(Bild: Seymour Duncan)
Die Powerstage-Serie richtete sich bisher an diejenigen, die eine kompakte Endstufe hinter einem Modeler suchten und nur eine sehr grundlegende Klangregelung benötigten. Beim 700er-Bass-Modell hat der Hersteller jedoch einen vollwertigen Preamp samt Overdrive-Schaltung spendiert. Was kann das Kraftpaket?
Heutzutage sind Bassverstärker häufig mit verschiedenen technischen Zusatzfunktionen ausgestattet. Oft findet man Bluetooth, IR-Loader und MIDI, manchmal auch Stimmgeräte und Modeling-Engines. Seymour Duncan konzentriert sich beim Powerstage 700 Bass hingegen auf das Wesentliche und liefert einen Amp in eher klassischer Bauweise.
ÜBERSICHT
Auf die Vorzüge moderner Technik wird dennoch nicht gänzlich verzichtet: Das Gewicht von gerade einmal 2,6 kg lässt sich nur mit Class-D-Technologie und einem Leichtbau-Gehäuse erreichen. Letzteres besteht aus schwarzem, gekantetem Blech und einer funktional beschrifteten, eloxierten Frontplatte, wodurch das Gerät einen zeitlosen Charme versprüht.
(Bild: Seymour Duncan)
Alle Bedienelemente sind eindeutig und gut lesbar beschriftet, sodass sich auch auf hektischen Bühnen die aktuelle Einstellung leicht prüfen lässt. Abgesehen von dem eingefrästen Herstellerlogo wurde auf Verzierungen verzichtet. Das gilt auch für die Beleuchtung am Frontpanel. Insgesamt fünf LEDs zieren das anthrazitfarbene Gehäuse und dienen der Informationsbereitstellung. Neben einer Anzeige für den An-/Aus-Zustand und das Stummschalten des Lautsprecheranschlusses gibt es noch eine Clipping-LED, eine Status-LED für den Einschaltzustand der Verzerrerschaltung und eine LED zur Anzeige von Fehlern in der Endstufe. Letztere leuchtet beispielsweise auf, wenn ein Kurzschluss am Lautsprecher vorliegt oder die Endstufe überhitzt.
Auf der Vorderseite gibt es lediglich zwei Anschlüsse. Über dem Instrumenteneingang befindet sich eine Miniklinkenbuchse zum Einspeisen von Backingtracks, Metronom etc. Etwas unüblich ist jedoch, dass dieses AUX-Signal ebenfalls den EQ durchläuft und am Lautsprecherausgang anliegt. Letzteres finde ich gar nicht schlecht, insbesondere beim Üben mit Metronom halte ich das für sinnvoll. Dass sich das Bass- und das AUX-Signal allerdings den EQ teilen müssen, halte ich für unglücklich. Ich stelle den EQ lieber am Zuspielgerät ein, wenn ich ihn denn brauche. Beim Einsatz mit einem Metronom dürften sich die negativen Auswirkungen jedoch sehr in Grenzen halten.
(Bild: Seymour Duncan)
Rückseitig befinden sich deutlich mehr Anschlussmöglichkeiten. Für den Anschluss von Lautsprechern mit einer Last von mindestens 4 Ω stehen zwei parallel verdrahtete Speakon/Klinke-Kombibuchsen zur Verfügung. Daneben befindet sich der DI-Ausgang in Form einer XLR-Buchse.
Hinter den vier Klinkenbuchsen verbergen sich der Einschleifweg für Effekte, der das Lautsprechersignal spiegelnde Kopfhörerausgang und der Anschluss für einen Fußschalter, mit dem sich der Verzerrer auch aus der Distanz schalten lässt.
Bis auf eine Kleinigkeit gibt es an der Verarbeitung nichts auszusetzen: Bei meinem Testexemplar waren die Potikappen zu dicht am Gehäuse montiert, wodurch sie etwas über die Oberfläche kratzen. Das lässt sich zwar in einer Minute mit einem Inbusschlüssel beheben, dennoch trübt es den sonst sehr guten Eindruck.
BEWÄHRTE TECHNIK
Wie bei anderen Powerstage-Produkten bildet auch hier ein ICEPower-Modul das Herzstück der Leistungselektronik. Dieses liefert saubere 700 W an 4 Ω und arbeitet im Brückenmodus. Das ist insbesondere beim Anschluss von Klinkenkabeln an den Kombibuchsen zu beachten, da am „Minus”-Pol des Kabels ebenfalls eine Signalspannung anliegt. Bei Klinkensteckern muss also für einen Berührungsschutz der Steckergehäuse gesorgt werden, um versehentliche Kurzschlüsse zu vermeiden.
Die ICE-Power-Module haben sich über die Jahre als zuverlässige und potente Kraftpakete bewährt. So liefert auch der Powerstage saubere, direkte Leistung bei erfreulich geringem Grundrauschen. Für eine durchdachte Implementierung des Moduls in den Verstärker spricht neben der bereits erwähnten Fehler-LED auch der temperaturgesteuerte Lüfter. Dieser springt nämlich nur an, wenn er tatsächlich gebraucht wird.
