Höfner Violin Beatles Bass 500/1

Vintage Klassiker: Paul McCartney & sein Höfner Beatles Bass

Neben dem Fortbewegungs-Instrument VW-Käfer hat kaum ein anderer Geräuschverursacher made in Germany weltweit soviel Geschichte(n) geschrieben wie der Höfner Violin Bass 500/1, auch als Beatles-Bass bekannt, seit Paul McCartney ihn zu seinem Hauptinstrument machte.

Höfner Beatles Bass

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Bereits das erste Modell 1956 hatte die typischen Charakteristika: hohler Violin-Korpus ohne Resonanzöffnungen, zwei Tonabnehmer, Schlagbrett, beweglicher, höhenverstellbarer Holzsteg mit kleinen, aufgesteckten Bunddrahtstücken, die zwecks Oktavreinheit versetzt werden konnten und einem kurzen Trapez-Saitenhalter. Die vier Regler für Lautstärke und Ton jedes Pickups saßen anfangs noch auf einer ovalen Kunststoffplatte, in die geschwungene Kopfplatte war ein kreuzförmiges Perlmutt-Emblem eingelegt, das in ähnlicher Form auch auf sehr alten Framus- und Hopf-Instrumenten zu finden ist.

Dieses geniale Design von Walter Höfner wich beim folgenden Modell 1959 einem Hofner-Logo, die beiden Tonabnehmer (Mod. 510) waren näher zusammengerückt, Richtung Hals-Position. Die Regelelektrik saß ab diesem Zeitpunkt auf einer kleineren, rechteckigen Kunststoffplatte in Perlmutt-Optik. Sie hatte folgende Funktionen: Volume 1 regelte den Halstonabnehmer, Volume 2 den Steg-Pickup; dazwischen befanden sich drei kleine Schieberegler mit ebenfalls einfachen Funktionen: Rhythm/ Solo senkte die Lautstärke ab, „Bass On“ beschnitt die Höhen und „Treble On“ die Bässe. Ein einfaches, kleines, passives System – aber wirkungsvoll.

 

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Diese ersten Höfner-Bässe hatten eine weitere Besonderheit. Anstelle des hinteren Gurtpins konnte ein sogenannter Stachel per Schraubzwinge montiert werden mit dessen Hilfe man das Instrument auch Upright, also wie einen Kontrabass spielen konnte, lustig ausgesehen hat das bestimmt …

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Inspiration Walter Höfners zu diesem eigenwilligen Instrument ganz sicher nicht nur aus dem klassischen Instrumentenbau kam. Gibson hatte bereits 1953, als Reaktion auf den Fender Precision, das Model EB herausgebracht. Und dieser „Electric Bass“ mit einteiligem Steg/Saitenhalter, einem aufgemalten F-Loch, Alnico-Magnet-Pickup und zwei Reglern ist als wenig erfolgreicher Vorläufer des Höfner-Violin-Basses zu sehen. Auch dieser frühe Gibson EB (aus dem später der von Jack Bruce gespielte „SG-Bass“ EB-3 wurde), bot die Möglichkeit des Upright-Einsatzes.

Zurück zur Geschichte des Beatles-Bass: Beim Höfner-Modell 1960 kam eine weitere Veränderung ins Spiel, die berühmten Toaster-Pickups (Modell 511), die ebenfalls beide in der Hals-Position saßen.

Das Nachfolger-Modell 1961 hatte dann zwar die gleichen Tonabnehmer, allerdings saßen sie nun in einem nach oben geschlossenen Metallgehäuse mit einem eingravierten Höfner-Logo in einer Raute; „Diamond“-Pickups wurden sie genannt. Dieses Modell wird bis heute von Höfner hergestellt, und zwar unter dem Namen „Cavern Bass“; denn das Instrument wurde bereits Anfang der 60er von Paul McCartney gespielt, bevor er und die Beatles berühmt wurden, noch ganz weit unten im Cavern Club in Liverpool.

