Gelungene Interpretation eines Klassikers

Twang aus Slowenien: Jet Guitars JT-350 BK R im Test

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„Bierbauch“- Fräsung und Cutaway-Kontur gestalten das Spielen etwas inniger als beim Original (Bild: Dieter Stork)

Heute geht es um eine T-Style-Gitarre aus Slowenien, denn die Firma Jet Guitars kommt aus Ljubljana, der Hauptstadt dieses Landes. Ihre Gitarren werden in China gebaut, was natürlich den günstigen Endpreis erklärt …

Mit ihrer Humbucker/Singlecoil-Bestückung erinnert die JT-350 an Fenders 70er-Jahre-Telecaster-Custom; das um die Body-Kante gezogene Bindung bringt dazu noch die Assoziation an die Tele Custom aus den 60er-Jahren mit ins Spiel. Dazu passt auch das ansprechend gemusterte, dreischichtige Tortoise-Pickguard, während die S-Style-typische Kopfplatte anfangs für etwas Fremdeln im T-Land sorgt. Der Humbucker am Hals ist dank einer Push/Pull-Funktion des Tone-Potis splitbar, und der Kollege am Steg sitzt wie üblich schräg eingebaut in der Wilkinson-T-Style-Brücke mit Stahlplatte und sechs Saitenreitern aus Gussmaterial.

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Push/Pull-Tone-Poti für Coilsplit (Bild: Dieter Stork)

Dreiweg-Schalter, Master-Volume und Master-Tone inkl. Controlplate ergeben ein bekanntes Bild und erlauben den einfachen Blick unter die Haube. Schalter und Potis stammen vom chinesischen Low-Budget-Hersteller Cherkfan, funktionierten während in der Testphase einwandfrei und finden sich auch in teureren Gitarren chinesischer Produktion gerne wieder.

KLANGVOLL

Das geröstete Ahorn-Hals mit seinem Halsprofil, das nicht zu dick und nicht zu dünn ist, fällt gut in die Hand. Seine Bundierung mit recht flachen, nicht ganz so schmalen Bünden passt hervorragend zu diesem Profil, sodass sich die schwarze T-Version sehr gut spielen lässt und gleich bei der ersten Kontaktaufnahme mit großer Dynamik, einem transparenten Klang-Charakter und einem sich harmonisch aufbauenden, langen Sustain aufhorchen lässt. Ein solches Klangverhalten in dieser Preisgruppe überrascht!

Übrigens verwenden die Slowenen als Griffbrett-Material tatsächlich noch das klassische Rosewood, wohingegen bei vielen Gitarren der unteren Preisgruppe bereits Rosewood-Ersatzmaterial wie Lorbeer, Pau Ferro und anderes zum Einsatz kommen. Am Verstärker zeigen dann die Pickups, was sie können – und was nicht. Sehr charaktervoll, satt und rund und mit einem schönen Anschlags-Snap erscheint der Humbucker – perfekt für fette Rhythmus-Sounds und akzentuierte, geschmeidige Lead-Lines! Viel spitzer und schnittiger lugt hingegen der Steg-Pickup um die Ecke. Um die Klasse des Hals-Humbuckers zu erreichen, fehlt ihm allerdings der Bauch. Zwar spricht er die raue Sprache des Twang, aber ohne wirkliche Überzeugung.

Die Unterschiede im Klang und Charakter beider Pickups nähern sich zwangsläufig einander an, je mehr Verzerrung ins Spiel kommt. Und so wird z. B. in Verbindung mit einem Fuzz nun auch am Steg ein knackig-drückender, ziemlich gut röchelnder Sound erreicht. Dennoch – ein besser zum Hals- passender Steg-Pickup hätte der JT-350 gut getan. Die Split-Möglichkeit des Humbuckers bringt nicht wirklich attraktive Sounds hervor – sie sollte nicht mehr als eine gut gemeinte Dreingabe verstanden werden. Die wenigsten Humbucker klingen bekanntlich im Split-Modus richtig gut, und das bewahrheitet sich auch hier.

RESÜMEE

Diese Telecaster-Version von Jet Guitars ist eine rundum gelungene Interpretation des Fender-Klassikers. Die Qualität der Materialien, die gute Verarbeitung und das super Handling der JT-350 BK R münden in ein bequemes, hochwertiges Spielgefühl, das von richtig guten Sounds gekrönt wird! Einzig verbesserungswürdig erscheint mir die Besetzung der Steg-Pickup-Position, der in cleanen Sounds sehr hart und spitz erscheint.

Dies ist nun die zweite Gitarre aus dem Jet-Guitars-Programm, das wir zu einem Test hier hatten, und genau wie die erste hat auch dieses zweite Modell mehr als positiv überrascht.

PLUS

  • Preis/Leistung
  • Humbucker-Sounds
  • Spielbarkeit und Spielgefühl

MINUS

  • klangliche Abstimmung der Pickups
  • Split-Sounds


(erschienen in Gitarre & Bass 08/2022)

Produkt: Fender Stratocaster
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Eine mögliche Alternative zu Squier und Co. ?

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  2. Dass Hersteller immer meinen, genau d i e s e Gitarre würde sich gut verkaufen, denn darum geht es ja. Der Markt ist doch gesättigt bis zum Überlaufen mit Gitarren in unterschiedlichen Hölzern, unterschiedlicher PU-Bestückung/ Kombination, unterschiedlichen Materialien der Mechaniken, Brücken etc. Hinzu kommen ja noch die Modifikationen, die von den Gitarristen selber durchgeführt werden. Somit ist diese Gitarre nicht mehr als eine Basis für diverse Umbauten. Bei den Gussreitern würde ich anfangen, dann den Humbucker gegen einen großen Singlecoil tauschen, dann…..

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  3. Eine Telecaster Style Gitarre mit Humbucker und Singlecoil und ein Push-Pull Poti zum splitten des HB, dass ist ja etwas ganz neues und revolutionäres.
    Ist und bleibt ein China- Kracher, bekannte Modellvorlage zum millionsten Mal
    kopiert und eine bekannte millionenfach bewährte Soundpallette. Auf YT überschlagen sich dann sicherlich die Git- Influencer das diese Gitarre nun der absolute Geheimtip ist.

    Auf diesen Kommentar antworten

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