Aus dem 'DO IT Yourself' Sonderheft: Part Art Fake

Von der Bastelcaster zum Straftatbestand

Drei Gitarrenkopflplatten

Musikinstrumente sind einfach eine feine Sache – zumindest seit Leo Fender seine Schraubhals-Ikonen Broadcaster, Esquire, Telecaster, Stratocaster, Jaguar, Jazzmaster und Co. auf den Markt brachte. Denn bei diesen Gitarren, wie auch bei den Tiefton-Pendants Jazz Bass und Precision Bass, waren Reparaturen und Teile-Austausch kein großes Problem mehr. Ein Halsbruch bei einer Les Paul oder ES-330 dagegen schon.

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Seit den 1970/80er-Jahren gibt es Firmen wie Mighty-Mite, Schecter, Allparts, Warmoth, Rockinger und Co., die Austausch-Parts für Instrumente produzieren und/oder vertreiben: Tonabnehmer, Mechaniken, Stege, Vibrato-Systeme, Saitenreiter, Reglerknöpfe und natürlich auch Bodies und Hälse. Letztere sind geschätzt zu 80 Prozent Stratocaster-Parts, weitere 19 Prozent entfallen auf Tele-Teile, und den kleinen Rest teilt sich die übrige Gitarrenwelt.

Und dass gerade diese beiden Fender-Baukasten-Modelle Bastler magisch anzogen, ist leicht zu verstehen, denn alle Parts von und für Tele und Strat sind mehr oder weniger genormt, leicht zu bekommen und zu verbauen –und vor allem bietet der Markt inzwischen jede Menge Alternativen für fast jedes Teil. Das qualitative Spektrum ist beachtlich: Stop-Tailpieces aus China-Guss für 8 Euro inklusive Versand, Alu-Tailpieces kosten bei uns ab 23 Euro aufwärts, gute Qualität kostet 40 bis 70 Euro. Für 57 Euro gibt’s dann aber auch schon einen kompletten Strat-Bausatz, inklusive aller Holzteile, Elektrik und Hardware. Und eine fertige E-Gitarre vom Strat-Typ war bei der Recherche zu diesem Artikel auf eBay für 5 Cent unter 50 Euro zu haben – inklusive Versand! Vor 40 Jahren hat eine brauchbare Japan-Kopie mindestens 350 DM gekostet, darunter lagen eigentlich nur ein paar Hertiecasters und längst vergessene Folterinstrumente von Eko aus Italien.

Dieser Preisverfall ist eine Katastrophe für den Handel, für die Umwelt und qualitativ sind diese aktuellen Low-End-Produkte dann auch für den Käufer meist kein Vergnügen. Sie hatten und haben aber trotzdem einen positiven Nebeneffekt: Für wenig Geld kann man mit Hilfe von solchen Bausätzen oder einzeln gekauften Parts nämlich sehr gut sein Instrument besser kennenlernen, ohne ihm auch nur eine Saite zu krümmen oder Schraube zu vermurksen. Und was Replacement-Parts angeht, kann man Instrumente mit brauchbarer Grundsubstanz nach und nach mit den eigenen spielerischen Qualitäten mitwachsen lassen. Das war früher wirklich nicht besser.

parts

Hier soll es aber jetzt um die immer größere Zahl von Musikern gehen, die sich zutrauen, eine eigene E-Gitarre oder einen Bass zusammenzuschrauben, die dann auch wirklich einsetzbar ist. Wenn das fertige Produkt dann irgendwann auf eBay landet (natürlich nur, weil der Erbauer von der hohen Qualität seiner Schöpfung komplett überfordert ist und dem genialen Instrument einen High-End-Picker zuführen möchte ;-), dann werden Strats und Teles oft als Partscaster oder Bastelcaster angeboten. Eine wichtige Erfahrung, die ich selbst beim Bau solcher Gitarren gemacht habe, ist folgende: Man sollte eine Menge Spaß beim Zusammenschrauben haben, und möglichst auch am fertigen Instrument. Denn möchte man das eigene Werk verkaufen, kommen in der Regel nur rund 50 Prozent der getätigten Investitionen zurück in die Kasse. Hier sollte die D.I.Y.-Devise dann ausdrücklich „Do it for yourself!“ lauten, es sei denn, man sieht die finanzielle Differenz als Fortbildungskosten an.

Fertige Bausätze der oben genannten Preisklasse sind wirklich nur bedingt zu empfehlen, da sie (liest man sich die Verkäuferbewertungen durch) oft keine spielbaren Instrumente ermöglichen. Insbesondere die Hälse sind häufig katastrophal: Trussrods funktionieren nicht richtig bzw. nur einmal kurz und knackig, Bundstäbchen stehen scharfkantig über das geschrumpfte Griffbrettholz, von einer sauberen Abrichtung der Bundhöhen ganz zu schweigen. Die verwendeten Hölzer sind meist von schlechter Qualität, nicht abgelagert und verziehen sich dadurch während der ersten Heizperiode noch mal ordentlich. No fun.

Wer hier bessere Qualität haben möchte, muss entsprechend tiefer in die Tasche greifen, d.h. für Hals und Body mindestens 200 Euro ausgeben. Günstiger und fast immer besser ist der Umweg über Japan: Im Netz gibt es jede Menge alte Strat-Kopien aus den 70er-Jahren, meist sogar mit korrekten Kopfplatten und sehr gutem Schwingungsverhalten. Denn die Qualität der Tonhölzer, die z.B. der Hersteller Matsumoku damals verbaute, ist heute kaum noch zu bezahlen. Und das waren wirklich lange abgelagerte Instrumentenbauhölzer, die dann noch mal 40 Jahre überlebt haben, eingespielt und eingeschwungen sind und meist auch noch ein natürliches Relic-Flair haben.

>>Den Artikel in voller Länge gibt es in unserem DIY-Sonderheft<<<

Do-It-Yourself-Sonderheft

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