Praxis, Sound und Resümee auf Seite 2 …
PRAXIS & SOUND
Ein Bass-EQ ist meist entweder zu grob oder zu überladen. Seymour Duncan wählt hier den pragmatischen Sweet Spot. Es gibt Bass und Treble, ergänzt durch zwei semiparametrische Mittenbänder. Alle vier Bänder sind als Glockenfilter ausgeführt, wodurch die Bässe und Höhen präziser arbeiten als bei vielen anderen Verstärkern. Bei den sonst oft eingesetzten Kuhschwanzfiltern werden auch die unbrauchbaren Subbässe und die klirrenden sowie rauschenden Höhen angehoben. In der Praxis macht genau das den Unterschied: ein Bassboost ohne Wummern und ein Höhenboost ohne metallisches Klirren. Wer eine breitbandige Anhebung der Höhen bevorzugt, kann den Presence-Schalter betätigen, wodurch eine deutliche Anhebung der Hochmitten und eine noch stärkere der Höhen erfolgt. Hier kann es je nach Lautsprecher und bei frischen Saiten auch wirklich schnell zu spitz obenrum werden. Für ältere Saiten oder Boxen ohne Hochtöner bietet diese Klangoption jedoch einen echten Mehrwert. Mit den beiden parametrischen Mitten lässt sich der Amp sehr präzise an die Bedürfnisse im Mixkontext anpassen. Egal, ob man Tiefmittenschub oder Durchsetzungskraft sucht: Mit zwei Mittenbändern kann der Basssound sehr vielseitig geformt werden.
Mit neutralem EQ präsentiert sich der Preamp ausgesprochen unauffällig. Der Grundsound ist absolut neutral: keinerlei Färbung, kein künstlicher Low-Mid-Push, kein „Vintage-Schleier”, keine Dynamikeinbußen. Man merkt, dass Seymour Duncan hier keinen bestimmten Signature-Sound durchdrücken will, sondern ein flexibles Werkzeug liefern möchte, mit dem jeder seinen eigenen Sound erzeugen kann, sei es aus einem Preamp-Pedal, einem Modeller oder „oldschool” einfach aus den Fingern (verrückte Idee!). Die Kehrseite dieser hohen Dynamik ist: Wer den Preamp zu heiß anfährt, erhält keine warme, charmante Sättigung, sondern eine direkte, eher harte Übersteuerung. Das ist jedoch keine Fehlfunktion, sondern eine Designentscheidung: Clean ist hier wirklich clean, und die rote Clipping-LED hilft effektiv beim Einpegeln.
Die eingebaute Verzerrer-Sektion setzt da an, wo der Preamp bewusst nicht färbt. Grundsätzlich ist die Ausrichtung eher kühl, aber nicht übermäßig drahtig; es ist vielmehr eine feinkörnige Textur, die sich über den Sound legt. Mittels des Drive-Reglers lässt sich der Grad der Verzerrung gut dosieren, wobei eine große Bandbreite abgedeckt wird. Bei minimaler Einstellung stellt sich eine Verzerrung ein, die zwar deutlich wahrnehmbar ist, im Kontext aber lediglich für mehr Fülle sorgt. Wenn der Regler voll aufgedreht ist, kommt mir ein wütender Schwarm Wespen aus dem Lautsprecher entgegen. Dabei ist zu betonen, dass die Verzerrung nicht spitz oder klirrend klingt. Es handelt sich nicht um einen fuzzigen Chaos-Sound, sondern um einen breiten Teppich an Obertönen, der je nach Intensität für Fülle oder Durchsetzungsvermögen im Mix sorgt. Eine gute frequenztechnische Abstimmung im Bassbereich sorgt dafür, dass beim Hin- und Herschalten zwischen clean und verzerrt keine gravierenden Sprünge im Bassdruck auftreten, aufeinander abgestimmte Pegel der Modi vorausgesetzt.
Beim ersten Testen im Heimstudio war ich zunächst verwundert, dass der EQ-Bypass scheinbar keine Auswirkung hat. Mir wurde jedoch schnell klar, dass dieser lediglich für das Kopfhörer- und Lautsprechersignal greift. Für den XLR-Out gibt es einen klassischen Pre/Post-Schalter, mit dem sich der EQ auf dem DI-Weg umgehen lässt. Die Kombination aus Pre/Post-Schalter und EQ-Bypass ermöglicht eine vielseitige Abstimmung mit praktischem Nutzen. Ebenfalls praktisch sind die erhältlichen Rackwinkel, mit deren Hilfe sich der Amp bei Bedarf auch im Touring-Rack unterbringen lässt.
RESÜMEE
Keine Spielereien, kein Selbstzweck. Der Powerstage 700 Bass ist ein ehrlicher und vielseitiger Verstärker, der den Fokus auf Sound und Funktion legt. Er ergänzt vorhandene Sounds, anstatt sie zu verbiegen, und bietet dennoch genügend Spielraum, um ohne Zusatzgeräte ein vollwertiges Setup zu betreiben. Kurz gesagt: Ein Amp, der sich auf Understatement versteht, aber echte Substanz liefert. Wer einen Verstärker sucht, der unterstützt statt diktiert, findet im Powerstage 700 Bass einen ausgesprochen vielversprechenden Partner.
Plus
- Gesamtpaket
- Lüfter läuft nur bei echtem Bedarf
- vielseitiger und effektiver EQ
Minus
- AUX-Signal läuft durch EQ

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)