ZAKKS AXE!

Wylde Audio Odin im Test

Eine Les Paul, eine Handvoll Pedale und einen Marshall JCM 800. Mehr braucht Zakk Wylde nicht um glücklich zu sein. Nun hat der wilde Hüne seine eigene Firma gegründet, die auf den Namen Wylde Audio hört und in Zukunft all die Zutaten, die der gute Mann braucht, aus einer Hand liefern soll. Zum Test liegt uns nun die Odin vor, welche einem irgendwie bekannt vorkommt.

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Zakk Wylde zählt zweifelsohne zu den wichtigsten und einflussreichsten Gitarristen der letzten 30 Jahre – alleine sein mächtiges Erscheinungsbild hinterlässt bleibenden Eindruck. Nun stellt uns der bärtige Mann also seine eigene Marke Wylde Audio vor und liefert mit der Odin gleich mal eine interessante Version seines altbekannten Signature-Modells aus dem Hause Gibson bzw. Epiphone. Also das bewährte Konzept einfach noch mal aufgewärmt? Nein, die Wylde Audio Axt zeigt einige gravierende Unterschiede im Vergleich zu Zakks alter Klampfe.

Neuer Look, alte Werte

Im Grunde haben wir es hier mit einem Singlecut-Modell zu tun, das im weitesten Sinne einer Les Paul entspricht. Zwei Humbucker, ein Toggle-Switch, eine Tune-o-matic-Brücke und das dazugehö- rige Stop-Tail-Piece. Alles andere würde einen bei Zakk Wylde wohl auch wundern, schließlich spielt der Mann seit nunmehr fast drei Jahrzehnten die Bühnen dieser Welt mit seiner schwarz-weißen Bullseye-Les Paul in Grund und Boden.

Die Odin von Wylde Audio kommt nun im vertrauten Body-Shape, allerdings mit einer Veränderung des Cutaways, welches in seiner Form ein wenig an ein schmelzendes Soft-Eis erinnert. Auch das hintere Ende des Bodys wurde mit einem kleinen Zipfel versehen. Der solide, nicht gewölbte Mahagoni-Korpus wurde in Zakks klassischem Bullseye-Design lackiert, tatsächlich aber nicht in schwarzweiß sondern in abwechselnd matt- und hochglänzend schwarz. Das ist auf jeden Fall eine interessante Variation des markanten Designs, wirkt aber dennoch ein wenig billig.

Die hochglänzenden Teile der Lackierung erwecken etwas den Anschein, als seien sie „aufgeklebt“. Während Zakk früher auf die satten Kurven und üppige Fülle der klassischen Les Paul gesetzt hat, wurde für die Odin ein merklich dünnerer Body entwickelt. Zum einen spart man dadurch natürlich Gewicht ein, es verändert aber auch das gesamte Handling der Gitarre.

Der dreiteilige Ahornhals ist sauber in den Body eingelassen und zeigt ein erstaunlich kräftiges aber trotzdem ausgewogenes Profil. Der Hals fühlt sich irgendwie „genau richtig“ an und weist zudem ein schönes, seidenmattes Finish auf. Verglichen mit dem eher schlanken Hals der Epiphone-Variante des alten Signature-Modells, ist hier richtig was drauf gepackt worden.

In das dunkle Ebenholzgriffbrett hat der Hersteller übergroße Block-Inlays eingelassen, die der Gitarre das gewisse Etwas verleihen. Sehr hübsch und durchaus geschmackvoll! Auch die Kopfplatte ist wirklich gelungen – das Firmenlogo von Wylde Audio passt sehr gut zur schönen Kontur. Sowohl die Grover Rotomatic Tuner als auch die restliche Tone-Pros-Hardware ist in matt schwarz gehalten, was zwar super aussieht, sich aber als etwas anfällig für Macken und Kratzer erweist.

Das EMG-85/81-Tonabnehmer-Set überrascht natürlich erst mal wenig, schließlich spielt Herr Wylde diese Kombination schon seit vielen Jahren, zudem fügen sie sich nahtlos in den düsteren Look der Odin ein. Die beiden Volume-Potis – eines für jeden Pickup – sowie der Master-Tone-Regler sind mit den klassischen Speed-Knob-Kappen ausgestattet.

Zakks klassisches EMG-Set
Zakks klassisches EMG-Set

Aus dem E-Fach gibt es absolut keine Auffälligkeiten zu berichten, alles ist hier in bester Ordnung. Die Potis laufen schön sahnig und der 3-Weg-ToggleSwitch macht einen robusten Eindruck. Alles in allem haben wir es hier mit einer absolut hochwertig gefertigten Gitarre zu tun.

wie die axt im walde OK, Zakk Wylde ist jetzt nicht gerade für sein filigranes und schöngeistiges Gitarrenspiel bekannt. Nein, der Mann ist ein wahrer Berserker an der Gitarre. Dementsprechend bin ich nicht besonders überrascht, dass sich die Wylde Audio Odin als richtig fettes Rockbrett entpuppt. Aber der Reihe nach: Akustisch gespielt legt die schwarze Schönheit einen lebendigen, leicht mittig geprägten Ton an den Tag, der sich über alle Register als sehr tragfähig erweist.

