Die Fender alternative:

Squier Vintage Modified Strat SSS im Test

Die Stratocaster für kleines Geld gibt es von der Fender Tochter Squier bekanntlich schon seit langer Zeit in immer wieder abgewandelten Versionen. Schauen wir uns heute einmal die Vintage Modified Strat aus aktueller Produktion etwas genauer an.

Modified Strat SSS_03

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Die vorliegende Strat-Ausführung stammt aus indischer Fertigung. Neben Olympic White ist das Modell auch noch in Metallic Red, 3-Color Sunburst und Cherry Sunburst zu haben.

Konstruktion

Das Kapitel Konstruktion können wir kurz halten. Der Korpus besteht aus Indian Red Cedar (Cedro) mit den bekannten komfortablen Konturen. Parallel wird der einteilige Schraubhals aus Ahorn, glanzlackiert mit Polyurethan, herausgeführt. Das Griffbrett aus Palisander beherbergt 21 recht hohe Jumbobünde, welche zwar nicht definitiv, aber sehr ordentlich verarbeitet sind. Dot Inlays kennzeichnen die Lagen. Auf der Kopfplatte sitzen die gekapselten Mechaniken (Standard Die-Cast Tuners), hier findet sich auch der Zugang zum Halsstab. Als Tonabnehmer finden drei „Duncan Designed“-SC-101-Singlecoil-Pickups mit Alnico-5-Magneten Verwendung, montiert auf dreifach geschichtetem Tortoise-Pickguard. Kontrolliert werden diese mittels Fünfwegschalters zur Tonabnehmerwahl, eines Volume- und zweier Tone-Regler (Hals- und Mittel-Pickup). Zu nennen wäre noch das Vintage-Style- „Tremolo“-System mit Gussblock, justierbaren Bugblechreitern und geschraubtem Arm. Die Mensur beträgt 648 mm, die Hardware ist verchromt.

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(Bild: Dieter Stork)

Praxis

Eine Stratocaster sollte sich vor allem gut anfühlen. Das war die von Leo Fender ausgegebene Losung in Sachen Spielkomfort und mit den entsprechenden Korpuskonturen ist das Modell bis heute in der Spielergunst ganz vorn geblieben. Neben der Korpusform spielt aber der Hals die entscheidende Rolle in Sachen Handhabung für das bahnbrechende Modell. Bei der Vintage Modified Strat kam das klassische C-Shape zur Anwendung, ein nicht zu schlankes, gut verrundetes Halsprofil, das sich mit niedrig gehaltener Saitenlage bei moderatem 9,5″ Griffbrettradius bestens handhaben lässt. Soweit, so gut. Bei den ersten Akkorden stellt sich aber zunächst ein Gefühl von harmonischer Unausgeglichenheit ein. Ein Blick auf den Steg bringt die Erklärung. Die Böckchen sind fast unnivelliert in Reihe angeordnet, wurden also nicht auf die einzelnen Saiten abgestimmt. Das erzeugt eine Oktavunreinheit bei einigen Saiten, die es zu beheben gilt. Da sollte der Hersteller mit Rücksicht auf den jungen Spieler tatsächlich mehr Sorgfalt walten lassen.

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(Bild: Dieter Stork)

Die akustischen Sounds sind nach der Justage dann geschlossen und stimmlich ausgewogen. Das Cedro als Korpusmaterial, ein Tonholz, das beim Konzertgitarrenbau traditionell für den Hals verwendet wird, sorgt für eine etwas weichere Tonfarbe im Vergleich zur gewohnten Erle oder Esche. Am Amp erweisen sich die Duncan-Designed-Pickups als sehr direkte, aber klanglich gut abgerundete und für das vorliegende Preisniveau beachtlich leistungsstarke Tonwandler. Die Singlecoils am Hals und in der Mitte bringen schönes Vintage-Flair ein. Das macht sich bestens im Clean-Bereich, kommt aber auch gut in Zerreinstellungen zur Wirkung. Der etwas stärker gewickelte Steg-Pickup hat viel aggressive Schärfe in petto, verfügt aber im Overdrive auch über eine angenehme Rundung im Bassbereich, die wohl nicht zuletzt dem Cedro-Body zuzuschreiben ist.

Die Entwicklung der Nebengeräusche hält sich bei Einzelschaltungen der Pickups in Grenzen, die Zwischenpositionen mit ihren frequenztechnisch etwas ausgekämmten, aber durchaus attraktiven Kehl-Sounds verhalten sich annähernd still. Die Funktion des Vintage-Vibratos geht letztlich bei maßvollem Gebrauch in Ordnung, auch wenn der etwas stark abgewinkelte Vibrato-Arm ein ziemlicher Wackelkandidat ist. Entweder hat er Spiel in der Funktionsebene, oder, wenn man ihn eine weitere Runde dreht, steht er recht fest. Nun, bestmögliche Hardware ist in dieser Preisklasse eben auch nicht zu erwarten.

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P l u s

  • traditionelles Design
  • Cedro-Korpus
  • klassische Sounds + verschärfter Steg-Pickup
  • Hals/Spieleigenschaften
  • ordentliche Verarbeitung

M i n u s

  • Oktavreinheit der einzelnen Saiten ab Werk nicht gut eingestellt

 

Resümee

Schau an, die Inder können es auch. Gitarren bauen nämlich. Die Vintage Modified Strat von Squier überzeugt in ihrem Preissegment mit überraschend guten Klang- und Spieleigenschaften. Ungewöhnlich bei dieser Modellversion ist der Gebrauch von Cedro für den Korpus, was dem Basisklang eine leicht andere Tendenz gibt, da dieses Tonholz dem Mahagoni näher steht als die traditionell verbauten Korpushölzer Erle und Esche. Das ist allerdings absolut kein Schaden und äußert sich in der Entschärfung der Sounds an den richtigen Stellen und insgesamt ausgeglichenen Klangmanieren. So präsentieren sich die Höhen mit guter Rundung und der Bassbereich zeigt kompakten Tiefgang. Die „Duncan Designed“-Singlecoil-Pickups können sich absolut hören lassen, verfügen über angenehmes Vintage Flair und einen Extradruck beim Tonabnehmer am Steg. Alles in allem ist die Squier Vintage Modified Strat also ein empfehlenswertes Instrument für den jungen Spieler, aber auch der erfahrene Gitarrist mit Fender-Faible sollte hier durchaus einmal ein Ohr riskieren.

 

Modified Strat SSS_PROOFIL

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