Der berühmteste Höfner-Bass war und ist dann sicherlich das folgende Modell 500/1 1963. Signifikante Änderungen waren das auf die Kopfplatte aufgeklebte 3D-Logo des Höfner-Schriftzugs und die neuen 511b-Tonabnehmer, bei denen die Polepieces zu sehen waren. Dieses eher schlichte Modell in braunem Sunburst-Finish, mit großem weißen Perloid-Schlagbrett und den kleinen, ebenfalls weißen Gurt-Pins aus Plastik, bekam recht schnell den Namen „Beatle Bass“, der allerdings auch oft für andere Höfners dieses Typs verwendet wird. „Paul McCartney plays a Hofner Original. Why don’t you?“ fragten der Hersteller und sein britischer Importeur Selmer, London die Beat-Bassisten der Welt. Und immer mehr von ihnen fühlten sich anscheinend angesprochen, denn die Umsätze von Höfner gingen in die Höhe. Letztendlich hat gerade dieses Instrument den Hersteller legendär gemacht, und Jahrzehnte, bis heute, am Leben erhalten.

Schaltung

Die Firma Höfner bestand als Geigenbau-Unternehmen im Egerland (später CSSR) bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts und siedelte nach dem 2. Weltkrieg erst in die Nähe von Erlangen und dann nach Bubenreuth um. Anfang der 50er Jahre entstanden erste Schlaggitarren, teilweise einfache Modelle aus gepresstem Sperrholz, aber auch hochwertige massive Instrumente mit geschnitzten Decken und Böden. In den 60er Jahren waren dann vorwiegend semiakustische Instrumente mit Tonabnehmern gefragt, die auch in England sehr erfolgreich wurden. Wie auch der Violin-Bass. Zu den vielen Bassisten, die außer dem bekannten Ex-Beatle dieses Instrument im Einsatz hatten, gehören u. a. auch Lee Sklar, Bryan Adams, Hugh McDonald, Tony Garnier, Rob Wasserman oder Alan Anton von den Cowboy Junkies.

Das dem 500/1 1963 nachfolgende Modell 1967 wich dann etwas vom klassischen Design ab: Das Schlagbrett war aus einfachem Kunststoff, ebenso die Flügel der Stimm-Mechaniken, und auch die Reglereinheit sah nicht mehr so edel aus. Warum man die schönen großen Kunststoffknöpfe mit der runden Messingeinlage aufgegeben hatte, wird wohl ein Rätsel bleiben. Und auch die neuen 513b-Tonabnehmer mit dem eingelegten schwarzen Plastikstreifen wirkten eher langweilig. War die große Zeit vorbei? Und genau dieses Modell war dann auch noch mit breiten, fetten Celluloid-Einlagen im Griffbrett lieferbar – nicht wirklich schön.

Höfner-Beatle-Bass-Kopfplatte

Mit der Edel-Serie 5000/1 wollte man dann anscheinend auf die Zeichen der Zeit reagieren: Weg vom klassischen Geigen-Design wurde der Bass nun in heller Ahorn/Fichte-Natur-Optik ausgeliefert, eingefasst von aufwändigem, dunklem Binding. Ein Tonabnehmerwahlschalter ergänzte die alte Regeleinheit, und selbst die war gewaltig aufgestockt worden: Der Höfner-Bass hatte eine aktive Elektronik, das sogenannte „Sound Mix“-Aggregat.

Die vergoldete Hardware und die floralen Kopfplatteneinlegearbeiten gingen rein ästhetisch dagegen wieder einen Schritt in die frühen 60er Jahre zurück. Ebenso wirkten die doppelten Punkteinlagen auf dem schönen Ebenholzgriffbrett irgendwie unpassend. In diesem Zusammenhang muss man sagen, dass alle großen Hersteller – Fender, Gibson, Marshall, Fender etc. – auf die ein oder andere Art auch schon mal genauso daneben gegriffen hatten, als sie versuchten sich von einst erfolgreichen, klassischen Designs zu lösen. Wesentlich homogener wirkte dann der Höfner 5000/1 als Modell 1993: Etwas schlichtere Kopfplattengestaltung, der Korpus zwar wieder in heller Natur-Optik, aber dafür waren die alte Regelplatte und die schlichteren 511b-Tonabnehmer zurückgekehrt. Ein schönes Instrument und eine gelungene Klassi- ker-Variation.

Heute sind bei Höfner noch fünf Violin-Bässe im Angebot: Ignition, CT, Vintage ’61 ‘Cavern, Mersey und 500/1. Kopien dieses erfolgreichen Vorbilds gibt es natürlich ebenfalls. Auf den Seiten der Online-Auktion eBay sind immer wieder mehr oder weniger schöne Nachempfindungen der Hersteller Career, Jim Harley, Johnson u. a. im Angebot. Epiphones Viola Bass wirkt zwar Höfner-inspiriert, steht aber dem älteren Gibsons EB-0 wesentlich näher.

 

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