Der Ton klingt in allen Lagen des Griffbretts schön gleichmäßig aus und liefert hier keinen Grund zur Klage. Richtig gut gefällt mir der bereits erwähnte Hals, der speziell nach Zakks Wünschen angefertigt wurde. Hier haben Wylde Audio es einfach geschafft, ein rundes, fettes Profil zu kreieren, dass sich trotzdem super einfach handhaben lässt und auch Menschen mit tendenziell eher kleinen Händen keinerlei Probleme bereiten dürfte.

Sowohl im Sitzen als auch im Stehen zeigt sich die Odin als gut ausbalanciert – hier zieht nichts in die eine oder andere Richtung. So, nun aber an den Verstärker mit der Geige. Ich habe mir am Amp einen fetten, mittigen Overdrive-Sound gebastelt und zur Unterstützung noch das ebenfalls zum Test hier vorliegende Green Rhino von Way Huge als dezenten Booster zugeschaltet. Was soll ich sagen? Die Odin klingt einfach richtig geil.

Fett, saftig und präsent brüllt es mich aus dem Amp an, dass es eine wahre Freude ist. Hastig die Klampfe mal auf D runtergestimmt, riffe ich mich durch alle möglichen Variationen von Zakk-Wylde-Licks. Auf der hinteren Pickup-Position liefert der EMG 85 seine fette und schmatzende Wärme, die sich besonders für Leads in den hohen Lagen absolut anbietet. Der Ton hat trotz seiner Fülle aber immer noch ein klar umrissenes Attack, was dafür sorgt, das hier kein Gemansche auftritt.

Matt und Hochglänzend: neue Variante des Bullseye-Designs
Matt und Hochglänzend: neue Variante des Bullseye-Designs

In der Zwischenposition erwartet einen ein etwas zurückgenommener Sound mit einer dezenten Auslöschung in den Mitten. Vor allem für Clean- und Crunch-Sounds gefällt mir diese Position bei dem EMG-Set gut. Der 81 am Steg kommt dagegen viel drahtiger und mittenbetonter daher, was natürlich besonders zu Riffs in tieferen Lagen verführt.

Hier kommen die Töne klar umrissen und der Ton steht wie eine Eins. Interessant finde ich, dass das Attack und die Mittencharakteristik durchaus Ähnlichkeit mit dem 85 am Hals aufweisen. Ich persönlich empfinde diese Pickup-Kombination übrigens manchmal als ein wenig unausgewogen, da der Halstonabnehmer mir im Vergleich zur Stegposition oft zu fett klingt. Aber das ist natürlich eine reine Geschmacksfrage und von Spieler zu Spieler unterschiedlich.

Bei der Odin hat mich dieses Phänomen auf jeden Fall deutlich weniger gestört, als bei vielen anderen Gitarren, in denen ich diese Tonabnehmer-Kombination eingebaut hatte. Wer nun glauben mag, dass es Zakks Signature-Gitarre aufgrund der Pickups an Charakter mangelt, dem sei gesagt, dass er sich auf dem sagenumwobenen Holzweg befindet. Neben den richtigen Heavy-Sounds, zeigt sich die Odin auch in stilleren Gewässern vollkommen souverän.

Ob nun crunchige Rock-Licks, Clean-Sounds mit einer Prise Delay oder sogar jazzig-dumpfe Solo-Linien: Diese Gitarre macht irgendwie immer eine gute Figur. Bedenkt man, dass Zakk Wylde ja weitaus mehr kann, als nur harte Riffs abzufeuern, macht das auch durchaus Sinn. Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass wir es hier mit einer klanglich flexiblen Gitarre zu tun haben, bei der der Schwerpunkt klar auf hartem Rock liegt.

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Super KopfplattenDesign
Super KopfplattenDesign

Resümee

Audio liefern uns mit der Odin ein richtiges Rock-Brett das ganz Wyldes Handschrift trägt. Die klassische Holzkombination, die Pickups und das schöne, runde Halsprofil laden zu ausschweifenden Riff-Orgien ein. Mit ein paar geringen Abstrichen in der Verarbeitung bekommt man hier eine richtig tolle RockGitarre, mit der man so ziemliche alle Facetten des härteren Rocks abdecken kann. Leider trübt der stolze Preis hier das oft bemühte Wässerchen ein wenig – vor allem wenn man die im Grunde recht rudimentäre Ausstattung und Bauweise des Instruments bedenkt. Trotzdem dürfen Fans von Zakk bei der Odin bedenkenlos zuschlagen.

Alternativen

Für den echten Zakk-Wylde-Fan führt an dieser Gitarre natürlich kein Weg vorbei – es sei denn, man wird mit einem der anderen Modelle aus der Wylde-Audio-Palette glücklicher. Klar, man könnte natürlich versuchen, eine gebrauchte Gibson oder Epiphone-Version des alten Signature-Modells zu bekommen – dabei handelt es sich dann natürlich aber auch um eine ganz andere Gitarre. Hier ist es dann letztendlich Geschmackssache, für welche Version der Wylde-Axt man sich entscheidet.

Plus

  • Verarbeitung (mit leichten Einschränkungen)
  • Spielbarkeit
  • Sound
  • Pickups
  • Halsprofil

 Minus

  • Beschichtung der Hardware

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