik seiner Band, die nicht nur Latin-Rock ist, sondern sich immer wieder nach allen Seiten umschaut. Eindrucksvoll ist dies auf seinen zuletzt sehr erfolgreichen KollaborationsVeröffentlichungen zu hören, wo er mit so unterschiedlichen Leuten wie Kirk Hammett und Dido im Aufnahmeraum stand.

Dieser eigene Charakter von Santanas Musik ist hart erarbeitet. Nicht in dem Sinne, dass er viel geübt hätte, sondern dass er viel und vor allem mit wechselnden Leuten gejammt, komponiert und aufgenommen hat. Die Liste würde Seiten füllen … Und das hat er seiner Offenheit und seiner Einstellung zu verdanken.

Tonmaterial

Am leichtesten nachzuvollziehen an Santanas Spiel ist der Aspekt des Tonmaterials, denn der ist überschaubar. Auch wenn er sagt, dass er vom Jazz inspiriert wurde, spiegelt sich dies nur marginal in der Auswahl seiner Noten wieder, denn im Großen und Ganzen benutzt er die Töne einer Handvoll Skalen. Meistens nimmt er die Moll-Pentatonik, die auch schon mal zur Blues-Tonleiter erweitert wird. Nicht selten bildet er aus ihr Repeating-Patterns. Einigen (oft modalen) Stücken liegt aber auch die dorische oder aeolische Tonleiter zugrunde und vor allem in den letzten paar Jahren scheint er die Harmonisch-Moll-Tonleiter für sich entdeckt zu haben.

Spieltechnik

Wichtiger ist aber, was Carlos Santana aus diesen Tönen macht: nämlich pure Energie. Seine Spieltechnik bzw. Phrasierung zu analysieren ist recht kompliziert, denn hier stützt sich sein Spiel auf mehrere Säulen, die man alle mit dem Begriff „Ungenauigkeit“ zusammenfassen könnte. Zum einen ist da nämlich sein Timing, das, früher mehr als heute, oft etwas hingeschludert wirkt. In schnellen Passagen geht es manchmal ein wenig mit ihm durch und er fängt an zu treiben.

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Zum zweiten benutzt er des Öfteren Bendings, bei denen er aber selten den Bestimmungston genau trifft, die Töne also oft „verzieht“. Zum dritten ist dann noch sein sehr abwechslungsreicher Umgang mit Verzierungen, wie Vorschlagsnoten, Hammer-Ons, Pull-Offs und Vibrato, zu nennen. Und zu guter Letzt ist sein sehr variabler Anschlag auffällig, mit dem er seinen Gitarrenton, je nach dem wie hart oder weich er anschlägt, trotz der starken Verzerrung, färben kann.

Und dann wäre da noch Santanas legendärer Feedback-Effekt, mit dem er den Ton seiner Gitarre beliebig lang klingen lassen kann. Feedback bedeutet hier nicht unkontrolliertes Rumgequietsche, sondern ein gezieltes Verlängern des Sustains durch weit aufgerissene Verstärker, vor deren Speaker er sich in einem bestimmten Winkel postiert, sodass die Saite durch den Schalldruck am Schwingen und Klingen gehalten wird

Equipment

Nun zu dem Punkt, der seinen Sound endgültig unverkennbar macht: das Equipment. Die Auswahl seines Arbeitsmaterials ist denkbar einfach, aber dafür umso effektiver.

Nachdem Santana früher mit einer Gibson SG, einer L-6S, einer Les Paul, der Yamaha SG 3000 und anderen Gitarren zu sehen war, begann er in den 80ern seine Zusammenarbeit mit Paul Reed Smith und PRS, die mit ihm zusammen eine Gitarre bauten, die in verschiedenen Versionen auch als Signature-Modell verfügbar ist.

Dieses dickhalsige 24bündige Instrument (das mit .009-.042-Saiten bespannt ist) und die Kombination seiner Amps, sind der Schlüssel zu seinem sustainreichen Sound. Bei den Verstärkern ist das Setting ziemlich ausgefuchst, denn Santana benutzt eine Reihe verschiedener Amps und Boxen, die er, je nachdem welchen Sound er möchte, per Fußschalter kombinieren kann. So benutzt er immer im Wechsel mindestens drei Topteile (versch. Modelle der Firmen Mesa/Boogie und Dumble) und drei Boxen (Boogie, Marshall und Brown).

Auf dem Boden liegen meist nur ein alter Ibanez-Tube-Screamer, ein Mu-Tron-Wah und ein Echo von Boogie, die er aber alle nur selten einsetzt. Für die akustischen Stücke benutzt Santana eine Alverez A-Yairi CY127CE.

Das war’s mit unserem Einstieg in die gitarristische und musikalische Welt des Carlos Santana.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das war ein sehr interessanter Beitrag über ein noch interessanteren Musiker! Danke!

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  2. Trotz Ungenauigkeiten in der Gitarrenspieltechnik ein Weltstar?
    Ich denke, dass macht die Einzigartigkeit vieler Musiker aus. Wenn ich das so an die Solos von Neil Young denke ist Carlos da noch präzise am Ton.
    Ich weiß nur eins, Santana hörst du nach der ersten Note raus und es sind in der Regel immer melodiöse Sachen die er spielt und die man mitpfeifen kann. (Samba Pa Ti, Black Magic Women, Europa etc.

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  3. carlos lead solo ton ist manchmal sehr mittig manchmal nur leicht angezerrt mit flanger wie bei samba pa ti aber immer sehr lyrisch emotional musikalisch sensibel also kein herumnudler der mit mach1 glaubt den leuten seine “kunst” zeigen zu müssen. ich spiele auch selbst in einer coverband samba… oye c…… u. andere hits aber den exacten klang kann ich nicht erreichen obwohl ich ein ähnliche spieltechnik mache, aber mit keinen mesa sondern einenH&K tubemeister 18 mit celestion 12″ box u. Boss RV3 verwende alles auf einem selbstgemachten Instrument ( im jahr 1987 wie auch PRS ohne zu wissen das mr. Smith das auch so macht )die 24 bünde hat s.d. pickups u. wilkinson trem. flame maple top u. mahog. body. die gitarre spielt sich so leicht u. auch schnell wie ich bisher bei keiner anderen spielen konnte u. ich hatte schon sehr sehr viele.

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  4. Das Wesentliche am Santana-Feedback-Sound wurde leider vergessen: das Tone-Poti an der Gitarre. Damit das Feedback grundtönig bleibt und den angespielten Ton verlängert, anstatt in die Obertöne wegzupfeifen, muss man das Tone-Poti ein ganzes Stück zudrehen. Das, kombiniert mit einem Boogie vor der Rectifier-Ära, ist soundmäßig schon die halbe Miete. Spielen muss man natürlich immer noch selber.

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